mini|Elektromotorrad Zero S mit Lithium-Ionen-Batterie mini|Libbey’s Elektrofahrrad (1897) mini|Socovel Scooter (1942)

Ein Elektromotorrad (Kurzform E-Motorrad) ist ein von einem Elektromotor angetriebenes Motorrad; eine Form des E-Motorrads ist der Elektromotorroller.

Geschichte Anfänge Erste Patente für Elektrofahrräder stammen aus den USA, darunter Bolton (1895) und Libbey (1897). Erste Elektromotorräder in Europa, entwickelt für den Bahnradsport als Schrittmachermaschinen, sind in Paris für das Jahr 1897 nachweisbar; 1898 gab es in Deutschland Elektrotandems, selbst Dreisitzer. Mit dem Auftreten stärkerer Benzinmotoren um 1899 verschwanden die schweren und leistungsschwachen Elektromotorräder vom Bahnsport.Toni Theilmeier: Die wilde, verwegene Jagd. Der Aufstieg des professionellen Stehersports in Deutschland. Die frühen Jahre bis 1910. Kutschera, Leipzig 2009, ISBN 978-3-931965-23-5, S. 162 Elektrodreiräder für den Alltagsgebrauch von Dunton sowie Child sind für das Jahr 1898 nachweisbar.

1928 wurde in Lyon die Electrocyclette mit Rohrrahmen und Kettenantrieb vorgestellt, der eine Reichweite von 30 km nachgesagt wurde. Von 1941 bis 1944 wurde in Belgien vom Hersteller Socovel der Socovel Scooter mit Elektroantrieb hergestellt. Die Reichweite des bis zu 30 km/h schnellen Elektrorollers, der von drei 6-Volt-Batterien (mit 45 Ah) versorgt wurde, soll bis zu 50 km betragen haben; etwa 500 Exemplare des 75 kg wiegenden Elektromotorrads sollen verkauft worden sein. Einzelstücke und Prototypen von Motorrädern mit Elektroantrieb entstanden u. a. 1942 von Roger Paupe sowie 1967 von Karl Kordesch (mit Brennstoffzelle).americanhistory.si.edu Alkali Fuel Cell History (abgerufen am 3. September 2014)

1972 verwendete der französische Hersteller Motobécane die Bauweise des Socovel Scooters im elektrisch betriebenen Modell Mobylette, das jedoch über den Status eines Prototyps nicht hinauskam;François-Marie Dumas: Unusual Motorcycles. Haynes 2012, ISBN 978-0-85733-261-5, S. 100–102. im Gegensatz zu der ab 1973 in Serie hergestellten Solo Electra, die vor dem Hintergrund der ersten Ölkrise auf den Markt gebracht wurde.

Neuere Entwicklungen Erst in neuerer Zeit sind Elektromotorräder in Europa wieder auf dem Markt erhältlich. Erste Anbieter von Straßenmotorrädern waren 2009 Zero Motorcycles sowie eRockit; von Geländemotorrädern Quantya bereits 2008. Während Fahrräder mit Elektroantrieb und Elektromotorroller z. B. in China bereits millionenfach gebaut werden, liegt das Haupthindernis für die Konstruktion von leistungsstarken Zweirädern mit Elektromotor im Problem der Reichweite der Lithium-Ionen-Batterien. Verantwortlich dafür ist die derzeitige Batterietechnologie, bei der „das Verhältnis zwischen Energiegehalt und Gewicht/Volumen immer noch sehr ungünstig im Vergleich zum Benzin“ ist.Jürgen Stoffregen: Motorradtechnik: Grundlagen und Konzepte von Motor, Antrieb und Fahrwerk. Vieweg Verlag, Braunschweig, 7. Auflage 2010, ISBN 978-3-8348-0698-7, S. 451 „Der Knackpunkt im Alltag sind […] die Ladezeiten von bis zu acht Stunden und die begrenzte Reichweite zwischen 40 und 150 Kilometer.“MOTORRAD Katalog 2011, S. 183

Im Geländemotorradsport können Motorräder mit Elektroantrieb trotz begrenzter Reichweite Modelle mit Verbrennungsmotoren ablösen, wo Grenzen durch Schall- und Abgasemissionen gesetzt sind. Behördliche Genehmigungen für Übungs- oder Sportgelände, die nicht typischerweise in Sandgruben oder Steinbrüchen liegen, kann der emissions- und fast geräuschlose Elektromotor eher erhalten.spiegel.de Geräuschlos durchs Gehölz (abgerufen am 2. September 2014)

Zulassungsfähige Motorräder Europäischer Markt mini|BMW C evolution BMW C Evolution Der 2012 zunächst als Kleinserie gebaute Elektromotorroller BMW C evolution von BMW wird seit 2014 in Serie produziert.

BMW CE 04 Im Juli 2021 stellte BMW die finale Serienversion des CE 04, als Nachfolger der C Evolution, offiziell vor. Seit März 2022 ist sie im Handel erhältlich. Das Modell hat ein Gesamtgewicht von 231 kg und der Akku eine Kapazität von 8,9 kWh. Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei 120 km/h abgeregelt.

Brammo Enertia/Plus Das für den Straßenverkehr zugelassene Motorrad Brammo Enertia von Brammo Inc. aus Ashland im US-Bundesstaat Oregon ist ein 13-kW-Elektromotorrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 95 km/h. Verwendet wird ein gekapselter, bürstenloser Permanentmagnet-Wechselstrommotor. Der Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumulator von Valence Technology aus dem texanischen Austin speichert bei 76,8 Volt Spannung eine Energie von 3,1 kWh und gewährleistet damit eine Reichweite von etwa 68 km. Der Akku kann 2000 Mal wiederaufgeladen werden. Das Motorrad hat ein Leergewicht von 147 kg. Ab 2012 wurde das weitgehend baugleiche Modell Enertia Plus angeboten, das bei doppelter Akku-Kapazität Reichweiten von bis zu 130 Kilometern erzielen kann.MOTORRAD Katalog 2013, S. 183

Victory Empulse Das Motorrad Victory Empulse (bis Juli 2015 „Brammo Empulse“http://www.gizmag.com/victory-motorcycle-electric-2016-empulse-tt/38673/ (englischsprachig)) des US-Herstellers Polaris Industries gilt als Ableger des TTR Race Bikes. Eine Leistung von soll eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ermöglichen; die Reichweite der Lithium-Ionen-Batterie soll bei 160 km liegen. Das Leergewicht wird mit 190 kg angegeben, die Ladezeit liegt bei acht Stunden.MOTORRAD Katalog 2014, S. 183

Energica EVA Die Energica Eva ist das zweite Modell des Elektromotorrad-Herstellers Energica Motor (Motor Company AG). Energica Eva ist ein sogenannter Streetfighter mit ölgekühltem Permanentmagnet-Synchronmotor (PMAC), einer Leistung von . Im ECO-Modus beträgt die Reichweite der Eva bis zu 400 km, während die Höchstgeschwindigkeit im Sportmodus etwa 200 km/h beträgt. Beschleunigung und Rekuperation beim Bremsen regelt der Fahrer mit einem Drehgriff. Das Motorrad kann unterwegs an Ladestationen oder an einer Steckdose aufgeladen werden. Energica Eva ist das erste Motorrad mit integrierter Schnellladetechnologie auf Basis des CCS-Standards mit max. 25 kW. Die Maschine wiegt etwa 280 kg.Motorradonline: Elektromotorrad Energica Eva im Test. Abgerufen am 26. Juni 2017.

Harley-Davidson Livewire Die Harley-Davidson LiveWire wurde im Jahr 2014 als Konzeptfahrzeug präsentiert und in einer Kleinserie von 50 Stück auf eine Weltreise geschickt. Der Motor besitzt eine Leistung von 55 kW (74 PS) bei 8500/min. Das fahrfertige Gewicht der Versuchsmodelle betrug 210 kg und die Reichweite bis zu 85 km. Im Juli 2018https://www.thunderbike.com/more-roads-to-harley-davidson/ kündigte Harley-Davidson das Serienmodell des Fahrzeugs für das Jahr 2019 an, ohne weitere Details zu den technischen Daten zu nennen. Ein weiteres Modell mit Anlehnung an die klassische Rennmaschine XR750 (seit 1970) wurde für 2022 angekündigt.

Energica EGO 2014 präsentierte der italienische Hersteller CRP Technology das erste elektrische Superbike. Der Synchronmotor der Energica EGO, der eine Leistung von bei 4.900 bis 10.500 min−1 erzielt, wird von einer 21,5-kWh-Batterie (Modell 2020) versorgt; die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit wird mit 240 km/h angegeben.Motorradfahrer 9/2014, S. 19spiegel.de Energica Ego (abgerufen am 2. September 2014)

eRockit Das Leichtkraftrad eROCKIT ist ein sogenannter Human Hybrid. Im Gegensatz zu einem Pedelec gibt es keine direkte mechanische Energieübertragung von den Pedalen zum Hinterrad. Einerseits ist das eROCKIT so einfach wie ein Fahrrad zu bedienen, andererseits entsprechen Beschleunigung und Geschwindigkeit denen eines Motorrads. Das Treten dient der Geschwindigkeitsregulierung, denn das Fahrzeug wird ausschließlich vom Elektromotor angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 km/h.https://efahrer.chip.de/e-bikes/rekordverdaechtig-mit-diesem-e-bike-duerfen-sie-sogar-auf-die-autobahn_103546 Bereits von 2013 bis 2014 wurde das eROCKIT in einer Kleinserie in Berlin hergestellt. Mittlerweile wird es in Hennigsdorf (Brandenburg) produziert.https://www.tikonline.de/lifestyle/469061/heisse-bikes-drinks-und-insekten-e-motorrad-erockit-feiert-weltpremiere.html

Johammer J1 mini|Vier Johammer J1 in Heiligenblut, Kärnten 2014 wurde das Elektromotorrad Johammer J1 des Herstellers Johammer e-mobility aus Bad Leonfelden/Österreich vorgestellt. Die Reichweite der Akkus, für die eine Nutzenergie von 8,3 oder 12,7 kWh angegeben ist, wird vom Hersteller mit 150 bzw. 200 km als Minimumwert angegeben – d. h. bei leistungsintensiver Fahrweise. Die ersten Johammer wurden 2014 verkauft.Motorradfahrer 9/2014, S. 42

KTM Freeride E KTM Power Sports AG aus Mattighofen in Österreich hatte 2012 die Kleinserie eines Elektro-Geländemotorrads angekündigt und 2014 zur Marktreife entwickelt. Die Modelle „KTM Freeride E-SX“ und „Freeride E-XC“ haben einen Elektromotor mit einer Nenn-Dauerleistung von , der die 106 kg leichten Geländemotorräder eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichen lässt. Die Sitzhöhe beträgt typenübliche 91 cm, die Ladezeit beträgt 50 bis 80 Minuten.MOTORRAD 22/2014, S. 65. Die Version Freeride E-XC ist straßenzulassungsfähig und darf mit der Fahrerlaubnis Klasse A1 gefahren werden. Die ebenfalls zulassungsfähige Supermoto-Version „KTM Freeride E-SM“ mit Straßenbereifung kam im Mai 2015 in Deutschland auf den Markt.Jochen Vorfelder: KTM Freeride E-SM In: spiegel.de, 16. Juni 2015.

Zero S Im April 2009 brachte Zero Motorcycles mit der „Supermoto Zero S“ ein erstes Modell mit Straßenzulassung auf den Markt. Das Modell verfügte über eine Leistung von . Die Akkukapazität der Zero S wurde gegenüber der reinen Geländeversion Zero X verdoppelt und bot eine Nutzenergie von 4 kWh (70 Ah bei 58 V Spannung). Die Höchstgeschwindigkeit betrug knapp unter 100 km/h. Die Reichweite betrug – je nach Fahrweise – bis zu 100 km.

Die stark vergrößerte Batteriekapazität trug mit zum höheren Gewicht von 103 kg bei. Als Akku kam ein weiterentwickelter Lithium-Ionen-Akku zum Einsatz. Die EU-Homologation war für Anfang Mai 2009 geplant.spiegel.de: ELEKTROMOTORRAD ZERO S

Die maximale Nutzenergie des Lithium-Ionen-Akkus mit „Z-Force-Technologie“ beträgt beim 2015er Modell 11 kWh. Die Ladezeit wird mit 8,6 Stunden angegeben. Die Reichweite beträgt zwischen 124 und 243 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit wird für das Zero-S-Modell mit 153 km/h angegeben und für das Zero-SR-Modell mit 164 km/h. Eine optionale Schnellladeeinrichtung kann die Ladezeit bis „95 % voll“ auf 1,9 Stunden reduzieren. Zero S (abgerufen am 21. Juli 2015)

Verge TS, TS Pro und TS Ultra Ab Sommer 2023 begann das finnische Startup Verge Motorcycles (zuvor RMK Motorcycles), die seit 2021 auf der Webseite bestellbaren Modelle Verge TS Pro auszuliefern. Die TS Pro hat eine Dauerleistung von 35 kW, Spitzenleistung wird mit 102 kW angegeben. Das Modell TS hat laut Spezifikation 80 kW, die TS Ultra 120 kW Spitzenleistung. Die Akkukapazität ist bei der TS Pro mit 20,2 kWh angegeben. Theoretische Reichweite liegt bei etwa 250 km. Das Fahrzeuggewicht ist 245 kg.

Besonders auffällig ist das Hinterrad, das den Motor beinhaltet und nicht auf einer Achse im Zentrum gelagert ist, sondern auf einem Ring außen und damit 'nabenlos' erscheint.

Die Verge TS, TS Pro und TS Ultra haben standardmäßig einen CCS2-Anschluss und können sowohl mittels eines gesondert zu erwerbenden 'Ladeziegels' an der heimischen Steckdose in etwa sechs Stunden, oder an der Schnellladesäule in etwa 40 Minuten geladen werden.

Japanischer und nordamerikanischer Markt

Der Genze 2.0 von Mahindra & Mahindra Limited bietet einen 1,6-kWh-Li-Ion-Akku und 48 km/h Spitzengeschwindigkeit.genze.com: Modelle des japanischen Herstellers Terra Motors sind als Gebrauchtfahrzeuge auf dem Markt. Suzukis e-Lets und e-Let’s W werden in Japan mit zwei Tauschakkus angeboten. (japanisch)

Nicht zulassungsfähige Motorräder (Motorsport)

Modelle

Eliseo Hummer Speedway