mini|Paolo Conte (2013) Paolo Conte (* 6. Januar 1937 in Asti, Piemont) ist ein italienischer Cantautore (Liederdichter), Komponist, Multiinstrumentalist und Maler. Der jazzgeprägte Musiker gilt als einer der wichtigsten und innovativsten Cantautori Italiens.

Ursprünglich Anwalt von Beruf, schrieb Conte in seiner über 50-jährigen Karriere auch viele Lieder für andere Musiker, oft in Zusammenarbeit mit Textdichtern wie Vito Pallavicini. 1974 gab er seine juristische Tätigkeit ganz auf und konzentrierte sich vollständig auf die Musik. Auch beim internationalen Publikum erfolgreich, insbesondere in Frankreich, stieß er neben seiner Musikkarriere in andere Kunstrichtungen vor: 2007 wurde ihm die Ehrendoktorwürde für Malerei von der Accademia di belle arti di Catanzaro verliehen. Gleichauf mit Fabrizio De André ist er der Künstler mit den meisten Auszeichnungen vonseiten des Club Tenco, mit sechs Targhe und einem Premio Tenco. Außerdem erhielt er einen Premio Chiara für seine Liedtexte.

Biografie Die 1950er-Jahre: Erste Schritte im Musikgeschäft Paolo Conte wurde 1937 im piemontischen Asti geboren. Der Vater Luigi war ein musikbegeisterter Notar, während die Mutter Carlotta aus einer Familie von Grundbesitzern stammte. Während des Zweiten Weltkriegs verbrachte der junge Paolo viel Zeit auf dem Hof des Großvaters und wurde durch seine Eltern mit dem Klavierspiel vertraut gemacht. Der Vater hatte trotz des Faschismus einige ausländische Platten erworben, wodurch Paolo erstmals mit Jazz in Berührung kam.

Er besuchte das humanistische Gymnasium Vittorio Alfieri in Asti und schloss später das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Parma ab, woraufhin er als Assistent in der Kanzlei seines Vaters zu arbeiten begann und gleichzeitig seine Kenntnisse im Musikbereich aufzubessern bemüht war. Mitte der 1950er-Jahre lernte er zuerst Posaune, dann Vibraphon, und spielte mit einer Vielzahl lokaler Gruppen, darunter der Barrelhouse Jazz Band, Taxi for Five, Lazy River Band Society, alle am amerikanischen Swing orientiert. Mit der Barrelhouse Jazz Band gründete Conte die USMA („Unione Studenti Medi Astigiani“) mit zugehörigem Klub, bei dessen Treffen die Band einmal in der Woche den gleichaltrigen Mitgliedern Musiker wie Rodgers & Hammerstein, George Gershwin, Cole Porter und Jerome Kern näherzubringen versuchte. Die Band trat auch weiter in Lokalen auf und nahm an Musikwettbewerben teil. Seine Faszination für den Jazz führte den jungen Conte bis nach Oslo, wo er an der vierten Ausgabe eines internationalen Jazz-Quiz teilnahm und den dritten Platz belegte.

Die 1960er-Jahre: Die Zusammenarbeit mit Vito Pallavicini mini|Adriano Celentano (1961) Anfang der 1960er-Jahre gründete er das Paul Conte Quartet, mit seinem ebenfalls musikbegeisterten Bruder Giorgio Conte am Schlagzeug. Mit der Gruppe wagte er sich erstmals in den Musikmarkt vor, doch die EP The Italian Way to Swing war ein Misserfolg. Unter dem Einfluss von Film und Literatur begann Conte, erste eigene Lieder zu schreiben, oft zusammen mit seinem Bruder. Frühe Beispiele sind Ed ora te ne vai, aufgenommen von Vanna Brosio, und L’ultimo giorno, interpretiert von Carla Boni mit einem Text von Giorgio Calabrese. Wie auch Francesco Guccini begann Paolo Conte hauptsächlich als Songwriter und Arrangeur für andere Musiker. Ein erster Erfolg war dem Lied Chi era lui beschieden, das Eingang auf Adriano Celentanos Album La festa sowie auf die B-Seite der erfolgreichen Single Il ragazzo della via Gluck fand; der religiös inspirierte Text stammte von Mogol und Miki Del Prete. Für Celentano entstanden auch die Nummer-eins-Hits La coppia più bella del mondo (Text von Luciano Beretta und Miki Del Prete) und schließlich Azzurro, mit einem Text von Vito Pallavicini; mit letzterem arbeitete Conte fortan dauerhaft zusammen.

Azzurro wurde ein Klassiker italienischer Musik und Conte nahm es später auch selbst auf, erstmals veröffentlicht auf dem Livealbum Concerti von 1985. 2007 wurde Azzurro in einer Umfrage der Società Dante Alighieri zum international bekanntesten italienischen Lied gewählt, knapp vor Nel blu dipinto di blu von Domenico Modugno. Conte arbeitete auch mit Michele Virano zusammen, woraus weitere Erfolgstitel hervorgingen, wie Insieme a te non ci sto più für Caterina Caselli und Tripoli 1969 für Patty Pravo. Messico e nuvole hingegen wurde durch Enzo Jannacci erfolgreich gemacht. 1968 schrieb er mit Pallavicini und Jazzmusikern wie Enrico Intra und Mansueto Deponti das Lied No amore für Giusy Romeo (später bekannt als Giuni Russo). Ebenfalls mit Pallavicini entstand der Titel La speranza è una stanza für Dalida. Ein weiteres bekanntes Beispiel aus jener Schaffensphase ist Santo Antonio Santo Francisco, geschrieben für Piero Focaccia und Mungo Jerry, die damit beim Sanremo-Festival 1971 antraten.

Die 1970er-Jahre Die Entwicklung zum Cantautore Im Jahr 1974, als er bereits mit dem Gedanken spielte, die Musik zugunsten einer juristischen Karriere aufzugeben, entschied Conte sich, auch unter dem Druck seines damaligen Produzenten Italo Greco, seine Lieder auch selbst aufzunehmen. So erschien bei RCA Italiana sein selbstbetiteltes Debütalbum. Als Cantautore zeigte er fortan einen nachdenklichen Stil, oft gepaart mit schneidender Ironie. Kritiker sahen das erste Album als unentschlossen an, wie eine revisionistische Anthologie der in den Jahren zuvor geschriebenen Lieder. Es blieb ohne besonderen Erfolg, auch wenn einzelne Lieder daraus mit der Zeit zu Klassikern seines Repertoires wurden, etwa La ragazza fisarmonica, Una giornata al mare, La fisarmonica di Stradella und vor allem Onda su onda, das sein Freund Bruno Lauzi aufnahm. Mit dem Lied Sono qui con te sempre più solo begann Conte eine mehrteilige musikalische Saga über den „Uomo del Mocambo“, einen imaginären Barbesitzer, die in späteren Jahren durch La ricostruzione del Mocambo, Gli impermeabili und La nostalgia del Mocambo fortgesetzt wurde. La ricostruzione del Mocambo war Teil des zweiten Albums von 1975, in dem sich Conte nun von den für andere geschriebenen Liedern löste, mit Titeln wie Genova per noi (laut Eigenaussage eines seiner wichtigsten Lieder überhaupt), La Topolino amaranto, Pittori della domenica oder Luna di marmellata. Noch immer stellte sich jedoch kein nennenswerter Erfolg ein und der Musiker begann, nun auch öffentlich aufzutreten.

Zwischen 1976 und 1977 gab er einige Konzerte zusammen mit befreundeten Musikern von RCA, darunter Piero Ciampi, Nada und Renzo Zenobi, doch auch diese fanden wenig Zuspruch. Dafür nahm Nada im selben Jahr drei Lieder von Conte auf: Avanti bionda, Arte und La fisarmonica di Stradella. Außerdem trat er in der Fernsehsendung Il futuro dell’automobile e altre storie von Lucio Dalla auf, wo er am Klavier die Lieder Onda su onda und La Topolino amaranto vortrug, und kümmerte sich um die Arrangements des Albums Danze von Renzo Zenobi. Für Gipo Farassino schrieb er zudem das Lied Monticone.

Der Club Tenco und der Erfolg von Un gelato al limon 1976 lud der Club Tenco Conte erstmals nach Sanremo ein, wo er im Ariston-Theater auftreten konnte. Auf dieser für ihn ungewohnt großen Bühne konnte er seine Lieder erstmals einem größeren Publikum vorstellen und mit den Jahren wurde er (wie Francesco Guccini oder Roberto Vecchioni) ein häufig wiederkehrender Protagonist der Veranstaltung. Vier Jahre nach dem Vorgänger veröffentlichte Conte 1979 das Album Un gelato al limon, das endlich auf den erhofften Zuspruch des Publikums stieß. Der Erfolg ging auf Lieder wie Bartali (gewidmet dem Radrennfahrer Gino Bartali) oder den seiner Frau gewidmeten Titelsong zurück, der im selben Jahr auch von Lucio Dalla und Francesco De Gregori bei ihrer erfolgreichen Tournee Banana Republic präsentiert wurde. Mit diesem Album führte Conte auch einige seiner Markenzeichen ein, etwa den Scat-Gesang oder den Einsatz des Kazoo. Weitere Lieder des Albums waren Dal loggione, Rebus, Angiolino sowie Sudamerica (beim Club Tenco zusammen mit Ivano Fossati, Roberto Benigni und Francesco De Gregori präsentiert). Hervorzuheben ist auch Blue tangos, das 1990 Eingang in den Soundtrack des Films Nouvelle vague von Jean-Luc Godard fand.

Die 1980er-Jahre Von Paris milonga bis Appunti di viaggio Am 25. März 1981 organisierte der Club Tenco eine ganztägige Conte gewidmete Veranstaltung, die „Contiana“. Im Rahmen dieser Würdigung stellte der Cantautore auch sein neues Album Paris milonga vor. Roberto Benigni würdigte Conte bei dieser Gelegenheit mit dem ironischen Lied Mi piace la moglie di Paolo Conte. Das Album sollte eines der bekanntesten seiner Diskografie werden, auch durch das Lied Via con me, das auf großen Zuspruch sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern stieß.

Die Single verhalf dem Album auch zu internationalem Erfolg, wobei Contes jazzorientierte Begleitband nicht unerwähnt bleiben darf: Auf dem Album waren Musiker wie Jimmy Villotti und Bruno Astesana vertreten. Weitere wichtige Titel des Albums waren Alle prese con una verde milonga, Boogie (später auch von Ivano Fossati aufgenommen), Blue Haways sowie Madeleine und Parigi. 1981 arbeitete Conte mit Gabriella Ferri auf dem Album Gabriella zusammen, für die er Lieder wie Sola contro un record, Vamp oder Non ridere schrieb.

Weniger als ein Jahr nach dem Erscheinen von Paris milonga veröffentlichte der Cantautore schon den Nachfolger, Appunti di viaggio. Die Themen des Albums waren exotischer und berührten geographisch weit entfernte Realitäten, konkret genannt werden Shanghai, Timbuktu und Sansibar. Letztere Stadt findet Erwähnung im Lied Hemingway, das zu jener Zeit Contes Konzerte eröffnete. Andere Lieder waren Fuga all’inglese, Lo zio, Dancing, Nord, La frase oder Gioco d’azzardo. Hervorzuheben ist auch der Foxtrott im Lied Diavolo rosso, das dem Radrennfahrer Giovanni Gerbi gewidmet ist. 1983 wurde Conte schließlich zusammen mit Alan Stivell, Giovanna Marini und Roberto Vecchioni mit dem Tenco-Preis ausgezeichnet.

Internationale Anerkennung Zwei Jahre nach Appunti di viaggio meldete sich Conte 1984 mit einer (zum dritten Mal) selbstbetitelten LP zurück. Darauf begann er eine langjährige Zusammenarbeit mit Renzo Fantini, seinem Manager und Produzenten. Das Album gilt als Produkt seiner endgültigen künstlerischen Reife. Viele Titel des Albums wurden rasch zu Klassikern des Cantautore, etwa Gli impermeabili (dritter Teil der Mocambo-Saga), Sparring partner, Come mi vuoi?, L’avance oder Come-di, ein von Cab Calloway inspiriertes Swing-Stück. Das Album war der Black Music Amerikas gewidmet, was besonders im Lied Sotto le stelle del jazz spürbar wird.

Das Album wurde nicht nur von Kritikern gepriesen, sondern verhalf Conte endgültig zu internationaler Aufmerksamkeit. Dadurch verstärkte er seine Live-Tätigkeiten und tourte gleichzeitig durch Italien und Frankreich. Daraus ging das doppelte Livealbum Concerti hervor, aufgenommen während der Konzerte in Lodi (28. Mai), in Perugia (20. Juni) und in Paris (15./16. März 1985). Der Zuspruch des französischen Publikums übertraf Contes Erwartungen weit. Durch den Status Paris’ als kulturelles Zentrum öffnete ihm der dortige Erfolg auch weitere Türen in Europa und er konnte in Deutschland, den Niederlanden und in England auftreten.

Zwei Jahre später trat er auch im kanadischen Montreal auf, weitere Tourneen führten ihn nach Belgien, Österreich, Griechenland und Spanien. Bedeutsam waren auch seine zwei Auftritte im legendären Jazzclub Blue Note in New York. Außerdem nahm Conte an den Jazzfestivals von Montreux, Montreal, Juan-les-Pins und Nancy teil. Mit Paolo Conte Live erschien 1988 ein großteils in Kanada aufgenommenes zweites Livealbum, das auch drei von Conte selbst nie veröffentlichte Lieder enthielt, Vamp, Messico e nuvole und Don't Break My Heart (1985 von Mia Martini als Spaccami il cuore aufgenommen).