Selters ist ein Stadtteil von Ortenberg im südhessischen Wetteraukreis.
Geografie Selters liegt am Rande des westlichen Vogelsbergs auf einer Höhe von , 2 km südwestlich des Zentrums von Ortenberg und 7,5 km nordwestlich von Büdingen.
Zu Selters zählt das auf einem Hang über der Nidder auf den Resten der kleinen Burg Konradsdorf errichtete ehemalige Kloster Konradsdorf, heute Teil der hessischen Staatsdomäne Konradsdorf.
Geschichte mini|hochkant|Kirche in Selters
Mittelalter Die älteste bekannte Erwähnung des Ortes stammen aus den Jahren 750–802 als SeltreseEdmund Ernst Stengel, Urkundenbuch des Klosters Fulda. 1. Die Zeit der Äbte Sturmi und Baugulf, Marburg 1958. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 10,1. S. 439 u. 447, Nr. 341 u. 367. in der Zeit der beiden ersten Äbte des Klosters Fulda, nämlich Sturmius und Baugulf von Fulda. Letzterer starb 802.
Selters gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Amt Ortenberg, einem Kondominat, das von drei Landesherren aus dem Kreis der Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins gebildet wurde.
Frühe Neuzeit Da alle drei Herren des Kondominats sich der Reformation zuwandten, wurde auch Selters zunächst lutherisch. 1601 kam es zu einer Realteilung des Kondominats, wobei das Dorf Selters an die Grafschaft Hanau-Münzenberg (ab 1642: Grafschaft Hanau) fiel. Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg verfolgte aber ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft Hanau-Münzenberg weitgehend als verbindlich durch.
1662 kam es im Hanauer Amt Ortenberg zu einer massiven Hexenverfolgung. Eine zentrale Rolle bei der Verfolgung der „Hexen“ spielte wahrscheinlich der Hanauer Amtmann Ludwig Geis.Gbiorczyk: Zauberglaube, S. 286f. Auch vier Frauen aus Selters wurden als Hexen hingerichtet und mit dem Schwert geköpft.Gbiorczyk: Zauberglaube, S. 287f.
Die Grafschaft Hanau fiel 1736 beim Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel und damit auch Selters.
Neuzeit Das Hanauer, später hessische „Amt Ortenberg“ gehörte ab 1810 zum Großherzogtum Hessen und war hier dem Dominialamt Ortenberg zugeordnet. 1821 bildete das Großherzogtum den Landratsbezirk Nidda, in den auch alle Teile des ehemaligen Amtes Ortenberg verschmolzen und der ab 1832 Kreis Nidda hieß. Mit der Revolution von 1848 wurde kurzzeitig der Regierungsbezirk Nidda gebildet, 1852 aber der Kreis Nidda wiederbelebt. 1874 kamen die Gebiete des ehemaligen Amtes Ortenberg zum Landkreis Büdingen, der mit der Gebietsreform in Hessen 1972 im Wetteraukreis aufging.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Die bis dahin selbständige Gemeinde Selters wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die im gleichen Jahr erweiterte Stadt Ortenberg eingemeindet. Für Selters wurde, wie für die übrigen Stadtteile von Ortenberg, ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Selters angehört(e):
vor 1601: Heiliges Römisches Reich, Amt Ortenberg (Kondominat des Wetterauer Grafenvereins) ab 1601: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Ortenberg ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Ortenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt OrtenbergDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Ortenberg ab 1810: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Durch Staatsvertrag mit Frankreich. Fürstentum Oberhessen, Amt Ortenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Ortenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Ortenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis BüdingenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Ortenberg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Selters 849 Einwohner. Darunter waren 33 (3,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 126 Einwohner unter 18 Jahren, 327 zwischen 18 und 49, 168 zwischen 50 und 64 und 228 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 315 Haushalten. Davon waren 93 Singlehaushalte, 81 Paare ohne Kinder und 102 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 45 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 231 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 510 evangelische (= 86,00 %), 72 katholische (= 12,14 %) Einwohner
Politik Für Selters besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Selters) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 44,73 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Selters“ an. Der Ortsbeirat wählte Sabrina Glas zur Ortsvorsteherin.
Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Selters
Bildung Oberhalb der Domäne Konradsdorf liegt die 1974 eröffnete Gesamtschule Konradsdorf, eine additive Gesamtschule mit Förderstufe und Gymnasialer Oberstufe.
Verkehr Durch den Ort führen die Bundesstraße 275, die Bundesstraße 457 und die Landesstraße 3191.
Die Oberwaldbahn ist stillgelegt. Hier gab es den Haltepunkt Selters (Hess).
Der Vulkanradweg läuft über die ehemaligen Oberwaldbahn von Stockheim nach Lauterbach (Hess). Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
Söhne und Töchter des Ortes Georg Ludwig Geis (vor 1620–1672), hanauischer Amtmann des Amtes Ortenberg, der 1662 als Oberschultheiß zur Ganerbschaft Lindheim wechselte, wo er 1663/64 Hexenprozesse durchführte, die 19 Opfer forderten.Gbiorczyk: Zauberglaube, S. 286. Friedrich Karl Blum (1748–1826), Geheimer Steuerrat in Hanau Johann Conrad Glas (1787–1852), Landwirt und Politiker, Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen Christian Heldmann (1808–1866), wirkte als Arzt in Selters, war Abgeordneter in Frankfurter Nationalversammlung.Manfred Köhler: Im Feuer der sozialen Republik. Lebensbild des demokratischen Achtundvierzigers Christian Heldmann (1808-1866). = Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission. NF 14. Darmstadt 1998. Heinz Holzhauer (* 1935), Jurist und Rechtshistoriker, Hochschullehrer
Literatur Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker. Düren 2021. ISBN 978-3-8440-7902-9 Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 191. Heinz Wionski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis I. Stuttgart 1999, S. 410–414.
Weblinks Stadtteil Selters. In: Webauftritt der Stadt Ortenberg.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Wetteraukreis Kategorie:Geographie (Ortenberg, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Wetteraukreis) Kategorie:Ersterwähnung im 8. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1971