mini|hochkant=1.20|Oebelsmühle 2025 mini|hochkant=1.20|Der Mühlenbach an der Rückfront Die Oebelsmühle in Lechenich war eine der vielen in dieser Region seit alter Zeit betriebenen Getreidemühlen. Als solche hatte sie Bestand bis zum Jahr 1972. Nach 1982 erfolgte der Umbau zu der heutigen, privaten Wohnanlage.F. Bartsch, Hanna Stommel: Lechenich von der Römerzeit bis heute. S. 104.

Geschichte Das aufwendig restaurierte, imposante Bauwerk, heute „Oebels Mühle“ genannt, hat seinen Ursprung in mittelalterlicher Zeit. Es stand auf einem Gelände, welches schon lange der Grundherrschaft der Kölner Kirche unterstand. Zum Zeitpunkt ihrer Ersterwähnung war die Mühle im Besitz des Kölner Erzbischofs Siegfried von Westerburg, der der Ortschaft Lechenich im September 1279 städtische Privilegien verliehen hatte.

Nimmt man die Niederberger Mühle, deren Reste einer sehr frühen Getreidemühle nach jüngstem Erkenntnisstand (dendrochronologische Untersuchung der Hölzer im Jahr 2005)Petra Tutlies: Eine karolingische Wassermühle im Rotbachtal. In: Landschaftsverband Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege (Hrsg.): Archäologie im Rheinland. 2005, S. 106–108. in karolingische Zeit (833) datiert wurden, zum Vergleich, so scheint auch bei der Oebels Mühle eine sehr frühe Errichtung möglich zu sein.

Durch die Verlagerung der ehemals südwestlich der heutigen Stadt gelegenen Ansiedlung, die fortan neben starken Stadtmauern, zusätzlichen Schutz durch tiefe Wassergräben erhielt, befand sich die erzbischöfliche Mühle am oberen Ende der neuen Stadt. Die die Stadt umgebenden Gräben füllte der „Mühlenbach“, der seinen Abfluss im Rotbach fand.

Eigner und Pächter Die Mühle wurde aufgrund ihrer Lage (am oberen Lauf des Baches, sowie als Pendant einer weiteren, der „Unteren Mühle“), im Jahr 1293 als die „Obere Mühle“ in Lechenich bezeichnet. Dies geht aus einem Verzeichnis der Einkünfte des Erzbischofs hervor, das den für diesen Zeitraum gültigen und vereinnahmten Pachterlös von 40 Malter Roggen angab.Stommel, Quellen: Band I Nr. 178. Die erzbischöfliche Mühle wurde im Lauf der Jahrhunderte wiederholt durch Krieg oder Stadtbrand zerstört (1642, 1689, 1722),Stommel, Quellen: Band IV Nr. 2551 und Band V Nr. 2855. jedoch immer wieder aufgebaut. Derartigen Verlust traf jedoch nicht den Grundherren, sondern den jeweiligen Mühlenpächter. Ihm oblag es, laut vertraglicher Abmachung, im Schadensfall den Wiederaufbau auf eigene Kosten vorzunehmen.Stommel, Quellen: Band IV Nr. 2528. Einer Bittschrift um Pachtnachlass wurde in Härtefällen meistens von dem Grundherrn entsprochen. Bei außergewöhnlichen Unglücksfällen gab es für den Wiederaufbau der Mühle einen Zuschuss der kurfürstlichen Hofkammer.Stommel, Quellen: Band V Nr. 2855. Ab dem 18. Jahrhundert bestand die Pacht nicht mehr aus abgeführten Naturalien, die Mühlen wurden nun an den Meistbietenden gegen Geld verpachtet.

Mühlenbetrieb und Bann mini|hochkant|Unterschlächtiges Wasserrad Bis 1642 hatte nur ein Mühlenpächter beide, die obere und die untere Mühle, zur Pacht erhalten. Nach 1642 war die obere Mühle die einzige Getreidemühle, die untere wurde dann als Ölmühle bewirtschaftet. Pächter der Getreidemühle nahmen bis über das Ende des 18. Jahrhunderts hinaus Rechte und Pflichten als Müller einer „Zwangsmühle“ wahr und verarbeiteten das Getreide der dem Lechenicher Mühlenbann unterliegenden Bauern.Stommel, Quellen: Band IV Nr. 2320. Dieses 1158 eingeführte Gesetz des grundherrlichen Gewerbebannrechtes zwang die Erzeuger, ihr Korn ausschließlich in dieser Mühle mahlen zu lassen. Für seine Arbeit und Kosten behielt der Müller einen Teil des Mahlgutes zurück.

Rotbach, Lachenbach, Mühlenbach mini|hochkant|Rotbach, Lechenich Das intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiet an der Erft mit ihren Zuläufen zählt zu einer der ganz alten Mühlenlandschaften Deutschlands. Einer dieser Zuflüsse, der in der nördlichen Eifel als „Nöthener Siefen“ entspringende Rotbach, gewann, wiederum gespeist von vielen kleineren Zuläufen in der von ihm durchflossenen Jülich-Zülpicher Börde, die nötige Kraft, Mühlräder anzutreiben. Allein im Bereich Lechenich, beginnend mit der Niederberger Mühle, war der Bach Antriebskraft für acht Mühlenbetriebe, bevor er schließlich nördlich von Erftstadt-Dirmerzheim nach Passieren der dortigen Dirmerzheimer Mühle in den Rhein-Zufluss, die Erft, mündete.

Der Oberlauf des Rotbaches besaß einige Wehre, die in späteren Jahren abgebaut wurden. Sie dienten vorrangig der Regulierung des Wasserzuflusses und zur Bewässerung der Benden am Bachlauf und gleichzeitig der Abwehr von Treibgut, das ein Mühlrad geschädigt hätte. Heute ist der Rotbach in Dirmerzheim kanalisiert. Die bis Ende der 1980er Jahre fast jährlich auftretenden Hochwässer, welche große Schäden anrichteten, können nun durch das Regenrückhaltebecken in Niederberg verhindert werden.

Kartendarstellungen

Auf der nicht „genordeten“ Darstellung von 1646 zeigt Matthäus Merian die befestigte Stadt Lechenich. Auf diesem Stich ist, vor der Stadtmauer an deren südwestlichen Ende liegend, die „Obere Mühle“ eingezeichnet. Sie wurde von Merian mit dem für unterschlächtige Mühlen charakteristischen, großen Wasserrad dargestellt.

Die Namen der Bäche unterlagen im Lauf der Zeit vielen Wandlungen. Die Karte des französischen Geodäten Tranchot zeigt und bezeichnet die Bachläufe des Kanton Lechenich am Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu entziffern sind die Namen: „Rothe bach“, „Lachebach“ und „Alte Bach“. mini|hochkant|Eine der tragenden Säulen des Untergeschosses. Wahrscheinlich 18. Jh. Nach dieser Karte lag das Zentrum der Mairie Lechenich zwischen „die Rothe Bach“ auf der westlichen und „die Lachen bach“ auf der Ostseite. Der Lachenbach trug südlich des Ortes Ahrem die Benennung „die Alte Bach“. Beide Bäche kamen aus der Eifel. Aus der Karte ist ersichtlich, dass der Rothe Bach westlich von Lechenich nach Konradsheim verlief, den Ort durchfloss und dann vor Dirmerzheim den östlich von Lechenich fließenden Lachenbach aufnahm, an den noch die Flurbezeichnung „Im Lacherfeld“ bei Dirmerzheim erinnert. Der Rotbach floss weiter durch Dirmerzheim und mündete zwischen Gymnich und Brüggen in die Erft. Bei der Bachregulierung Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Bäche bei Mülheim-Wichterich vereinigt. Zwischen Friesheim und Ahrem führte man dem ehemaligen Rotbach, der die Mühlen antrieb, wieder Wasser zu. Die Benennung wurde in den späteren Jahren geändert, sodass der ehemalige Alte Bach oder Lachenbach heute als Rotbach bezeichnet wird, der Rothe Bach wurde zum Lechenicher Mühlenbach.Naturpark Kottenforst-Ville (Hrsg.): Brühl und die Ville-Seen. Freizeitkarte 1:25.000, 2008. In Ahrem vereinigt sich zudem die aus Erp kommende Erpa mit dem Lechenicher Mühlenbach.Stadtplan Erftstadt. Verwaltungs-Verlag 2008. Der Lechenicher Mühlenbach oder -graben endet in Konradsheim und der Rotbach fließt nördlich von Dirmerzheim in die Erft. Die Zeit der Säkularisation, in der durch Tranchot (und später durch Karl von Müffling) gute Topographische Aufnahmen entstanden, brachte auch für die „Bannmühle“ am Lechenicher Stadtgraben, große Veränderungen mit sich.

Säkularisation Im Zuge der Säkularisation im Jahr 1802 erfolgte durch Konsularbeschluss auch die Beschlagnahme der geistlichen Güter. 1804 wurden die Mühlengebäude, das Wohnhaus, die Wirtschaftsgebäude und eine inzwischen eingerichtete Brennerei zur Herstellung von Branntwein verkauft.Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Roerdepartement Zentralverwaltung Domänenverkäufe Arrondissement Köln Kanton Lechenich Nr. 17351

19. Jahrhundert mini|hochkant|Der Bach traf an der Stelle des später erbauten Ecksilos auf das Mühlrad mini|hochkant|Kaminrest eines Maschinenhauses, Anfang 20. Jahrhundert Die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung im Raum Lechenich wurde, auch aufgrund fehlender Infrastruktur zu dieser Zeit, als schwach beschrieben. Die Menschen der Region lebten bis auf eine kleine Oberschicht in bescheidenen Verhältnissen. Fast alle, ob als Eigentümer oder Pächter, lebten überwiegend von den erwirtschafteten Erträgen der Landwirtschaft (die neben der später aufkommenden Beschäftigung in der Braunkohle bis in den Beginn der 1960er Jahre dominierte) oder führten kleine Handwerksbetriebe, die ihnen den Lebensunterhalt ermöglichten. Die Mehrzahl der Bevölkerung bestand jedoch aus Lohnabhängigen, die sich als Mägde, Knechte oder als Tagelöhner verdingten. Zu den Eigentümern oder Pächtern gehörte auch der Berufsstand der Müller, deren wirtschaftliche Lage zum Anfang des 19. Jahrhunderts nicht besser war.

So kann die schon 1820 eingerichtete Branntweinbrennerei in der Stadtmühle der fehlgeschlagene Versuch der Müller gewesen sein, sich einen weiteren Erwerbszweig zu schaffen. Produktnamen der Destillationserzeugnisse der Mühle sind jedoch nicht überliefert.

Die Angaben zu den einzelnen Mühlenbetreibern sind spärlich. So soll 1820 eine Wassermühle, gelegen zu Lechenich, die als Stadtmühle bezeichnet wurde, verkauft oder verpachtet worden sein. Angeboten wurde in einer Offerte eine doppelte Mahlmühle, sowie eine Ölmühle nebst einer Wohnung, einer Scheune und Stallungen. Auch eine Brennerei wurde angeführt. Es wurde darauf hingewiesen, dass alles in Stein erbaut sei und von zugehörigen Gärten, Baumgärten, einigem Ackerland und Wiesen umgeben sei.

1827 wurde die in ihrer Beschreibung mit obiger Offerte identische Lechenicher Liegenschaft des zu Kaarst wohnenden Gutsbesitzers Johann Mathias Decker zum Verkauf angeboten. Sie wurde bewohnt und benutzt von Margarethe Decker, der Tochter der Eheleute Decker. Als Erstgebot wurde die Summe von 2000 Talern angeführt.Susanne Sommer: Mühlen am Niederrhein. Bonn 1991, S. 330–331 Lechenich Nr. 5106–17

Der dann folgende Müller der „Stadtmühle“ war Benedikt Dünbier. Er stellte 1831 einen Antrag zur Errichtung eines zweiten Wasserrades, dem durch die Verwaltung stattgegeben wurde. Neben den üblichen Dienstleistungen einer Getreidemühle bot er auch landwirtschaftliche Produkte seines Hofes an. Überdies soll er, als Neuerung, noch im gleichen Jahr fein gemahlenen Gips offeriert haben. Der Grund einer 1844 im Amtsblatt der königlichen Regierung erschienenen Verkaufsanzeige, in welcher das Mühleninventar angeboten wurde, ist nicht bekannt. Feilgeboten wurden in diesem Inserat neben Haustieren wie Ackerpferden, Kühen und Schweinen, auch deren Futtermittel wie Rüben und Kartoffeln und überdies Ackergeräte, eine Kutsche und Mobiliar des Hauses. Wohl als aufschlussreichstes Indiz der damaligen „Hofstruktur“ war die ebenfalls in der gleichen Anzeige angebotene Ausstattung einer Brennerei anzusehen.Frank Kretzschmar: Mühlen, Bauten und versteckte Winkel im Rhein-Erft-Kreis. S. 83 f.

Von der Stadt- zur Oebelsmühle Um das Jahr 1860 erwarben Theodor Oebel und seine Frau Kunigunde das Lechenicher Mühlenanwesen. Von dem von 1896 bis 1900 von der Familie Oebel als „1.ter Müller“ neben anderen Kräften angestellten Müllermeister Wilhelm Salgert stammen ausführliche Angaben zur damaligen Mühle. Salgert beschrieb nicht nur dezidiert den Mühlenalltag, sondern berichtete auch über die vorhandenen technischen Einrichtungen und Abläufe in der Oebelsmühle.

Am Ende des 19. Jahrhunderts nutzte man, wahrscheinlich ergänzend, die neue Technik der Dampfkraft und wurde so unabhängig von den Schwankungen der Wasserstände des Mühlenbaches, die teils künstlich gedrosselt wurden, aber auch wetterbedingt auftraten.