mini|hochkant=1.75|Le Bon Marché (2012) mini|hochkant=1.75|Marguerite und Aristide Boucicaut, die Gründer des Bon Marché

Le Bon Marché, bis 1989 Au Bon Marché, ist ein großes Pariser Warenhaus im 7. Arrondissement und wurde 1838 von den Gebrüdern Videau gegründet. Mit der Leitung von Aristide Boucicaut nahm dieses Warenhaus eine Pionierstellung in der Entwicklung des europäischen Einzelhandels ein. Le Bon Marché gilt als das erste Warenhaus der Geschichte Geschichte der Warenhäuser. Kathedralen des Handels. In: Tagesspiegel, 26. April 2009. und zählt heute zu den vornehmsten Warenhäusern ganz Frankreichs.

Geschichte 19. Jahrhundert mini|hochkant=1.25|Kaufhaus Au Bon Marché samt Umgebung, ab 1887. 1848 stieg das Ehepaar Boucicaut als Teilhaber bei den Gebrüdern Videau ein und übernahm 1852 die Mehrheit der Anteile. Sie transformierten das bescheidene Unternehmen mit zwölf Angestellten binnen weniger Jahre in ein Großwarenhaus mit breitem und tiefem Sortiment, festen Preisen und intensiver Werbung. Boucicaut führte als Werbemittel unter anderem die damals neue Idee von Sammelbildern ein.Georg Renner: Von denen, die streben, die Welt zu ordnen. In: Die Presse, 19. März 2010. 1863 kaufte das Ehepaar die Familie Videau aus, die Bedenken gegenüber dem massiven Expansionskurs der Boucicauts hatte. 1869 kam es zu einer bedeutenden Vergrößerung des Gebäudes unter Mitwirkung von Gustave Eiffel. Diese „Kathedrale des Kommerzes“ (Émile Zola) war wirtschaftlich sehr erfolgreich und wurde daher 1855 von den Grands Magasins du Louvre nachgeahmt. Deren Gründer waren Alfred Chauchard, Auguste Hériot und Charles Eugène Faré, mit Unterstützung der Gebrüder Eugène Pereire und Isaac Pereire. 1856 folgte die Gründung des Kaufhauses À la Belle Jardinière, der Magasins du Printemps (1865) und der Samaritaine (1869). Diese Nachahmer und Konkurrenten siedelten sich allesamt auf der Rive droite an, dem rechten Seineufer, während Le Bon Marché weiter die Rive gauche dominierte. Die Familie Boucicaut ließ hier auch das gegenüber liegende Hôtel Lutetia errichten, das einzige Luxushotel am linken Seineufer.

20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant|Lichthof, 2008 1984 wurde das Kaufhaus von der Gruppe Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) unter Bernard Arnault übernommen. Von 1988 bis 2010 leitete Philippe de Beauvoir das Pariser Warenhaus und entwickelte es zu einem „High-End Departement Store“.Doreen Wilken: , fabeau.de, 7. Oktober 2010. Die Feinkostabteilung La Grande Épicerie wurde mit über 5000 Produkten aus aller Welt die größte von Paris., besten.welt.de, abgerufen am 9. Oktober 2010. Zu Beauvoirs Nachfolger wurde Patrice Wagner bestimmt, der zuvor das größte deutsche Warenhaus KaDeWe geleitet hatte.Bea Gottschlich: Patrice Wagner wird Chef von Le Bon Marché. TextilWirtschaft, 7. Oktober 2010. Wagner soll, wie schon bei der Karstadt Premium Group, die Luxussparte der Warenhäuser von LVMH ausbauen.Pressemitteilung: „Nomination Le Bon Marché“, francebourse.com, 7. Oktober 2010. Durch die COVID-19-Pandemie war 2020 das schlechteste Jahr ihrer Geschichte aller Pariser Warenhäuser. Die lange Schließperiode vertrieb die kaufkräftigen ausländischen Kunden, die die einheimische Klientel immer mehr verdrängt hatten, die wiederum verstärkt in den Online-Handel ging. Hinzu kamen die von der Stadtverwaltung eingeführten Restriktionen bei der Nutzung von privaten Fahrzeugen in der Innenstadt.Cécile Crouzel: La descente aux enfers des grands magasins parisiens lefigaro.fr, 26. November 2020, abgerufen am 6. Februar 2026 (französisch) Daraufhin änderte die Geschäftsleitung ihre Strategie. Sie zielte nun weniger auf die internationale Kundschaft und widmete sich statt des Luxussegments eher den Bedürfnissen der Pariser Bevölkerung.Cécile Crouzel: Les grands magasins à la reconquête des Français lefigaro.fr, 17. September 2021, abgerufen am 6. Februar 2026 (französisch)

Soziale Fürsorge Hinweis: 1 Franc im 19. Jahrhundert ist heute etwa 3,60 Euro wert.Antonin Guillot: Madame Boucicaut : un destin hors du commun. Chalon-sur-Sâone 1995, Seite 21. Zum Wert des Franc ab 1901 siehe Konvertierprogramm des INSEE.1 Franc im 19. Jahrhundert = 18 Francs 1995. Französisches Statistikamt INSEE: 1 Franc 1995 = 0,20 Euro 2015, siehe INSEE.

Ein Großkaufhaus wie der Bon Marché mit Hunderten, später Tausenden von Mitarbeitern, erforderte andere Führungsstrukturen als die traditionellen Familienbetriebe. Aristide Boucicaut baute sein Unternehmen streng hierarchisch auf und führte seine Mitarbeiter nach einem rigiden Reglement. Trotzdem versuchte er, geleitet von natürlicher Güte und einer christlichen Weltsicht, den Verlust der vertrauten Familienumgebung durch soziale Maßnahmen auszugleichen.

Aristide Boucicaut orientierte sich dabei an dem aktuellen Stand in anderen fortschrittlichen Großunternehmen von Industrie und Handel. Er war Gründungsmitglied einer Gesellschaft von Unternehmern zur Erforschung von Methoden zur Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter, die 1873 gegründet worden war und ab 1879 jährlich eine Zeitschrift herausbrachte, die sich mit aktuellen Fragen der Gewinnbeteiligung befasste.Name der Gesellschaft: Société formée pour faciliter l’étude pratique des diverses méthodes de participation du personnel dans les bénéfices de l’entreprise. Zeitschrift: Bulletin de la participation aux bénéfices, siehe Bibliothèque nationale de France. Mit seinen als paternalistisch empfundenen und als philanthropisch gepriesenen Bestrebungen verfolgte Aristide Boucicaut auch den Zweck, die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, das Personal zu disziplinieren und die aufkommenden Gewerkschaften fernzuhalten.#Miller 1987, Seite 101–102.

Zu den sozialen Einrichtungen des Bon Marché zählten: Beitragsfreie Vorsorgekassen Mitarbeitersparen Kostenlose Abendkurse zur Fortbildung Betriebschor und Betriebsorchester Betriebsunterkünfte für alleinstehende junge Angestellte Betriebsärztliche Betreuung

Vorsorgekasse Die Vorsorgekasse des Bon Marché (Caisse de Prévoyance, später Prévoyance Boucicaut) wurde 1876 von Aristide Boucicaut gegründet. Sie wurde vom Arbeitgeber finanziert, und die Kassenmitglieder erwarben nach bestimmten Fristen ein Anrecht auf Auszahlung eines kleinen Kapitals.

Satzung mini|hochkant=0.9

Aristide Boucicaut wollte sicherstellen, dass seine Angestellten im Alter oder nach deren Tod ihre Angehörigen über „ein kleines Kapital“ verfügen konnten. Die Kasse wurde nicht durch Mitgliedsbeiträge gespeist, sondern durch die jährliche Dotation eines Anteils am Gewinn. Mitglieder waren Angestellte, die dem Unternehmen mindestens fünf Jahre angehörten, nicht jedoch gewinnbeteiligte Angestellte oder Arbeiter. Die jährliche Dotation wurde unter den Mitgliedern nach der Höhe ihres Jahresgehalts aufgeteilt und einem persönlichen Konto gutgeschrieben, das mit einem Zinssatz von 4 % verzinst wurde. Für den Fall der Auflösung der Vorsorgekasse wurde jedem Mitglied die Erstattung seines Kontos garantiert. Bezugsberechtigt für das angesparte Kapital waren:Diese Fristen wurden in späteren Jahren herabgesetzt, siehe: #Réglement 1894, #Souvenir 1900, Seite 6, #Souvenir 1900, Seite 24.

Männer nach 20 Jahren im Betrieb oder ab dem 60. (ab 1886: 55.) Lebensjahr. Frauen nach 15 Jahren im Betrieb oder nach Erreichen des 50. (ab 1886: 45.) Lebensjahrs. Frauen bei Heirat. Angehörige beim Tod eines Mitglieds. Arbeitsunfähige nach Ermessen der Geschäftsleitung.

Wer vor Ablauf der Fristen aus der Firma ausschied, verlor alle Ansprüche aus der Kasse.#Bulletin 1881, Seite 6–10, #Réglement 1894.

Entwicklung Die verfügbaren Kennzahlen über die zeitliche Entwicklung der Kasse sind sehr lückenhaft, so dass die folgenden Angaben nur als Fingerzeig gelten können.#Au Bon Marché 1896, #Bulletin 1881, Seite 6–13, #Bulletin 1887, Seite 38, #Miller 1987, Seite 95, #Réglement 1894, #Souvenir 1896, Seite 6, #Souvenir 1900, Seite 24. In den ersten fünf Jahren ab Einrichtung der Vorsorgekasse (1876–1880) schwankte die Höhe der Auszahlungen zwischen 220,40 und 330,55 Francs im schlechtesten und 295,80 bzw. 443,75 Francs im besten Jahr. Das Kapital der Kasse entwickelte sich von 61.500 Francs im Gründungsjahr bis zu einer Höhe von 5.846.016 Francs im Jahr 1913. Die jährliche Dotation lag in den ersten 20 Jahren bei etwa 120.000 Francs. Der Anteil der Kassenmitglieder am Gesamtpersonal stieg von 8 % im ersten Jahr auf 71 % im Jahr 1913. Der Gesamtbetrag der Auszahlungen seit Gründung der Kasse belief sich 1913 auf 5.239.609 Francs, die sich auf 2.741 Bezugsberechtigte verteilten, dies entspricht einem Durchschnittsbetrag von 1.912 Francs.

Pensionskasse Zehn Jahre nach der Gründung der Vorsorgekasse durch ihren Mann rief Marguerite Boucicaut 1886 eine Pensionskasse (Caisse de Retraite, auch Fondation Boucicaut)Fondation = Stiftung. ins Leben, in der Absicht, „das Werk ihres Mann zu vollenden“. Sie stattete die Kasse mit einem Anfangskapital von 5 Millionen Francs aus ihrem eigenen Vermögen aus.

Satzung mini|hochkant=0.9

Die Kasse sollte nach der Anschubfinanzierung durch Marguerite Boucicaut ebenso wie die Vorsorgekasse nicht durch Mitgliedsbeiträge gespeist werden, sondern durch eine jährliche Dotation von 5 %, ab 1897 von 7 %, ab 1910 von 8 % des Gewinns der Société civil du Bon Marché.Gründungsmitglieder der Société civile du Bon Marché waren Marguerite Boucicaut und 183 Kommanditisten der Société Veuve Boucicaut et Compagnie. Die Gesellschaft sollte nach ihrem Tod sicherstellen, dass der Besitz und die Leitung des Unternehmens in den Händen von Betriebsangehörigen blieb. Insbesondere war die Gesellschaft auch für die Verwaltung der Pensionskasse verantwortlich. Siehe: #Bulletin 1888, Seite 47, #Flavien 1889, Seite 20, Antonin Guillot: Madame Boucicaut : un destin hors du commun. Chalon-sur-Sâone 1995, Seite 54–55, #Guironnet 2016, #Miller 1987, Seite 148, Fußnote 8. Bei Erfüllung der Bezugsbedingungen erhielten die Pensionäre eine jährliche, an die Person gebundene Leibrente von 600 bis 1500 Francs. Die individuelle Pensionshöhe wurde durch den Verwaltungsrat (Conseil d’Administration) festgelegt. Im Fall der Auflösung der Kasse sollten laufende Pensionen und erworbene Anrechte sichergestellt und der Rest des Kapitals auf die übrigen Mitglieder aufgeteilt werden. Bezugsberechtigt waren Angestellte, nicht jedoch gewinnbeteiligte Angestellte oder Arbeiter:

Männer nach 20 Jahren im Betrieb ab dem 50. Lebensjahr. Frauen nach 20 Jahren im Betrieb ab dem 45. Lebensjahr. Arbeitsunfähige sowie Witwen und Waisen im Ausnahmefall und nach Ermessen des Verwaltungsrats.

Wer vor Ablauf der vorgeschriebenen Betriebszugehörigkeit aus der Firma ausschied, verlor alle Ansprüche aus der Kasse.#Réglement 1894, #Bulletin 1914, Seite 20.

Entwicklung Die verfügbaren Kennzahlen über die zeitliche Entwicklung der Kasse sind sehr lückenhaft, so dass die folgenden Angaben nur als Fingerzeig gelten können.#Au Bon Marché 1896, #Bulletin 1914, Seite 21, #Réglement 1894, #Souvenir 1896, Seite 6, #Souvenir 1900, Seite 24–25. Das Kapital der Kasse entwickelte sich von 6 Millionen Francs im Gründungsjahr bis zu einer Höhe von 31.783.285 Francs im Jahr 1913. Die Anzahl der Pensionäre stieg von 130 im Jahr 1895 auf 208 im Jahr 1899. Die durchschnittliche Höhe der jährlichen Leibrente schwankte in dieser Zeit zwischen 789 und 831 Francs.

Arbeiterkasse