Die Deutsche Stimme (DS) war von 1976 bis März 2025 das Presseorgan der rechtsextremen Partei Die Heimat (bis Juni 2023 NPD). Es wurde von deren Bundesvorstand herausgegeben und erschien monatlich im Deutsche-Stimme-Verlag im Zeitungsformat. Von April 2020 bis Februar 2025 erschien die Deutsche Stimme als eigenständiges Monatsmagazin.Anton Maegerle: „Neuerfindung“ für die „Deutsche Stimme“. In: Blick nach Rechts, 9. März 2020, abgerufen am 29. April 2020. Im März 2025 fusionierte die Zeitschrift mit Aufgewacht!, einer Publikation der Freien Sachsen, unter dem Titel „Aufgewacht – Die Deutsche Stimme“ zu einem gemeinsamen Monatsmagazin.
In ihrer ideologischen Orientierung stand die DS der Partei nahe und verbreitete völkisch-nationalistische, rassistische, antisemitische und geschichtsrevisionistische Inhalte. Die Druckauflage betrug 2009 nach Angaben des Blattes 25.000 Exemplare.
Verlegt wurde das Blatt von der NPD- bzw. Heimat-eigenen Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH. Geschäftsführer des Verlages ist Peter Schreiber.
Die Deutsche Stimme ist nicht zu verwechseln mit der Stimme Deutschlands, einer unregelmäßig erscheinenden Publikation des „Völkischen Flügels“ der HeimatBundesamt für Verfassungsschutz: Lagebild Antisemitismus 2020/21, S. 29 und seit der Abspaltung der NPD im Juni 2023 deren offizielle Parteizeitung.
Geschichte Die Deutsche Stimme erschien seit 1976 im gleichnamigen „Deutsche-Stimme-Verlag“. Im Jahr 1998 betrug die Auflage 8.000 Exemplare, seit 1999 erscheinen 10.000 Exemplare. Seit dem 1. Januar 2006 war die Zeitung auch an Kiosken und im Bahnhofsbuchhandel erhältlich. Der Verlag und die Zeitschrift hatten bis 1999 ihren Sitz in dem oberbayerischen Dorf Sinning, wo sich jedoch schnell eine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung gründete und schließlich im Februar 2000 zum Umzug des Verlags und der Zeitschrift führte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Stuttgart war die Deutsche Stimme seit Sommer 2000 im sächsischen Riesa angesiedelt. Chefredakteur der NPD-Zeitung war lange Jahre der sächsische Landtagsabgeordnete Holger Apfel. Seit April 2009 hatte diese Aufgabe Karl Richter inne, Stadtrat für die rechtsextreme Bürgerinitiative Ausländerstopp in München, der im Januar 2014 aus diesem Amt entlassen wurde. Sein Nachfolger war der DS-Geschäftsführer Peter Schreiber. In: www.endstation-rechts.de Der Rücktritt Apfels von diesem Posten stand seinerzeit in engem Zusammenhang mit dem Rückzug der sächsischen NPD-Führungsriege aus dem NPD-Bundesvorstand.
Der damalige Geschäftsführer des NPD-Verlages Deutsche Stimme, Jens Pühse, musste sich seit dem 20. Februar 2007 wegen Volksverhetzung und Verbreitung von Propagandamaterial verfassungsfeindlicher Organisationen vor dem Landgericht Dresden verantworten. Die Anklage warf dem damals 35-jährigen NPD-Vorstandsmitglied vor, zwischen 2000 und 2003 CDs mit NS-Propaganda und rechtsextremistischer Musik in Auftrag gegeben und anschließend vertrieben zu haben. Bei einer Durchsuchung des Verlages waren im März 2003 in Riesa mehr als 9000 Tonträger beschlagnahmt worden. Die Beamten stellten im Verlagshaus und in drei Wohnungen außerdem umfangreiche Computertechnik sowie schriftliche Unterlagen sicher. Pühse wurde am 7. März 2007 freigesprochen.
Seit 2009 betreibt die Deutsche Stimme den YouTube-Kanal „DS-TV“.Jan Karon: Bewahrt YouTube die NPD vorm endgültigen Verschwinden in der Versenkung? www.vice.com, 14. Februar 2016
Die Deutsche Stimme wurde vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet.
Seit April 2020 erschien die Deutsche Stimme nicht mehr als Zeitungsformat, sondern als Magazin. Zuvor hatte der bayerische NPD-Landesvorsitzende Sascha Roßmüller angekündigt, das Blatt müsse „gerade auch vom äußeren Erscheinungsbild her viel attraktiver werden“.Ende nach 13 Jahren: „Umwelt & Aktiv“ wird eingestellt Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus www.bige.de Mit 6,50 Euro kostete das Magazin mehr als das Doppelte wie bis dahin die Zeitung. In der Magazin-Erstausgabe lag ein Schwerpunkt auf einer angeblichen „Antifa-Republik“, zu der Deutschland mittlerweile geworden sei „und in der ein anti-deutscher Grundkonsens den des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates nach und nach zu ersetzen“ scheine. Besonders angepriesen wurde eine neue Kolumne namens „Einspruch“ von Alexander Markovics, einem der Mitbegründer der Identitären Bewegung Österreich.Die „Deutsche Stimme“ als Magazin: alte Inhalte, neue Form www.verfassungsschutz-bw.de, 7|20
Im September 2022 fand in Eisenach der erste Netzwerktag der Deutschen Stimme statt. Dessen Aufgabe sei es, so der Veranstalter, unter Beteiligung relevanter Akteure „des patriotischen, nationalen und heimattreuen Spektrums [...] Kräfte zu bündeln und eine Bewegung daraus zu formen“, um „Lebensräume zu schaffen, in denen Deutsche ihrer kulturellen Eigenart gemäß frei leben können“. Lobend wurde dabei die rechtsextreme Regionalpartei „Freie Sachsen“ hervorgehoben.
Angegliederte Zeitschriften und Regionalausgaben Der NPD-Parteivorstand gab von Januar 1998 bis März 1999 das Werbefaltblatt „DS EXTRA“ mit einer monatlichen Auflage von bis zu 100.000 Exemplaren heraus. Nachfolgeblatt der „DS EXTRA“ ist die kostenlose Verteilzeitung „NN aktuell – Nationale Nachrichten“, die vierteljährlich erscheint. Im Sommer 2000 erschien zudem erstmals eine regionale „Ausgabe für Hamburg“ der „NN Aktuell“. Die in einem „Nationalen Medienverband“ zusammengeschlossenen Zeitungen „Berlin-Brandenburger Zeitung – Zeitung der nationalen Erneuerung“ (BBZ), „Neue Thüringer Zeitung“, „Ordnungsruf“ (M-V), „Junges Franken“ u. a. erscheinen ebenfalls unregelmäßig als Regionalausgaben der „Deutsche Stimme“.
Ausrichtung Die NPD/Die Heimat war lange Zeit die stärkste Partei des rechtsextremistischen Lagers. Sie bekennt sich zum völkischen Kollektivismus, einer dem Nationalsozialismus entnommenen Weltanschauung mit Betonung der „Volksgemeinschaft“ und des „Volksganzen“. Diese Ansichten schlauen sich in dem Parteiorgan nieder.
So fanden sich Artikel unter Überschriften wie Deutschland muß wieder deutsch werden! (Ausgabe 12/2002) oder eine Besprechung des Buches Volk, Nation, Rasse in derselben Ausgabe, in der unverhohlen eine Trennung der „Rassen“ propagiert wurde. Die antisemitische Grundausrichtung der Zeitung belegen Überschriften wie Zentralrat der Juden schlägt Kriegstrommel oder Kommentare wie Deutsche Erniedrigung und Wiederjudmachung zum Abschluss des Luxemburger Abkommens von 1952. Anfang 2021 schrieb das Magazin: „Corona lässt die Kasse klingeln: eine bestimmte Gruppe gehört wieder einmal zu den finanziellen Profiteuren“. Hintergrund war, dass das Bundesfinanzministerium und die Jewish Claims Conference im Oktober 2020 vereinbart hatten, das „Homecare-Programm“ für Holocaust-Überlebende, von denen 40 Prozent unterhalb der Armutsgrenze ihres jeweiligen Aufenthaltsortes leben, wegen der Pandemie um 30 Millionen Euro aufzustocken. Die DS behauptete daraufhin, jüdische NS-Opfer hätten einen Anspruch auf die deutschen „Corona-Sofortmittel“ und die deutschen Zahlungen „für die Sozialhilfe für Holocaust-Überlebende“ würden erhöht.Hans Demmel: Anderswelt. Ein Selbstversuch mit rechten Medien, begleitet von Friedrich Küppersbusch. Kunstmann, München 2021, S. 178 Weitere bisherige Titelschlagzeilen der Deutschen Stimme waren beispielsweise „Asyl-Tsunami 2.0“, „Terror – Täuschung – Tiefer Staat“, „Finger weg von unseren Kindern – Nein zur Impfpflicht“ oder „Es gibt keinen Grund, Israel zum Geburtstag zu gratulieren“.Kira Ayyadi: Neonazistisches Netzwerktreffen in Eisenach Belltower.News, 12. September 2022
Daneben wurden in der Deutschen Stimme zahlreiche revisionistische Themen angeschnitten, so z. B. die in rechtsextremistischen Kreisen populäre Theorie der sogenannten „Kriegschuldlüge“ oder die Leugnung des Holocaust. Beispielsweise erhielt in Ausgabe 9/2002 ein Revisionist in einem umfangreichen Interview Gelegenheit zur ausführlichen Darstellung seiner Thesen, wonach es sich bei dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 um einen „Präventivschlag“ gehandelt habe.
Die expansiv nationalistische, revisionistische und revanchistische Ausrichtung zeigte sich in Parolen wie „Deutschland ist größer als Bundesrepublik und DDR“ oder „Richtigstellung der anti-deutschen Propagandalügen“. Mit Schlagzeilen der Art „Stoppt den Asylantenbetrug“ wurde gegen Einwanderer Stimmung gemacht. Unter „Deutschland/Politik“ wurden neben aktuellen Ereignissen vor allem die Hauptthemen der NPD (Arbeitslosigkeit, Einwanderungspolitik usw.) behandelt. Im Wirtschaftsteil stieß man vielfach auf antikapitalistische Polemiken, beliebt war auch die Kritik am Euro als „Kunstgeld ohne Vaterland“. Das Ressort „Ausland“ bediente in erster Linie antiamerikanische, antiisraelische und antisemitische Ressentiments.
In dem Parteiorgan nahmen Nachrufe, Ehrungen, Jubiläumsanzeigen und Parteitagsankündigungen einen breiten Raum ein. Besonders charakteristisch waren jedoch die vielen Kommentare und Leitartikel, die der Ideologiefestigung dienen sollten, und ein ganzseitiges Leserforum, das „dem national gesinnten Meinungsaustausch“ dienen sollte.
Daneben war die DS laut dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg www.verfassungsschutz-bw.de auch ein Ort für teils rein partei- und szeneinterne Grundsatzdebatten und hatte den Charakter eines Theorie- und Strategieorgans. Das Ziel sei es gewesen, die rechtsextremistische Propaganda attraktiver, weniger angreifbar und dadurch effizienter zu machen.
Kontroverse um den Druckort Zu einem Skandal unter den Stammlesern der Zeitung kam es, als im Juni 2005 bekannt wurde, dass die NPD ihr Parteiblatt, da angeblich keine deutsche Rollenoffset-Druckerei bereit war, das Blatt herzustellen, in Polen drucken ließ, während zum Wahlkampf im September 2004 in Sachsen und nun zur gleichen Zeit noch einmal im sächsischen Landtag der DS-Chefredakteur und sächsische NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel mit Wahlkampfparolen wie „Grenze dicht für Lohndrücker“ die Ängste deutscher Arbeitnehmer schürte.
Zunächst wurde von der Polizei in zwei polnischen Transportern die Mai-Ausgabe der Deutschen Stimme entdeckt und anschließend von Mitarbeitern des Polnischen Staatsschutzes nach Ermittlungen eine Razzia in einer Druckerei in Zielona Góra vorbereitet. Dabei wurden mehrere Exemplare der Deutschen Stimme beschlagnahmt und von der Staatsanwaltschaft in Polen geprüft, ob der rechtsextreme Inhalt der Zeitung gegen polnische Gesetze verstoße. Das von der polnischen Staatsanwaltschaft gegen den Verlagsleiter der Deutschen Stimme Verlags GmbH, Jens Pühse, und den Geschäftsführer der polnischen Druckerei eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.
Holger Apfel geriet danach im sächsischen Parlament, aber auch in der rechtsextremen Szene, in die Kritik und unter Rechtfertigungsdruck. Er beschimpfte den sächsischen Innenminister Thomas de Maizière (CDU): „Mit Verlaub: Sie sind für mich ein Arschloch“, und behauptete, in Deutschland wäre keine Druckerei bereit gewesen, die Deutsche Stimme zu drucken, weshalb er und die Partei mindestens zwei Jahre zuvor entschieden hätten, das Blatt in „Ostmitteleuropa“ drucken zu lassen. Von verschiedener Seite wurde er jedoch darauf hingewiesen, dass auch andere rechtsextreme Zeitungen wie die National-Zeitung oder die Berlin-Brandenburger Zeitung in Deutschland gedruckt werden bzw. wurden. Dabei äußerte Apfel, es herrsche „in Deutschland eine einzigartige Pogromstimmung explizit gegen die NPD“.
Nachdem die polnische Druckerei im Mai 2005 den Vertrag mit der NPD – vermutlich nach Druck von Behördennetzeitung.de – gekündigt hatte, wird das Blatt nun in der litauischen Hauptstadt Vilnius gedruckt, ohne dass dies allerdings im Impressum vermerkt wird.
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