mini|Das Haus Badische Heimat in Freiburg zeigt sich wieder in Originalfarben (2019) mini|Das Haus der Geschäftsstelle des Vereins Badische Heimat (Freiburg, Hansjakobstraße) noch in der früheren Farbe (2010) Der Landesverein Badische Heimat e. V. mit Sitz in Freiburg gehört zu den deutschen Heimat- und Kulturvereinen. Er wurde 1909 gegründet und ist Mitglied im Dachverband Bund Heimat und Umwelt (BHU) in Bonn.

Geschichte Gründung Der Zusammenschluss der beiden Vereine „Badischer Verein für Volkskunde“ (gegründet 1904) und des „Vereins für ländliche Wohlfahrtspflege“ (gegründet 1902) wurde am 26. Juli 1908 in Triberg beschlossen und trat am 1. Januar 1909 in Kraft. Der Zusammenschluss wurde vom Großherzog, der Regierung und den Ministerien gefördert, da sich die Vereine in ihren Aufgaben überschnitten. Der Name „Badische Heimat“ bezog sich auf das Territorium des Großherzogtums Baden. Als Ziele des Vereins wurden bereits damals formuliert: „Volkstum und Heimat erhalten, zu hüten und zu erforschen, für den Schutz der heimischen Landschaft, ihrer Kunst- und Naturdenkmale, ihrer Tier- und Pflanzenwelt zu sorgen, die Volks- und Heimatkunde auszubreiten und seelisch zu fördern, die Familienforschung anzuregen und zu pflegen und so die Heimatliebe zu wecken und die Heimatkultur zu vertiefen – insgesamt zu wirken für Heimat und Volkstum.“

Die erste Landesversammlung fand 1909 in Achern statt. Gewählt wurden dort als erster Vorsitzender der Freiburger Bibliothekar Fridrich Pfaff (1855–1917), als sein Stellvertreter der Mediziner Eugen Fischer sowie als Schriftführer Hermann Flamm (1871–1915). Nach dessen Tod übernahm der Freiburger Kunsthistoriker Max Wingenroth (1872–1922) den Posten als Schriftführer. Er ermöglichte die Errichtung einer ersten Geschäftsstelle im Colombischlössle in Freiburg.

Zwanziger Jahre In den 1920er Jahren hatte der Verein seine Blütezeit, die vor allem auf die unermüdliche Arbeit des Vorstands und namhafter Fachreferenten im breitgestreuten Spektrum von „badischer Kulturgeschichte, Geologie und Vorgeschichte, Hausbau, Siedlung und Trachtenkunde, Kunstgeschichte und Denkmalpflege, Literatur und Mundart, aber auch Familienforschung und Vererbungslehre“100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 359. zurückging. Vertrat der Schriftleiter des Vereins Hermann Eris Busse verklärend agrarromantische Positionen, brachte die Arbeit des Anthropologen und Rassetheoretikers Eugen Fischer den Verein schon früh in eine gefährliche Nähe zu rassisch-völkischen Kreisen und ebnete den Weg in die Nähe des Nationalsozialismus.100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 364ff. In der Blütezeit, den Jahren nach 1924, zählte der Verein 12000 Mitglieder. Er wurde in Sachen des Natur- und Denkmalschutzes bei fast allen Projekten angehört und setzte sich für den Erhalt der Schwarzwaldtäler und gegen den Bau von Kraftwerken im Glottertal und gegen die Kanalisierung des Neckars ein.100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 360. Seine Strahlkraft wirkte weit über Baden hinaus und brachte „Ortsgruppen“ als Identifikationskerne ehemaliger Badner bis nach Südamerika.

In der Arbeit für ein „gesundes“ Volkstum, gegen als seelenlos erachtete Strömungen der als Bedrohung empfundenen Moderne, gegen „Haltlosigkeit und Zersplitterung, Irrwahn und Irrgang“100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 367. war der Verein in unkritischer Distanz in die Nähe völkisch-rechter Gruppierungen, nicht zuletzt der NSDAP gerückt, ohne indessen offen deren Positionen zu übernehmen. Nach wie vor wollte der Verein seine unpolitische Grundhaltung beibehalten.

Badische Heimat im „Dritten Reich“ mini|Gedenkplatte an den Dichter Hermann Eris Busse Als Konsequenz aus der Auffassung, dass auch die neue rechtskonservative Regierung aus NSDAP und DNVP wesentliche Ziele der Badischen Heimat teilte, sah die Leitung des Vereins seine Rolle in einer aktiven Mitwirkung im Kampf gegen „Gesinnungslosigkeit, Flachheit, Verödung innerhalb des Volkstums“.Kurt Hochstuhl: »Als wäre nichts geschehen ... « ? Der Landesverein Badische Heimat im Dritten Reich. In: Badische Heimat, Heft 3/2009 (100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009.) S. 370. pdf Busse verwies im Frühjahr 1933 auf seine eigenen Erfolge in dieser Arbeit und war sich der Unterstützung der Reichsregierung sicher. Die speziellen Zielrichtungen des Nationalsozialismus indessen, erklärter Antiklerikalismus oder anti-jüdische Kapitalismuskritik, wurden nicht thematisiert, sondern ausgeblendet. Die Gelegenheit wurde ergriffen, mit den bereits im Verein engagierten und jetzt in verantwortungsvolle Positionen gelangten Männern den Verein näher an der Macht zu etablieren. Zu diesen Männern gehört vor allem der Volkskundler Eugen Fehrle, der bereits 1931 der NSDAP beigetreten war. Ziel des Vereins war, ihn als „staatliche Hilfsorganisation in Fragen des Denkmal- und Heimatschutzes“Kurt Hochstuhl: »Als wäre nichts geschehen ... « ? Der Landesverein Badische Heimat im Dritten Reich. In: Badische Heimat, Heft 3/2009 (100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009.) S. 373. pdf zu positionieren – was sich allerdings angesichts der totalitären Bestrebungen des NS-Regimes als Illusion erwies. Offiziell behielt der Landesverein seine parteipolitische Neutralität bei, auch wenn in einzelnen Zeitschriftenbeiträgen der Anbruch der neuen Zeit euphorisch gepriesen wurde und die Mitglieder in den Ortsgruppen ihrerseits sich in die allgemeine Zustimmung des Volks einreihten. In einem Rundschreiben an die Mitglieder betonte die Vereinsleitung im Mai 1933, dass sie die „nationale Erhebung“ durchaus „bewusst und freudig begrüßt“ habe, darüber hinaus aber darauf verweise, „seit Jahren vaterländische, nationale Arbeit im besten Sinn des Wortes geleistet zu haben“.100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 373.

Der Gleichschaltungspolitik des NS-Regimes folgend wurde 1934 zunächst die bestehende Satzung außer Kraft gesetzt, dann ernannte der badische Kultusminister, Otto Wacker den Landesvorsitzenden, dessen Stellvertreter und den Schriftleiter sowie die Vorsitzenden der einzelnen Ortsgruppen. Damit allerdings war der Verein auch vor Übernahmebestrebungen seitens unmittelbarer NS-Organisationen, wie dem „Kampfbund für deutsche Kultur“ und dem „Reichsbund Volkstum und Heimat“ sicher. Trotz der geistigen Nähe zum Nationalsozialismus konnte sich also der Verein einer tödlichen „Umarmung“ durch das Regime entziehen und seine Selbständigkeit bewahren. 1937 wurde in einem internen Papier des Regimes der Schriftleiter Hermann Eris Busse als unzuverlässig eingestuft. Die definitive Eingliederung in die nationalsozialistische Volkstumspolitik geschah indessen 1940 mit der Ausweitung des Wirkungskreises auf das besetzte und annektierte Elsass, die Badische Heimat wurde zum „Oberrheinischen Heimatbund“. Am 16. August 1944 verfügte der Reichsverteidigungskommissar Robert Wagner, dass die Badische Heimat – wie alle anderen „so genannten Heimat- und kulturellen Vereine“ – ihre Arbeit einzustellen habe.

Vereinsverbot 1945 Die Verstrickung des Vereins in die nationalsozialistische Politik führte nach Kriegsende 1945 zum Verbot des Vereins durch die französische Militärregierung, das Haus „Badische Heimat“ wurde beschlagnahmt. Um den Verein neu zu gründen, war die Einsetzung eines politisch unbelasteten Gründungsvorstands Bedingung. Mit der Beschränkung auf die französische Zone stellte sich allerdings die Frage nach dem Vereinsgebiet, da der nördliche Landesteil in der US-amerikanischen Zone lag. Erste Schritte seitens der Besatzungsmacht zielten auf die Neugründung eines „Heimatvereins für das alemannische Gebiet“ unter Einbeziehung des Alemannischen Instituts in Freiburg. Schriftleiter Busse wurde kurz vor seinem Tod 1947 vom Vorwurf der aktiven Mittäterschaft freigesprochen und als „Mitläufer“ eingestuft.100 Jahre für Baden. Chronik des Landesvereins Badische Heimat 1909–2009. S. 386.

Neugründung 1949 Die Neugründung des Vereins gestaltete sich schwierig, da das (süd-)badische Kultusministerium zunächst andere Vorstellungen über die Arbeit der Heimatvereine hatte und die Trennung der Besatzungszonen als unüberwindliches Hindernis für das Selbstverständnis des Vereins angesehen wurde. Bestrebungen in Karlsruhe im Mai 1947, eine Ortsgruppe des Vereins neu zu gründen, setzten die Freiburger Vertreter des Vereins unter Druck. Im Mai 1948 wurde in Freiburg ein Gründungskomitee aus fünf unbelasteten Personen gebildet, das die Vorarbeit für die Gründungsversammlung am 23. Oktober 1949 leistete. In der Zwischenzeit war, im Fahrwasser der von den Alliierten betriebenen Weststaatsgründung, die Baden-Frage virulent und zur Gewissensfrage geworden: Nur im Land (Süd-)Baden waren Vereinsgebiet und Land identisch, Nordbaden war Teil des Landes Württemberg-Baden in der amerikanischen Besatzungszone geworden. Die Kernfrage war also, ob sich der Verein in die aktuelle Diskussion über die Bildung eines neuen Südweststaates einklinken sollte, konnte und durfte.

Mit der Wiedergründung 1949 im Freiburger Kaufhaussaal wurde der alte Name „Badische Heimat“ beibehalten, in der Mitgliederzahl (7000) konnte der Verein indessen nicht mehr an den Vorkriegsstand anknüpfen. In seiner Arbeit achtete er auf politische Neutralität und wandte sich den Themen Landschaftsschutz und regionale Besonderheiten sowie der Wahrung als badisch erkannter Interessen zu.100 Badische Jahre. Der Landesverein Badische Heimat 1909–2009. Katalog zur Ausstellung. In: Badische Heimat 1/2009, S. 58, 66.

In der aktuellen Politik vertritt der Verein keine separatistischen Tendenzen, sondern sieht das Land Baden-Württemberg als gemeinsame politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Basis für die ehemals selbständigen Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern.

100. Jubiläum der Badischen Heimat e. V. Anlässlich seines einhundertjährigen Bestehens im Jahre 2009 bereitete die Badische Heimat eine Wanderausstellung vor, die Bilder und Exponate aus einhundert Jahren Vereinsgeschichte, eingebettet in die badische Landesgeschichte, zeigte. Zur Dokumentation erschien ein Katalog zur Ausstellung.Landesverein Badische Heimat (Hrsg.): 100 Badische Jahre. Der Landesverein Badische Heimat 1909–2009. Zeitschrift Badische Heimat, Heft März 2009. Den Startschuss für die Ausstellung gab der Landesverein im Regierungspräsidium Freiburg, Basler Hof, wo die Ausstellung vom 28. Februar – 17. April 2009 gastierte. In allen weiteren Ausstellungsorten, abgerufen am 6. Juni 2026. gab es ein Rahmenprogramm, das Vorträge, Mundartabende, museumspädagogische Angebote und themenspezifische Führungen umfasste.

Domizile des Landesvereins 1914 –....: ein Raum im Colombischlössle, Freiburg 1914 – .... zusätzlich ein vereinseigenes Lesezimmer in der Alten Universität ....– 1926: im städtischen Freiburger Augustinermuseum 1926 – heute: Haus Badische Heimat, Freiburg, Hansjakobstraße. Der Architekt Carl Anton Meckel (1875–1938) errichtete es nach Art eines Wohnhauses mit Stilelementen der Spätgotik und des Barocks, das bei Bedarf in ein Wohnhaus umgewandelt werden konnte.100 Badische Jahre. Der Landesverein Badische Heimat 1909–2009. Katalog zur Ausstellung. In: Badische Heimat. 1/2009, S. 24–25. Nach einer Renovierung im Jahr 2017 trägt das Haus wieder die ursprüngliche Farbe ochsenblutrot. Seit 2010 hat auch die Muettersproch-Gsellschaft ihren Sitz hier.

Vorsitzende 1909–1913: Fridrich Pfaff (1855–1917) 1913–1929: Eugen Fischer (1874–1967) 1929–1945: Paul Schwoerer (1874–1959) 1950–1952: Eugen Thoma (1877–1955) 1952–1968: Hermann Schwarzweber (1884–1972) 1968–1982: Franz Laubenberger (1917–1993) 1982–1998: Ludwig Vögely (1916–2009) 1998–2006: Adolf J. Schmid (1934–2011) seit 2006: Sven von Ungern-Sternberg (* 1942)