mini|Älteste bekannte Ansicht von Bochum aus dem Jahr 1801. Zeichnung von C. A. Kortum. mini|Erste Chronik der Stadt Bochum aus dem Jahr 1790

Die Geschichte der Stadt Bochum ist eng mit der Geschichte des Ruhrgebiets verbunden. Ein fränkischer Reichshof, wahrscheinlich um 800 bei der heutigen Propsteikirche angelegt, war die Keimzelle der Stadt. Die Bestätigung von Marktrechten mit stadtähnlichem Charakter im Jahr 1321 gilt als wichtigstes Datum der Stadtwerdung. Bochum gehörte zur Grafschaft Mark und kam später mit ihr an Brandenburg-Preußen. Bis in die 1840er-Jahre war Bochum ein provinzielles Landstädtchen. Die umliegenden Siedlungen im Amt Bochum hatten alle, bis auf Wattenscheid, noch nicht einmal einen dörflichen Charakter.

Mit der Industrialisierung explodierte die Einwohnerzahl der Region. Im Bereich der Schwerindustrie spielte das Stahlwerk Bochumer Verein eine wichtige Rolle im Werden der Stadt. Weiterhin gab es viele Steinkohlenbergwerke. Auf ihnen wurden teils bedeutende Erfindungen für den Bergbau gemacht. Ab 1904 Großstadt, erreichte Bochum nach einer bedeutenden Bauphase ab 1925 und einer dritten Eingemeindungswelle im Jahr 1929 seine bis dahin größte Bedeutung. Es bezeichnete sich damals als „zechenreichste Stadt“ Europas. Als Industriestadt mitten im Ruhrgebiet, zudem nahe an der Reichsgrenze und den alliierten Bomberstützpunkten, wurde Bochum im Zweiten Weltkrieg durch zahlreiche Luftangriffe schwer zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Zeiten des Wiederaufbaus noch einmal einen Boom der Montanindustrie in Bochum. Mit der Kohlekrise und der Stahlkrise gingen auch in Bochum viele Arbeitsplätze verloren. Bochum hatte, wie alle Ruhrgebietsstädte, ab den 1960er-Jahren mit starken Strukturproblemen zu kämpfen. Durch die Ansiedlung einer Zweigstelle der Adam Opel AG, die Eröffnung der Ruhr-Universität sowie weiterer Hochschulen konnte die Krise aber etwas besser aufgefangen werden als in manchen anderen Städten der Region.

Vor- und Frühgeschichte (bis um 800 n. Chr.) Die älteste Spur von Leben sind die Fußabdrücke eines Ichniotherium praesidentis. Bei der 316 Millionen Jahre alten Fußspur handelt es sich um die älteste Wirbeltierfährte in Deutschland, die bisher gefunden wurde. Der erste Fund im Jahr 1924 auf der Zeche Präsident gab den Namen. Großes öffentliches Aufsehen erregte der zweite Fund 2012 in Bochum-Stiepel.

Eines der ältesten Zeugnisse von Menschen im Bochumer Gebiet ist ein Schaber aus der Altsteinzeit, ca. 25.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Er wurde im Bereich Querenburg gefunden. In Hiltrop, am Hillerberg, konnten in den 1950er-Jahren Spuren der wahrscheinlich ältesten Besiedlung nachgewiesen werden. Sie stammen aus der Jungsteinzeit, um ca. 4750–4555 vor Christus. Archäologische Funde von dieser Zeit bis zum frühen Mittelalter belegen eine durchgehende Besiedlung.

Bochum lag im Siedlungsgebiet mehrerer germanischer Stämme (Chattuarier, Brukterer, Marser), deren genaue Abgrenzung allerdings schwierig ist. Die Zeit des römischen Imperiums und dessen Versuch, eine rechtsrheinische Provinz zu errichten, hat in Bochum fast keine Spuren hinterlassen. Es lassen sich nur vereinzelte Fundstücke zuweisen, die auch durch Handel in das Gebiet gekommen sein können. In der schon zu den Franken zu zählenden Region zwischen Lippe und Ruhr, dem Brukterergau, wirkte Ende des 7. Jahrhunderts alten Überlieferungen nach der heilige Wanderbischof Swidbert missionarisch für das Christentum. Die Gründung einer Missionskirche im heutigen Wattenscheid soll in diese Zeit fallen. Die alten Stämme und ihr Siedlungsgebiet wurden kurze Zeit später von den aus dem Norden einfallenden Sachsen erobert.HÖFKEN:

Frühmittelalter, Gründung von Bochum (um 800 bis ca. 1000) mini|400px|Strecke des westfälischen Hellwegs und die Städte an seiner Route

Der westfälische Hellweg war schon in der Bronzezeit eine wichtige Verbindung zwischen Ost und WestTexttafeln in der Ausstellung „Bochum macht sich. Schlaglichter Bochumer Geschichte“ im Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte und verlief im Bochumer Raum auf dem Höhenrücken zwischen Ruhr und Emscher. Als die Franken unter Karl der Große das Land der Sachsen nach langwierigen Kämpfen eroberten (772–804), wurden planmäßig Reichshöfe mit christlichen Missionskapellen entlang des Hellweges angelegt. Diese Reichshöfe dienten als Versorgungsstationen sowie zur militärischen Sicherung. Um sie herum entwickelten sich schrittweise die heutigen Städte. Vermutlich kreuzte der Hellweg im Bochumer Bereich eine aus dem Bergischen kommende uralte Straße, den Hilinciweg.

In der Nähe der Kreuzung dieser zwei Straßen wurde auf dem leicht hügeligen Gelände, auf dem Gelände des heutigen St.-Elisabeth-Hospitals ein Reichshof angelegt, der als Keimzelle von Bochum gelten kann. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, ob dies eine Neugründung war oder ob ein bereits bestehender sächsischer Oberhof dazu bestimmt wurde. Auf einem benachbarten Hügel entstand eine wahrscheinlich zunächst hölzerne Pfalz- und Missionskapelle, die dem Apostelfürsten Paulus geweiht war, der Vorläufer der heutigen Propsteikirche. Da der Hellweg eine bevorzugte Reiseroute zwischen den westlichen und sächsischen Teilen des Königreiches war, wird der Hofstaat samt König häufiger durch das Bochumer Gebiet gezogen sein.

mini|Repro des Werdener Urbar, mit der Angabe verschiedener Ortsnamen, um 900 Die Christianisierung der Region wurde durch die Gründung des Klosters Werden im Jahre 802 verstärkt betrieben. Das um 900 erstellte Heberegister (Urbar) des Klosters ist eine Quelle für die erste direkte namentliche Erwähnung von Orten sowie auch für die erste indirekte urkundliche Erwähnung Bochums. Die Urkunde benennt über dreißig Bauernschaften (villae) im Borahtron-Gau. In dieser Aufstellung finden sich viele heutige Bochumer Stadtteile wie Werinum (Werne), Threiri (Langendreer), Quemberga (Querenburg), Stipula (Stiepel), Abbingthorpo (Eppendorf), Wattanscethe (Wattenscheid), Hurlaon (Hordel) und Gerthrium (Gerthe). Sie werden in ihrer geografischen Reihenfolge um das heutige Bochum als Mittelpunkt, welches selbst nicht erwähnt wird, aufgeführt. Unter diesen Bauernschaften ist auch Altenbochum, damals Aldanbochem. Man kann davon ausgehen, dass dort, wo es ein altes Bochum gibt, auch ein neues Bochum existierte.

Die Namensherkunft Bochums oder die von Aldanbochem ist nicht eindeutig belegbar. Eine Theorie geht von der Nennung der Siedlung als Reichshof Cofbuokheim von 1041 aus. Im 9. Jahrhundert herrschte im Bochumer Raum ein Adeliger namens Cobbo. Dessen Name in der Abwandlung Cof kommt wohl in dieser Urkunde vor. Der zweite Namensbestandteil „-buchem“ oder „-boukheim“ setzt sich zusammen aus „boka“ (die Buche, welche es in der Gegend reichlich gab) und „hem“ (die Siedlung). Es wird davon ausgegangen, dass der Name Cofbuokheim also Cobbos Buchensiedlung sein könnte. Im Laufe der Jahrhunderte existierten viele Schreibweisen, welche auf Urkunden und Karten belegt sind. Einige davon sind: Buchem (1236 und 1298), Bokehem (1268), Bucheim (1272), Bochem (1308), Buchheym (1345), Buycheym (1347), Boickerm (1351) Buochan (1381) Boeckum (1645 und 1681).Comitatus Marchia et Ravensberg (County of Mark and Ravensburg) from "Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum, Editæ a Guiljel et Ioanne Blaeu", 1645.Map of Grafschaft Mark, Germany, 1681, by Nicolas Sanson Die erste Nennung der heutigen Schreibweise erfolgte 1583, mit der Nennung eines Burger bynne Bochum.

Hochmittelalter, Beginn der Märkischen Zeit (1000–1297) mini|Entwicklung der Grafschaft Mark vom 12. bis 15. Jahrhundert

Nach dem Jahre 1000 entstanden zwei Vorgängerbauten noch heute existenter Kirchen: In Harpen die St.-Vinzentius-Kirche und in Stiepel die Stiepeler Dorfkirche. Letztere geht auf eine Stiftung der Gräfin Imma von 1008 zurück. 1041 wird Bochum in einer Urkunde des Erzbistums Köln als Reichshof Cofbuokheim erwähnt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 70. Die hölzerne Pfalzkirche von 800 wurde spätestens im 11. Jahrhundert durch einen steinernen Saalbau abgelöst. Sie wurde schon früh in den Rang einer Taufkirche erhoben, wie der noch heute existente romanische Taufstein in der Propsteikirche belegt, der auf die Zeit um 1175 datiert wird.

Der Bochumer Reichshof ging 1180 als königliches Lehen auf den neuen Herzog von Westfalen, den Erzbischof von Köln, über. Bochum kam somit auch in das Spannungsfeld zwischen dem Erzbischof und der aufsteigenden Macht der Grafen von der Mark. Nach der Ermordung von Engelbert I. Erzbischof von Köln, Graf von Berg, Erzbischof von Köln im Jahr 1225 kam es zu einer Fehde um die Besitztümer des wegen des Mordes hingerichteten Friedrich Graf von Isenberg, den sogenannten Isenberger Wirren. 1243 beschlossen Adolf I. von der Mark und Dietrich von Isenberg zur Beilegung des Konfliktes in einem Friedensvertrag, sich Grafschaft, Gericht und Hof Cobochem in Freundschaft zu teilen. Dadurch wurde Bochum „Märkisch“, ein Teil der Grafschaft Mark.Franz Peine: So war Bochum, Eine Stadt im Wandel, Kamp Verlag Bochum, 14. Auflage, 1981, S. 209 Die jahrzehntelangen diplomatischen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit Köln wurden mit einer königlichen Billigung 1293 endgültig bestätigt. Damit begann ein neuer Abschnitt in der Siedlungsgeschichte Bochums. Während die Isenberger Linie nach und nach an Bedeutung verlor, festigten die Grafen von der Mark bis ins 14. Jahrhundert ihre Herrschaft und errichteten ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zwischen nördlichem Ruhrgebiet und Sauerland.

Spätmittelalter, bescheidene Stadtwerdung von Bochum (1298–1500) mini|Die sechs Herzöge von Kleve-Mark bzw. Kleve-Jülich-Berg-Mark-Ravensberg vor ihrer Residenzstadt Kleve.

Stadtwerdung

Die älteste überlieferte Urkunde für Bochum stammt aus dem Jahr 1298 vom Grafen Eberhard I. von der Mark.Der Inhalt der Urkunde und eine Erklärung dazu findet sich in der Zeitschrift Zeitpunkte #15. In ihr wird Bochum als „Wigbold“ bezeichnet und hat damit zwar keine städtischen Privilegien, aber einen rechtlich herausgehobenen Status gegenüber den Dörfern des Umlandes. In der Urkunde werden bestimmte Bürger, Grundstücke, Häuser und Verkaufsstellen erwähnt, die zwar eindeutig die Marktfunktion der kleinen Siedlung belegen, aber keine weiteren Rückschlüsse auf die Organisationsstrukturen erlauben. Die Wohnplätze und ein Marktplatz lagen im Bezirk der Beckstraße, Brückstraße und Gerberstraße, des heutigen Gerberviertel. Diese zweifellos älteste Wohnsiedlung der Altstadt nannte man wegen der kleinen Häuser (Katen, Kotten) Karrot und später auch Katthagen. Auf Anregung der Vereinigung für Heimatkunde entstand 1979 ein Modell der Stadt, welches heute im Stadtarchiv zu finden ist.Abbildung des Modells und der Urkunde von 1298, im Flickr-Auftritt der Stadt Bochum

Auf der Burg Blankenstein bestätigte Graf Engelbert II. von der Mark Pfingsten 1321 Bochum die bereits bestehenden Marktrechte und weitere Rechte. Es waren zwar keine Stadtrechte, aber auch wenn die genaue Interpretation strittig ist, war es doch ein Meilenstein in der Stadtentwicklung,Stefan Pätzold: Bochum. Kleine Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2017, S. 21–31 wodurch die Burg eine besondere Bedeutung für die Stadt Bochum hat. Der Überlieferung nach überreichte der Graf Bochumer Abgeordneten die Urkunde. Ein historistisches Gemälde schmückte den Ratssaal des alten Rathauses in Bochum.Foto des alten Gemäldes Der Ort war auch Sitz eines Freigerichtes, welches auf dem Freihof vor dem Bongardtor tagte.Höfken, S. 60 Auch dies erschien von Bedeutung für die Bochumer, weshalb es ebenfalls auf einem Gemälde im Rathaus dargestellt war.Höfken, S. 57