Weneg (auch als Uneg gelesen), seltener Weneg-nebti, ist der Thronname eines frühägyptischen Königs (Pharao) der 2. Dynastie, der im 28. Jahrhundert v. Chr. zwischen den Königen Hetepsechemui und Chasechemui regierte. Vorgänger- und Nachfolgerschaft sind jedoch noch unerforscht, zwischen Weneg und den vorgenannten Herrschern haben weitere Könige regiert. Deren Anzahl ist aufgrund der unsicheren Position von Weneg in der Herrscherauflistung ebenfalls unsicher.

Eine eindeutige chronologische Zuordnung und Identifizierung ist auch aufgrund der spärlichen Fundlage und widersprüchlichen Hinweise besonders schwierig. Weneg gehört deshalb unter Ägyptologen mit zu den umstrittensten Königen der Frühzeit. Hinzu kommt sein ungewöhnlicher Thronname, welcher mit einem seltenen Zeichen geschrieben wurde, das in späterer Zeit nur vorübergehend für den Namen einer Gottheit Verwendung fand und dessen symbolische Bedeutung im Dunkeln liegt. Auch die widersprüchlichen Hinweise zu seiner Regierungszeit erschweren eine genauere Einschätzung zur Person und Geschichte des Weneg. Es scheint, dass er den königlichen Thron mit einem oder mehreren Gegenkönigen teilen musste. Auch ist unbekannt, wie lange Weneg geherrscht hat.

Archäologische Fundlage

Der Thronname des Weneg ist mit insgesamt 11 erhaltenen Gefäßinschriften dokumentiert. Die ausgegrabenen Krüge und Vasen bestehen aus Kalzit-Alabaster, Kalkstein und Schiefer, die Beschriftungen wurden mit schwarzer Tinte aufgetragen und nachträglich eingebrannt oder direkt in Stein eingraviert. Sieben Gefäße stammen aus den unterirdischen Grabgalerien der Pyramidennekropole des Königs Djoser (Beginn der 3. Dynastie) in Sakkara. Drei weitere Gefäße stammen aus der – öffentlich nicht zugänglichen – Mastaba S3014 (ebenfalls in Sakkara gelegen) und bei dem elften Objekt ist die Herkunft ungeklärt. Außerhalb von Sakkara konnte Wenegs Name bislang nicht nachgewiesen werden.Bernhard Grdseloff: King Uneg. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte. Nr. 44, 1944, S. 279–306.Winfried Barta in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Altertumskunde. Nr. 108. Akademie-Verlag, Berlin 1981, , S. 20–21.Iorwerth Eiddon Stephen Edwards: The Cambridge ancient history. Band 1, Tafel 2: Early history of the Middle East. 3rd reprint. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-07791-5, S. 31.Jochem Kahl: Das System der ägyptischen Hieroglyphenschrift in der 0.–3. Dynastie. In: Göttinger Orientforschungen. Band IV. 1994, S. 354–355.

Zum Namen Wenegs Name ist von nicht unerheblichem Interesse für die Ägyptologie. Das heraldische Symbol, das für seinen Thronnamen verwendet wurde, ist in der ägyptischen Literatur selten anzutreffen: eine stramm aufrechte, geschlossene und spitz zulaufende Lotosknospe mit zwei spitzen, schmalen Blättern nahe der Stielbasis. Diese Hieroglyphe ist unter der Lesung „Weneg“ oder „Uneg“ bekannt und ihre symbolische Eigenbedeutung ist ungeklärt. Die Blume galt lange als ein Zeichen aus der Butischen Schrift.Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Ägyptologische Abhandlungen. Band 45, Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 142. Die von Wolfgang Helck entwickelte Theorie ist heute jedoch umstritten.Ludwig David Morenz: Bildbuchstaben und symbolische Zeichen. ... Fribourg 2004, S. 30. Im Falle von König Weneg ist die Blume in drei der Inschriften auf Höhe der Knospe von sechs vertikalen Strichen umgeben, je drei auf beiden Seiten. Die Bedeutung dieser Striche ist ebenfalls rätselhaft. Nach Wenegs Tod erscheint die „Weneg-Blume“ nur noch in den sogenannten Pyramidentexten der sechsten Dynastie, wo sie als Name des Himmels- und Totengottes Weneg Verwendung findet. Dort wird Weneg mit „Sohn des Re“ angesprochen und als „Gefolgsmann“ des verstorbenen Königs beschrieben.

140px65px60px65px Gefäßinschrift Nr. 104 mit nur teilweise erhaltener Beischrift, die Weneg-Blume weist sechs Striche auf.Pierre Lacau, Jean-Philippe Lauer: Fouilles à Saqqarah. La pyramide à degrés. IV. Inscriptions gravées sur les vases. Kairo 1959; S. 17, Objekt Nr. 104. Gefäßinschrift Nr. 53c mit der Darstellung der Königsbarke Hor-seba-taui („Horus, Stern der beiden Länder“).Pierre Lacau, Jean-Philippe Lauer: Fouilles à Saqqarah. La pyramide à degrés. IV. Inscriptions gravées sur les vases. Kairo 1959; Objekt Nr. 53c. Gefäßinschrift Nr. 105 mit der Darstellung der Königsbarke A'a („Die Größte“).Pierre Lacau, Jean-Philippe Lauer: Fouilles à Saqqarah. La pyramide à degrés. IV. Inscriptions gravées sur les vases. Kairo 1959; S. 16, Objekt Nr. 105. Gefäßinschrift Nr. 106 mit der Darstellung der Königsbarke Sema („Wildstier“).Pierre Lacau, Jean-Philippe Lauer: Fouilles à Saqqarah. La pyramide à degrés. IV. Inscriptions gravées sur les vases. Kairo 1959; S. 17, Objekt Nr. 106.

Identität Da Wenegs Name bislang nur als Thronname überliefert ist, haben Ägyptologen Schwierigkeiten, den Herrscher mit bereits bekannten Horusnamen der zweiten Dynastie zu verknüpfen. Dies erschwert eine lückenlose und fehlerfreie historische Rekonstruktion. Daher gibt es zahlreiche Gleichsetzungsinterpretationen. Die Theorien sind im Einzelnen für sich nicht unwidersprochen.

Gleichsetzung mit Hor-Nebre mini|Fragment der Steinschale des Ninetjer (BM EA 35556).

Ägyptologe Jochem Kahl identifiziert Weneg mit dem zeitgenössisch belegten und vieldiskutierten Horusnamen „Nebre“. Er sieht dabei das Vulkansteinfragment BM EA 35556 und dessen Gefäßgravur als Schlüssel bezüglich der Lösung im Zusammenhang mit der Gleichsetzung von „Nebre“ und „Weneg“. Beide Namen standen ursprünglich nebeneinander auf dem Fragment, sind aber später überschrieben worden. In der Mitte der Inschrift findet sich heute lesbar der Nesutbitj-Nebti-Name des Ninetjer, dem dritten Herrscher der 2. Dynastie. Die Hieroglyphen, mit denen Ninetjers Name geschrieben wird, sind der Darstellung des Palastes „Hut-sa-ha“ des Nebre auf der rechten Seite zugewandt und somit spiegelverkehrt. Die Darstellung des Palastes und der Name des Nebre weisen partielle Zerstörungen durch Abreibungen auf.Jochem Kahl: Ra is my Lord. Wiesbaden 2007, S. 8. Kahl vermutet, dass die bereits vorhandene Hieroglyphe der „Weneg-Blume“ weggeschliffen und mit den Zeichen für den Namen „Ninetjer“ überschrieben werden sollte. Daraus schließt Kahl eine Gleichsetzung der Namen „Weneg“ und „Nebre“. Die Gründe, warum auch der Horusname des Nebre eventuell getilgt werden sollte, bleiben bislang unklar. Kahl weist jedoch darauf hin, dass mindestens vier der Namen des Weneg „auf Rasur“ angebracht wurden, Weneg ließ demnach selbst den Namen seiner Vorgänger überschreiben. Als weiteres Argument beruft er sich auf die Annahme, dass der Name des Hor-Nebre als „Raneb“ (zu deutsch „Ra ist mein Herr“) zu lesen sei und die Gottheit Weneg als „Sohn des Ra“ verehrt wurde. Da er daraus eine Gemeinsamkeit hinsichtlich eines beginnenden Sonnenkultes ableitet, verknüpft er die Namen „Raneb“ und „Weneg“ miteinander. Als drittes Argument für eine Gleichsetzung der Namen „Nebre“ und „Weneg“ führt Kahl den sogenannten „Goldnamen“ an, der in archaischer Form schon in der 1. Dynastie erscheint und in späterer Zeit als Ehrentitel für Ra verwendet wurde. Kahl nimmt deshalb an, dass Ra schon in der 1. Dynastie eine prominente Gottheit gewesen sein müsse.Jochem Kahl: Ra is my Lord. Wiesbaden 2007, S. 47–49.

Kahls Gleichsetzung der Namen „Nebre“ und „Weneg“ wird zwischenzeitlich von einem Großteil der Ägyptologie begrüßt.siehe zum Beispiel Stephen Quirkes Buchbesprechung zu Jochem Kahl’s „Ra is my Lord“. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 95. Egypt Exploration Society, London 2009, , S. 299–300.siehe ebenso Hartwig Altenmüllers Buchbesprechung zu Jochem Kahl’s „Ra is my Lord“. In: Lingua Aegyptia – Studia monographica. Band 16. Seminar für Ägyptologie und Koptologie. Göttingen 2008, S. 331–333. Die Theorien zur frühdynastischen Existenz eines Sonnengottes „Ra“ werden allerdings weiterhin mit Skepsis betrachtet. Ben Suelzle weist darauf hin, dass der Titel „Der Goldene“ als Ehrenanrede auch für andere Gottheiten Verwendung fand, wie zum Beispiel für Horus unter König Qaa (1. Dynastie), wo Horus als „Goldener der Götterschaft“ betitelt wird. Oder für die Kronengöttinnen Nechbet und Wadjet unter König Chasechemui (dessen Nebtiname lautete „Krönung der beiden Mächte der Beiden Herrinnen, ihr Leib ist von Gold“). Als drittes Beispiel führt Suelzle den Gott Seth an, der unter König Peribsen ebenfalls als „Der Goldene“ bezeichnet wurde. „Der Goldene“ konnte daher quasi für praktisch jede Gottheit Ägyptens stehen. Ein Goldname sei daher kein zwingendes Indiz für eine Verehrung eines „Sonnengottes Ra“ in den frühdynastischen Epochen, zumal die Könige sich selbst stets als Repräsentanten des Horus und des Seth betrachteten, nicht etwa des Ra.siehe dazu Ben Suelzles Buchbesprechung von Jochem Kahl: „Ra is my Lord.“. In: Eras. 10. Ausgabe, November 2008, Monash University Press, Melbourne 2008, , S. 2 & 3, (englisch). Stephen Quirke wirft ergänzend ein, dass die Bezeichnung „Ra“ (ägyptisch r3) für die Sonne erst in den Namen hoher Beamter unter König Djoser auftaucht. Ein „Sonnengott Rê“ als selbständiger Gott mit eigenem Kult ist unter Nebre noch nicht nachgewiesen, er wurde erst unter König Djoser eingeführt.Steven Quirke: Ancient Egyptian Religions. Dover Publishing, London 1992, ISBN 0-7141-0966-5, S. 22.

Gleichsetzung mit Hor-Sechemib-Perenmaat Nicolas Grimal und Walter Bryan Emery sind überzeugt, dass Weneg mit König Sechemib identisch ist. Diese Theorie fußt auf der Annahme, dass auf König Ninetjer unmittelbar die Könige Sechemib und Peribsen auf den Thron folgten und Weneg mit dem ramessidischen Kartuschennamen Wadjenes identisch ist, der in königlichen Ahnenlisten ebenfalls als direkter Nachfolger von Ninetjer angegeben ist. Grimal und Helck setzen Sechemib daher mit Wadjenes und Peribsen mit dem ramessidischen Nachfolgernamen Sened gleich. Allerdings ist die These nicht unwidersprochen: Da Funde von Tonsiegeln mit Sechemibs Namen im abydenischen Grab des Chasechemui, des letzten Herrschers der 2. Dynastie, gemacht wurden, rückt Sechemibs chronologische Position sehr nahe an das Ende der 2. Dynastie. Wadjenes’ Name aber wird stets näher an den Beginn dieser Epoche gerückt, sodass eine zeitliche Diskrepanz zutage tritt. Die Namen „Sened“ und „Peribsen“ werden in späteren Quellen stets getrennt geehrt, sodass eine Gleichsetzung dieser Könige ebenfalls nicht zwingend ist.Gunter Dreyer: Umm el-Qaab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof: 13./14./15. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo Nr. 59. Deutsches Archäologisches Institut, Orient-Abteilung (Hrsg.). de Gruyter, Berlin 2003, S. 115, Abbildung 42b.

Gleichsetzung mit Seth-Peribsen Wolfgang Helck und Dietrich Wildung halten es für möglich, dass Weneg mit König Seth-Peribsen identisch ist, da sie gleichzeitig vermuten, dass Peribsen wiederum mit dem ramessidischen Kartuschennamen Wadjenes gleichzusetzen sei. Dieser Darlegung liegt die Annahme zugrunde, dass Peribsens Name durch die hieratische Schrift fehlgedeutet wurde (aus unsauberer Schriftausführung entstand eine Verlesung des Namens von „Peribsen“ zu „Wadjenes“).Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewusstsein ihrer Nachwelt. Band 1. 1969, S. 45–47.Wolfgang Helck: Untersuchungen zu Manetho und den ägyptischen Königslisten. 1956, S. 13–14.

Gleichsetzung mit Hor-Sa