mini|Alain Resnais, 1959 Alain Resnais [] (* 3. Juni 1922 in Vannes; † 1. März 2014 in ParisRegisseur Alain Resnais ist tot. In: Süddeutsche Zeitung, 2. März 2014.) war ein französischer Filmregisseur.
Leben Resnais, Sohn eines Apothekers, besuchte das Collège St.-François-Xavier in der bretonischen Stadt Vannes. Er hatte mit 13 Jahren seine erste Kamera,Marie-Noëlle Tranchant: Alain Resnais, prodige du cinema français, est mort. lefigaro.fr, 2. März 2014, abgerufen am 3. März 2014. experimentierte bereits als Jugendlicher mit Schmalfilm und schwärmte für das Theater. Wegen seiner schwachen Gesundheit vom Militärdienst befreit, ging er 1939 nach Paris, um Pädagogik zu studieren. Von 1940 bis 1942 nahm er Schauspielunterricht bei René Simon und ließ sich als Filmeditor am Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) ausbilden. Später schloss er sich der Theatergruppe Les Arlequins an und gastierte mit ihr in der Provinz.Alain Resnais. In: Internationales Biographisches Archiv, 19/2002, 29. April 2002, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 15/2010 (via Munzinger Online). Nach dem Zweiten Weltkrieg realisierte er eine Reihe von Kurzfilmen über berühmte Künstler wie Vincent van Gogh und Paul Gauguin. Einer davon, Van Gogh, wurde 1950 mit dem Oscar als bester Kurzfilm ausgezeichnet.
Nach Arbeiten als Editor für andere Regisseure und etlichen eigenen Dokumentarfilmen drehte er 1959 mit Emmanuelle Riva und Eiji Okada seinen ersten Spielfilm, Hiroshima, mon amour, der die Zerstörung Hiroshimas durch eine US-Atombombe ebenso thematisiert wie die deutsche Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg.Dave Kehr: Resnais, Acclaimed French Filmmaker, Is Dead at 91. nytimes.com, 2. März 2014, abgerufen am 3. März 2014. Das literarisch anspruchsvolle Drehbuch, verfasst von der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras, erhielt eine Oscar-Nominierung. Hiroshima, mon amour nahm 1959 am Wettbewerb der 12. Internationalen Filmfestspiele von Cannes teil. Das Werk zählt heute zu den Klassikern der Nouvelle Vague, ebenso wie Resnais’ Nachfolgeprojekt, Letztes Jahr in Marienbad aus dem Jahr 1961, dem ein Drehbuch des Schriftstellers und Regisseurs Alain Robbe-Grillet zugrunde liegt. 1963 widmete er sich in Muriel oder Die Zeit der Wiederkehr den „Nachbeben des Algerienkrieges“.Patrick Straumann: Atomare Gewissheiten, mentale Labyrinthe. nzz.ch, 3. März 2014, abgerufen am 3. März 2014.
Resnais wurde 1995 in Anerkennung seiner Verdienste um die Filmkunst mit dem Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und 1998 mit dem Silbernen Bären der 48. Berlinale für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2007 erhielt er für Herzen den Europäischen FIPRESCI-Preis. mini|Resnais mit Pierre Arditi (links), Sabine Azéma und Anne Consigny bei der Premiere von Ihr werdet euch noch wundern in Cannes (2012) Zwischen 1936 und 2006 drehte er insgesamt 47 Filme. 2009 erhielt er für Vorsicht Sehnsucht eine Einladung zum Wettbewerb der 62. Filmfestspiele von Cannes – zuletzt war er 1980 mit Mein Onkel aus Amerika in Cannes vertreten gewesen. Eine weitere Einladung zum Wettbewerb von Cannes erfolgte im Jahr 2012 für den Spielfilm Ihr werdet euch noch wundern, der lose auf Theaterstücken Jean Anouilhs basiert. Erzählt wird von einer Gruppe von Schauspielern (dargestellt von u. a. Pierre Arditi, Sabine Azéma, Lambert Wilson und Anne Consigny), die sich zur Testamentseröffnung eines Dramatikers in dessen Haus einfindet. bei timeout.com, abgerufen am 26. April 2012.
Alain Resnais heiratete 1969 Florence Malraux, die Tochter des französischen Schriftstellers und Kulturministers André Malraux. Aus der Beziehung ging eine Tochter hervor. Von 1998 an war Resnais mit der Schauspielerin Sabine Azéma verheiratet, die er seit den 1980er Jahren in vielen seiner Filme mit Hauptrollen betraut hatte.Alain Resnais. In: World who’s who: Europa biographical reference. Routledge, London 2002. Er starb 2014 im Alter von 91 Jahren und wurde auf dem Cimetière du Montparnasse in Paris beigesetzt.
Archive Der umfangreiche Nachlass von Alain Resnais (insgesamt 485 Archivkästen) befindet sich im Institut mémoires de l’édition contemporaine in Paris.Resnais, Alain (1922–2014) La collection de l’IMEC Ein Konvolut von Alain Resnais’ Schwarzweiß-Filmen befindet sich im Harvard Film Archiv.Alain Resnais Short Films Harvard Film Archive
Filmografie (Auswahl) Dokumentarfilme 1947: Paris 1900 Schnitt und Regieassistenz 1948: Van Gogh – Kurzfilm 1950: Guernica – Kurzfilm 1954: Les Statues meurent aussi – Kurzfilm über afrikanische Kunst und Kolonialismus 1955: Nacht und Nebel (Nuit et brouillard) – Kurzfilm über die deutschen Konzentrationslager 1956: Toute la mémoire du monde – Kurzfilm über die Französische Nationalbibliothek 1992: Gershwin – Kurzfilm
Spielfilme 1959: Hiroshima, mon amour 1961: Letztes Jahr in Marienbad (L’Année dernière à Marienbad) 1963: Muriel oder Die Zeit der Wiederkehr (Muriel) 1966: Der Krieg ist vorbei (La Guerre est finie) 1968: Ich liebe dich, ich liebe dich (Je t’aime, je t’aime) 1974: Stavisky 1977: Providence 1980: Mein Onkel aus Amerika (Mon oncle d’Amérique) 1983: Das Leben ist ein Roman (La Vie est un roman) 1984: Liebe bis in den Tod (L’Amour à mort) 1986: Mélo 1989: I Want to Go Home 1993: Smoking / No Smoking 1997: Das Leben ist ein Chanson (On connaît la chanson) 2003: Nicht auf den Mund (Pas sur la bouche) 2006: Herzen (Cœurs) 2009: Vorsicht Sehnsucht (Les Herbes folles) 2012: Ihr werdet euch noch wundern (Vous n’avez encore rien vu) 2014: Aimer, boire et chanter
Auszeichnungen (Auswahl) mini|Resnais mit Juliette Binoche bei der 35. César-Verleihung, 2010 César 1978: Beste Film für Providence 1978: Beste Regie für Providence 1981: Ehrenpreis für das Lebenswerk 1981: Nominierung in der Kategorie Bester Film für Mein Onkel aus Amerika 1981: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Mein Onkel aus Amerika 1985: Nominierung in der Kategorie Bester Film für Liebe bis in den Tod 1985: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Liebe bis in den Tod 1987: Nominierung in der Kategorie Bester Film für Mélo 1987: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Mélo 1994: Bester Film für Smoking / No Smoking 1994: Beste Regie für Smoking / No Smoking 1998: Bester Film für Das Leben ist ein Chanson 1998: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Das Leben ist ein Chanson 2004: Nominierung in der Kategorie Bester Film für Nicht auf den Mund 2004: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Nicht auf den Mund 2007: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Herzen 2010: Nominierung in der Kategorie Bester Film für Vorsicht Sehnsucht 2010: Nominierung in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch für Vorsicht Sehnsucht
Louis-Delluc-Preis 1966: Bester Film für Der Krieg ist vorbei 1993: Bester Film für Smoking / No Smoking 1997: Bester Film für Das Leben ist ein Chanson
Prix Lumière 2004: Bester Regie für Nicht auf den Mund 2007: Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Herzen
Internationale Filmfestspiele Berlin 1994: Silberner Bär in der Kategorie Herausragende Einzelleistung für Smoking / No Smoking 1998: Silberner Bär in der Kategorie Besondere künstlerische Leistung 2014: FIPRESCI-Preis und Alfred-Bauer-Preis für Aimer, boire et chanter
Internationale Filmfestspiele von Cannes 1959: FIPRESCI-Preis für Hiroshima, mon amour 1980: Großer Preis der Jury und FIPRESCI-Preis für Mein Onkel aus Amerika 2009: Preis für das Lebenswerk 2014: Ehrenpreis der Société des réalisateurs de films (postum)
Internationale Filmfestspiele von Venedig 1961: Goldener Löwe für Letztes Jahr in Marienbad 1989: Pasinetti-Preis für I Want to Go Home 1995: Ehrenpreis für das Lebenswerk 2006: Silberner Löwe in der Kategorie Beste Regie für Herzen
Weitere 1952: Spezialpreis des Golden Globe Award für Pictura 1954: Jean-Vigo-Preis in der Kategorie Bester Kurzfilm für Les Statues meurent aussi 1956: Jean-Vigo-Preis in der Kategorie Bester Kurzfilm für Nacht und Nebel 1961: Nominierung für den British Academy Film Award in der Kategorie Bester Film für Hiroshima, mon amour 1961: United Nations Award für Hiroshima, mon amour 1977: Goldene Ähre bei der Semana Internacional de Cine de Valladolid für Providence 1978: Bodil in der Kategorie Bester europäischer Film für Providence 1981: Fotogramas de Plata in der Kategorie Bester ausländischer Film für Mein Onkel aus Amerika 1981: Sant-Jordi-Preis in der Kategorie Bester ausländischer Film für Mein Onkel aus Amerika 1995: Nastro d’Argento in der Kategorie Bester europäischer Film für Smoking / No Smoking 1998: Joseph-Plateau-Preis für das Lebenswerk 2004: Étoile d’Or in der Kategorie Bester Film für Nicht auf den Mund 2007: Europäischer FIPRESCI-Preis für Herzen 2007: Étoile d’Or in der Kategorie Beste Regie für Herzen 2014: Spezialpreis des Montreal World Film Festival (postum)
Literatur Frieda Grafe: Alain Resnais’ praktische Filme. Erstveröffentlichung in: Filmkritik vom Juni 1966. Wiederveröffentlichung in: Frieda Grafe: Schriften, 3. Band. Verlag Brinkmann & Bose, Berlin 2003, ISBN 3-922660-82-7, S. 55–73. James Monaco: Alain Resnais: The rôle of imagination. Secker & Warburg, London 1978, ISBN 0-436-28455-3. Christoph Müller: Je t’aime je t’aime. In: Filmstellen VSETH & VSU (Hrsg.): Science Fiction / Andrzej Wajda. Dokumentation. Verband Studierender an der Universität VSU, Zürich 1990, ohne ISBN, S. 107–114 (mit Bio-Filmografie). Wolfgang Jacobsen u. a.: Alain Resnais (Reihe Film 38). Hanser, München 1990, ISBN 3-446-14861-2. Peter W. Jansen: Wo endlose Flure Fluren folgen: Alain Resnais. In: Jörg-Dieter Kogel: Europäische Filmkunst. Regisseure im Porträt. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-24490-0, S. 119–129. François Thomas: I want to go home (Interviews mit Laura Benson (Schauspielerin), Catherine Leterrier (Kostüme), Charlie van Dumme (Kamera) und Jean-Claude Laureux (Ton)). In: CICIM Centre d’Information Cinématographique Munich (Hrsg.): Marcel Ophuls / “I want to go home” / “La Marseillaise”. (Revue CICIM No. 29). Institut français, München 1990, , S. 104–118. François Thomas (Hrsg.): Das Atelier von Alain Resnais (Revue CICIM No. 35/36). Hrsg.: CICIM Centre d’Information Cinématographique Munich & Filmtage Tübingen, übersetzt von Karola Bartsch. Institut français, München 1992. Mit Bibliographie, ISBN 3-920727-06-1 (deutsch; in der DNB nicht unter Resnais gelistet!). Scarlett Winter: Robbe-Grillet, Resnais und der neue Blick. Winter, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8253-5271-4. Marcus Stigleger: Alain Resnais * 1922. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 626–632. Emma Wilson: Alain Resnais. Manchester University Press, Manchester 2009, ISBN 978-0-7190-6407-4. Sophie Rudolph: Die Filme von Alain Resnais: Reflexionen auf das Kino als unreine Kunst. Edition Text + Kritik, München 2012, ISBN 978-3-86916-137-2. Mirjam Schmid: Darstellbarkeit der Shoah in Roman und Film (Kulturgeschichtliche Reihe, 12). Sonnenberg, Annweiler 2012, ISBN 978-3-933264-70-1. Hunter Vaughan: Where Film Meets Philosophy: Godard, Resnais, and Experiments in Cinematic Thinking. Columbia University Press, New York 2013, ISBN 978-0-231-16132-9. Bastian Reinert: Translating Memory: Acts of Testimony in Resnais, Cayrol, and Celan. In: Peter Arnds (Hrsg.): Translating Holocaust Literature. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8471-0501-5, S. 139–152.
Weblinks
Mit Moos bewachsen. Eine kleine Rezeptionsgeschichte von Alain Resnais’ Film „Nacht und Nebel“ bei Jungle World Essay Marker, Resnais, Varda: Remembering the Left Bank Group bei sensesofcinema.com (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmeditor