Banská Bystrica (: ; , , ) ist eine Stadt in der Slowakei.
Sie hat Einwohner (Stand ) und ist Sitz des Landschaftsverbandes Banskobystrický kraj und der Matej-Bel-Universität Banská Bystrica. Es ist die größte Stadt des gleichnamigen Bezirkes und nach Bratislava, Košice, Prešov, Žilina und Nitra die sechstgrößte Stadt der Slowakei. Als historisch bedeutsame Bergbaustadt des Mittelalters und der Neuzeit hat sie wertvolle kunsthistorische Denkmäler.
Geographie mini|325px|Blick auf die Stadt von Urpín aus Die Stadt liegt im Zentrum der Slowakei im Bezirk Banská Bystrica, etwa im Mittelpunkt zwischen der Hauptstadt Bratislava (208 km nach Südwesten) und der zweitgrößten Stadt des Landes, Košice (217 km nach Osten). Banská Bystrica liegt im Talkessel Zvolenská kotlina am Fluss Hron, der in der Stadt seine Richtung von westwärts nach südwärts ändert und den Bach Bystrica zunimmt. Sie ist von mehreren Gebirgen umgeben: der Großen Fatra (Veľká Fatra), den Starohorské vrchy und der Niederen Tatra (Nízke Tatry) im Norden, dem Slowakischen Erzgebirge (Slovenské rudohorie) und der Poľana im Südosten und den Kremnitzer Bergen (Kremnické vrchy) im Westen. Obwohl diese Berge bis fast auf reichen, wird die Stadtlandschaft vom Berg Urpín () am linken Ufer des Hron dominiert. Banská Bystrica mit einer Fläche von 103,37 km² ist mit der etwa 20 km südlich gelegenen Stadt Zvolen durch eine Reihe von Gemeinden verbunden. Das Stadtzentrum liegt auf . Nachbargemeinden von Banská Bystrica sind Špania Dolina im Norden, Nemce, Kynceľová und Selce im Nordosten, Slovenská Ľupča und Poniky im Osten, Môlča und Horná Mičiná im Südosten, Vlkanová und Badín im Süden, Horné Pršany und Malachov im Südwesten, Kremnica, Králiky und Tajov im Westen sowie Riečka und Harmanec im Nordwesten.
mini|240px|Die Stadtburg ist das älteste erhaltene Bauwerk von Banská Bystrica Geschichte Frühe Geschichte Die Stadt ist ein alter Siedlungsplatz (Steinzeit, Bronzezeit, Kelten, wichtige germanische Siedlungen). Es ist bekannt, dass dort bereits die Kelten Oberflächenerze abbauten.
Mittelalter mini|Blick über die Mariensäule zur Pfarrkirche der Heiligen Maria, der slowakischen Kirche und dem Rathaus auf dem Burgareal von Neusohl Die heutige Siedlung wurde von Slawen gegründet. Es handelte sich um eine landwirtschaftliche Siedlung, deren Bevölkerung auch Goldwäscherei betrieb. Die ersten deutschen Siedler (Bergleute) kamen vereinzelt bereits im 12. Jahrhundert, in größerem Ausmaß jedoch erst nach dem verheerenden Mongoleneinfall von 1241/42 in die Gegend, um den Bergbau in Form von Stollen- und Schachtbau zu aktivieren.
1255 erteilte der ungarische König Banská Bystrica das Stadtrecht, das Recht Gold, Silber und andere Metalle abzubauen, und andere umfangreiche Privilegien. Die Haupteinnahmequelle der mittelalterlichen Stadt war der Bergbau. Es wurden Gold und Silber abgebaut, ab etwa 1350 Kupfer, im 14. Jahrhundert auch Quecksilber und Anfang des 15. Jahrhunderts Blei. Damals gehörte Banská Bystrica neben dem „goldenen“ Kremnica (Kremnitz) und dem „silbernen“ Banská Štiavnica (Schemnitz) zu den drei reichsten Bergbaustädten der Mittelslowakei. Banská Bystrica besaß entsprechend das Attribut „kupfern“. Die Bergbauunternehmer (Waldbürger, Ringbürger) waren überwiegend Deutsche, die Handwerker und Händler meist Slowaken.
Eine tiefgehende Bergbaukrise im 15. Jahrhundert, die auch eine rasche Slowakisierung der Bevölkerung einleitete, konnte erst von Johann Thurzo überwunden werden: 1493 begegneten sich der deutsche Bankier und Geschäftsmann Jakob Fugger aus Augsburg und der slowakische Zipser Graf und Unternehmer Johann aus der Familie Thurzo. 1495 gründeten sie die Saigerhandelsgesellschaft (gemeiner) Ungarischer Handel (anfangs Thurzo-Fugger-Gesellschaft, später Ungarischer Kupferhandel genannt), die zum größten europäischen Handelsunternehmen um 1500 avancierte. Banská Bystrica war einer der drei Standorte der für das Unternehmen zentralen Saigerhütten, neben Moštenica und Mogiła bei Krakau.Christoph Bartels u. a. (Hrsg.): Geschichte des deutschen Bergbaus. Band 1: Der alteuropäische Bergbau. Von den Anfängen bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Aschendorff Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-402-12900-5, S. 254–255, 269, 317, 321, 496–497. –Ian Blanchard: International Lead Production and Trade in the „Age of the Saigerprozess“ 1460–1560 (= Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Beiheft 85, ). Steiner, Stuttgart 1994, ISBN 3-515-06461-3, S. 15–74. Durch die Heirat unter ihren Kindern wurde das Unternehmen gefestigt. Sie investierten in Kupferbergwerke und gründeten Handelszentren in ganz Europa. Im Jahr 1525 wurden die Fugger zeitweilig vom König enteignet. Da die königlichen Beamten die Bergleute jedoch nicht bezahlen konnten, brach ein Bergarbeiteraufstand aus, der bis 1526 dauerte, als die Enteignung der Fugger rückgängig gemacht wurde. Allerdings gingen in den Folgejahren die Erträge stetig zurück, so dass die Fugger die Pacht der Bergwerke 1546 nicht verlängerten.
Neuzeit mini|Ehemalige Jesuitenkirche und heutige Kathedrale St. Franz Xaver Nach der Niederlage der Armee des Königreichs Ungarn in der Schlacht bei Mohács 1526 drangen die Türken vereinzelt bis nach Banská Bystrica vor. Die Stadtväter ließen die Stadtburg zu einer Festung umbauen, die Stadt wurde allerdings nicht direkt bedroht.
Im 17. Jahrhundert wurde die Stadt von den in der Slowakei stattfindenden anti-habsburgischen Aufständen schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1605 wurde sie von den Truppen Stephan Bocskays niedergebrannt, 1620 wählten die Aufständischen dort Gabriel Bethlen zum König.
Im 18. Jahrhundert ersetzte der Eisenerzbergbau den Kupferbergbau. Nach einem großen Feuer im Jahr 1761 bekam die Stadt ein neues, barockes Aussehen. Die letzten Bergwerke wurden 1788 geschlossen. 1725 entstand die erste Manufaktur (eine Tuchmanufaktur), weitere folgten bald danach. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Sitz der Gespanschaft Sohl und 1776 als Bischofssitz erklärt.
19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert spielte Banská Bystrica im kulturellen und politischen Leben der Slowaken eine wichtige Rolle (Zentrum des slowakischsprachigen Schulwesens, Filiale des Vereins Slovenské učené tovarišstvo, 1845 Gründung des Vereins Spolok pohronský). 1830 entstand hier die erste Fabrik (eine Zuckerfabrik, die 16 Jahre später einging). Die wichtigsten Industriezweige waren Holz- und Textilverarbeitung. Die Wichtigkeit der Stadt stieg mit der Eröffnung der Eisenbahnlinien Zvolen-Banská Bystrica im Jahre 1873 sowie Banská Bystrica-Brezno im Jahre 1884. 1845 wurde die erste Sparkasse gegründet.
20. Jahrhundert mini|Denkmal des Slowakischen Nationalaufstands Nach der Gründung der Tschechoslowakei Ende 1918 wurde der Ort ein Teil dieser und bekam seinen offiziellen slowakischen Namen „Baňská Bystrica“, der 1927 auf den heutigen Namen sprachlich korrigiert wurde.Milan Majtán: Názvy obcí Slovenskej Republiky. VEDA, vydavateľstvo Slovenskej akadémie, Bratislava 1998, ISBN 80-224-0530-2 (savba.sk, abgerufen am 22. Dezember 2017). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich die wirtschaftliche Struktur der Stadt kaum; die Arbeitslosigkeit war meist hoch. 1936 ging in Banská Bystrica ein slowakischer Radiosender in Betrieb. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei und der Annexion von Gebieten durch Nazi-Deutschland wurde die Stadt im Juli 1939 Teil der Ludaken-Diktatur im 1939–1945 bestehenden Slowakischen Staat.
Ab dem 29. August 1944 war die Stadt das Hauptzentrum des Slowakischen Nationalaufstandes unter Leitung von Ján Golian. Von hier ging der Radioaufruf zum Aufstand aus. Während der Kämpfe wurde ein Teil der deutschsprachigen Bevölkerung Neusohls von slowakischen Partisanen getötet. Am 17. September 1944 fand in der Stadt der Vereinigungskongress der KKS mit der Sozialdemokratie statt. Ab dem 27. Oktober 1944 wurde sie wieder von deutschen Truppen kontrolliert, die Banská Bystrica kampflos einnahmen. Am 30. Oktober 1944 hielt der Präsident und Geistliche Jozef Tiso eine Messe ab, danach äußerte er sich in einer Rede auf dem Hauptplatz zugunsten der Nazis, mit denen er bereitwillig kollaborierte, und steckte ihnen bei der Gelegenheit persönlich Orden an. Am 25. März 1945 wurden die deutschen Besatzer von der sowjetischen Armee aus Banská Bystrica vertrieben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zum Zentrum der gesamten Mittelslowakei. Es entstanden zahlreiche neue Industriebetriebe wie Slovenské energetické závody (Energetik), TESLA, Smrečina (Holzverarbeitung), Závody SNP (Eisenhütten). 1966 wurden folgende Gemeinden der Stadt angeschlossen: Iliaš (1886–1966 zu Kráľová eingemeindet), Kráľová, Majer, Podlavice, Radvaň (1964–1966 zu Kráľová eingemeindet), Rudlová, Sásová, Skubín (1961–1966 zu Podlavice eingemeindet). Heute ist Banská Bystrica eine moderne Metropole der Mittelslowakei.
21. Jahrhundert 2017 wurde Banská Bystrica der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Siehe das Stadtporträt Reformationsstadt Banská Bystrica. Slowakei. Bekenntnis im Gebirge. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 22. Dezember 2017.
Nach dem schweren Attentat auf Ministerpräsident Robert Fico am 16. Mai 2024 im nahen Handlová wurde dieser im Roosevelt-Krankenhaus in Banská Bystrica behandelt.Stephan Löwenstein, Niklas Zimmermann: Slowakei nach Fico-Attentat: Was hat den Schützen zu seiner Tat bewogen? In: FAZ. 16. Mai 2024, abgerufen am 17. Mai 2024 (Artikelanfang frei abrufbar).
Herkunft des Stadtnamens Der erste Quellenbeleg stammt von 1255 in der Form Noua villa Bystrice prope Lypcham (d. h. „neue Siedlung Bystrica in der Nähe von Ľupča“). 1263 erschien (ausnahmsweise) die Form Besterchebana, d. h. das Bergwerk von Bystrica (ungarische und slowakische Substantive /).
Bystrica wurde vom gleichnamigen Bach. In: svp.sk, abgerufen am 15. April 2017 (Bystrica hron). übernommen, dessen Name sich wiederum von der protoslawischen Wurzel *-bistr ableitet. Das Attribut Banská kam erst später dazu (erster Beleg 1773) und bedeutet Bergbau- (Adjektiv). Die (spätere) ungarische Form entstand durch Anpassung der Form von 1263.
Ein ähnlicher deutscher Flussname gleicher etymologischer Wurzel ist Weißeritz. Die deutsche Form Neusohl ist vom Namen der Nachbarstadt Zvolen abgeleitet und bedeutet „Neu-Zvolen“; Zvolen hieß auf Deutsch ursprünglich „Sohl“.
mini|Die Mariensäule am Platz des Slowakischen Nationalaufstandes Sehenswürdigkeiten mini|Platz des Slowakischen Nationalaufstandes Die meisten historischen Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich um den Platz des Slowakischen Nationalaufstandes (). Dominierend auf dem Platz ist der 1552 im Renaissancestil erbaute Uhrturm, einem schiefen Turm mit einer gegenüber der Vertikalen um 40 Zentimeter geneigten Spitze.Katarína Donovalová: Poznaj svoje mesto – Banská Bystrica: Výberová regionálna bibliografia dejín mesta od najstarších čias po súčasnosť. Dom Matice slovenskej v Liptovskom Mikuláši, [Liptovský Mikuláš] 2004, ISBN 80-7090-457-7 (slowakisch; , abgerufen am 15. April 2017). Der Turm kann bestiegen werden und bietet eine Aussicht über die Stadt. Eine Pestsäule () wurde im 18. Jahrhundert nach einer Pestepidemie auf dem Platz errichtet. Die Kapitelkirche des Hl. Franz Xaver wurde von Jesuiten in den Jahren 1695–1715 errichtet und ist eine Kopie der Kirche Il Gesù in Rom. Gleichzeitig ist die Kirche seit dem Jahre 1776 die Kathedrale des Bistums Banská Bystrica. Andere Denkmäler auf dem Platz sind: Die Mariensäule, ein Springbrunnen im Jugendstil aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und ein schwarzer Obelisk, welcher zu Ehren der im Kampf um die Stadt 1945 gefallenen sowjetischen Soldaten errichtet wurde.