mini|273x273px|Dortmund-Brackel in Blickrichtung Westen mini|Turm der evangelischen Kirche mini|„Haus Beckhoff“ am Brackeler Hellweg
Brackel ist der Statistische Bezirk 32 und zugleich ein Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk der kreisfreien nordrhein-westfälischen Großstadt Dortmund. Er liegt im Dortmunder Osten. Im Dezember 2018 lebten 21.439 Einwohner in Brackel. Zusammen mit dem Bereich Funkturmsiedlung, der zu Neuasseln gehört, aber Teil des statistischen Bezirks Brackel ist, sind es 24.355 Einwohner. Gesprochen wird der Ortsname Brackel entgegen der Schreibweise mit einem langen a als Braakel. Im Gegensatz zu heute markierte „ck“ in mittelniederdeutscher Zeit nicht immer einen vorausgehenden Kurzvokal, so dass einige Wörter mit langem Vokal ausgesprochen worden sind. Diese Schreibweise hat sich jedoch nur noch in Ortsnamen gehalten.
Geographie Lage Geprägt wird Brackel durch die Lage am über 5000 Jahre alten Hellweg, einer Verbindungs- und Handelsstraße aus vorrömisch-germanischer Zeit vom Rhein bei Ruhrort über Essen, Dortmund, Unna, Soest bis Paderborn. Der Ortskern befindet sich nördlich des in west-östlicher Richtung verlaufenden Hellwegs, ebenso wie bei den Nachbarstadtteilen Wambel, Asseln und Wickede. Hier fällt das Gelände vom Dortmunder Rücken ausgehend nach Norden ab. Dadurch begünstigt treten Wasserquellen an die Oberfläche, die eine frühe Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung ermöglichten.
Gliederung des Stadtteils Im Norden grenzt Brackel an den Stadtbezirk Scharnhorst mit den Stadtteilen Scharnhorst, Husen und Kurl, im Osten an Asseln, im Südosten an Neuasseln, im Süden an Aplerbeck und im Westen an Wambel.
Der Ortskern befindet sich direkt am Hellweg, ausgehend von der evangelischen Kirche mit dem Fachwerkhaus Haus Beckhoff, das im Jahr 1988 an diese Stelle versetzt wurde und welches nun neben einem Café und einem Dritte-Welt-Laden auch eine Märchenbühne beheimatet. Geprägt ist der Ortskern heute durch eine Mischung aus Geschäftshäusern unterschiedlicher Baustile, teilweise denkmalgeschützter Fachwerkhäuser sowie durch die Kommende neben der Kirche. An der Kreuzung Ecke Hellweg, Flughafenstraße befindet sich der im Jahr 1974 fertiggestellte Gebäudekomplex City-Center, in welchem sich eine Vielzahl von Geschäften, Arztpraxen und Büros befinden.
Im Rahmen der beginnenden Industrialisierung entstanden im Bereich zwischen dem Hellweg im Norden und dem Bahnhof Brackel im Süden eine Siedlung mit großbürgerlichen Villen sowie für die Arbeiter der Zeche Schleswig eine Siedlung mit Zechenhäusern. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Nutzung des alten Flughafens durch die Britische Rheinarmee. Für deren Angehörige wurden weitere Siedlungen errichtet.
Ab den 1950er-Jahren kam es zu einer erneuten, starken Ausdehnung des Siedlungskerns Brackel. Im Brackeler Westen und Norden entstanden hauptsächlich Reihenhaus- und Mehrfamilienhaus-Siedlungen. Im Brackeler Osten wurden neben Reiheneigenheimen viele Einfamilienhäuser gebaut und im Brackeler Süden entstanden überwiegend Bungalows sowie die Hochhausgruppe an der Rahestraße. Die Lücke zwischen Brackel und Neuasseln wurde ab 2006 durch die Wohnsiedlung Stadtgärtnerei geschlossen.
Heute, nach Abzug der Rheinarmee, entsteht auf dem Gelände des alten Flughafens im Brackeler Nordosten das Wohngebiet Hohenbuschei.
Einwohnerentwicklung/Statistik Die Einwohnerzahlen der Bauerschaft Brackel waren über die Jahrhunderte recht konstant. Erst mit Beginn der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung stark an.
Einwohnerentwicklung1802 bis 2022 Jahr Einwohner 1802 624Brackel: Günter Knippenberg, 1997, S. 41. 1823 848Brackel: Günter Knippenberg, 1997, S. 43. 1858 1.546Brackel: Günter Knippenberg, 1997, S. 118. 1871 2.123 1910 8.276Kleine Geschichte des Amtes Brackel: Norbert Reimann, 1985, S. 83. 1946 11.008Brackel: Günter Knippenberg, 1997, S. 160. 1961 17.238 1995 22.357 2009 21.812 2016 24.178 2019 24.396202224.688202524.985
Zum 31. Dezember 2025 lebten 24.985 Einwohner in Brackel (mit Funkturmsiedlung).
Strukturdaten der Bevölkerung Brackels (mit Funkturmsiedlung):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 16,8 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)] Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 24,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)] Ausländeranteil: 14,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 8,5 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)]
Das Durchschnittseinkommen entspricht etwa dem Dortmunder Durchschnitt.
48,2 % der Einwohner sind männlich, 51,8 % weiblich.
Geschichte Eine vorgeschichtliche Wasserstelle Bei der archäologischen Begleitung des Kelleraushubs des ersten Mehrfamilienhauses auf dem Grundstück Reichshofstraße 40, wo bis 2015 das imposante zweigeschossige Längsdeelenhaus des Hofes Rusche / Hellmann stand, machte die Denkmalbehörde der Stadt Dortmund eine außergewöhnliche Entdeckung. Das Gebäude konnte, obwohl es zu den letzten Zeugen der bäuerlichen Vergangenheit Brackels gehörte, wegen eines langen Leerstands nicht mehr in seiner Substanz gerettet werden.
Unter einer 1,40 Meter starken Aufschüttung kam anstatt der erwarteten mittelalterlichen Spuren ein nicht nur für Westfalen herausragender Befund zum Vorschein. Die länglich-ovale Erdverfärbung (5,40 Meter lang, bis zu 1,60 Meter breit und fast 1,50 Meter tief) fiel sofort durch ihre dunkelbraune, fast schwarze, torfige Bänderung auf. Darin steckten Überreste von senkrechten und waagerechten Hölzern, von vergangenen röhrenartigen Einbauten, z. B. aus Korbgeflecht oder ausgehöhlten Baumstämmen sowie einer Unzahl von kleinen Bruchstücken von Schneckengehäusen.
Die Bestimmung der Schneckenarten weist übereinstimmend darauf hin, dass der Befund einst Wasser führte. Somit handelte es sich offensichtlich um einen im Quellhorizont angelegten Tümpel, vielleicht um eine Viehtränke. Man hatte sie mit hölzernen Fassungen versehen und immer wieder ausgebessert. Die nachträglich eingebrachten, runden, engeren Einbauten deuten an, dass man die Wasserstelle später auch als Brunnen nutzte. Anderes Fundmaterial war spärlich. Außer dem Reibstein einer Getreidemühle, wenigen Feuersteinabschlägen und Kernsteinen kamen einzelne grobe Gefäßscherben mit Quarzeinschlüssen zu Tage. Aufgrund der Machart der Keramik wurde zunächst eine bronzezeitliche Datierung vermutet; dieser Zeitraum wurde dann auch in der Presseinformation des Stadtarchivs Dortmund zum „Denkmal des Monats November 2015“ veröffentlicht.
Nachfolgend wurden fünf Bodenprobenanalysen nach der Radiokarbonmethode durchgeführt, die überraschende Ergebnisse brachten: Zwei Proben konnten dem Frühmesolithikum, zwei Proben dem Frühneolithikum (Linearbandkeramik) und eine Probe dem Jungneolithikum (Michelsberger Kultur) zugeordnet werden, wobei die Abfolge der Daten der Abfolge der Schichten der Proben (= stratigraphische Positionen) entspricht. Somit ist wahrscheinlich, dass die Wasserstelle über 4000 Jahre offen lag und über 1500 Jahre von Menschen genutzt und gepflegt wurde. Eine solch lange Nutzungsdauer ist äußerst selten, da vorgeschichtliche Siedlungsstellen üblicherweise nur eine Lebensdauer von wenigen Generationen hatten.
Unabhängig von seiner Interpretation und exakten Datierung ist der Befund ein fast einzigartiger Beleg für die sehr frühe und vor allem dauerhafte Nutzung der siedlungsgünstigen Lagen entlang des Hellwegs. Die zugehörige Siedlungsstelle ist im Nahbereich südlich der Wasserstelle hangaufwärts am Fuß des Dortmunder Rückens zu erwarten.Bernhard Sicherl; Hanns Neidhardt: Ad Fontes – zur neolithischen und hochmittelalterlichen Besiedlung am Hellweg. In: LWL-Archäologie und Altertumskommission für Westfalen (Hrsg.): Archäologie in Westfalen-Lippe 2016, Langenweißbach 2017, S. 175–179
Von der ersten Erwähnung bis zum Vertrag von Hörde Erstmals erwähnt wird Brackel mit dem Namen Bracla in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos II. im Jahr 980.Monumenta Germaniae Historica (MGH) DO II: Diplomata regum et imperatorum Germaniae. Bd. 2, Tl. 1. Die Urkunden Otto des II. (Ottonis II. Diplomata). Herausgegeben von Theodor Sickel, Hannover 1888, Nachdruck 1980, Nr. 224 S. 252 In dieser Schenkung vermacht Kaiser Otto der Kirche von Magdeburg die Magd Walza, ihren Sohn Huodi sowie eine Hufe mit allem Zubehör im Dorf Brackel, im Gau Westfalen, in der Grafschaft des Grafen Bernhard gelegen.Kleine Geschichte des Amtes Brackel, S. 25. Bei dem in der Urkunde genannten Ortsnamen Bracla ist davon auszugehen, dass es sich um eine Zusammensetzung aus dem Grundwort loh (= Wald, Gehölz) und dem Bestimmungswort bräke (= Buschwerk, Strauchwerk) handelt. Benannt wurde dann wohl eine Siedlung an einem „Wald, in dem Holz gebrochen werden konnte“.Michael Flöer: Die Ortsnamen der Stadt Dortmund und der Stadt Hagen. In: Westfälisches Ortsnamenbuch, Band 16, Bielefeld 2021, S. 47–51 Bei dem im Urkundentext genannten Grafen Bernhard handelt es sich um einen Grafen von Werl.
Brackel entwickelte sich als Bauerndorf. Der größere, östliche Teil gehörte als Reichsgut dem König, der kleinere westliche Teil unterstand der Gerichtsbarkeit des Grafen von Dortmund.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 21. Dies ist urkundlich für die Zeit nach 1300 nachweisbar.Greiser: Reichshof, S. 126. Das Reichsgut Brackel wurde im 13. Jahrhundert mehrfach vom König verpfändet, so unter anderem von Adolf von Nassau am 27. April 1292 an den Erzbischof von Köln Siegfried von Westerburg.Brackel, ein Dorf am Westfälischen Hellweg, S. 87. Der Reichshof Brackel wechselte nun mehrfach den Besitzer. Zunächst übereignete ihn König Heinrich VII. nach seiner Wahl als Bezahlung seiner Stimme an den Erzbischof von Köln Heinrich II. von Virneburg. In einer 1317 ausgestellten Urkunde entzog König Ludwig der Bayer dem Grafen Engelbert von der Mark den Reichshof Brackel („curtem in Brackel“) und übertrug ihn an Graf Dietrich von Kleve. Doch es gelang Graf Dietrich nicht, seinen Anspruch durchzusetzen.Johann Friedrich Joseph Sommer: Handbuch über die ältern und neuern bäuerlichen Rechtsverhältnisse in den ehemals Großherzoglich-Bergischen, Königlich-Westphälischen und Französisch-Hanseatischen Preußischen Provinzen in Rheinland Westphalen, Band 2: Beilagen. Schulz, Hamm 1830, S. 3.
Diese recht wechselhaften Eigentumsübertragungen und Verpfändungen zwischen dem König und als Fürsten dem Grafen von der Mark sowie dem Erzbischof von Köln und der Stadt Dortmund führten dazu, dass auch Brackel im Verlauf der Großen Dortmunder Fehde gemäß der von Kirchhoff erstellten Auflistung von Dortmunder RaubzügenHans Georg Kirchhoff: Die Dortmunder Große Fehde 1388/89, in: Gustav Luntowski und Norbert Reimann (Hrsg.): Dortmund. 1100 Jahre Stadtgeschichte, Dortmund 1982, S. 107–128 (S, 117–120) gleich fünfmal überfallen wurde. Beispielsweise nahmen die Dortmunder am 27. Februar 1389 den märkischen Brackeler Schulten gefangen und erbeuteten zugleich 20 Pferde. Am 1. Mai 1389 fanden in Brackel allerdings ergebnislose Friedensverhandlungen zwischen der Stadt Dortmund und ihren Angreifern statt.Kirchhoff, S, 123
Dies war bedingt durch die Teilung der Gerichtsbarkeit zwischen dem Westdorf zugehörig zu Dortmund und dem Ostdorf zugehörig zum König. 1419 während der Kleve-Märkischen Fehde zwischen Dortmund und dem Grafen von der Mark, 1431 ebenfalls aufgrund von Streitigkeiten zwischen diesen beiden Parteien. Auch 1467 gab es auf der Brackeler Kirmes heftige Schlägereien zwischen Besuchern aus Dortmund und denen aus den märkischen Städten Unna und Kamen.