Bösel ist eine Gemeinde im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen. Die Gemeinde Bösel liegt im Oldenburger Münsterland.
Geographie Lage und Geologie mini|300px|Kreisverkehr bei der Cäcilia-Kirche mini|300px|Dat Heimathuus Der nordöstliche Teil der Gemeinde Bösel liegt im Hochmoor des Vehnemoores. Der südwestliche Teil Bösels gehört zu den welligen Erhebungen der Friesoyther Geest (Ortsmitte Bösel: 16 m über NHN, Osterloh: 26 m über NHN) und den Garreler Talsandplatten. Die Grenze zwischen Geest und Moor entspricht etwa dem Lauf der Lahe.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinde Edewecht (Landkreis Ammerland), im Osten die Gemeinde Wardenburg (Landkreis Oldenburg), im Süden die Gemeinde Garrel und im Westen die Stadt Friesoythe (beide Landkreis Cloppenburg).
Gemeindegliederung Bösel hat neun Ortsteile: Bösel-Ort, Edewechterdamm (nur einige Häuser, der Großteil gehört zu Friesoythe), Glaßdorf, Hülsberg, Osterloh, Ostland, Overlahe, Westerloh und Petersdorf als Bösels größte Bauerschaft.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Bösel gehört überwiegend zum Einzugsgebiet der Leda-Jümme-Niederung und damit zum Flusssystem der Ems.
Die Landschaft ist durch zahlreiche kleinere Fließgewässer, Entwässerungsgräben und Moorabzugsgräben geprägt, die vor allem der Entwässerung von Geest- und Moorflächen dienen.
Der nordöstliche Teil liegt im Bereich des Vehnemoores, der südwestliche Teil in den Geesträumen der Friesoyther Geest und den Garreler Talsandplatten; die Grenze verläuft annähernd entlang der Lahe.
Die Lahe zählt zu den wichtigsten Fließgewässern der Gemeinde und bildet zugleich die naturräumliche Grenze zwischen Moor- und Geestgebiet. Teile des Gebietes sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen (NSG WE 288).
Ergänzt wird das Gewässernetz durch zahlreiche kleinere Vorfluter, Gräben und Kanäle, die in übergeordnete Systeme wie das Barßeler Tief entwässern.
Stillgewässer bestehen vor allem aus kleineren Teichen, Abgrabungsgewässern und wassergefüllten Torfstichen. Wasserflächen umfassen rund 181 Hektar der Gemeindefläche und haben neben ihrer wasserwirtschaftlichen auch eine ökologische Bedeutung als Lebensraum für Amphibien, Wiesenvögel sowie typische Arten der Moor- und Niederungslandschaft.
Der nordöstliche Teil des Gemeindegebietes wird vom Vehnemoor geprägt, einem ausgedehnten Hochmoor innerhalb der Hunte-Leda-Moorniederung. Es handelt sich um den größten verbliebenen Rest eines ehemals deutlich größeren Moorkomplexes, der heute als bedeutendes Feuchtgebiet und Naturschutzraum gilt. Das Naturschutzgebiet „Vehnemoor“ (NSG WE 270) umfasst rund 1.676 Hektar. Ein weiteres bedeutendes Feuchtgebiet ist das teilweise auf Böseler Gebiet liegende Vehnemoor-West, das sich über Friesoythe und Bösel erstreckt. Das Naturschutzgebiet (NSG WE 207) ist rund 300 Hektar groß,
Teile des Gebietes wurden lange Zeit industriell zur Torfgewinnung genutzt; nach dem Ende des Torfabbaus erfolgt schrittweise eine Renaturierung, um wieder typische Hochmoorlebensräume zu entwickeln. Charakteristisch sind wiedervernässte Moorflächen, Torfstiche, Moorgrünland sowie kleinere Feuchtbiotope, die zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wie Wollgras, Torfmoosen, Wiesenvögeln und Amphibien Lebensraum bieten.
Auch kleinere Feuchtgebiete, Entwässerungsgräben und wassergefüllte Abgrabungen prägen das Gemeindegebiet. Sie übernehmen wichtige Funktionen für Wasserhaushalt, Naturschutz und den Erhalt der typischen Moor- und Niederungslandschaft. Nach Angaben der Gemeinde entfallen rund 755 Hektar der Gemeindefläche auf Moorflächen.
Klima Das Klima in Bösel ist durch die Nähe zur Nordsee stark atlantisch geprägt mit moderat warmen Sommern und relativ milden Wintern. Klimadaten der nächstgelegenen Messstation des deutschen Wetterdienstes in Friesoythe-Altenoythe (N 53°04'; O 07°54') nennen für den Bezugszeitraum 1981–2010 ein langjähriges Temperaturmittel von 9,6 °C und eine durchschnittliche Regenmenge von 784 mm / Jahr. Allgemein sind Sommer und Herbst feuchter, Winter und Frühjahr dagegen etwas trockener (Maximum Juni: 78 mm; Minimum April: 45 mm).Homepage DWD Friesoythe-Altenoythe
Geschichte Ortsname Frühere Versionen des Ortsnamens sind ca. 1080/88 Borsla, 1320 Borsele [Or], 1424/50 to Bosele [Or], Boesell (1535). Der Historikerstreit, ob mit der Bezeichnung „Borsla“ Barßel oder Bösel gemeint ist, wurde inzwischen beigelegt zugunsten von Bösel. In einer Urkunde von 1407 aus dem Gutsarchiv Daren bezeugt Johann, Edelherr zu Diepholz, „dat wij in vortijden hebt belehnet Otten Sloren…(nämlich dem) luttiken tegheden to Borzell in dem kerkspele to Qyte“. Die hier nachgewiesenen diepholzischen Anrechte am Böseler Zehnt können als Indiz dafür gewertet werden, dass mit dem 1080/88 erwähnten Zehnten von Borsla, den der Osnabrücker Bischof Benno II. einer Ahnfrau des Diepholzer Edelherrschaftsgeschlechtes übergab, tatsächlich der Böseler Zehnte gemeint ist, sagt auch Peter Sieve, Archivar beim Offizialat Vechta. Es werde der Nachweis geführt, dass mit dem 1080/88 erwähnten Borsla wirklich Bösel und nicht Barßel gemeint sei. Die Etymologie des Ortsnamens ist unklar, da die Endung -la, abgeschwächt -le, sowohl auf das Gw. /-loh(e) als auch auf das Suffix -l- als Element einer Stellenbez. zurückgehen kann. Als Basis ist an germ. *burs- aus idg. *bhrs- „Emporstehendes, Spitze, Borste“ zu denken, das in schwed. borre, engl. bur „Klette“ erhalten ist. Die Lage Bösels auf dem ca. 15 m hohen Geestrücken inmitten der Moorlandschaft an der Lahe stützt die Deutung als „erhöht liegender Wald“. Die Böseler „Borsla Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur“ wählte ihren Namen nach der ersten Erwähnung der Gemeinde als „Borsla“.
Vorgeschichte bis Ende des 19. Jahrhunderts Siedlungsfunde zeigen, dass bereits in der Mittelsteinzeit Menschen im Gemeindegebiet gelebt haben. Die erste Ansiedlung im Mittelalter war vermutlich ein Haufendorf auf dem höher gelegenen Geestrücken, der auch ohne Entwässerung als Acker nutzbar war. 1473 zählte Bösel 25 Familien und im benachbarten Osterloh sechs Familien. Vermutlich existierte bereits vor 1500 eine Kapelle in Bösel, die aber erst 1613 schriftlich erwähnt wird. Bösel und Osterloh gehörten zum Kirchspiel Altenoythe, dem damaligen Hauptort des Siedlungsgebietes, verwalteten sich aber bis Anfang des 19. Jahrhunderts als genossenschaftliche Bauerschaft weitestgehend selbst. 1803 endete mit dem Reichsdeputationshauptschluss die über 400-jährige geistliche Herrschaft des Stiftes Münster. Das münsterische Amt Cloppenburg wurde im Zuge der Aufteilung des Hochstifts Münster dem herzoglichen Haus Oldenburg zugesprochen. Erst nach einer kurzen preußischen Zeit (1802/03) und einer kurzen oldenburgischen Herrschaft, in der das Amt von 1804 bis 1810 als oldenburgische Landvogtei bezeichnet wurde, schuf die französische Verwaltung im Gerichts- und Verwaltungsbereich andere Strukturen und zerschlug das Amt in die Teilgebiete Cloppenburg, Friesoythe und Löningen. Aus dem Kirchspiel Friesoythe wurde der Kanton Friesoythe mit der Stadt bzw. Mairie Friesoythe und den angrenzenden Mairien Altenoythe (einschließlich Bösel), Barßel, Markhausen, Ramsloh, Scharrel und Strücklingen. Erst mit dem Ende der französischen Herrschaft 1814 und der Einsetzung des ersten oldenburgischen Amtmanns Conrad Bartels 1815 begann man, das neu geschaffene Amt Friesoythe in die neue oldenburgische Verwaltung zu integrieren. Amtssitz war die an der Soeste gelegene Stadt Friesoythe. Nach der Gemeindeordnung von 1831 bildete fortan das Kirchspiel Altenoythe gemeinsam mit Bösel eine selbstverwaltete politische Gemeinde. Am 2. März 1876 wurde Bösel gegen den Widerstand von Altenoythe eine selbstständige Kommune. Wesentlich dazu beigetragen hat auch die bereits 1874 erfolgte kirchliche Eigenständigkeit Bösels.
Wirtschaftliche Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert Haupterwerb war die Landwirtschaft, wobei bis Anfang des 20. Jahrhunderts den nährstoffarmen Geestböden nur durch Plaggendüngung und den Moorböden durch Moorbrandkultur ein Ertrag abgerungen werden konnte. Die Viehhaltung beschränkte sich auf anspruchslose Heidschnucken (1892: 5949 Schafe). Die Verarbeitung ihrer Wolle zu Kleidungsstücken war für weite Bevölkerungsteile der wichtigste Nebenerwerbszweig, man „breidelte“ (Plattdeutsch für stricken). Hoher Bevölkerungsdruck und sinkende Zuverdienstmöglichkeiten durch sommerliche Hollandgängerei führten 1869/70 zur Ausweisung von 47 Kolonaten im heutigen Petersdorf. Zur Verbreitung des Kunstdüngers beigetragen hat auch die 1906 eröffnete Bahnstrecke Cloppenburg–Ocholt und der Bau der ersten befestigten Straßen, die die Verkehrsanbindungen wesentlich verbesserten und den Transport von Massengütern wie Dünger stark vereinfachten. In der Folge wurde die Dreifelderwirtschaft aufgegeben. 1924 hielt die Elektrizität in Bösel Einzug.
Siedlungsentwicklung und Kolonisierung Petersdorf Als erste gesteuerte Siedlungsaktivität im Gebiet der heutigen Gemeinde entstand 1874 Petersdorf durch Markenteilung und Besiedlung und Kultivierung von Ödländereien (Oldenburgische Binnenkolonisation). Die ersten, bereits 1869/70 eingewiesenen Siedler lebten ärmlich in aus Plaggen errichteten Erdhütten. Diese frühe Siedlungstätigkeit stellte sich aber als ökonomisch weitgehend unrentabel heraus. Daher erfolgte auch die Namensgebung des Ortes nach Großherzog Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg erst 1876, da viele Gebäude zum geforderten Termin noch nicht fertiggestellt waren oder teilweise bereits wieder aufgegeben waren. Erst 1877 waren alle Siedler mit einem festen Haus ansässig. Entscheidend zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen war die Einführung des gerade neu aufkommenden Kunstdüngers, der auch eine intensive Viehhaltung ermöglichte. In den 1920er Jahren hob dann auch der Straßenbau Richtung Wardenburg die bis dahin nachteilige Randlage Petersdorfs auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Bevölkerungszahl von Petersdorf durch Zuzug von Kriegsflüchtlingen, stagniert aber seitdem. Nach den Erfahrungen mit der frühen Kolonie Petersdorf stockte der weitere Siedlungsausbau in Bösel lange Zeit.
Glaßdorf Erst durch die wirtschaftlichen Zwänge und den Siedlerdruck in Folge des ersten und Zweiten Weltkrieges lebte im 20. Jahrhundert die Siedlungstätigkeit im Gemeindegebiet – vor allem durch Kolonisierung der weiten Flächen des Vehnemoores – auf. Als erstes wurde 1923 in der Gemeinde Bösel die Kolonie Glaßdorf vom Land Oldenburg gegründet. Das Siedlungsamt richtete auf 365 ha 30 Siedlungsstellen ein. Namensgebend für die Siedlung war der Landesökonomierat Robert Glaß (1867–1944). Im Jahr 2023 beging Glaßdorf sein 100-jähriges Bestehen.
Ostland In diesem Rahmen entstand in der Gemeinde Bösel 1927 auch die Siedlung Ostland und in direkter Nachbarschaft die Siedlungen Habern I. und Harbern II. (Gemeinde Wardenburg) und Hogenset (Gemeinde Edewecht). Die Kolonatgrößen betrugen etwa neun bis zwölf Hektar. Zur Vorbereitung der Siedlung wurde das Moor in Handarbeit gekuhlt, d. h. Sand aus dem Mooruntergrund wurde auf die Hochmoor- oder schon abgetorften Flächen gebracht. Da es sich um Notstandsmaßnahmen der Weimarer Republik zur Arbeitsbeschaffung handelte, spielte die Rentabilität eine untergeordnete Rolle.
Hülsberg