Der Kakadu-Nationalpark (englisch Kakadu National Park) liegt 171 Kilometer östlich der Stadt Darwin im australischen Bundesterritorium Northern Territory. Der Park gilt aufgrund seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt als einer der schönsten Nationalparks in Australien. Er befindet sich in der Alligator-Rivers-Region des Northern Territory von Australien. Er umfasst ein Gebiet von etwa 19.810 Quadratkilometern und erstreckt sich fast 200 Kilometer von Nord nach Süd und über 100 Kilometer von Ost nach West.

Der Kakadu-Nationalpark wurde wegen seines herausragenden natürlichen und kulturellen Werts in die Liste der UNESCO sowohl als Weltnaturerbe als auch als Weltkulturerbe aufgenommen. Der Park enthält eine der schönsten und umfangreichsten Sammlungen von Felsmalereien der Welt – ein Hinweis darauf, wie lange schon die Verbindung der Ureinwohner mit diesem Gebiet währt. Im Park befinden sich großartige Landschaften, von den wild-rauen Sandsteinflanken des Hochplateaus über die weitläufigen Waldgebiete bis zu ausgedehnten Feuchtgebieten. Der Nationalpark schützt auch das gesamte Einzugsgebiet eines großen subtropischen Flusses, des South-Alligator-Flusses, und Beispiele aller Habitatarten des Top Ends von Australien.

Der Park ist eine Kulturlandschaft, der nach dem Glauben der Ureinwohner deren spirituelle Vorfahren in der Schöpfungszeit („Creation Era“) Gestalt verliehen: Sie durchwanderten das Land und schufen auf ihrer Reise die Landschaftsformen, Pflanzen, Tiere und Bininj/Mungguy (Ureinwohner). Sie lehrten die Bininj/Mungguy, wie sie leben und wie sie das Land pflegen sollten. Der Park wird jetzt von seinen traditionellen Eigentümern, den Aborigines, und den Mitarbeitern von „Parks Australia“ gemeinschaftlich verwaltet. Sie streben an, die Interessen der traditionellen Eigentümer zu schützen, das Kulturerbe des Parks zu bewahren und Besucher des Parks anzuregen, von seinen Angeboten mit Respekt vor der Natur und der Tradition der Ureinwohner Gebrauch zu machen.

Fakten Gründung: 1981 Größe: 19.810 km² Einwohner: vor Ankunft der Europäer vermutlich etwa 2000, heute etwa 500 Klima: Durchschnittstemperatur 34 °C, 90 Prozent des Niederschlages von November bis April Bodenschätze: Auf dem Gebiet des Nationalparks liegen Uranvorkommen, die zu den reichsten der Welt gehören (so die Ranger-Uran-Mine). Hauptort: Jabiru mit einem Flughafen.

ab 1971: Uranabbau durch Minengesellschaften 1978: Rückgabe des Landes an die Ureinwohner, den Buntji-Clan des Gaagudju-Stammes 1981: Buntji-Clan verpachtet das Land an die Regierung; Gründung des Nationalparks 1992: Der Kakadu-Nationalpark wird von der UNESCO zum „Erbe der Menschheit“ erklärt 2002: Nach jahrelangen Protesten stellt die Minengesellschaft Rio Tinto Group die Uranförderung an der Jabiluka-Mine ein.

Der Kakadu-Nationalpark umfasst vier Flusssysteme: East Alligator River West Alligator River Wildman River South Alligator River (dessen gesamtes Einzugsgebiet innerhalb des Parks liegt)

Es sind folgende Hauptlandschaftsformen vertreten: Meeresarme und Watts Talauen Billabongs Tiefebenen das steinige Bergland und seine Ausläufer die südlichen Berge und Täler

Der Kakadu-Nationalpark besitzt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Sie umfasst mehr als 280 Vogelarten, mehr als 60 Säugetierarten, mehr als 50 Frischwasserfischarten und mehr als 10.000 Insektenarten sowie über 1600 Pflanzenarten.

Geschichte Einführung mini|NourlangieFelskunst der Aborigines, Nabulwinjbulwinj – ein gefährlicher Geist mini|Krokodil Yellow Waters Billabong Der Name „Kakadu“ entstand durch die falsche Aussprache des Wortes „Gaagudju“, welches der Name der im nördlichen Teil des Parks gesprochenen Sprache der Aborigines ist.Das Missverständnis geht auf den Anthropologen Sir Baldwin Spencer zurück, der ihn in seinem Werk 'Native Tribes of the Northern Territory of Australia' (1914) beützte. Spencer hat vermutlich die ähnlich klingende deutsche Vogelbezeichnung „Kakadu“ im Sinn gehabt.

Aborigines bewohnen das Gebiet des Kakadu-Nationalparks seit wahrscheinlich 50.000 Jahren. Daher besitzt der Park bedeutende Kulturrelikte. Insgesamt zählt man mehr als 5.000 Kunststätten, die über Tausende von Jahren entstanden sind und eine Besiedlung seit mindestens 20.000 Jahren belegen. Eine im östlichen Arnhemland gefundene Steinaxt wurde auf ein Alter von 35.500 Jahren datiert, sie gilt als ältestes Artefakt der Region und als ältestes Werkzeug dieser Art weltweit.

mini|links|Kakadus Auen

Die kulturelle und ökologische Bedeutung des Kakadu-Nationalparks wurde anerkannt mit der Listung des Parks als UNESCO-Weltnaturerbe auf der World Heritage List. Diese Listung erfolgte in drei Phasen: Phase 1 1981, Phase 2 1987 und der gesamte Park 1992.

Etwa die Hälfte des Gebiets des Kakadu-Nationalparks ist Land der Aborigines, das unter den Aborigine Land Rights (Northern Territory) Act von 1976 fällt. Ein Großteil des restlichen Landes wird ebenfalls von den Aborigines beansprucht, wurde ihnen aber noch nicht überschrieben. Die Aborigines haben ihre Gebiete an den Director of National Parks verpachtet, um sie als Nationalpark unter dem Environment Protection and Biodiversity Conservation Act von 1999 zu verwalten.

Die Aborigines, die die derzeitigen Besitzer des Parks sind, sind Nachfahren verschiedener Gruppen aus dem Gebiet des Parks und besitzen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Land. Obwohl sich ihr Lebensstil im vergangenen Jahrhundert stark verändert hat, sind ihnen ihre traditionellen Ansichten und Glaubensvorstellungen noch immer sehr wichtig.

Gründung des Parks

mini|Mount BorradailTal im Kakadu-Nationalpark

Der Kakadu-Nationalpark wurde in einer Zeit gegründet, in der die Aborigines an der Anerkennung als Nationalpark stark interessiert waren. Bereits 1965 wurde die Anerkennung des Gebiets der Alligator Rivers beantragt, doch es dauerte bis 1978, bis die Australische Regierung die verschiedenen Regionen vereinte, die heute den Park bilden.

Der Kakadu-Nationalpark wurde unter dem National Parks and Wildlife Conservation Act 1975 (NPWC Act) in drei Phasen zwischen 1979 und 1991 anerkannt, wobei der NPWC Act 2000 durch den EPBC Act abgelöst wurde. In jeder Phase wurde das Recht der Aborigines an dem Land anerkannt und ein Teil dieses Landes an den Direktor der Nationalparks verpachtet. Der Vertrag für die erste Phase wurde am 5. April 1979 unterzeichnet, für die 2. Phase am 28. Februar 1984.

Im Juni 1987 wurde ein Landanspruch der ehemaligen Goodparla und Gimbat Pacht erhoben, der dann in der dritten Phase anerkannt wurde. Das Gebiet, bekannt als Gimbat Resumption und The Waterfall Creek Reserve, wurde erst später diesem Anspruch zugefügt. Damals gab es eine ausführliche Debatte, ob der Abbau von Uran bei Guratba (Coronation Hill) im Nationalpark erlaubt sein sollte. Die australische Regierung respektierte die Wünsche der Aborigines und so wurde keine Mine in Guratba genehmigt. 1996 in der Phase 3 wurde, abgesehen von dem ehemaligen Pachtgebiet Goodparla, das Land dem Gunlom Aborigine Land Trust übergeben und an den Director of National Parks als Teil des Kakadu-Nationalparks verpachtet.

Entdecker Die Chinesen, Malaien und Portugiesen bezeichnen sich alle selbst als erste Entdecker der australischen Nordküste. Der erste schriftliche Beweis für eine Entdeckung wird jedoch erst 1623 durch den Holländer Jan Carstensz belegt. Der nächste dokumentierte Entdecker ist Abel Tasman, der diese Küste 1644 bereiste. Er war der erste Europäer, der nachweislich Kontakt mit den einheimischen Aborigines hatte. Fast ein Jahrhundert später, 1802/03, bereist Matthew Flinders den Golf von Carpentaria.

Philip Parker King, ein englischer Navigator, bereiste den Golf zwischen 1818 und 1822. Während dieser Zeit benannte er die drei Alligator Rivers nach den großen Leistenkrokodilen, die er fälschlicherweise für Alligatoren hielt. Ludwig Leichhardt war der erste Europäer, der die Kakaduregion 1845 auf seiner Reise von Moreton Bay in Queensland nach Port Essington im Northern Territory vom Land aus erkundete. Er folgte dem Jim Jim Creek vom Arnhem Land, reiste dann entlang des South Alligator und des East Alligator gen Norden. mini|links|Mimih-Geist Felsenmalerei im Ubirr 1862 reiste John McDouall Stuart entlang der südwestlichen Grenze des heutigen Kakadu-Nationalparks, sah jedoch in dieser Zeit keine Einheimischen. 1866 endete die nächste Entdeckungsreise von John McKinlay nach sechs Monaten in einem Fiasko. Dieser Entdecker versuchte, die Region vom Süden aus zu bereisen, und gelangte bis an den East Alligator River. Die steigenden Flüsse und die allgemeinen Bedingungen wurden aufgrund der Regenzeit so schlecht, dass diese Expedition abgebrochen werden musste.

Die ersten Nicht-Aborigines, die nachweislich regen Kontakt zu den Einheimischen unterhielten, waren die Macassans von Sulawesi und anderen Teilen Indonesiens. Zum Ende des 17. Jahrhunderts begannen sie regelmäßig in der Regenzeit, diese Region aufzusuchen. Ziel dieser Reisen waren vor allen Dingen die Ernte von Trepang (Seegurke), das Fangen von Schildkröten, Sammeln von Perlen und anderen in ihrem Heimatland wertvollen Dingen. Die Aborigines halfen ihnen beim Ernten und Fischen und tauschten ihren eigenen Bestand. Obwohl es keine direkten Nachweise gibt, dass die Macassans Zeit an Land verbrachten, kann man Einflüsse ihrer Kultur auf die Aborigines im Gebiet des Kakadu-Nationalparkes sehen. Unter den Artefakten von archäologischen Ausgrabungen im Park finden sich Glas und Metallfragmente, die wahrscheinlich von Indonesien stammen, entweder direkt oder durch einen Handel mit den Aborigines.

Briten siedelten sich zum Beginn des 19. Jahrhunderts an der nördlichen Küste Australiens an: Fort Dundas auf der Melville-Insel 1824, Fort Wellington in Raffles Bay 1829 und das Victoria Settlement (Port Essington) auf der Coburg-Halbinsel 1838. Diese Siedlungen wurden im Laufe der Zeit aus verschiedenen Gründen wie Wassernot, Krankheiten oder starke Isolation aufgegeben. Der Einfluss dieser Siedler auf die Aborigines ist schwierig zu bewerten. Sicher ist nur, dass die Arbeitskraft der Aborigines für den Bau der Siedlungen genutzt wurde und die Gefahr von neuen Krankheiten für die Einheimischen stieg.

Buffalojäger mini|Buffalo in den Nassgebieten Die „Buffalos“ (Wasserbüffel) hatten einen großen Einfluss auf die Kakadu-Region. Ab 1880 gab es so viele Büffel in dem Gebiet, dass man anfing, die Hörner der Tiere kommerziell zu nutzen. Dieser Industriezweig begann am Adelaide River, in der Nähe von Darwin und zog dann nach Osten an den Mary und die Alligator-Rivers-Region. Die Büffel wurden vor allen Dingen in der Trockenzeit zwischen Juni und September gejagt und gehäutet, wenn sie sich an den verbliebenen Wasserlöchern aufhielten. Während der Regenzeit war das Jagen der Büffel aufgrund des Untergrundes schwierig und die Häute schimmelten. Die Büffelindustrie stellte für viele Aborigines Arbeitsplätze während der Trockenzeit.

Missionare Missionare hatten in der Alligator-Rivers-Region ebenfalls einen starken Einfluss auf die Aborigines; viele von ihnen wurden in ihrer Jugend von den Missionaren unterrichtet. Im frühen vergangenen Jahrhundert etablierten sich zwei Missionen in der Region. Die Kapalga Native Industrial Mission wurde am South Alligator River 1899 gegründet, bestand jedoch nur für vier Jahre. Die Oenpelli Mission wurde 1925 gegründet, als die Kirche von England ein Angebot der Northern Territory Regierung annahm. Sie wurde 50 Jahre lang als Farm betrieben.