mini|300px|Die schiefe Kirche in Suurhusen, zweitschiefster Turm der Welt Hinte ist eine Gemeinde im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Mit Einwohnern zählt sie zu den kleineren Gemeinden im Landkreis. Mit einer Fläche von 48 Quadratkilometern ist sie zudem die kleinste Einheitsgemeinde auf dem Festland des Landkreises. Die Einwohner Hintes werden Hinteraner genannt, das Adjektiv lautet ebenfalls so (beispielsweise Hinteraner Kirche).
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Kernort Hinte um das Jahr 1000, desgleichen die heutigen Ortsteile Westerhusen und (Groß-)Midlum. Der Ortsteil Loppersum war ausweislich von Funden bereits um Christi Geburt besiedelt, musste aber, wie viele andere Orte in der ostfriesischen Marsch, aufgrund einer Transgression der Nordsee während der Völkerwanderungszeit zwischenzeitlich aufgegeben werden.
Hinte ist heute im Wesentlichen von Auspendlern bewohnt, die vor allem in der Nachbarstadt Emden arbeiten. Wirtschaftlich sind Landwirtschaft und Tourismus von einiger Bedeutung. In der Gemeinde ist keine Industrie angesiedelt; sie gilt als strukturschwach. Der Haushalt der Gemeinde ist daher seit Jahren auf Finanzausgleichszahlungen des Landes Niedersachsen angewiesen.
Überregional bekannt ist der Ortsteil Suurhusen durch seine Kirche. Sie hat den zweitschiefsten Kirchturm der Welt. Von herausragender Bedeutung sind zudem die Kirche im Kernort Hinte, die mit der benachbarten Burg ein in Norddeutschland seltenes Ensemble bildet, und die Orgel in der Kirche zu Westerhusen. Daneben gibt es eine Anzahl Gulfhöfe und Landarbeiter-Häuschen, wie sie für ostfriesische Marschgegenden typisch sind.
Geografie Lage und Ausdehnung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q552451" } Hinte liegt in Ostfriesland im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Politisch-administrativ gehört Hinte zum Landkreis Aurich in Niedersachsen. Die Gemeinde befindet sich in der Südwestecke des Landkreises in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Emden. Die Kreisstadt Aurich liegt 23 Kilometer nordöstlich, Teile der Kreisverwaltung befinden sich auch in der Stadt Norden (25 Kilometer nördlich). Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt zirka sieben Kilometer, desgleichen die maximale West-Ost-Ausdehnung.
Mit gut 7000 Einwohnern liegt Hinte bei der Bevölkerungszahl auf Rang 25 unter den Städten und (Samt-)Gemeinden in Ostfriesland. Von den Festlandsgemeinden sind – abgesehen von den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinden – nur noch Jümme, Dornum und Jemgum kleiner. Hinsichtlich der Fläche ist Hinte mit etwas mehr als 48 Quadratkilometern sogar das Schlusslicht in Ostfriesland. Die sich daraus ergebende Einwohnerdichte von rund 145 pro Quadratkilometer liegt sehr nahe am ostfriesischen Durchschnitt von 148 Einwohner/km² und damit unter den Vergleichswerten von Niedersachsen (168) und der Bundesrepublik (229).
Geologie, Böden und Hydrologie Das Hinteraner Gemeindegebiet befindet sich im Durchschnitt auf einer Höhe von 1 bis 1,5 Meter über Normalnull.Zahlen, Daten und Fakten hinte.de; abgerufen am 26. Juni 2025. Weite Teile des Gemeindegebietes liegen jedoch unter Normalnull, darunter das Gebiet südlich der Ortschaften Groß-Midlum, Westerhusen und Suurhusen, rund um Loppersum und nordöstlich von Canhusen.Karte des Verbandsgebietes (PDF; 4,9 MB) entwaesserungsverband-emden.de; abgerufen am 5. Januar 2013.
Der geologische Untergrund der Gemeinde wird von Sedimenten aus dem Holozän bestimmt. Hinte ist aufgrund seiner relativen Nähe zur Ems sowie der Tatsache, dass sich die Leybucht in früheren Jahrhunderten bis auf das heutige Gemeindegebiet erstreckte, eine der wenigen Gemeinden Ostfrieslands, die keinerlei Anteil an der Geest hat und daher oberflächennah auch keine pleistozänen Schichten aufweist. Die vorherrschende Landschaftsform ist die Marsch. Die früheren Ausläufer der Leybucht nördlich von Canhusen und der Sielmönker Bucht zwischen Cirkwehrum im Norden, Groß-Midlum im Süden und dem Kernort Hinte als östlicher Endpunkt bestehen aus Seemarschböden, das sind Kalkmarsch- und Kleimarschböden aus Ton und Schluff von hoher Ertragsfähigkeit. Zwischen Cirkwehrum, Hinte, Osterhusen und Canhusen, südlich der Linie Groß-Midlum–Suurhusen sowie in etwa östlich der Bundesstraße 210 schließen sich Knickmarsch und Übergangs-Brackmarschböden an. Rund um das Kleine Meer befinden sich überschlickte Randmoore (Überflutungsmoore). Knick- und Moormarschen weisen eine hohe Dichte auf, weil in früheren Jahrhunderten bei Überflutungen die feinsten Schwebstoffe am weitesten landeinwärts drangen und sich ablagerten; die Körnigkeit des Bodens ist daher sehr fein. Dementsprechend sind die Knick- und Moormarschböden ackerbaulich auch schwerer zu bearbeiten.Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands. In: Karl-Heinz Sindowski u. a.: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands (Ostfriesland im Schutze des Deiches, Band 1), Deichacht Krummhörn (Hrsg.): Selbstverlag, Pewsum 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage. mini|Kleines Meer aus Südosten Die Gemeinde wird in (ungefährer) Nordost-Südwest-Richtung vom Knockster Tief durchflossen, das auch als Vorfluter die Entwässerung des Gemeindegebietes sicherstellt. An ihm liegen Loppersum, Osterhusen und der Kernort Hinte. Mehrere weitere Kanäle und Stichkanäle, dort Tief genannt, fließen dem Knockster Tief zu. Dazu zählen das Alte Greetsieler Sieltief, das bei Loppersum ins Knockster Tief mündet, sowie das Neue Greetsieler Sieltief, das im Kernort Hinte ins Knockster Tief fließt. Die Ortschaften Suurhusen, Groß Midlum und Westerhusen sind mit Stichkanälen ans Knockster Tief, die Ortschaft Cirkwehrum ans Neue und die Ortschaft Canhusen ans Alte Greetsieler Sieltief angeschlossen.Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, S. 211 ff. Dieses engmaschige Netz von Kanalverbindungen erklärt sich daraus, dass bis ins frühe 20. Jahrhundert die Kanäle die wichtigsten Transportwege für die Dörfer waren, da das Wegenetz nur unzureichend ausgebaut war. Über das Knockster und das Hinter Tief wurden die Dörfer mit der Stadt Emden verbunden. Seit der Kommunalreform 1972 ist das Treckfahrtstief über weite Strecken die südöstliche Grenze zur Nachbarstadt Emden.
Das Kleine Meer befindet sich auf dem Gemeindegebiet. Das nordwestlich davon gelegene Loppersumer Meer ist zwar nach dem gleichnamigen Ortsteil benannt, befindet sich aber bereits auf dem Gebiet der Gemeinde Südbrookmerland.
Flächennutzung + Flächennutzung 2009 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freifläche 322 davon Wohnfläche 227 davon Gewerbe- und Industriefläche 4 Betriebsfläche 2 Erholungsfläche 35 davon Grünanlage 19 Verkehrsfläche 250 davon Straße, Weg, Platz 235 Landwirtschaftsfläche 3.849 Wasserfläche 246 Waldfläche 76 Flächen anderer Nutzung 25 davon Friedhöfe 3 davon Unland 7 Gesamtfläche 4.806
Ungefähr 80 Prozent des Gemeindegebietes werden landwirtschaftlich genutzt, womit Hinte eine jener Gemeinden ist, die über dem ostfriesischen Durchschnitt von 75 Prozent liegen.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Verlag Isensee, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. Der niedersächsische Vergleichswert beträgt 59 Prozent. Der Waldanteil beträgt 1,58 Prozent, was unter dem ostfriesischen Vergleichswert von 2,6 Prozent liegt, der seinerseits den bundesrepublikanischen Durchschnitt von rund 30 Prozent weit unterschreitet. Gewässer mit dem Binnensee Hieve und den zahlreichen Kanäle und Entwässerungsgräben machen 5,11 Prozent des Gemeindegebietes aus.
Gemeindegliederung Hinte zählt mehr als 7000 Einwohner, die sich auf ein Gemeindegebiet von rund 48 Quadratkilometern verteilen. Ziemlich genau 40 Prozent der Einwohner leben im Kernort Hinte, eine vierstellige Einwohnerzahl haben auch die Ortsteile Loppersum und Suurhusen. Der Rest besteht aus kleineren Dörfern mit dreistelligen Einwohnerzahlen.
Die folgenden Ortschaften gehören zur Gemeinde Hinte (in Klammern die Einwohnerzahlen im Jahr 2006): Ortschaft Einwohner zugehörige Ortsteile und Wohnplätze Hinte 2830 Haskamp, Kringwehrum, Vliehaus, Wichhusen Loppersum 1400 Abbingwehr, Bauerslust, Eisinghusen, Klein-Sande, Loppersumer Grashaus, Loppersumer Meedehaus, Meerbuden, Meinershof, Wilhelmshof Suurhusen 1175 Haneborg, Onderbörg, Stikelborg, Suurhuser Hammrich, Tütelborg Groß Midlum 760 Horst, Leuchtenburg, Groß Midlumer Meede Osterhusen 500 — Westerhusen 320 Groß-Albringswehr, Harsweger Ziegelei, Mossenburg, Stadtwyk, Westerhuser Neuland Cirkwehrum 200 Klein-Kringwehrum Canhusen 170 Langewehr Gesamt 7355 —
Nachbargemeinden Hinte grenzt an folgende Kommunen (beginnend im Süden, im Uhrzeigersinn): Stadt Emden, Gemeinde Krummhörn, Gemeinde Wirdum (in der Samtgemeinde Brookmerland), Gemeinde Südbrookmerland. Abgesehen von der kreisfreien Stadt Emden befinden sich die Nachbargemeinden im Landkreis Aurich.
Klima Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich die Gemeinde in der Einteilung Cfb.Aktualisierte Klimaweltkarte der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation. koeppen-geiger.vu-wien.ac.at; abgerufen am 28. Dezember 2011. (Klimazone C: warm-gemäßigtes Klima, Klimatyp f: feucht-gemäßigtes Klima, Untertyp b: warme Sommer). Innerhalb der gemäßigten Zone wird es dem Klimabezirk Niedersächsisches Flachland Nordsee-Küste zugeordnet, der maritim geprägt ist und sich durch relativ kühle und regenreiche Sommer, verhältnismäßig milde, schneearme Winter, vorherrschende West- und Südwestwinde sowie hohe Jahresniederschläge auszeichnet.
Die nächstgelegene Mess-Station des Deutschen Wetterdienstes befindet sich in Emden. Die Entfernung (Luftlinie) vom neuen Rathaus Hinte bis zu dieser Mess-Station beträgt nur 3,6 Kilometer, so dass die Messungen der Mess-Station Emden in gleicher Weise für Hinte gelten.
Schutzgebiete Naturschutzgebiete gibt es in der Gemeinde nicht. Bereits seit 1972 ist das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Großes Meer und Umgebung unter Schutz gestellt. Es umfasst eine ebene Fläche von 2148 Hektar rund um das Große Meer und das Loppersumer Meer und schließt auch die Hieve ein. Das LSG befindet sich zum Großteil auf Südbrookmerlander Gebiet, kleinere Anteile haben die Gemeinde Hinte und die Stadt Emden. Das letztgenannte Landschaftsschutzgebiet und die genannten Naturschutzgebiete sind Bestandteil des EU-Vogelschutzgebietes Ostfriesische Meere. Ein weiteres LSG ist das etwa 10,2 Hektar große Areal bei der Burg Hinta, das seit 1965 unter Schutz steht. Solitärbäume in Cirkwehrum und Groß-Midlum sind Naturdenkmale.
Geschichte Die dauerhafte Besiedelung des Gemeindegebietes begann vermutlich in Loppersum. Darauf deutet eine Bronzefibel aus der älteren Römischen Kaiserzeit hin, die 1959 beim Neubau des Pfarrhauses auf der Dorfwurt in zwei Meter Tiefe zutage kam. Vermutlich ließen sich die ersten Bewohner zu ebener Erde nieder. Erst der Anstieg des Meeresspiegels führte zum Aufwerfen der Warf. Im 5. Jahrhundert kam es zu einem starken Rückgang der Besiedlung. Ursache dafür könnte der Anstieg des Meeresspiegels im Zuge der Dünkirchen II-Transgression und die dadurch bedingte Überflutung der Marsch und die Vernässung der Geest gewesen sein. Der Rückgang der Bevölkerung macht sich ausschließlich in fehlenden archäologischen Funden für das 5. und 6. Jahrhundert bemerkbar.Wolfgang Schwarz: Ur- und Frühgeschichte. In: Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 72.
Nach diesem Siedlungsrückgang folgte im beginnenden 7. Jahrhundert eine erneute stärkere Besiedlung. Diese führte, gestützt auf deren Fruchtbarkeit, den Wendepflug und geeignete Zugtiere, vermutlich Pferde, alsbald zu einer flächendeckenden Bewirtschaftung des nutzbaren Landes in der unbedeichten Marsch im 8. und 9. Jahrhundert.