Krokus ist eine schweizerische Hard-Rock-Band.
Nachdem die aus Solothurn stammende Gruppe ihre Karriere mit verspieltem Progressive Rock begonnen hatte, feierte sie nach einer radikalen Stiländerung hin zu geradlinigem, rifflastigem Hard Rock ihre grössten Erfolge in der ersten Hälfte der 1980er Jahre. Aufgrund dessen fallen nicht selten Vergleiche mit AC/DC, wenngleich Krokus auch Balladen in ihr Songrepertoire aufnahm. Die Band erlangte mehrere Platinauszeichnungen und bekam 1983 die Ehrenbürgerschaft von Memphis (Tennessee).blick.ch – Wir sind kein besoffener Haufen mehr. Abgerufen am 1. April 2013. Noch grössere Erfolge blieben der Formation nicht zuletzt wegen der unzähligen Besetzungswechsel in der Bandhistorie verwehrt – seit dem Studioalbum Hardware von 1981 wurden sämtliche Nachfolger bis heute in einer jeweils anderen Besetzung eingespielt.
Das im Jahr 2003 veröffentlichte Album Rock the Block markierte die Rückkehr der Band in die Erfolgsspur und bescherte Krokus das erste Nummer-1-Album in ihrer Heimat. Seitdem und insbesondere mit der 2008 vollzogenen Wiedervereinigung der Urformation konnte die Band ihren zwischenzeitlich verlorenen internationalen Bekanntheitsgrad wieder erheblich steigern. Mit den nach der Wiedervereinigung veröffentlichten Alben Hoodoo, Dirty Dynamite und Big Rocks, die ebenfalls auf Platz 1 der schweizerischen Albumcharts stiegen, konnte die Band auch musikalisch an die erfolgreichen Zeiten Anfang der 80er Jahre anknüpfen.
Geschichte Der Eisbrecher: Krokus 1975–1976 Krokus wurde im Juli 1975 im schweizerischen Solothurn, einem Schmelztiegel vieler Bands (z. B. Kaktus, Terrible Noise, Montezuma, Lovely Fleas und Inside), auf Initiative von Chris von Rohr gegründet. (PDF; 815 kB). Zuletzt abgerufen am 1. April 2013. Der Name Krokus kam Bandgründer Chris von Rohr schon vorher bei einem Spaziergang im Frühling beim Solothurner Hausberg Weissenstein, als ihm ein durch Schnee und Eis hindurchgebrochener Krokus als erste Blume dieses Jahres auffiel. Da ihm ausserdem auch der Bandname Kaktus gefiel – Kaktus war die erste und zudem zu dieser Zeit bekannteste Rockband in Solothurn, der von Rohr für einen Auftritt als zweitem Schlagzeuger neben Duco Aeschbach angehörte – und in Krokus passenderweise auch noch das Wörtchen «rok», wenngleich ohne c, enthalten war, war von Rohr überzeugt, den richtigen Namen für seine zukünftige Band gefunden zu haben.. Zuletzt abgerufen am 25. Juni 2015. Ihre ersten Proben hielt die neuformierte Band im Keller einer psychiatrischen Klinik in Langendorf, einer Vorortgemeinde von Solothurn, ab. Die ursprüngliche Besetzung bestand aus dem als Schlagzeuger und Pianisten agierenden von Rohr, dem Leadgitarristen Tommy Kiefer, dem Rhythmusgitarristen Hansi Droz und Remo «Cemu» Spadino am Bass.krokusonline.seven49.net – Chronological – Krokus (First). Zuletzt abgerufen am 1. April 2013. Gitarrist Kiefer und Bassist Spadino gehörten vorher ebenfalls dem Line-Up von Kaktus an. Das erste Konzert absolvierte die Gruppe als Vorband von Nella Martinetti im Saalbau in Gerlafingen, ebenfalls in der Schweiz. Da der bei diesem Auftritt agierende Sänger Peter Richard – ehemaliger Frontmann und Bassist von Terrible Noise – beschloss, der Band nur noch temporär zur Verfügung zu stehen, übernahmen Chris von Rohr und Tommy Kiefer die meisten Gesangsparts beim Debütalbum Krokus. Richard sang dennoch noch zwei Kompositionen des Erstlings ein und beteiligte sich zudem als Songwriter.
Das erste, selbstbetitelte Album Krokus, das von Peter J. Mac Taggart im Sinus Studio in Bern produziert wurde, erschien 1976 und hatte stilistisch noch wenig mit dem riffbetonten Hard Rock zu tun, der die Band später berühmt machen sollte. Verspielte, progressive Klänge waren stattdessen darauf zu hören. Der Veröffentlichung folgten u. a. zwei Konzerte im Vorprogramm der damals ebenfalls noch weniger bekannten Scorpions, die gerade ihr Album In Trance veröffentlicht hatten, im Volkshaus in Zürich und im Kultur Casino in Bern sowie ein Festivalauftritt als Vorgruppe von Rumpelstilz im schweizerischen Kloten.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 119–121. Dabei präsentierte die Band mit Daniel Debrit einen neuen Frontmann, der aber schon bald darauf wieder die Segel streichen sollte.krokusonline.seven49.net – Musical (Instruments) – Daniel Debritt. Abgerufen am 1. April 2013. Von ihrem Debüt, dem sogenannten «Eisbrecher», produzierte und verkaufte Krokus insgesamt 560 Stück.
Die ersten Hard-Rock-Klänge: To You All 1977 Anfang 1977 fusionierte Krokus aufgrund mehrerer Anwerbungsversuche von Chris von Rohr mit Montezuma, einer weiteren Band aus Solothurn.krokusonline.seven49.net – Chronological – To You All. Zuletzt abgerufen am 1. April 2013. Von der ursprünglichen Krokus-Besetzung blieben nur Tommy Kiefer und Chris von Rohr übrig, wobei zweitgenannter das Schlagzeug abgab und gänzlich den Gesang übernahm. Neu hinzu kamen Rhythmusgitarrist Fernando von Arb, der Hansi Droz beerbte, Bassist Jürg Naegeli, der Remo Spadino ablöste, und Schlagzeuger Freddy Frutig, der später unter dem Namen Freddy Steady weitaus bekannter werden sollte. In dieser neuformierten Besetzung bot sich für Krokus die Gelegenheit, sowohl ein paar Konzerte im Vorprogramm der Progressive-Rock-Band TEA, der damals auch Marc Storace angehörte, zu absolvieren, als auch einen Auftritt als Vorgruppe von Jane im Volkshaus in Zürich zu spielen.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 123, 127. Im Anschluss wurde der erste Teil des wiederum von Peter J. Mac Taggart im Sinus Studio in Bern produzierten Albums To You All eingespielt, bevor die Band eine Gastspielreise an die Costa Brava in Spanien unternahm.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 129. Dort spielte man zunächst einen Monat lang an fünf Tagen der Woche als Hausband in einem Club namens L’Arto in El Port de la Selva, ehe einige Auftritte entlang der Küste folgten.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 129. Während dieser Konzertreise entstanden dann auch die übrigen für das Album To You All benötigten Songs, die nach der Rückkehr in die Schweiz wiederum im Sinus Studio in Bern aufgenommen wurden.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 130–131. Die Musik war inzwischen deutlich mehr auf das Wesentliche reduziert und weniger verspielt, was auch «Highway Song», die erste Single der Bandgeschichte und zudem Eröffnungstitel des Albums, deutlich zeigte. Dieser Song markierte auch dank eines Videodrehs, wofür extra ein Autobahnabschnitt für den Verkehr gesperrt wurde, den ersten kleinen Hit für die Band in der Schweiz. Nach der Veröffentlichung des Albums folgte eine Tour durch die heimische Alpenrepublik, wiederum als Vorband von Rumpelstilz.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 140.
Die vollständige Stilkorrektur: Pay It in Metal/Pain Killer 1978–1979 Im selben Line-Up wurde das nächste Album Pay it in Metal – auch unter dem Namen Pain Killer erschienen – innerhalb von fünf Tagen im Manor Studio in Oxford, Grossbritannien, eingespielt.krokusonline.seven49.net – Chronological – Painkiller. Zuletzt abgerufen am 1. April 2013. Als Produzenten fungierten diesmal Fernando von Arb und Chris von Rohr. Auf die Veröffentlichung folgten die Singleauskopplung von «Susie», Videodrehs für die Songs «Rock Me, Rock You» und «Bye Bye, Baby» sowie Konzerte in der Schweiz, in Spanien und in Deutschland. Unterdessen wuchs der Erfolg von Krokus. Die Gruppe wurde in der Schweiz von den Fans zur besten nationalen Band gewählt und überdies Chris von Rohr zum besten Sänger des Jahres. Im Oktober 1978 trat Krokus dann erneut im Vorprogramm der Scorpions auf, ehe von Rohr registrierte, dass seine stimmlichen Fähigkeiten die Band für eine Ausrichtung hin zu einem geradlinigen, rifforientierten Hard Rock im Stile von AC/DC nicht weiterbrachten.
Deshalb wechselte von Rohr an den Bass, während Jürg Naegeli fortan für die Technik und den Livemix zuständig war. Kurz darauf schien Krokus in Henry Fries einen Sänger gefunden zu haben – die Band nahm mit ihm sogar schon Demoaufnahmen für das nächste Album auf – und man tourte als Vorgruppe der ungarischen Rockband Omega durch Deutschland, Österreich und Ungarn. Darüber hinaus eröffnete man in Hamburg ein Konzert für Mother’s Finest. Doch Fries konnte Krokus nicht treu bleiben, da er bereits ein Jahr vor seinem Einstieg bei der Formation einen Solovertrag in Italien unterzeichnet hatte, der ihn verpflichtete, am Festival von Sanremo teilzunehmen. Daraufhin verliess der Sänger die Band nach einem kurzen Gastspiel wieder.
Der Durchbruch: Metal Rendez-Vous 1979–1980 Der Ausstieg von Fries war im Nachhinein ein absoluter Glücksfall für Krokus, denn als Nachfolger wurde nach intensiven Anwerbungsversuchen des Bassisten von Rohr der aus Malta stammende Frontmann Marc Storace verpflichtet, der mit TEA bereits drei Studioalben veröffentlicht hatte und anschliessend mit der britischen Band Eazy Money kurz in Erscheinung trat. Mit Storace am Mikro absolvierte die Band 1979 eine Deutschlandtour, deren Höhepunkt zwei Konzerte im legendären Star-Club in Hamburg waren.
Nachfolgend wurde mit einem Budget von 20'000 Schweizer Franken im Platinum One Studio in Zürich das erste Studioalbum mit Marc Storace am Gesang in Angriff genommen, welches schliesslich den Titel Metal Rendez-Vous tragen sollte.krokusonline.seven49.net – Chronological – Metal Rendez-Vous. Zuletzt abgerufen am 1. April 2013. Das von Martin Pearson, Fernando von Arb und Chris von Rohr produzierte Album erschien im Frühjahr 1980 und stellte inklusive der Singles «Bedside Radio», «Tokyo Nights» und «Heatstrokes» den internationalen Durchbruch für Krokus dar. Insbesondere der Song «Heatstrokes», zu dem auch ein Videoclip produziert wurde, mauserte sich sowohl in Grossbritannien als auch in den USA zu einem Hit: Zum einen belegte der Titel Platz 1 in den Metal Charts der britischen Musikzeitschrift Sounds, wo sich zur gleichen Zeit mit «Bedside Radio» und «Come On» auch noch zwei weitere Songs des Albums in den Top 20 tummelten.Chris von Rohr: Hunde wollt ihr ewig rocken. Mein Trip durch den Rockdschungel. 1991, S. 166. Zum anderen erhöhte eine zu der Zeit anhaltende Hitzewelle westlich des Atlantiks den Bekanntheitsgrad des Songs in Amerika beträchtlich. Weltweit verkaufte sich das Album, das mit «Fire» und «Back-Seat Rock ’n’ Roll» weitere Songs beinhaltet, die auch heute noch das Liveset der Band bereichern, nachfolgend ca. drei Millionen Mal, was Vierfach-Platin bedeutete.. Abgerufen am 4. März 2014.