mini|hochkant=1.5|Berlin und Kölln am Anfang des 13. Jahrhunderts. Wiederherstellungsversuch von Karl Friedrich von Klöden. Es fehlen z. B. in Kölln die Breite Straße und die Gegend des späteren Dominikanerklosters, in der die bisher ältesten Dendro-Funde gemacht wurden.
mini|Berlin und Kölln auf dem Memhardtplan (1652), verbunden durch die Lange Brücke und den Mühlendamm mini|hochkant=1.5|Kölln gelb markiert, 1688
Alt-Kölln ist ein historischer Stadtteil im heutigen Berliner Ortsteil Mitte. Er ist nahezu identisch mit der ehemaligen Stadt Kölln (auch Cölln, Cölln an der Spree oder Kölln an der Spree)Paul Clauswitz: Das Stadtbuch des alten Köln an der Spree aus dem Jahre 1442. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, 1921; zlb.de die zusammen mit Alt-Berlin die Doppelstadt Berlin-Kölln bildete, den Gründungsursprung der heutigen Metropole Berlin. 1237 erstmals urkundlich erwähnt, war Kölln vom 13. Jahrhundert bis 1307 und von 1442 bis 1710 eine eigenständige Stadt mit engen Beziehungen zum benachbarten Berlin. 1710 bildete Kölln zusammen mit vier weiteren Städten die preußische Residenzstadt Berlin. Die Bezeichnung für den Stadtteil war von da an Alt-Kölln.
Geographie
Lage Kölln ist eine Insel, die von zwei Armen der Spree umflossen wird, der eine der beiden entstand im Rahmen der mittelalterlichen Stadtbefestigung als Köllner Stadtgraben und schuf somit die Insel.https://www.berlin.de/kunst-und-kultur-mitte/geschichte/erinnerungskultur/berlin-mitte-codes/artikel.1295512.php Geologisch gibt es im südlichen Inselteil langgestreckte Talsandplateaus eiszeitlichen Ursprungs im Warschau-Berliner-Urstromtal,Herbert Schwenke: Lexikon der Berliner Stadtentwicklung, S. 56. während der Norden der Insel durch sumpfigen Untergrund gekennzeichnet ist und erst Jahrhunderte später erschlossen wurde.
Die wichtigsten Straßen sind die im Verlauf alter Fernhandelsstraße: von Südwesten nach Nordosten die Gertraudenstraße sowie die Breite Straße / Roßstraße innerhalb der Insel von Südosten nach Nordwesten jeweils über den Mühlendamm führend.
Alt-Kölln ist über vier Spreebrücken – den Mühlendamm und die Rathausbrücke (die beiden ältesten) sowie die Liebknechtbrücke und die Friedrichsbrücke – mit Alt-Berlin verbunden. Zum westlich gelegenen Stadtteil Friedrichwerder führen die Eiserne Brücke, die Schloßbrücke, die Schleusenbrücke und die Jungfernbrücke. Zum südlich gelegenen Stadtteil Neu-Kölln gibt es Verbindung über die Alte und Neue Gertraudenbrücke, die Grünstraßen- und Roßstraßenbrücke sowie die Inselbrücke.
Gliederung mini|hochkant=1.5|Stadtviertel im Stadtkern Berlins ab 1727
Alt-Kölln war ab ca. 1727 in drei Viertel eingeteilt:C.E.Geppert: Chronik von Berlin von Entstehung der Stadt bis heute. Berlin 1840, S. 483; . 2a Schlossviertel 2b Marktviertel 2c Neu-Kölln
mini|hochkant=1.5|Stadtbezirke in Alt-Berlin und Alt-Kölln, 1852–1884
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Einteilung in sieben Stadtbezirke, Neu-Kölln war von da an ein eigener Stadtteil: 18 Schloß-Bezirk 19 Brüderstraßen-Bezirk 20 Schickler-Bezirk 21 Insel-Bezirk 22 Köllnischer-Fischmarkt-Bezirk 23 Rittergassen-Bezirk 24 Breitestraßen-Bezirk
Ab 1852 wurden die Stadtbezirke auf fünf reduziert: 9 Schloß-Bezirk 10 Breitestraßen-Bezirk 11 Insel-Bezirk 12 Roßstraßen-Bezirk 13 Petri-Kirch-Bezirk
Von 1884 bis 1920 gab es nur noch drei namenlose, durchnummerierte Bezirke. Danach gab es keine administrative Einteilung des Stadtteils Alt-Kölln mehr, dessen Bezeichnung auch selbst nur noch informellen Charakter trug.
Für den nördlichen Teil Alt-Köllns hat sich Ende der 1870er Jahre der Name Museumsinsel eingebürgert. Für den südlichen Teil Alt-Köllns wurde zeitweise (ca. 1930–1960) der Name Fischerkietz verwendet. Das 1973 fertiggestellte Wohngebiet zwischen Gertraudenstraße und Spreekanal bekam den Namen Fischerinsel, der heute oft als topografischer Begriff genutzt wird. Der Name Fischerinsel wurde erstmals 1954 bei den ersten Entwürfen für ein Wohngebiet an dieser Stelle verwendet.
Geschichte
Namensherkunft mini|Kölln, 1893
Der Name ‚Kölln‘ ist möglicherweise eine Namensübertragung von Köln am Rhein (Colonia Claudia Ara Agrippinensium), colonia bedeutet auf lateinisch ‚Pflanzstadt in einem eroberten Land‘. Nicht ganz auszuschließen ist auch eine Herleitung von einem altpolabischen Namen *kol’no, der zu kol ‚Pfahl‘ gebildet wäre.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 60.
In der ersten urkundlichen Erwähnung ist von colonia juxta Berlin ‚Siedlung bei Berlin‘ die Rede. Da in Kölln an der Spree bislang keine slawischen Funde gemacht wurden, handelte es sich wohl von Anfang an um eine rein deutsche Siedlung. Mit der Eingemeindung der Stadt Kölln in die preußische Residenzstadt Berlin wurde sie ein Stadtteil und hieß fortan Alt-Kölln.Wolfgang Ribbe: Geschichte Berlins. Band 1. Berlin 1988, S. 146.Helmut Engel, Jörg Haspel, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Geschichtswerkstatt Spree-Insel. Berlin 1998, S. 74.
Kurzer Überblick über die Geschichte
Die Petrikirche war der Mittelpunkt der Insel, das Cöllnische Rathaus befand sich am Köllnischen Fischmarkt. Seit 1445 befand sich das Schloss der Kurfürsten von Brandenburg im Mittelteil der Spreeinsel. Außerdem gab es ein Dominikanerkloster, ein Gertraudenhospital, die Mühlendammbrücke mit drei Mühlen, Patrizierhäuser und weitere Grundstücke.
Von den mittelalterlichen Bauten existiert heute oberirdisch nichts mehr, einige Renaissancehäuser sind erhalten, das Schloss wurde in der Fassade wieder neu errichtet. Der heutige Ortsteil ist geprägt von Neubauten aus DDR-Zeiten im Südosten, z. B. das Wohngebiet Fischerinsel, und einigen Bauten früherer Jahrzehnte und Brachflächen.
Gründung im 12. Jahrhundert Über die Gründung von Kölln gibt es keine schriftlichen Überlieferungen, doch es wurden archäologische Funde gemacht, die auf etwa 1150 datiert werden. Um die Petrikirche wurden 3102 Gräber mit Überresten von 4105 Personen identifiziert, die in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert werden können.Ausgrabungen zwischen 2007 und 2010 vom Stadtmuseum Berlin. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen lag bei 30–40 Jahren, die der Männer bei 40–50 Jahren. Dabei lag die Kindersterblichkeit bei 30 %. Die Männer wurden im Schnitt 1,70 m groß, die Frauen 1,60 m. Dabei war der größte Mann 1,90 m, der kleinste 1,54 m groß. Bei den Frauen lagen die Extremmaße bei 1,84 und 1,44 m. 19 % der Skelette wiesen Anzeichen von Infektionen auf. Claudia Maria Melisch: Riesenchance – umfangreiche Skelettserien aus großen Friedhöfen. In: Archäologie in Deutschland 2/2017, S. 32 f.
Die ältesten dendrochronologischen Befunde lassen sich für um 1170 datieren. Ein Holzbalken im Keller eines Fernhandelskaufmanns in der Breiten Straße hat ein Dendrodatum von „um 1170“. Der älteste Beleg auf dem Gelände des späteren Dominikanerklosters datiert auf „1198 (Waldkante)“, am Petrikirchplatz auf „1212 ± 10“. Die ältesten Häuser in der Breiten Straße gehörten reichen Fernhandelskaufleuten und Patriziern.
Kölln war ein Fernhandelsplatz. Der erste urkundlich bekannte Bürgermeister Marsilius kam aus dem Rheinland. Das Patrozinium der Petrikirche lässt einen geistlichen Gründer möglich erscheinen.
Erste urkundliche Erwähnungen im 13. Jahrhundert Die älteste Erwähnung Köllns ist aus dem Jahr 1237 erhalten.B. Stöver: Geschichte Berlins. Verlag CH Beck, 2010, ISBN 978-3-406-60067-8.Stadtgründung und Frühe Stadtentwicklung. Luisenstädtischer BildungsvereinDie mittelalterliche Handelsstadt. Berlin.de Die Urkunde stammt vom Februar 1238, enthält aber den Text eines Vertrages, der im Oktober 1237 in Brandenburg, in Anwesenheit des Pfarrers Symeon de Colonia, zur Beilegung des Brandenburger Zehntstreits geschlossen wurde. Symeon wurde vier Jahre später bereits als Propst von Berlin und 1247 als Propst von Kölln bezeichnet, was auf eine größere Bedeutung beider Orte und eine Existenz von mindestens einigen Jahrzehnten hinweist.
Entwicklung im 13. bis zum 16. Jahrhundert Die beiden Orte waren durch den Mühlendamm miteinander verbunden. Dieser staute das Wasser, das dann drei Mühlen antrieb. Der Transport von Waren, die von der Elbe und Havel hier ankamen und die Verbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg brachten im Zusammenhang mit dem Niederlagsrecht Handelszölle ein. Vom schnell wachsenden Reichtum der Doppelstadt zeugt auch der Umstand, dass der erste nachweisliche märkische Landtag 1280 in Berlin stattfand; in diesem Jahr wurde auch erstmals eine Münze in Berlin erwähnt.
Im Jahr 1307 schlossen sich beide Orte verwaltungstechnisch in einem Magistrat zusammen, in dem die Berliner allerdings entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil durch mehr Stimmen vertreten waren. Der Magistrat baute zusätzlich zum Mühlendamm die Lange Brücke, die heutige Rathausbrücke, auf der 1309 ein gemeinsames Rathaus errichtet wurde. Die gemeinsame Politik der Doppelstadt führte 1308 zu einem ersten Bündnis mit anderen Städten in der Mark Brandenburg, darunter Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Salzwedel, zur Wahrung ihrer Rechte gegenüber dem Landesherrn und zur Abwehr äußerer Gefahren.
Kölln und Berlin schlossen sich 1432 zu einer Stadtgemeinde endgültig zusammen.Die kurfürstliche Residenzstadt. Berlin.de Die gemeinsame Stadtverwaltung von Berlin und Kölln wurde 1442 durch Kurfürst Friedrich II. zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wieder aufgehoben. Darüber hinaus wurde Kölln gezwungen, dem Kurfürsten einen Platz für die Errichtung einer Burg abzutreten. Aus ihr entstand das Berliner Stadtschloss, das etwa ab Ende des 15. Jahrhunderts den Kurfürsten von Brandenburg als Residenz diente.
Vom 17. Jahrhundert bis 1945 mini|Die Brüderstraße mit der Petrikirche, Gemälde von Eduard Gaertner, 1863 In der Karwoche 1615 ereignete sich in Kölln der konfessionell begründete Berliner Tumult, eine Aufruhr gegen die calvinistische Kirchenpolitik des Kurfürsten.
Von 1658 bis 1683 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg Kölln und Berlin mit Festungswerken nach Plänen von Johann Gregor Memhardt versehen, die weitgehend entlang der alten Stadtmauer von Berlin angelegt wurden. Nur an einigen Stellen wurden die Stadttore nach außen verlegt. Kölln lag nicht länger an der Außengrenze, weil im Rahmen des Festungsbaus innerhalb der neuen Festungsmauer jenseits des Spreekanals die Neustädte Friedrichswerder im Westen und Neu-Kölln im Süden angelegt wurden. Teile des Festungswerkes, insbesondere die Bastionen, sind noch heute im Straßengrundriss der Stadt zu erkennen, beispielsweise am Hausvogteiplatz.
Die Städte Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt wurden 1710 zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt. Zunehmend standen nun die Festungsmauern der städtischen Entwicklung im Wege, sodass diese ab 1734 geschleift wurden, damit Berlin mit seinen Vorstädten zusammenwachsen konnte. Die ganze Stadt wurde durch die Akzisemauer umgeben, von deren Verlauf heute noch Bezeichnungen von Straßen und Plätzen, insbesondere nach ehemaligen Stadttoren, zeugen.
Im Jahr 1920 wurde Alt-Kölln in den neu gebildeten Verwaltungsbezirk Berlin-Mitte eingegliedert. Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren über 30 % der Gebäude zerstört, 10 % blieben unbeschädigt, während der Rest als wiederaufbaufähig galt.Angaben zu den Gebäudeschäden auf einer Schadenskarte des Senats („Gebäudeschäden 1945“ unter „Historische Karten“ wählen), zum Denkmalsbestand um 1955 bei Hans Müther: Berlins Bautradition. Kleine Einführung. Das Neue Berlin, Berlin 1956, S. 85–108
1945–1990 mini|Die Gertraudenstraße 1987, links die Alt-Köllner Traditionsinsel mit dem Juwel-Palais, rechts die Hochhäuser der Fischerinsel mit dem Ahornblatt, im Hintergrund Alt-Berlin mit Nikolaikirche, Altem Stadthaus und Rotem Rathaus