mini|Arthur Koestler (1969) mini|hochkant|Arthur Koestler (1918) Arthur Koestler, CBE (geboren am 5. September 1905 in Budapest, Österreich-Ungarn; gestorben am 1. März 1983 in London) war ein ungarisch-britischer Schriftsteller.Vgl. zum Todestag Auf der schwarzen Liste des KGB. In: Berliner Zeitung, 5. September 2005. Abgerufen am 2. März 2014. Er schrieb vorwiegend auf Deutsch und Englisch, vereinzelt auch auf Französisch und Ungarisch. Seine Zeitgenossen sahen ihn als bedeutendsten Renegaten der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, der er sieben Jahre lang angehört hatte.

Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung Artúr Kösztler war der Sohn Henrik Kösztlers, eines deutschsprachigen jüdischen Industriellen, und Adele Jeiteles. Er erlebte als Kind in Ungarn das Ende der Habsburgermonarchie sowie die kommunistische Revolution unter Béla Kun. Während der rumänischen Besetzung von Budapest im Jahr 1919 zog er mit seiner Familie nach Wien und studierte dort ab 1922 Ingenieurwissenschaften, parallel dazu aber auch Philosophie und Literaturwissenschaft. Während seines Studiums wurde er Mitglied der jüdisch-akademischen Verbindung Unitas.Harald Seewann: Zirkel und Zionstern. Band 1. Graz 1990, S. 134. Mitte der zwanziger Jahre begeisterte er sich für den Zionismus, dem er einen radikalen Bruch mit der Geschichte des europäischen Judentums zutraute. Er brach das Studium kurz vor dem Examen ab und ging 1926 nach Palästina. Hier verbrachte er einige Wochen im Kibbuz Chefziba, sein Antrag auf Mitgliedschaft wurde jedoch von der Kibbuzversammlung abgelehnt. Von Haifa aus, wo er Sekretär von Jabotinsky war, schickte er Reportagen an den Ullstein Verlag in Berlin, die in dessen Vossischer Zeitung veröffentlicht wurden.

Journalist Koestler veröffentlichte bald regelmäßig in den Ullstein-Blättern. Er nahm seinen Sitz in Jerusalem und wuchs in die Rolle eines Nahost-Korrespondenten hinein. Für zwei Jahre schrieb er sowohl über die politische Lage, wobei er zahlreiche Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten führte, als auch über leichtere Themen wie Feuilleton und Reisereportagen. Er berichtete aus Palästina, Ägypten, Transjordanien, Irak, Syrien und den Libanon.Arthur Koestler (1969): Arrow in the Blue. The first volume of an autobiography: 1905–31. Danube edition. London: Hutchinson & Co., S. 239 (Abgerufen am 6. Dezember 2025 von archive.org).

Bei einem Besuch im Berliner Verlagshaus im Juni 1929 bat er um eine Versetzung in ein anderes Land; schon im Juli schickte ihn Ullstein als Korrespondenten nach Paris, um dort unter Bürochef Leo Stahl eine Vakanz beim Ullstein-Nachrichtendienst zu füllen.Arthur Koestler (1969): Arrow in the Blue. The first volume of an autobiography: 1905–31. Danube edition. London: Hutchinson & Co., S. 246 (Abgerufen am 6. Dezember 2025 von archive.org). Im September 1930 zog er nach Berlin, wo er zunächst in die Redaktion der Vossischen Zeitung eintrat, um die Nachfolge des Wissenschaftsredakteurs Kurt Joel anzutreten.Arthur Koestler (1969): Arrow in the Blue. The first volume of an autobiography: 1905–31. Danube edition. London: Hutchinson & Co., S. 282 (Abgerufen am 6. Dezember 2025 von archive.org). Im Juli 1931 nahm er an der Arktisfahrt des Luftschiffs LZ 127 Graf Zeppelin teil,Arthur Koestler (1969): Arrow in the Blue. The first volume of an autobiography: 1905–31. Danube edition. London: Hutchinson & Co., S. 370 (Abgerufen am 6. Dezember 2025 von archive.org). was ihn sehr bekannt machte. Im Anschluss hielt er in mehreren Ländern Diavorträge über die Reise. Im September 1931 bot ihm Ullstein an, als Außenpolitik-Redakteur und stellvertretender Chefredakteur zur B.Z. am Mittag zu wechseln.Arthur Koestler (1969): Arrow in the Blue. The first volume of an autobiography: 1905–31. Danube edition. London: Hutchinson & Co., S. 406 (Abgerufen am 6. Dezember 2025 von archive.org).

Am 31. Dezember 1931, noch während er für den liberalen Ullstein-Verlag arbeitete, stellte Koestler ein Aufnahmegesuch an das Zentralkomitee der KPD, ohne es dem Verlag bekanntzugeben.Ein Gott der keiner war. Zürich 1950, S. 29. Im Januar 1932 wurde dem Gesuch stattgegeben und ihm das Parteibuch unter dem Pseudonym „Iwan Steinberg“ ausgehändigt.Ein Gott der keiner war. Zürich 1950, S. 34 f. 1932/33 bereiste er die Sowjetunion, wobei es in Aschchabad, der Hauptstadt Turkmenistans, zu einer zufälligen Begegnung mit Langston Hughes kam.Siehe Koestler: Als Zeuge der Zeit. S. 171 f. Koestler nahm die katastrophalen Zustände in der Sowjetunion zwar wahr (es herrschte gerade eine Hungersnot, die Millionen von Opfern forderte); er blieb aber zunächst dem Kommunismus verbunden, da er die Verhältnisse, die er beobachtete, noch als unvermeidliche „Nachwehen“ der Revolution ansah und auf eine Verbesserung hoffte. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten konnte er nicht mehr nach Deutschland zurückkehren und ging von dieser Reise aus direkt ins Exil nach Paris. Von 1934 bis 1936 arbeitete er für den von Sándor Radó in Paris herausgegebenen Pressedienst Inpress.Arthur Koestler: Die Geheimschrift. Bericht eines Lebens 1932 bis 1940. Desch, München/Wien/Basel 1955, S. 318–326.

Kriegsberichterstatter 1937, während des Spanischen Bürgerkriegs, ging Koestler als Kriegsberichterstatter für die republikanische Nachrichtenagentur Agence Espagne nach Spanien, wo er von den Truppen Francos gefangen genommen und als angeblicher Spion standrechtlich zum Tode verurteilt wurde. Er war fünf Tage im Gefängnis von Málaga in Isolierhaft; während dieser Zeit wurden dort fünftausend Menschen erschossen. Koestler wurde dann nach Sevilla verbracht. Die Briten erreichten nach neunzig Tagen auf dem Wege eines Gefangenenaustauschs seine Freilassung. Diese Erlebnisse hat er in seinem Spanischen Testament literarisch verarbeitet.Kindlers Neues Literatur Lexikon. Studienausgabe. München 1988. Band 9, S. 577. Es erschien im Left Book Club und verhalf ihm zum Durchbruch als Schriftsteller.

Unter dem Eindruck der großen stalinistischen Säuberungen und Schauprozesse wandte sich Koestler 1937/38 vom Kommunismus ab. Mit Willi Münzenberg gründete er 1938 die antifaschistische und antistalinistische Zeitschrift Die Zukunft.

England, die neue Heimat Nachdem er 1939/40 im französischen Lager Le Vernet interniert worden war, lebte und arbeitete Arthur Koestler ab 1940 in England. Er freundete sich dort mit George Orwell an, der in mancher Hinsicht eine ähnliche Entwicklung hinter sich hatte. Koestler war zunächst als Journalist für die News Chronicle tätig, schrieb später für zahlreiche englische und amerikanische Zeitschriften. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er vorübergehend nach Frankreich zurück und verkehrte unter den Linksintellektuellen um die Philosophin Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. In Beauvoirs Schlüsselroman Die Mandarins von Paris wird die Figur Scriassine mit Koestler identifiziert. Er hatte eine kurze Liaison mit Simone de Beauvoir, die möglicherweise die auf Gegenseitigkeit beruhende Abneigung zwischen Koestler und Jean-Paul Sartre, dem langjährigen Lebensgefährten de Beauvoirs, erklärt. Weitere Erfolge Koestlers als Romanautor waren der Spartacus-Roman Die Gladiatoren (1939) und Gottes Thron steht leer (1951).

Ab 1954 wandte er sich von der Belletristik und der Politik ab und naturwissenschaftlichen und parapsychologischen Themen zu.Der Monsignore und der Ehemann. Ein Gespräch mit Arthur Koestler über Genialität in Wissenschaft und Kunst. In: Die Zeit, Nr. 32/1966. 1959 erschien Die Nachtwandler, eine Geschichte der Astronomie, die sich auf den Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild konzentriert.

Koestler entwickelte ein Interesse für Parapsychologie. Er hatte bereits 1937 in seiner spanischen Todeszelle ein mystisches Erlebnis, als er Euklids Beweis, dass es unendlich viele Primzahlen gibt, rekonstruierte.The Invisible Writing. Macmillan, New York 1954, S. 350–354 () 1952 wurde er Mitglied der Society for Psychical Research (SPR).Fortean Times: . Oktober 2005. 1972 wurde er mit dem britischen Titel CBE geehrt.

Sprachen und Privates Koestler sprach fließend Deutsch, Ungarisch, Englisch und Französisch, verfügte aber auch über Russisch-, Hebräisch- und vermutlich auch Jiddischkenntnisse. Er lebte in Ungarn, Österreich, Deutschland, Palästina, der Sowjetunion, der Schweiz sowie in England, Wales, Frankreich und den USA.

Seine Mehrsprachigkeit schlug sich auch in seinem Werk nieder. Die Gladiatoren und Sonnenfinsternis schrieb er auf Deutsch. Die Originalmanuskripte gingen auf der Flucht aus Frankreich verloren, die heute bekannte deutsche Version ist eine Rückübersetzung aus dem Englischen. Im Sommer 2015 wurde jedoch das Originalmanuskript von Sonnenfinsternis im Archiv der Universität Zürich entdeckt. Ein Mann springt in die Tiefe (Arrival and Departure) verfasste er auf Englisch.

Koestler war dreimal verheiratet: von 1935 bis 1950 mit Dorothy Asher, von 1950 bis 1952 mit Mamaine Paget und von 1963 bis zu seinem Tod mit Cynthia Jefferies.

Krankheit und Suizid 1981 ließ sich Koestler zum Vizepräsidenten der britischen Freitod-Vereinigung EXIT wählen. Am 1. März 1983 schied er gemeinsam mit seiner zweiundzwanzig Jahre jüngeren dritten Ehefrau Cynthia Jefferies durch Suizid aus dem Leben; er litt an der Parkinson-Krankheit und an Leukämie.Ein Leben in Extremen. In: Humanes Leben – Humanes Sterben (HLS). Jg. 25.2005/3, S. 21ff. . Sein Vermögen stiftete er für die Einrichtung eines Lehrstuhls für Parapsychologie, der durch die Vermittlung seines Testamentsvollstreckers John Beloff zwei Jahre später an der University of Edinburgh eingerichtet wurde.Website der Koestler Parapsychology Unit

Postume Vorwürfe Zwölf Jahre nach Koestlers Tod beschuldigte Michael Foot ihn in der Financial Times, er habe versucht, Foots Ehefrau Jill Craigie zu vergewaltigen. David Cesarani übernahm in seiner umstrittenenGina Thomas: Nach der Sonnenfinsternis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. Mai 1999, abgerufen am 15. September 2017 Koestler-Biografie von 1998 (Arthur Koestler: The Homeless Mind) diese Beschuldigungen, über die Gina Thomas das Urteil fällt, dass „für seine schwerwiegenden Behauptungen handfeste Beweise“ fehlen. Cesarani kritisierte Koestler sogar als „Serienvergewaltiger“, was dazu führte, dass eine in der University of Edinburgh aufgestellte Koestler-Büste entfernt wurde.BBC News: Women force removal of Koestler bust. 29. Dezember 1998.William Skidelsky: Arthur Koestler’s personal failings should not wholly detract from our appreciation of his achievements. In: The Observer, 14. Februar 2010.

Schriften mini|hochkant|Detail eines Denkmals für Arthur Koestler in Budapest

Sonnenfinsternis

Seine Abrechnung mit dem Kommunismus vollzog er in dem Buch Sonnenfinsternis (englischer Titel Darkness at Noon), das 1940 in der Übersetzung von Daphne Hardy in England erschien und ein internationaler Bestseller wurde. Die Hauptfigur dieses Romans, inspiriert von alten Bolschewiki wie Nikolai Bucharin und Karl Radek, die Opfer der Moskauer Prozesse wurden, personifiziert die willenlose Unterwerfung des Individuums unter eine mörderische politische Maschinerie. Ein Durchschlag des verschollen geglaubten deutschsprachigen Originalschreibmaschinenskripts wurde 2015 von einem Doktoranden der Universität Kassel im Archivbestand der Universität Zürich entdeckt und 2018 veröffentlicht. Thomas Rüther: Die Signaturen der Lebensgefahr. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. April 2016, S. 47; sowie: Michael Scammell: A Different ‘Darkness at Noon‘. In: The New York Review of Books, 7. April 2016, S. 22. Gleichzeitig brachte Koestler unter dem Titel Der Yogi und der Kommissar Essays heraus, welche die Inhumanität der kommunistischen Partei der Sowjetunion und des Moskauer Regimes bloßlegen sollten.

Von Heiligen und Automaten