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Als Bermudadreieck, teilweise auch Teufelsdreieck genannt, wird ein hypothetisches und geographisch nur relativ grob umrissenes Seegebiet im westlichen Atlantik vor der Ostküste der Vereinigten Staaten bezeichnet. Folgt man gängigen Umschreibungen in der Populärkultur so liegt das betreffende Gebiet nordöstlich der Karibik, etwa im Dreieck zwischen der Südspitze Floridas, Puerto Rico und Bermuda.
Etwa ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde dem Gebiet von manchen Autoren nachgesagt, wobei sich häufig Phantastik, Science-Fiction und pseudowissenschaftliche Themenfelder vermischten, dass sich dort nicht nur eine unerklärliche Häufung von Flugzeugabstürzen und Schiffsunglücken ereignet habe und ereignen würde, sondern dass die verunglückten Schiffe und Flugzeuge zugleich oftmals spurlos „verschwunden“ seien. Es entspricht zwar der Tatsache, dass einige der Vorfälle, bei denen Schiffe, Flugzeuge oder ihre Besatzungen verschwunden sind, nicht zur Gänze aufgeklärt oder nur anhand von Indizien rekonstruiert werden konnten, indessen jedoch ist die Zahl der Unglücke, die sich im Bermudadreieck abgespielt haben (oder haben sollen), nicht auffällig oder ungewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen Seegebieten weltweit. Laut der US-Küstenwache ist das Gebiet nicht als spezifische Gefahrenzone bekannt oder ausgewiesen. Zudem gilt es anzumerken, dass beispielsweise die Wracks von Schiffen, die zunächst als verschwunden gemeldet wurden und deren Verlust als mysteriös bezeichnet wurde, zum Teil Jahrzehnte später aufgefunden wurden (siehe Vorkommnisse).
Die Legende vom Bermudadreieck ist heutzutage immer noch ein beliebtes Topos in der Trivialliteratur, in der Popkultur und in der Unterhaltungsindustrie. Sie wurde die Grundlage für eine Vielzahl von literarischen Werken, von Filmen und auch von Internetseiten.
Rezeptionsgeschichte mini|Eine der frühesten Karten, die einige Unglücksfälle im Gebiet des späteren Bermudadreiecks zeigt (Miami Herald, Associated Press, 1950). Ein erster Bericht mit dem Titel „Sea's Puzzles Still Baffle Men In Pushbutton Age“In etwa frei übersetzbar mit „Meeresrätsel verblüfft Menschen auch noch im automatisierten Zeitalter“. über angeblich ungewöhnliche Unglücksfälle im Seegebiet um die Bermudas, inklusive eine zugehörigen Karte des betreffenden Gebietes, erschien am 16. September 1950 auf Seite 6 im Miami Herald. Der Verfasser, der Associated-Press-Reporter Edward Van Winkle Jones, bezog sich in seiner Geschichte vor allem auf das Verschwinden des Flight 19, das Verschwinden der Star Tiger und den Untergang des Frachters Sandra (siehe Vorkommnisse). Die Geschichte wurde von verschiedenen US-Zeitungen, unter anderem vom Arizona Daily Star, aufgegriffen und weiterverbreitet.Arizona Daily Star (Tucson, Arizona). Air, Sea Mysteries Show It Is Still a Big World. 17. September 1950, S. 32. Der Begriff „Bermudadreieck“ wurde hierbei jedoch noch nicht verwendet.
Im Jahr 1952 erschien ein kleinerer Artikel mit dem Titel „Sea Mystery at Our Back Door“In etwa frei übersetzbar mit „Das Meeresgeheimnis in unserem Hinterhof“. von George X. Sand im US-Magazin Fate,Has the 'Mystery' of the Bermuda Triangle Finally Been Solved?, October 1952 (englisch), abgerufen am 14. Februar 2020.George X. Sand: Sea Mystery at Our Back Door. In Fate. wobei Sand zwar auch nur die bisherigen genannten Fälle von Jones erneut aufgriff und wiederholte, aber zugleich erstmals für das betreffende Seegebiet eine Dreieck-Form annahm und diese auch geographisch umriss. Allerdings verwendete auch Sand den Begriff „Bermudadreieck“ noch nicht.
Erstmals direkt verwendet wurde der Begriff „Bermudadreieck“ im Februar 1964, als Vincent Gaddis im Pulp-Magazin Argosy eine Geschichte mit dem Titel „The Deadly Bermuda Triangle“ () veröffentlichte, in welcher er über 20 Fälle von in betreffendem Gebiet verschwundenen Flugzeugen und Schiffen aufzählte (wobei auch Gaddis jedoch in Teilen bereits früher genannte Vorfälle nur neu aufbereitete).
Das Interesse an den vermeintlich übernatürlichen Phänomenen erreichte zu Mitte der 1970er Jahre seinen Höhepunkt, nachdem Charles Berlitz und J. Manson Valentine im Jahr 1974 mit ihrem Buch „The Bermuda Triangle“ (im deutschen Sprachraum 1975 beim Paul Zsolnay Verlag unter dem Titel „Das Bermuda-Dreieck. Fenster zum Kosmos?“ erschienen) einen Bestseller hatten landen können, der weltweit Millionenauflagen erzielte. Ebenso zu erwähnen wäre das 1974 bei Bantam Books erschienene Buch „The Devil's Triangle“ von Richard Winer (im deutschen Sprachraum 1977 unter dem Titel „Das Teufelsdreieck“ erschienen). Auch in diesen Publikationen werden die zuvor bereits genannten Vorfälle erneut aufgegriffen, wobei jedoch Berlitz und Valentine zudem noch Erklärungsansätze versuchen zu liefern, die sich teilweise auf pseudowissenschaftliche Themenfelder stützen und die auch den Bereich der Phantastik zumindest streifen, hierzu zählen etwa Aspekte der Ufologie, Out-of-place-Artefakte, Atlantistheorien sowie Ideen, die den möglichen Kollaps von angenommenen präantiken submarinen Zivilisationen zum Inhalt haben.So spekuliert Berlitz etwa, dass es die Möglichkeit geben würde, dass UFOs die Schiffe und Flugzeuge in andere Dimensionen überführt haben könnten; ebenso stellt er eine Verbindung zwischen dem Bermudadreieck und Atlantis her; vgl. z. B. hierzu: Charles Berlitz: Das Bermuda-Dreieck. Fenster zum Kosmos? Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien, Hamburg 1975, S. 153 und S. 186.
Die Geschichten aus dem Bermudadreieck ähneln sich auffallend: Entweder Schiffe oder Flugzeuge verschwinden bei besten Wetterbedingungen, bei ruhiger See und trotz erfahrener Piloten und Mannschaft spurlos und ohne erkennbaren Grund. Oder ein verlassenes, aber ansonsten intaktes Geisterschiff wird treibend oder gestrandet aufgefunden, während die Mannschaft aus vermeintlich unbekannten Gründen verschollen bleibt. In einigen Fällen spielen auch unklare und merkwürdige Funksprüche eine Rolle. Auffallend ist auch, dass viele der mysteriösen Geschichten von Veröffentlichung zu Veröffentlichung (die entsprechenden Autoren beziehen sich in der Regel auf ihresgleichen) noch mysteriöser und nicht selten immer detaillierter und fantastischer werden (auch wenn sie schon lange zurückliegen).
Ein Jahr nach dem Bestseller von Berlitz und Valentine erschien 1975 das Buch „The Bermuda Triangle Mystery – Solved!“ von Lawrence Kusche (im deutschen Sprachraum 1980 beim Rowohlt Verlag unter dem Titel „Die Rätsel des Bermudadreiecks sind gelöst!“ erschienen). Dieses Werk, das noch heute als Klassiker der skeptischen Recherche gilt, räumte mit einer ganzen Reihe von Vermutungen, Halbwahrheiten und Erdichtetem zum Thema auf. Kusche zeigte, dass nichts an diesem Teil des Atlantiks ungewöhnlich ist. Die Zahl der verschwundenen Schiffe und Flugzeuge ist nicht höher als in anderen, in Bezug auf das Verkehrsaufkommen vergleichbaren Gebieten auf den Weltmeeren, und die überwiegende Mehrzahl der Fälle verliert bei Betrachtung der im Buch zur Verfügung gestellten Originalquellen ihren mysteriösen Anschein völlig.
Inzwischen ist es um das Thema merklich ruhiger geworden. 1980 präsentierte Berlitz einige neue unerklärliche Unfälle, die sich jedoch als überhaupt nicht unerklärlich herausstellten und außerdem – bis auf drei Ausnahmen – gar nicht dem Bermudadreieck zuzuordnen waren. Obwohl auch weiterhin Schiffs- und Flugzeugunfälle im Atlantik geschehen, werden diese nur noch selten mit dem Bermudadreieck in Verbindung gebracht.
Geographische Lage mini|Geografische Lage von Bermuda Die Ausrichtung und Lage des Bermudadreiecks im westlichen Atlantik ist nur ungefähr umrissen und es gibt in der Literatur und von Autor zu Autor teilweise abweichende Größenangaben und Gebietszuordnungen. Im Allgemeinen gelten jedoch für das Bermudadreieck die folgenden Positionsangaben:
Im Norden begrenzen die Bermudainseln bei etwa 32° nördlicher Breite das Dreieck. Im Westen begrenzt die in Florida liegende Stadt Miami dieses Gebiet. Im Süden ist es die Stadt San Juan auf der Insel Puerto Rico.
Je nach Urheberdefinition bedeckt das Bermudadreieck eine Meeresfläche von 1,3 bis 3,9 Millionen km², liegt also in der Größe zwischen Angola und Indien.US Navy: Bermuda Triangle Fact Sheet, FAQ (englisch), abgerufen am 14. Februar 2020.
In der einschlägigen Literatur zum Thema werden allerdings auch vermeintlich mysteriöse Vorgänge dem Bermudadreieck zugeordnet, die sich nachweislich außerhalb des oben beschriebenen Seegebiets ereigneten. So bleiben beispielsweise von den dem Mysterium Bermudadreieck zugeschriebenen Verlusten in der Luftfahrt gerade mal zwei übrig, die sich innerhalb des Gebiets ereignet haben. Für ein Gebiet, das bis zu 90 % der Fläche aller EU-Staaten umfasst, ist dies eine außergewöhnlich niedrige Unfallquote.
Chronologische Übersicht von Ereignissen (Auswahl) 1800: Schoner USS Pickering mini|Der Schoner Pickering der US-Marine, der im Jahr 1800 angeblich dem Bermudadreieck zum Opfer fiel. Einer der ersten Schiffsverluste, der von Autoren wie Berlitz mit dem Bermudadreieck in Verbindung gebracht wird, ist jener des Schoners Pickering der United States Navy, welcher im August 1800 auf dem Weg von New Castle nach Guadeloupe mit 90 Mann an Bord spurlos verschwand.Charles Berlitz: Das Bermuda-Dreieck. Fenster zum Kosmos? Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien, Hamburg 1975, S. 58. Die genauen Hintergründe des Verlustes sind tatsächlich bis heute unklar, allerdings wird angenommen, dass das Schiff einem schweren Sturm Ende August 1800 im Gebiet der Bahamas zum Opfer gefallen ist.Terence Grocott: Shipwrecks of the Revolutionary and Napoleonic Eras. Chatham Publishing. New York 1997, S. 97.
1814: Sloop USS Wasp Die Sloop Wasp der US-Marine verschwand im Oktober 1814 vermutlich im Gebiet des Bermudadreiecks beziehungsweise nördlich der Bahamas. Von dem Schiff, auf dem Weg vom Ärmelkanal in die Karibik, und den 140 Besatzungsangehörigen wurden keine Spur mehr gefunden. Während Proponenten der Bermudadreieck-Legende einen übernatürlichen Hintergrund vermuten, gehen offizielle Stellen der US-Marine davon aus, dass das Schiff Mitte Oktober 1814 in einem Sturm verloren ging.
1880: Britisches Schulschiff Atalanta Im Februar 1880 ging das britische Schulschiff Atalanta, das ursprünglich 1845 als Fregatte und unter dem Namen Juno in Dienst gestellt worden war, auf dem Weg von Bermuda nach Falmouth im Nordatlantik aus ungeklärten Gründen verloren. Beim Untergang kamen 281 Personen ums Leben, darunter rund 200 Seekadetten. Während Proponenten des Bermudadreieck-Mythos von einem Verschwinden des Schiffes nahe der Bermudainseln sprechen und einen Kontext zum Bermudadreieck herstellen,Berlitz: Das Bermuda-Dreieck, S. 50. ist es wahrscheinlicher, dass das überladene Schiff zwischen dem 12. und dem 16. Februar 1880 nahe der Azoren in einen schweren Sturm geriet und in diesem sank.
1902: Deutsche Bark Freya