Schmiechen ist ein Stadtteil von Schelklingen im Alb-Donau-Kreis, Baden-Württemberg.
Geographie mini|Schmiechen vor 1910 mit Blick nach Nordost auf Kogelstein und Schelklinger Berg Schmiechen liegt im Schmiechtal, einem Tal am Südrand der Schwäbischen Alb auf zwischen Schelklingen (2 km) und Allmendingen (5 km) bzw. Ehingen a. D. (10 km).
Geschichte Während mehrerer Eiszeiten wurde die Urdonau durch Gletscher gegen die Schwäbische Alb gedrückt. Sie verlief durch das untere Schmiechtal, den Meisenberg umkreisend, bis Schmiechen. Dort wendete sie sich nach Südosten und umkreiste den Schelklinger Berg, wendete sich dann nach Nordwesten und umkreiste den Schelklinger Lützelberg, um danach der heutigen Schelklinger Ach und der Blau zu folgen. Die Donau schuf das heutige Talbild mit den Umlaufbergen des Meisenbergs, des Schelklinger Bergs und des Lützelbergs.Hanold 1982 S. 3–8; Pfeifer 1973 S. 14 ff. Die Bergverbindungen zwischen Meisenberg und Steinsberg, Kapf und Schelklinger Berg, und schließlich Lützelberg und Windsparren wurden – bis auf geringe Reste in Schmiechen – im Laufe der Zeit vollständig abgetragen.
Die Höhlen des Schmiechtals wurden bereits in der Altsteinzeit durch nomadisierende Jäger und Sammler benutzt. Vorgeschichtliche Funde wurden am Kogelstein gemacht (es gab bis zum Bau der Eisenbahn 1868 und Ausbau der Straße 1987 einen großen und kleinen Kogelstein), welche in die Mittlere Altsteinzeit datiert werden können. Schon 1868 beim Bahnbau wurden bei der Sprengung des Felsens Funde gemacht, und ebenfalls 1987 bei der Verbreiterung der Landstraße. Die Funde waren vornehmlich Steinwerkzeuge und Knochen eiszeitlicher Tiere.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1989 S. 83; Kind 1987; Wernert 1913; Schmidt 1912.
Schmiechaufwärts auf der Südseite des Tales befinden sich zwei Höhlen, welche im späten Magdalénien aufgesucht wurden. Robert Rudolf Schmidt fand 1906 im Schmiechenfels (oder Hohlenstein) eine entsprechende Mikrofauna.Goessler 1911 S. 9; Schmidt 1912. Noch weiter talaufwärts bei Hütten war auch der geräumige „Hohler Fels“ bewohnt. Die Höhle wurde ebenfalls 1906 durch Robert Rudolf Schmidt untersucht. Die Höhle wurde vom Magdalénien bis zum Mittelalter aufgesucht.Schmidt 1912.
Dass sich Kelten und Römer auf Schmiecher Gemarkung angesiedelt hätten, ist durch archäologische Funde noch nicht belegt, aber wahrscheinlich, denn Einzelfunde wurden auf Schelklinger Markung im Ringinger Tal gemacht.
Nach der Einwanderung der Alemannen in das aufgegebene römische Grenzland wurden die besten Siedlungsplätze zuerst belegt. Wie der Ortsname Schmiechen (=Schmiechheim, Platz an der Schmiehe; Schmiehe ist ein öfters vorkommender Name für einen Bach, wie z. B. der Nebenfluss der Rot (Donau)) belegt, dürfte Schmiechen erst in der Zeit des jüngeren Ausbaus angelegt worden sein.Reichardt 1986 S. 263 f.
Schmiechen wurde um die Jahre 1220/30 erstmals urkundlich als Schmiechain erwähnt. Der Ort entstand aber früher, und zwar zeigte sich bei den archäologischen Ausgrabungen bei der Erweiterung der Pfarrkirche 1990, dass bereits im 7. Jahrhundert eine Kapelle vorhanden gewesen sein muss.Schmidt 1990; Kirchengemeinde St. Vitus Schmiechen 1997. Schmiechen hatte im Mittelalter seinen eigenen Ortsadel, genannt Fleck von Schmiechen. Eine weitere Familie nannte sich Griff von Schmiechen und eine dritte Kälbelin. Die Familie der Fleck von Schmiechen war vermutlich stammesgleich mit den Ranz von Neufra, wie die Wappengleichheit verdeutlicht. Es handelt sich um einen stehenden Steinbock, bei den Fleck nach rechts und bei den Ranz nach links schauend. Die Fleck siedelten Anfang des 14. Jahrhunderts von Neufra nach Schmiechen über und erbauten sich eine Burg. Sie saßen zuletzt im 15. Jahrhundert in Pappelau.Eberl 1982 S. 115ff, 168f.; Abbildungen des Wappens in von Alberti 1889/1916 S. 191 Abb. 673. In der Kirche in Schmiechen befand sich vor dem Umbau 1990–1997 ein Wappen an der Chorwand; Abbildung in Pfeifer 1973 S. 56.
Im Laufe des 15. Jahrhunderts verschwindet der Adel aus der Ortsgeschichte. Die Ansässigkeit von Familien des Niederadels lässt eigentlich auf das ehemalige Vorhandensein befestigter Wohnsitze schließen. Die Turmburg der Fleck von Schmiechen lässt sich aufgrund neuerer archivalischer Forschung urkundlich fassen: in einer Urkunde vom 20. Mai 1348 bestätigt Heinrich Fleck, „dass er seiner Tochter Elsbeth seine Hofstätte zu Schmiechen (Smichen) oben im Dorf beim Turm und alles Gut, das er als Lehen von Herrn Conrat von Gundelvingen innehat, (…) gegeben hat und gibt ihr als seinen Träger seinen Bruder Conrat Fleck und seinen Schwager Bentz Kaib.“Uhrle 1960, Teil 2, Regest Nr. 450, S. 113. Die Ortsbezeichnung oben im Dorf verweist auf eine Lage schmiechaufwärts von der Ortsmitte, der Pfarrkirche, aus gesehen. Mithilfe der Lagerbücher des Klosters Urspring, welche vom ersten Lagerbuch über Schmiechen von 1475 bis zum letzten Lagerbuch von 1750 die Burg Fleck (bzw. später, nach Abgang der Burg nur mehr den „Burghof“) erwähnen, kann man die Lage der Burg bestimmen: Sie befand sich am Nordabhang des Kapfs am Ende der heutigen „Kapfstraße“. Der Wohnturm der Fleck stand also nur wenig erhöht über dem Talgrund der Schmiech, konnte aber den gesamten Verkehr durchs Schmiechtal überwachen.
Das Dorf wurde seit dem 14. Jahrhundert durch sukzessive Erwerbungen Teil der Klosterherrschaft Urspring. Als Grundtendenz ist auszumachen, dass Urspring in den Besitzstand des ortsansässigen Niederadels eintrat, also die Besitzungen der Herren von Muschenwang, Fleck von Schmiechen und anderer Rentenbezieher aufkaufte. Herausragende Erwerbungen sind 1409 der Kauf der Burg der Fleck von Schmiechen und die Hälfte der Mühle; die andere Hälfte der Mühle wurde 1447 erworben. 1711 konnte Urspring nach langen Auseinandersetzungen mit Schelklingen die zwei Güter der St. Afrapflege eintauschen gegen zwei urspringische Kaplaneihäuser in Schelklingen (das sogenannte alte hofmeisterische Haus in der Vorstadt und das Westernach’sche Kaplaneihaus). Das Bauerngut und die Sölde der Familie Strölin in Biberach, noch 1686 im Besitz derselben, 1750 aber von der Familie Kraft in Dellmensingen besessen, blieben bis zum Ende des alten Reichs außerhalb der urspringischen Besitzungen.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1992 S. 921ff.
1806 gab es in Schmiechen eine beachtliche Zahl von Handwerkern, welche der Zunftlade in Schelklingen angehörten,Rothenbacher 2006 fol. 96. so 2 Schneider, 2 Schuster, 1 Wagner, 1 Schreiner, 1 Zimmermann, 3 Maurer, 2 Weber, 1 Küfer, 1 Schmied und 1 Strumpfstricker, zusammen 15 Handwerker bei 46 Privatgebäuden. Neben Handwerkern, welche in jedem Dorf anzutreffen waren, wie der Dorfschmied und Wagner, hatte sich das Handwerk auch auf Berufe ausgedehnt, welche auch in den benachbarten Städten zu finden waren. Die Zahl der bäuerlichen Tagelöhner ist nicht bekannt, doch scheint bis 1806 eine erhebliche bäuerliche Unterschichtung durch die eingeschränkte Verfügbarkeit von Gütern im Talgrund der Schmiech eingetreten zu sein.
Mit der Säkularisation des Klosters Urspring 1806 kam auch Schmiechen an das Herzogtum Württemberg.
Wappen Das Gemeindewappen zeigt den aufrechtstehenden nach rechts sehenden Steinbock der Adelsfamilie Fleck von Schmiechen.
Religionen Die katholischen Einwohner von Schmiechen waren schon früh in die römisch-katholische Kirchengemeinde St. Vitus Schmiechen eingepfarrt, die evangelischen Einwohner nach Weiler (Blaubeuren).
Katholische Pfarrer bei St. Vitus Nach Bollow 1985 und 1991. 1275 NN Fleck, Rektor der Kirchen in Schmiechen, Grabenstetten und Wilretingen 1312/1340 Mangold, Dekan des Landkapitels († zwischen 1340 und 1345); Vetter des Ortsherrn Heinrich Fleck von Schmiechen spätestens ab 1372 Hugo genannt Bletz 1381 Heinrich genannt Schuebenrugg Konrad Pfortzer, resigniert 1485 17. Januar 1485 Peter Schleicher, Presbyter aus Ehingen a. D. († 1521) 1521 Johann Molitor genannt 1552–1556 Peter Betz 1568 Jakob Maurer 1574 oder 1575 Kaspar Traub aus Munderkingen 1581 Kaspar Huber 1622 Tobias Mayer 1630er Jahre bis 1650 Peter Hensinger, nachmaliger Pfarrer in Altsteußlingen und Dekan des Landkapitels Ehingen 1651–1655 Pfarrverweser Johannes Franciscus Scherer; Prior im Kloster Urspring von Oktober 1649 bis vor 12. Juli 1655Vgl. Eberl 1978a S. 289 Nr. 19. 1660 Magister Johannes Froschmayer 1680–1711 Georg Christoph Kruchenberger (Krachenburger) († 1711); war Kaplan der Steinschen Kaplanei im Kloster Urspring von 8. Juli 1680 bis nach 12. Juni 1685; Kaplan der Ellerbachschen Kaplanei im Kloster Urspring von vor 23. Januar 1692 bis nach 11. Februar 1705Vgl. Eberl 1978a S. 411 Nr. 14; S. 420 Nr. 13. 1711–1744 Petrus Werz, Sohn des Schmiechener Müllers (* Schmiechen 14. Oktober 1672, † Schmiechen 1744) 1744–1763 Benedikt Raymund Maria Schalch, Sohn des Urspringer Hofmeisters Franz Xaver Schalch (* Schelklingen 31. August 1720, † begraben Schmiechen 19. April 1763) 1763–1793 Konrad Theodor Jone, Pfarrer; vorher 1761–1768 (?) Wernauer Kaplan im Kloster Urspring (* Königsberg in Preußen 1732, † Schmiechen 1793 (errechnet) mit 61 Jahren an der Schwindsucht)Vgl. Eberl 1978a S. 408 Nr. 23. 18. März 1794 bis 3. Januar 1795 Benedikt Franz Anton Kneer, Pfarrer (* Schelklingen 12. Juni 1746, † Schmiechen 3. Januar 1795)Eberl et al. 2012 Nr. 893. bis 6. Juni 1796 Pfarrverweser Pater Sophonius Ihler 6. Juni 1796 bis 20. Mai 1808 Josef Schuster (* Schmiechen 5. Februar 1746, † Schmiechen 20. Mai 1808) bis 24. August 1808 Pfarrverweser Johannes Capistranus Pregler 24. August 1808 bis 22. Oktober 1822 Pfarrer Josef Probst (* Rottweil 15. Dezember 1760, † Schmiechen 22. Oktober 1822) Bernhard Osswald, Pfarrverweser (* Ehingen a. D. 1. Juli 1760, † 1833) 6. August 1823 bis Kaspar Böhler (* Rickenbach in Vorarlberg 25. Oktober 1776, † Bergatreute 8. Mai 1829) Mai 1828 bis Mai 1829 NN Bauer, Pfarrverweser in Schelklingen 1829 bis September 1830 Pfarrverweser Fidel Braig, Stadtpfarrer in Schelklingen (* Ehingen a. D. 1784, † Schelklingen 22. Februar 1844) November 1831 bis Oktober 1832 Pfarrverweser NN Baumgartner Oktober 1832 bis Ende 1833, Pfarrverweser NN Müller von Januar bis April 1834, Pfarrverweser NN Baumann von Mai 1834 bis Ende 1835, Pfarrverweser Fidel Braig, Stadtpfarrer in Schelklingen (* Ehingen a. D. 1784, † Schelklingen 22. Februar 1844) von Januar 1836 bis 21. Dezember 1836, Pfarrverweser NN Wanner 21. Dezember 1836 bis 2. Juni 1888 Pfarrer Franz Xaver Reihing (* Rottenburg a.N. 17. November 1804, † Schmiechen 2. Juni 1888) 11. August 1885 bis 2. Juni 1888 Josef Schmid, Vikar 2. Juni 1888 bis 29. Oktober 1888 Josef Schmid, Pfarrverweser 29. Oktober 1888 bis 15. April 1919 Erwin Huck, Pfarrer (* Ulm a. D. 21. März 1848, † Schmiechen 30. Juli 1919) nach 30. Juli 1919 bis 14.&Dezember 1919 war die Pfarrei unbesetzt und wurde durch Pfarrverweser der Umgebung vertreten 14. Dezember 1919 bis September 1926 Bernhard Fuchs, Pfarrer (* 6. November 1862, † Ellwangen 7. September 1935) 9. November 1927 bis 13. Oktober 1945 Franz Xaver Schaupp, Pfarrer (* Vöhringen an der Iller 30. Dezember 1872, † Schmiechen 13. Oktober 1945) Juli 1946 bis 1990 Ottmar Kopp, letzter Ortspfarrer (* Blaubeuren 28. Dezember 1913, † Krankenhaus Blaubeuren 25. September 1990)
Eingemeindungen Die Gemeinde Schmiechen war bis 1806 Teil der Klosterherrschaft Urspring. 1807 wurde der Ort Teil des Oberamts Urspring des Kreises Ehingen, seit 1809 gehörte es zum Oberamt Blaubeuren und seit 1938 zum Landkreis Ehingen. Seit der Gemeindereform im Jahr 1974 ist Schmiechen eine Teilgemeinde der Stadt Schelklingen im Alb-Donau-Kreis.
Teilorte von Schmiechen Der Hof Muschenwang gehörte von ca. 1825 bis 1834 zu Schmiechen und wurde 1834 nach Hausen o.U. eingemeindet.