mini|200px|Früheres Logo der OHE mini|OHE 185 534 auf dem Güterverkehrszentrum Ingolstadt
Die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) ist ein mehrheitlich in Besitz von Netinera befindliches Verkehrsunternehmen mit Sitz in Celle.
Als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) betrieb sie bis 2021 ein 278 Kilometer langes Streckennetz im nordöstlichen Niedersachsen, vor allem im Bereich der Lüneburger Heide. Als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) führt die OHE Gütertransporte auf eigenen Strecken und im Schienennetz der DB InfraGO durch. Der schienengebundene Personenverkehr der OHE wurde schrittweise bis 1977 auf Busverkehr umgestellt. Durch ihre Beteiligung an der metronom Eisenbahngesellschaft mbH ist die OHE bereits seit Dezember 2003 indirekt wieder an der schienengebundenen Personenbeförderung beteiligt. Über ihre neu gegründeten Tochterunternehmen erixx GmbH (seit 2011) und erixx Holstein GmbH (seit Dezember 2022) führt die OHE wieder eigenen Schienenpersonennahverkehr durch.
Geschichte Zusammenschlüsse Die OHE entstanden 1944 durch den Zusammenschluss mehrerer Kleinbahngesellschaften im Raum Nordostniedersachsen. Die Gründung einer einzigen Bahngesellschaft war nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern auch stark politisch gefordert. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich war das Netz der späteren OHE im Regierungsbezirk Lüneburg gelegen, der dem NSDAP-Gau Ost-Hannover angehörte (deckungsgleich mit dem Gebiet des Reichstagswahlkreises 15, Ost-Hannover) und auch namensgebend für die Gesellschaft wurde.
Die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) in Celle ist aus der am 21. Juni 1902 gegründeten Kleinbahn Celle–Wittingen hervorgegangen, die sich ab dem 23. Februar 1940 Eisenbahn Celle-Wittingen AG nannte. Diese übernahm am 27. März 1944 die Kleinbahn Celle-Soltau, Celle-Munster, mit der sie in der „Betriebsgemeinschaft der Celler Kleinbahnen“ verbunden war, und führte fortan die Firma Celler Eisenbahnen AG.
Am 10. Juli 1944 wurden noch die folgenden Bahngesellschaften eingegliedert, für die ab den frühen 1920er Jahren – bei den beiden Winsener Bahnen ab 1933 – das Landeskleinbahnamt der Provinz Hannover den Betrieb geführt hatte: Bleckeder Kleinbahn (Lüneburg-Bleckeder Eisenbahn) Kleinbahn Lüneburg–Soltau GmbH (Lüneburg-Soltauer Eisenbahn) Kleinbahn Soltau–Neuenkirchen Kleinbahn Winsen–Evendorf–Hützel (Winsener Eisenbahn) Kleinbahn Winsen–Niedermarschacht (Winsener Eisenbahn)
Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch die Kleinbahn Wittingen–Oebisfelde (Wittingen-Oebisfelder Eisenbahn) in die OHE aufgenommen.
Mit dieser Fusion sollte – vor allem angesichts der schwierigen Kriegslage – durch eine einheitliche Leitung und gemeinsame Betriebsmittel die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der beteiligten Kleinbahnen gesteigert werden. Das neue Unternehmen Osthannoversche Eisenbahnen AG besaß 1944 ein Normalspur-Streckennetz von fast 340 Kilometern Länge. Es war damit jahrzehntelang das umfangreichste aller nichtbundeseigenen Eisenbahnen.
Im Jahr 1976 wurden 2,22 Millionen Tonnen Güter befördert, davon rund 500.000 t Düngemittel, rund 365.000 t Militärtransporte, fast 300.000 t Kalirohsalz, 167.000 t Chemikalien, 167.000 t Rüben, je etwa 100.000 t Holz und Durchgangsgüter, 93.000 t Salz, 86.000 t Rohphosphat, 54.000 t Kartoffeln, 43.000 t Mineralöle, 25.000 t Kohlen, 18.000 t Steine, 6.300 t Stückgut und knapp 300 t Expressgut.Osthannoversche Eisenbahnen AG · Ein Verkehrsbetrieb · Porträt '77. Hrsg.: OHE, Celle 1977, S. 19
Eigentümer Bei der Gründung im Jahr 1944 waren als Hauptaktionäre der preußische Staat und die Provinz Hannover mit zusammen 53 % beteiligt. Die Landkreise Celle, Fallingbostel, Gifhorn, Harburg (Verwaltung Winsen) und Lüneburg besaßen Aktien in unterschiedlichem Maße entsprechend den dortigen Streckenabschnitten. Mit ganz geringen Quoten sind zu nennen das Land Braunschweig und die Provinz Sachsen sowie die Städte Celle und Lüneburg nebst einigen kleineren Gemeinden und wenige Privatpersonen. In der Nachkriegszeit wurde das Unternehmen von Dietrich Wersche geführt.
Bis Ende 2006 war die OHE im Staatsbesitz – zu 40,2 % dem Land Niedersachsen, zu 33,8 % der Bundesrepublik Deutschland, zu 17,1 % Kreisen, Städten und Gemeinden aus Niedersachsen und zu 8,9 % der ebenfalls im Bundesbesitz befindlichen DB Regio AG. Als Ergebnis eines im Juli 2006 vom Land Niedersachsen eingeleiteten Privatisierungsverfahrens erhielt im Dezember 2006 die Bietergemeinschaft aus Arriva Deutschland (heute: Netinera) und Verkehrsbetriebe Bachstein für 30 Millionen Euro die Anteile von Bund, Land und DB Regio und später auch die des Landkreises HarburgAuswertung der Angebote im OHE-Bieterverfahren abgeschlossen. Pressemitteilung des niedersächsischen Finanzministeriums vom 21. Dezember 2006 den Zuschlag und übernahm im März 2007 nach der Zustimmung durch die Parlamente, Kartellbehörden und die VBL die Aktienmehrheit. Durch die zum 1. Februar 2007 gegründete Arriva Bachstein, die der Arriva Deutschland zu 86 % und der Verkehrsbetriebe Bachstein aus Celle zu 14 % gehörtArriva Bachstein GmbH gegründet – Artikel auf ÖPNV-Wettbewerb, hielt Arriva zunächst 73,203 % der Anteile an der OHE. Nach dem Kauf von Arriva Deutschland durch Trenitalia, gemeinsam mit dem Finanzinvestor Cube, wurde Arriva Deutschland in Netinera umfirmiert.
Aktionäre: Netinera Bachstein GmbH: 85,507 % Landkreis Celle: 5,772 % Landkreis Gifhorn: 1,782 % Landkreis Lüneburg: 1,542 % Heidekreis: 1,194 % Stadt Celle: 1,220 % Stadt Uelzen: 0,697 % Stadt Wittingen: 0,258 % Flecken Brome: 0,028 %
Die OHE hat folgende Tochterunternehmen:OHE Tochtergesellschaften, Website der OHE AG, abgerufen am 18. März 2026 für den Schienenpersonenverkehr (SPNV): erixx GmbH: 100 % erixx Holstein GmbH: 100 % Niedersachsen Bahn GmbH Co. KG (NSB): 60 % Niedersachsen Bahn Verwaltungs GmbH (NSVG): 60 % für den Busverkehr (ÖPNV): Verkehrsbetrieb Osthannover GmbH (VOG): 100 % KVG Stade GmbH & Co. KG: 60 % KVG Stade Verwaltungs GmbH: 60 % Kraftverkehr Celle Stadt und Land GmbH (KVC): 61 % als Hafenbetreiber: Hafen Lüneburg GmbH (HLG): 30 % Frühere Tochterunternehmen:Osthannoversche Eisenbahnen AG · Ein Verkehrsbetrieb · Porträt '77. Hrsg.: OHE, Celle 1977, S. 24 Kraftverkehr Osthannover GmbH (KOG): 100 %, Güterkraftverkehr mit Lkw (Spedition und Lagerung) Osthannoversche Umschlagsgesellschaft mbH (OHU): 50 %, Hafenumschlagsbetrieb (Hafen Wittingen) Getreidelagerhaus Wittingen GmbH: 27,5 % Hafen Lüneburg GmbH: 6 %
Eigene Eisenbahnstrecken Folgende Eisenbahnstrecken wurden zuletzt von der OHE betrieben: Strecke Längekm Name KategorieDie Kategorisierung folgt nach dem alten Trassenpreissystem 2005 der OHE: Kategorie F1 steht für Fernsteuerstrecke, Z1 für Strecken im Zugleitbetrieb, Z2 für Randstrecken, die im vereinfachten Zugleitverfahren betrieben werden und Z3 für Inselstrecken im vereinfachten Zugleitverfahren. Anmerkung Celle – Soltau 58,9 FalkenbergbahnF1 Beckedorf – Munster 23,9 ÖrtzetalbahnZ2 Lüneburg Süd – Soltau 57,1 Gebirgsbahn Z1 Lüneburg Nord – Bleckede 23,8 GeestrandbahnZ2 durch die Gleise der DB vom übrigen Netz der OHE abgetrennt, ab km 1,2 verpachtet an Bleckeder Kleinbahn UG Winsen (Luhe) – Hützel 41,1 LuhebahnZ1 Winsen (Luhe) – Marschacht 16,0 ElbmarschbahnZ2 Celle – Wittingen 51,0 Lachtetalbahn Z1 ohne Verbindung zum Stammnetz: Wunstorf – Mesmerode 6,0 Z3 seit 2000, ehemals Steinhuder Meer-Bahn StMB Gesamtnetz 277,8
Stillgelegte Eisenbahnstrecken: Strecke Längekm Name Anmerkung Soltau – Neuenkirchen 12,0 1996 stillgelegt, 2006 teilweise abgebaut, ab Mai 2014 Neuenkirchener Draisinenbahn (Teilstück) Beedenbostel – Mariaglück 5,6 Salzbahn 2005 stillgelegt, abgebaut Marschacht – Niedermarschacht 1,1 Elbmarschbahn 1996 stillgelegt, abgebaut Wittingen – Oebisfelde 43,1 Ohretalbahn Rühen–Oebisfelde 1945, Radenbeck–Rühen 2004, Wittingen–Radenbeck 2016 stillgelegt Celle – Wietzenbruch 4,3 1998 von der DB Netz übernommen, 2005 stillgelegt, 2006 abgebaut
Im November 2005 wurde der OHE durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr die dauerhafte Einstellung des Verkehrs auf der Ohretalbahn ab Streckenkilometer 14,2 (Radenbeck) erteilt. Abzüglich der stillgelegten Strecken betrug die Länge der OHE-Strecken Anfang 2009 zusammen 292,0 km.
Das Trassenpreissystem 2009 der OHE regelt den Zugang zu ihrem Netz für andere EVU. Darin bietet sie Standardtrassen für Verkehre an, die in ihrem Netz beginnen oder enden. Neu hinzugekommen sind kostengünstigere Durchgangsstrassen für Verkehre, die Quelle und Ziele außerhalb ihres Netzes haben. Damit soll vor allem der Seehafenhinterlandverkehr gefördert werden.
2009 wurde ebenfalls die Strecke Lüneburg Nord – Bleckede mit Ausnahme des Bahnhofs Lüneburg Nord zur Übernahme durch Dritte ausgeschrieben. Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e. V., die zuvor bereits Museumseisenbahnbetrieb auf dieser Strecke durchgeführt hatte, beabsichtigte diese vor der Stilllegung zu bewahren. Zu diesem Zweck gründete sie ein vereinseigenes Eisenbahninfrastrukturunternehmen, die Bleckeder Kleinbahn UG, das die Strecke für 50 Jahre von der OHE pachtete. Seit 2011 ist dieses nun der Infrastrukturbetreiber ab Kilometer 1,218.
Zum 1. Januar 2022 wurde das Streckennetz der OHE von der neu gegründeten Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH (SInON) übernommen, die im Besitz des Landes Niedersachsen ist. Die Beschäftigten aus dem Bereich Infrastruktur wurden übernommen. Die Betriebswerke in Celle, Bleckede und Uelzen sowie die Tankstellen in Bad Harzburg und Soltau (Han) sind bei der OHE geblieben.
Güterverkehr Der Güterverkehr spielte in der Vergangenheit eine bedeutende Rolle: Auf dem eigenen Netz wurden im Jahr 2006 1,4 Millionen Tonnen Holz, Baustoffe, chemische Produkte, Düngemittel und auch militärisches Gerät für die Truppenübungsplätze Munster und Bergen befördert. Ab 2004 war die OHE als EVU deutschlandweit im Einsatz, im Jahr 2006 konnte sie 1,6 Millionen Tonnen (2005: 0,95 Mio. Tonnen) vor allem im Ganzzugverkehr transportieren.
Außerdem bediente die OHE auch auf Strecken der DB Netz AG von rund 100 Kilometer Länge Güterverkehrsstellen im Einzelwagenverkehr: Strecke Länge Munster – Uelzen 34 km Celle – Uelzen 53 km Soltau – Visselhövede (– Langwedel) 18 (45) km gesamt 105 (132) km
Diese Strecken grenzten an das Streckennetz der OHE und wurden meist in der Funktion als regionaler Partner der DB Cargo bedient. In der Vergangenheit wurden auch andere Strecken befahren, deren Bedienung heute unrentabel ist oder wieder durch DB Cargo selbst erfolgt. Der Verkehrsrückgang führte dazu, dass die Jahre 2011 und 2012 zu den schlechtesten in der OHE-Geschichte gehörten. Deswegen wurden Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt, die zur Trennung von Betrieb und Netz und am 1. September 2012 zur Gründung der Tochtergesellschaft OHE Cargo AG führten.
Mit dem Fahrplanwechsel 2013/14 stellte die OHE die Durchführung des Güterverkehrs auf ihrem Streckennetz komplett ein. Die Bedienung der Ladestellen und Anschließer wird seitdem durch DB Cargo durchgeführt.razyboard.com Der damit eingeleitete Rückzug aus dem Schienengüterverkehr wurde Anfang Oktober 2015 durch den Beschluss des OHE-Aufsichtsrates, bis Ende 2016 die OHE Cargo GmbH aufzulösen, abgeschlossen.
Seit dem 1. Oktober 2016 hat die Havelländische Eisenbahn AG (HVLE) die verbliebenen Rangierleistungen der OHE übernommen.
Personenverkehr mini|Der OHE gehört das Wartungszentrum für die Züge der metronom Eisenbahngesellschaft
Früherer Personenverkehr Der Personenverkehr nahm vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und in den folgenden Jahren einen bedeutenden Umfang an. Er behielt auf einigen Strecken bis in die 1970er Jahre seine Bedeutung. Das zeigt sich an den Eilzugverbindungen, die u. a. dem sonntäglichen Ausflugsverkehr dienten. Ab Sommer 1977 waren im Kursbuch keine Personenzüge der OHE mehr zu finden.
Die Einstellungsdaten des Personenverkehrs: