mini|Haupteingang an der Grassistraße

Die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (kurz HMT Leipzig) ist eine staatliche Hochschule in Leipzig und die älteste Musikhochschule in Deutschland. Sie wurde 1843 als Conservatorium der Musik von dem Gewandhauskapellmeister, Komponisten und Pianisten Felix Mendelssohn Bartholdy gegründet und entwickelte sich schnell zu einer der renommiertesten Institutionen ihrer Art in Europa.studieren.de: (PDF; 46 kB). Die HMT beherbergt auch das traditionsreiche Kirchenmusikalische Institut (K.I.), das 1919 der Thomaskantor und Organist Karl Straube gegründet hatte.

Zu Ehren ihres Gründers trug sie mit der Wiedereröffnung im Jahr 1946 den Namen Staatliche Hochschule für Musik – Mendelssohn-Akademie (ab 1972 Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“).

Seit der Vereinigung mit der Schauspielausbildung der Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig, der ältesten Theaterhochschule Deutschlands, trägt sie seit 1992 ihren heutigen Namen.

Eine enge Verbindung zwischen Ausbildung und Praxis besteht zum Gewandhausorchester und der Oper, zum MDR-Sinfonieorchester, auch zum Leipziger Symphonieorchester sowie zum Staatsschauspiel Dresden, dem Schauspiel Köln, dem Schauspiel Leipzig sowie dem Düsseldorfer Schauspielhaus.

Geschichte Conservatorium der Musik mini|Das alte Conservatorium der Musik auf einer Zeichnung von Adolf Eltzner, um 1860 mini|Das alte Conservatorium der Musik im Hofe des Gewandhauses, nach einem Aquarell von Anton Lewy 1886

Die traditionsreiche Musikstadt Leipzig, in der schon Johann Sebastian Bach wirkte, bot Anfang des 19. Jahrhunderts optimale Bedingungen für die Gründung einer musikalisch-akademischen Talenteschmiede. Vier engagierte Bürger der Stadt, nämlich der Rechtsanwalt Heinrich Conrad Schleinitz (zweiter Direktor), der Kreisdirektor von Leipzig Johann Paul von Falkenstein und der Königlich Sächsische Hofrat Johann Georg Keil sowie der Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy setzten die bisherigen Gedankengänge in die Tat um.

Finanziell gefördert wurde das Projekt durch das Testament des Königlich Sächsischen Oberhofgerichtsrates Heinrich Blümner, der dem Sächsischen König Friedrich August II. 20.000 Taler zur Verfügung stellte. Im Januar 1843 wurde das Programm des zukünftigen Konservatoriums veröffentlicht. Am 2. April 1843 gründete schließlich der Komponist Mendelssohn Bartholdy ein Conservatorium der Musik. Insgesamt wurden bis Anfang des zweiten Semesters im Jahr 1843 60 Schüler (auch Amerikaner, Engländer und Holländer), davon 46 Schüler und 14 Schülerinnen,Das Conservatorium der Musik in Leipzig, Leipzig 1843, S. 3 (SLUB Digitale Sammlungen). Für das gesamte Jahr 1843 sind 63 Schüler bei Whistling angegeben; Karl. W. Whistling: Statistik des Königl. Conservatoriums der Musik zu Leipzig 1843–1883. Aus Anlass des vierzigjährigen Jubiläums der Anstalt, Leipzig 1883, S. 5 f.(SLUB Digitale Sammlungen) aufgenommen, als allererster Theodor Kirchner. Der Unterricht erfolgte getrennt nach Geschlechtern, auch Unterrichtsinhalte und -umfang unterschieden sich. So gab es z. B. einen drei Jahre umfassenden Theoriekurs für Männer und einen auf zwei Jahre reduzierten für Frauen. Eine Kompositionsklasse für Frauen wurde erst 1859 eingerichtet.Nancy Reich: „Women as Musicians: A Question of Class.“ In: Ruth A. Sadie (Hrsg.): Musicology and Difference. Gender and Sexuality in Music Scholarship, Berkeley u. a. 1993, S. 125–146, hier S. 135–136.

Dem ersten Direktorium gehörten, neben den Gründungsvätern, der Stadtrat Moritz Seeburg und der Musikverleger Friedrich Kistner an. Später wurden die Kaufleute Gustav Preußer und Johann Heinrich Gruner, der Stadtrat Ludwig Lippert-Dähne, der Rechtsanwalt und Domherr Emil Wendler und der Legationsrat Adolf Keil für die Leitung gewonnen. Im Jahr 1883 gab es eine erneute Umstrukturierung unter Otto Günther, der den Kaufmann Emil Trefftz, den Theaterdirektor Heinrich Behr, den Konsul Bernhard Limburger und den Bankdirektor Rudolf Wachsmuth berief.

Die Bildungsstätte hatte ihren Sitz zunächst im (ersten) Gewandhaus (Gewandgäßchen/Universitätsstraße in der Innenstadt, heute steht dort das Städtische Kaufhaus). Als Lehrkräfte für die Orchesterinstrumente wurden Musiker des Gewandhausorchesters verpflichtet, die so ihren Orchesternachwuchs ausbildeten. Diese einmalige und erfolgreiche Tradition wurde erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 aus formalen Gründen aufgegeben. Neben Mendelssohn lehrten anfangs Moritz Hauptmann, Robert Schumann, Ferdinand David, Carl Ferdinand Becker und Christian August Pohlenz. In Folge traten Ferdinand Böhme, Moritz Klengel, Louis Plaidy, Ernst Ferdinand Wenzel und Henriette Bünau-Grabau (erste und zu ihrer Zeit einzige Lehrerin des Konservatoriums) als Lehrkräfte in Erscheinung.

Bereits 1843/44 wechselte Mendelssohn Bartholdy auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin. Seine Professur übernahm für kurze Zeit Ferdinand Hiller. Auch Schumann wechselte als Chorleiter nach Dresden. Rudolph Sachse, Giovanni Battista Ghezzi, Ernst Friedrich Richter (Lehrer von Oscar Paul) und Niels Wilhelm Gade kamen dafür nach Leipzig. Darüber hinaus wirkten Franz Brendel, Ignaz Moscheles, Joseph Joachim (sein Nachfolger Raimund Dreyschock) und Julius Rietz. Für wenige Monate lehrte Clara Schumann 1843 am Konservatorium.

Die große Gesangstradition am Konservatorium lässt sich durch renommierte Lehrkräfte erklären. Bünau-Grabau wurde 1852 von Fanny Schäfer-Hofer, sie 1853 von Franz Götze und er wiederum 1868 von Carl Gloggner-Castelli abgelöst. 1871 kam Albert Konewka und 1874 Adolf Schimon.

mini|Königliches Konservatorium der Musik in der Grassistraße um 1910.

Königliches Konservatorium bzw. Landeskonservatorium der Musik Im Jahr 1876 erhielt die Einrichtung die Erlaubnis, künftig den Namen Königliches Konservatorium der Musik zu Leipzig zu führen. Am 5. Dezember 1887 wurde das neue Gebäude des Konservatoriums in der Grassistraße 8 eingeweiht, das von 1885 bis 1887 nach einem Entwurf des Leipziger Architekten Hugo Licht im Musikviertel südwestlich der Altstadt errichtet wurde. Gönner war die Familie des Pathologen Justus Radius. Außerdem kam es zu reichhaltigen Spenden durch die Herren Demuth, Frage, Gruner, Keil, Seeburg und Vogt.

mini|Vortragssaal um 1900, mit Blick auf die historische Walcker-Orgel mini|Treppenhaus Im Jahr 1924 wurde das Königliche Konservatorium (nachdem es das Königreich Sachsen schon sechs Jahre nicht mehr gab) in Landeskonservatorium der Musik zu Leipzig umbenannt.

Im Sommersemester 1938 lernten 342 Studenten (ausschließlich männlichen Geschlechts) am Landeskonservatorium; damit war es nach der Musikhochschule in Berlin (633 Studenten), der Hochschule für Musik Köln (406 Studenten) und der Hochschule für Musik und Theater München (404 Studenten) die viertgrößte Musikhochschule des Deutschen Reichs.

Von 1942 bis 1945 war der österreichische Komponist Johann Nepomuk David (1895–1977), der schon seit 1934 als Lehrer, später als Professor am Landeskonservatorium wirkte, kommissarischer Direktor der Einrichtung.

Hochschule für Musik Am 8. Juni 1941 (sechs Jahre nach der Gleichschaltung des Landes Sachsen) wurde das „Landeskonservatorium“ in Staatliche Hochschule für Musik, Musikerziehung und darstellende Kunst umbenannt. Während des Zweiten Weltkrieges musste die Musikhochschule im Jahr 1944 ihre Tätigkeit einstellen.

Am 1. Oktober 1946 wurde die Hochschule für Musik als Staatliche Hochschule für Musik – Mendelssohn-Akademie wiedereröffnet und erhielt am 4. November 1972, anlässlich des 125. Todestages ihres Gründers, den Namen Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“.

Hochschule für Musik und Theater Das Sächsische Hochschulstrukturgesetz vom 10. April 1992 bestätigte die Musikhochschule in Leipzig und erweiterte sie gleichzeitig durch die Zusammenführung mit der Schauspielausbildung der aufgelösten Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig (1953 als erste Theaterhochschule Deutschlands in Leipzig gegründet) zur heutigen Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“.

Der langjährige Gewandhauskapellmeister Kurt Masur sagte anlässlich des Jubiläums des Musikkonservatoriums 1993:Johannes Forner: Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, 150 Jahre Musikhochschule 1843–1993. Verlag Kunst und Touristik Leipzig, 1993, S. 11.

Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Südflügel mit dem Konzertsaal des Konservatoriums wurde ab 1995 durch einen Neubau ersetzt. Im Jahr 2001 wurde der neue Große Saal mit 430 Zuschauerplätzen eröffnet. Der Entwurf des Dortmunder Architekturbüros Gerber – außen und innen mit Holz verkleidet – wurde 2004 vom Bund Deutscher Architekten Sachsen ausgezeichnet., abgerufen am 8. Dezember 2014. Das zweite Gebäude der Hochschule am Dittrichring (ehemalige Zentrale der Alten Leipziger Lebensversicherung bzw. „Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft“) wurde 2002 bezogen. Seit 2004 besteht in Kooperation mit dem Gewandhausorchester eine Orchesterakademie zur Förderung von Spitzenmusikern.

Auch heute spielt das zeitgenössische Komponieren, die Neue Musik, wieder eine große Rolle an der Hochschule. So wurde 2007 vonseiten der Fachrichtung Komposition die Reihe Musik & Gegenwart gegründet, die je Studienjahr eine Zahl Konzertveranstaltungen beinhaltet, darunter auch einmal pro Semester Studentenwerke zur Uraufführung bringt. Außerdem bezeichnet derselbe Name ein jährlich stattfindendes interdisziplinäres Symposium, zu welchem Referenten „aus den Bereichen der Philosophie, der Musikkritik, der Wissenschaft, der Komposition und der Literatur“L. Holtmeier u. a. (Hrsg.): Musik & Ästhetik. Heft 52, 2009, S. 116. an die Hochschule eingeladen werden. Ein 2016 gegründetes Zentrum für Gegenwartsmusik (ZfGM) pflegt das Studium und die Aufführung der Neuen Musik als der großen Musikepoche seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, initiiert musikalische und kompositorische Kreativität in der Gegenwart, fördert die epochenübergreifende Auseinandersetzung zwischen älterer und neuer Musik und öffnet den Horizont für die Aufgaben und Potentiale der Zukunft.

Orgel mini|Eule-Orgel im Großen Saal Die Orgel im Großen Saal wurde 2002 von der Orgelbau Eule (Bautzen) erbaut. Bereits im historischen, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Großen Saal befand sich eine große Konzertorgel, die 1887 von dem Orgelbauer E.F. Walcker & Cie. (Ludwigsburg) erbaut wurde. Die heutige Orgel wurde in Anlehnung an Instrumente von Walcker und Friedrich Ladegast gebaut. Das Schleifladeninstrument hat 60 (einschließlich zweier extendierter) Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch. Das Instrument ist mit einer programmierbaren Crescendowalze ausgestattet. Neben dem Schwellwerk sind auch das Positiv und das seltene Register Physharmonika 8′ schwellbar.Nähere Informationen zur Orgel, abgerufen am 8. Dezember 2014.