mini|Fotografie der Sierra Nevada mini|Fotograf bei der Arbeit (Foto: Roger Rössing 1948)|alternativtext=Seitliche Schwarzweißfotografie eines Mannes mit Hut, der von oben durch den Sucher blickt. Die Kamera steht auf einem Stativ und ist mit seinem langen Objektiv nach oben gerichtet.
Fotografie oder Photographie (zusammengesetzt aus [im Genitiv ] und (-graphie), sinngemäß „Mit Licht zeichnen“) bezeichnet:
eine bildgebende Methode,Gottfried Jäger: Fotografie als generatives System. Verlag für Druckgrafik Gieselmann, Bielefeld 2007. bei der mit Hilfe von optischen Verfahren ein Lichtbild auf ein lichtempfindliches Medium projiziert und dort direkt und dauerhaft gespeichert (analoges Verfahren) oder in elektronische Daten gewandelt und gespeichert wird (digitales Verfahren) das dauerhafte Lichtbild (Diapositiv, Filmbild oder Papierbild; kurz Bild, umgangssprachlich auch Foto genannt), das durch fotografische Verfahren hergestellt wird; dabei kann es sich entweder um ein Positiv oder ein Negativ auf Film, Folie, Papier oder anderen fotografischen Trägern handeln. Fotografische Aufnahmen werden als Abzug, Vergrößerung, Filmkopie oder als Ausbelichtung bzw. Druck von digitalen Bild-Dateien vervielfältigt. Der entsprechende Beruf ist der Fotograf. Bilder, die zum Beispiel für das Kino aufgenommen werden. Beliebig viele fotografische Bilder werden in Reihen von Einzelbildern auf fotografischen Film aufgenommen, die später mit einem Filmprojektor als bewegte Bilder (Laufbilder) vorgeführt werden können (siehe Film). eine Gattung der Bildenden Kunst
Begriff Bis ins 20. Jahrhundert bezeichnete Fotografie alle Bilder, die rein durch Licht auf einer Oberfläche entstehen.
Allgemeines Die Fotografie ist ein Medium, das in sehr verschiedenen Zusammenhängen eingesetzt wird. Fotografische Abbildungen können beispielsweise Gegenstände mit primär künstlerischem (künstlerische Fotografie) oder primär kommerziellem Charakter sein (Industriefotografie, Werbe- und Modefotografie). Die Fotografie kann unter künstlerischen, technischen (Fototechnik), ökonomischen (Fotowirtschaft) und soziologischen (Amateur-, Arbeiter- und Dokumentarfotografie) Aspekten betrachtet werden. Des Weiteren werden Fotografien im Journalismus und in den Wissenschaften wie der Medizin verwendet.
Die Fotografie ist teilweise ein Gegenstand der Forschung und Lehre in der Kunstgeschichte und der noch jungen Bildwissenschaft. Der mögliche Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten, ist jedoch seit der fotografischen Stilrichtung des Piktorialismus um die Wende zum 20. Jahrhundert kaum mehr in Frage gestellt. Einige Forschungsrichtungen ordnen die Fotografie der Medien- oder Kommunikationswissenschaft zu, auch diese Zuordnung ist kontrovers.
Im Zuge der technologischen Weiterentwicklung fand zu Beginn des 21. Jahrhunderts allmählich der Wandel von der klassischen analogen (Silber-)Fotografie hin zur Digitalfotografie statt. Der weltweite Zusammenbruch der damit in Zusammenhang stehenden Industrie für Filmkameras und den Verbrauchsmaterialien (Filme, Fotopapier, Fotochemie, Laborgeräte) führt dazu, dass die Fotografie mehr und mehr auch unter kulturwissenschaftlicher und kulturhistorischer Sicht erforscht wird. Allgemein kulturelle Aspekte in der Forschung sind z. B. Betrachtungen über den Erhalt und die Dokumentation der praktischen Kenntnis der fotografischen Verfahren für Aufnahme und Verarbeitung aber auch der Wandel im Umgang mit der Fotografie im Alltag. Zunehmend kulturhistorisch interessant werden die Archivierungs- und Erhaltungstechniken für analoge Aufnahmen aber auch die systemunabhängige langfristige digitale Datenspeicherung.
Die Fotografie unterliegt dem komplexen und vielschichtigen Fotorecht; bei der Nutzung von vorhandenen Fotografien müssen die Bildrechte beachtet werden. Die Gesetzgebungen in verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise stark.
mini|hochkant|Objektiv einer Großformatkamera|alternativtext=Farbige Nahaufnahme eines modernen Objektivs.
Fototechnik
Prinzipiell wird meist mit Hilfe eines optischen Systems, gewöhnlich durch ein Objektiv, fotografiert. Dieses bündelt das von einem Objekt reflektierte Licht auf die lichtempfindliche Schicht einer Fotoplatte, eines Films oder auf einen fotoelektrischen Wandler, einen Bildsensor.
Fotografische Kameras
Der fotografischen Aufnahme dient eine fotografische Apparatur (Kamera). Durch Manipulation des optischen Systems (unter anderem die Wahl des Aufnahmematerials, der Brennweite des Objektivs, der Blendenzahl, Schärfenebene, die Wahl der Belichtungszeit, vielleicht der Farbfilterung und gegebenenfalls der Beleuchtung) stehen einem Fotografen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten offen. Als vielseitigste Fotoapparatbauform hatte sich sowohl im Analog- als auch im Digitalbereich die Spiegelreflexkamera durchgesetzt. Für viele Aufgaben werden weiterhin verschiedenste Spezialkameras benötigt und eingesetzt. 2020 hat erstmals die spiegellose digitale Systemkamera die digitale Spiegelreflexkamera überholt und ist dabei, diese abzulösen.
Lichtempfindliche Schicht Bei der Digitalfotografie besteht das Äquivalent der lichtempfindlichen Schicht aus Chips wie CCD- oder CMOS-Sensoren.
Bei der filmbasierten Fotografie (z. B. Silber-Fotografie) ist die lichtempfindliche Schicht auf der Bildebene eine Dispersion (im allgemeinen Sprachgebrauch Emulsion). Sie besteht aus einem Gel (Gelatine), in dem gleichmäßig kleine Körnchen eines Silberhalogenids (zum Beispiel Silberbromid) verteilt sind. Je kleiner die Körnung ist, umso weniger lichtempfindlich ist die Schicht (siehe ISO-5800-Standard), umso feiner ist allerdings das „Korn“ und damit die Auflösung. Dieser lichtempfindlichen Schicht wird durch einen Träger Stabilität verliehen. Trägermaterialien sind Zelluloseacetat, früher dienten dazu in erster Linie Glasplatten (Fotoplatte) oder Metallplatten (Ferrotypie), später Zellulosenitrat (Zelluloid), dann Kunststofffolien (Film), aber auch strukturierte Oberflächen wie Textilien (Fotoleinwand) sind möglich.
Die Cyanotypie beruht auf Eisen statt Silber für die lichtempfindliche Schicht.
Entwicklung und Fixierung bzw. Konvertierung Digitale Bilddateien werden gewöhnlich als schon in der Kamera optimiertes und komprimiertes Format (JPEG) gespeichert. Sie können mit Bildbearbeitungssoftware weiter verändert werden („Photoshop“) und bei Bedarf auf Fotopapier ausbelichtet oder beispielsweise mit einem Tintenstrahldrucker ausgedruckt werden. Im Rohdatenformat („RAW“) der Kamera belassene Bilddateien müssen noch „entwickelt“ werden, erlauben dafür jedoch ein weiteres Spektrum der Datenverarbeitung. Sie werden erst anschließend über RAW-Konverter in weiter nutzbare Formate (wie JPG oder TIFF) gebracht.
Durch das Entwickeln bei der filmbasierten Fotografie wird auf chemischem Wege das latente Bild sichtbar gemacht. Beim Fixieren werden die nicht belichteten Silberhalogenid-Körnchen wasserlöslich gemacht und anschließend mit Wasser herausgewaschen, sodass ein Bild bei Tageslicht betrachtet werden kann, ohne dass es nachdunkelt.
Ein weiteres älteres Verfahren ist das Staubverfahren, mit dem sich einbrennbare Bilder auf Glas und Porzellan herstellen lassen.
Der Abzug mini|Abzug aus den 1960er Jahren mit großflächigem Lichtschaden|alternativtext=Farbfotografie einer Gruppe Kinder mit wenigen Erwachsenen, die am Straßenrand stehen oder hocken. Im Hintergrund sind umzäunte Häuser und eine Landstraße mit Wiesen zu sehen. Die Farben des Fotos sind großflächig verblichen.
Als Abzug bezeichnet man das Ergebnis einer Kontaktkopie, einer Vergrößerung oder einer Ausbelichtung; dabei entsteht in der Regel ein Papierbild. Abzüge können von Filmen (Negativ oder Diapositiv) oder von Dateien gefertigt werden.
Abzüge als Kontaktkopie haben dieselbe Größe wie die Abmessungen des Aufnahmeformats; wird eine Vergrößerung vom Negativ oder Positiv angefertigt, beträgt die Größe des entstehenden Bildes ein Vielfaches der Größe der Vorlage, dabei wird jedoch in der Regel das Seitenverhältnis beibehalten, das bei der klassischen Fotografie bei 3:2, bzw. 4:3 oder in USA 5:4 liegt (im Mittelformat gibt es z. B. noch das quadratische Format).Eine Ausnahme davon stellt die Ausschnittvergrößerung dar, deren Seitenverhältnis durch Kaschierung in der Bühne eines Vergrößerers oder auf dem Papier beliebig festgelegt werden kann; allerdings wird auch die Ausschnittvergrößerung in der Regel auf ein vorgegebenes Papierformat belichtet und gegebenenfalls beschnitten.
Der Abzug ist eine häufig gewählte Präsentationsform der Amateurfotografie, die in speziellen Kassetten oder Alben gesammelt werden. Bei der Präsentationsform der Diaprojektion wurde in der Regel mit dem Original-Diapositiv, also einem Unikat gearbeitet, während es sich bei Abzügen immer um Kopien handelt.
Geschichte der Fotografie
Vorläufer und Vorgeschichte Der Name Kamera leitet sich vom Vorläufer der Fotografie, der Camera obscura („Dunkle Kammer“) ab, die bereits seit dem 11. Jahrhundert bekannt ist und Ende des 13. Jahrhunderts von Astronomen zur Sonnenbeobachtung eingesetzt wurde. Anstelle einer optischen Linse weist diese Kamera nur ein kleines Loch auf, durch das die Lichtstrahlen auf eine Projektionsfläche fallen, von der das auf dem Kopf stehende, seitenverkehrte Bild abgezeichnet werden kann. In Edinburgh und Greenwich bei London sind begehbare, raumgroße Camerae obscurae eine Touristenattraktion. Auch das Deutsche Filmmuseum hat eine Camera obscura, in der ein Bild des gegenüberliegenden Mainufers projiziert wird.
Ein Durchbruch war 1550 die Wiedererfindung der Linse, mit der hellere und gleichzeitig schärfere Bilder erzeugt werden können. 1685 wurde der Ablenkspiegel erfunden, mit dem ein Abbild auf Papier projiziert und abgepaust werden konnte.
Im 18. Jahrhundert kamen die Laterna magica, das Panorama und das Diorama auf. Der Forscher Thomas Wedgwood und der Chemiker Humphry Davy begannen bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts, lichtempfindliche Stoffe zu untersuchen und nach Fixiermitteln zu suchen.
Die frühen Verfahren mini|Historische Kamera|alternativtext=Farbfotografie einer Balgenkamera mit schwarzem Tuch über Sucher und teilweise den Balgen. Der vordere Teil mit Objektiv besteht aus Holz und goldenen Scharnieren. Die Kamera steht auf einem Holzstativ.
Die vermutlich erste dauerhafte Fotografie der Welt „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“ wurde im Frühherbst 1826 durch Joseph Nicéphore Niépce im Heliografie-Verfahren angefertigt. 1837 benutzte Louis Daguerre ein besseres Verfahren, das auf der Entwicklung der Fotos mit Hilfe von Quecksilberdämpfen und anschließender Fixierung in einer heißen Kochsalzlösung oder einer normal temperierten Natriumthiosulfatlösung beruhte. Die auf diese Weise hergestellten Bilder, allesamt Unikate auf versilberten Kupferplatten, wurden als Daguerreotypien bezeichnet. Ebenfalls 1837 fertigte Franz von Kobell die erste deutsche Fotografie, eine Aufnahme der Münchner Frauenkirche.
Bereits 1835 hatte der Engländer William Henry Fox Talbot das Negativ-Positiv-Verfahren erfunden. Auch heute werden noch manche der historischen Verfahren als Edeldruckverfahren in der Bildenden Kunst und künstlerischen Fotografie verwendet. In einem Beitrag über den Fotopionier Talbot prägte Johann Heinrich von Mädler in der Vossischen Zeitung vom 25. Februar 1839 als erster den Begriff Photographie.Erich Stenger: Der Ursprung des Wortes "Photographie". In: Der freie Lichtbildner (Offizielles Organ des Arbeiter-Lichtbild-Bundes), Jg. 2, Nr. 2, 15. Februar 1933, S. 14 f.