Das Max-Morlock-Stadion (ursprünglich Städtisches Stadion; später u. a. auch Frankenstadion) ist ein Fußballstadion mit Leichtathletikanlage in der fränkischen Großstadt Nürnberg. Die Sportstätte ist eines der wenigen großen Stadien in Deutschland, die noch über Anlagen für die Leichtathletik verfügen. Benannt ist es nach dem Fußballspieler Max Morlock.
Das Stadion wurde von 1925 bis 1928 nach Plänen von Otto Ernst Schweizer erbaut und gehört mit 50.000 Plätzen zu den größten Fußballstadien Deutschlands. Das Stadion ist Heimstadion des ersten Männer- wie Frauenteams des 1. FC Nürnberg. In direkter Nachbarschaft befindet sich die PSD Bank Nürnberg Arena, eine Multifunktionsarena. Das Stadion liegt auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Es ist über den Bahnhof Nürnberg Frankenstadion an die S-Bahn angebunden.
Geschichte Nürnberg erlebte in der Weimarer Republik eine kulturelle und städtebauliche Blüte, trotz der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg. Dabei setzten Bauprojekte wie das neue Stadion, die Sternwarte und das Planetarium architektonische Akzente in der Stadt. Diese waren zugleich Ausdruck des gesellschaftlichen und politischen Aufbruchs. Nürnbergs Renommee als „Sporthochburg“ wirkte weit über die Stadtgrenzen.
Zwischen 1925 und 1928 wurde das Stadion in seiner ursprünglichen Form mit einer Kapazität von 50.000 Zuschauern, unweit des Dutzendteiches als Städtisches Stadion, errichtet. Seitdem hat es den Grundriss in Form eines unregelmäßigen Achtecks. Alfred Hensel (Planung der Gesamtanlage) erhielt für seinen Entwurf 1928 eine Goldmedaille beim Kunstwettbewerb Architektur/Städtebau anlässlich der Olympischen Spiele in Amsterdam. Auch international bekam er viel Anerkennung – es wurde als die größte und modernste Anlage der Welt angesehen. Bereits 1929 fand hier das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft 1928/29 statt.Dietzfelbinger, Eckart / Liedke, Gerhard: Nürnberg – Ort der Massen – Das Reichsparteitagsgelände, Vorgeschichte und schwieriges Erbe, Berlin 2004, S. 20. Die Sitzplatz-Tribüne entstand im Bauhaus-Stil nach Plänen des Architekten Otto Ernst Schweizer für 2.600 Zuschauer.
Das Stadion wurde mit einem Spiel der Städteauswahl von Nürnberg und Fürth eröffnet, die Nachbarstadt gewann 1:0 durch einen Treffer von Leonhard Seiderer.Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon, S. 455.
mini|links|Tag der Hitlerjugend 1937 Das umliegende Areal wurde ab 1933 zum Reichsparteitagsgelände umgestaltet. Während der Reichsparteitage wurde im Stadion der „Tag der Hitlerjugend“ abgehalten und das Stadion entsprechend zu dieser Zeit auch Stadion der Hitlerjugend genannt. Während des Reichsparteitages 1935 hielt Adolf Hitler hier die Rede, in der er von der deutschen Jugend forderte, „flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ zu sein.Offizieller Bericht über den Verlauf des Reichsparteitages mit sämtlichen Kongreßreden, München 1935, S. 180. Da das Stadion nicht zu den ringsum geplanten und zum Teil errichteten Monumentalbauwerken passte, wurden auf der Gegengerade zwei Holztürme und eine Arkadenreihe errichtet, die als Kulisse für Trommler, Chöre und Bläser diente, um dem Stadion etwas von dem modernen Charakter zu nehmen. In Bezug auf das in der Nähe geplante Deutsche Stadion wurde es nun aber häufig „Altes Stadion“ genannt.
Ab 1945 wurde es von der US-Armee als Sportplatz verwendet. Ab diesem Zeitpunkt hieß das Stadion Victory Stadium und wurde von den Besatzungstruppen für Baseball-Spiele verwendet. Bis 1961 fanden nur gelegentlich Fußballspiele statt.Als das Nürnberger Stadion einmal „Victory Stadium“ hieß, Nürnberger Nachrichten, 22. Februar 2013.
Ab 1963 spielte dort der 1. FC Nürnberg, nachdem dieser das eigene, Zabo genannte Stadion in Zerzabelshof verkauft hatte. Durch den Aufbau von Stahlrohrtribünen seitlich der Haupttribüne konnte die Kapazität erweitert werden. Dennoch war der Zuschauerrekord vom 30. Mai 1971 im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf von 75.000 Zuschauern nur möglich, weil das Publikum auch noch auf der Laufbahn Platz fand.Städtisches Stadion. In: Christoph Bausenwein, Bernd Siegler: das Club-Lexikon. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-376-X, S. 131f.
Während der Olympischen Spiele 1972 in München fanden sechs Spiele des Fußballturniers im Stadion statt. Nach einem großen Umbau ab 1987, der auch wegen der Katastrophe von Heysel vorgenommen wurde, wurde es 1991 unter dem Namen Frankenstadion mit einer Kapazität von 31.000 Sitz- und 22.462 Stehplätzen (gesamt: 53.462) wiedereröffnet. Während der Bauarbeiten stürzte die von 1928 stammende Haupttribüne ein, die eigentlich erhalten bleiben sollte.
Im Achtelfinale des DFB-Pokals 2022/23 absolvierten die Clubfrauen gegen den VfL Wolfsburg erstmals ein Heimspiel im Max-Morlock-Stadion mit 17.302 Besuchenden. Dies stellte sowohl einen Besucherrekord für Heimspiele der Damen des 1. FC Nürnberg, als auch generell für ein DFB-Pokalspiel der Frauen, abgesehen von Finalspielen auf.Parallel zum WM-Start Mega-Ansturm: Nürnberger Fußball-Frauen sorgen für Ticket-Rekord auf express.de, vom 18. November 2022, abgerufen am 22. November 2022 Durch den gleichzeitigen Aufstieg in die Frauen-Bundesliga in der gleichen Saison tragen die Frauen des Clubs ab der Saison 2023/24 ihre Heimspiele ebenfalls im Stadion, statt wie bisher auf dem Max-Morlock-Platz aus.
Umbaumaßnahmen Ab 2003 wurde das Stadion für rund 56 Millionen Euro modernisiert, um für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gerüstet zu sein. Dafür wurde u. a. das Spielfeld um 1,50 m tiefergelegt, die Oberränge in den Ecken im Nordwesten und Südwesten nach oben erweitert, zwei zusätzliche Sitzreihen zum Spielfeld hin angebaut, die Bestuhlung von Gelb auf Rot geändert, verbesserte Zutrittskontrollen errichtet, eine Fanhalle am Max-Morlock-Platz gebaut, neue Kioske rund um das Stadion geschaffen, Logen integriert und ein VIP-Gebäude errichtet. Seit dem Ende der Umbauarbeiten am 24. April 2005 bietet es 44.308 überdachte Sitzplätze für internationale Fußballspiele. Im regulären Ligabetrieb verfügte das Stadion über insgesamt 47.500 Plätze, davon 39.700 Sitzplätze und 7.800 Stehplätze. Mitte Juli 2009 kündigte der FCN dann an, die Stehplatzkapazität um 2.800 Plätze erhöhen zu wollen, damit künftig 48.500 Fans ins Stadion passen.
In der Winterpause 2009/10 wurden die Blöcke 1 und 3 in Stehplätze umgewandelt. Dies war nötig, weil das Bauamt die Nutzung des Blocks 8 als Stehblock durch die Ultras Nürnberg untersagte. Die Kapazität stieg somit auf 48.553 Plätze im Ligabetrieb.Nürnbergs neue Nordkurve ist fertig, Nürnberger Nachrichten vom 19. Januar 2010. Durch in der Sommerpause 2012/13 vorgenommene Umbaumaßnahmen in der Südkurve wurde das Fassungsvermögen der Spielstätte um knapp 1.500 Plätze auf 50.000 Zuschauer erweitert. Zudem wurde der Übergang von Süd- zur Nordkurve durch eine Brückenkonstruktion über dem Gästeblock ermöglicht.
Besondere Bedeutung hatte für die Stadionbetreiber bei den letzten Umbauten vor allem der Umweltschutz. So sammelt man z. B. das Regenwasser von den Stadiondächern in einer 1000 m³ großen Zisterne und nutzt es als Gießwasser für den Stadionrasen. Neben der Wasserbewirtschaftung setzte man auch bei der Energienutzung und Abfallentsorgung auf umweltgerechte Konzepte. Das Stadion erfüllt damit die Kriterien für das europäische Umweltmanagementzertifikat für die kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes (EMAS). Im Januar 2006 bekam die Nürnberger Sportarena als erstes europäisches Stadion diese Auszeichnung zugesprochen.
Im Februar 2013 gab FCN-Manager Martin Bader bekannt, demnächst eine Machbarkeitsstudie für ein neues Stadion in Auftrag zu geben. Das Problem am aktuellen Stadion seien die geringen Einnahmen. Beispielsweise erhält nicht der Verein selbst die Einnahmen aus dem Verkauf der Namensrechte, sondern die Nürnberg Betriebs GmbH. Bader kann sich zwei Optionen vorstellen: einen Umbau des Stadions Nürnberg oder einen Neubau.Trotz Kritik: Bader hält an Stadionidee fest, Nürnberger Nachrichten vom 22. Februar 2013.
Umbaupläne Am 19. Juni 2024 beschloss der Nürnberger Stadtrat in großer Mehrheit dem Generalumbau des Stadions: Die Machbarkeitsstudie sieht vor, dass beim Umbau lediglich der achteckige Grundriss des Stadions erhalten bleibt. Die Leichtathletik-Laufbahn soll weg, die Ränge können dadurch näher ans Spielfeld rücken und es sollen mehr Stehplätze entstehen. Geplant sind eine reine Sitzplatzkapazität von 40.000 und eine Sitz- und Stehplatzkapazität von 34.000 Sitz- und 16.000 Stehplätzen, also insgesamt 50.000 Zuschauern, für Bundesligaspiele, was die sogenannte “große Lösung” ist, die mit fast 300 Millionen Euro auch die teuerste ist. Der Finanzierungsplan steht noch nicht fest, möglich ist, dass die Stadt 30 Millionen Euro investiert, eine Summe, die ohnehin in den kommenden Jahren für die Sanierung des Max-Morlock-Stadions vorgesehen war. Der 1. FC Nürnberg, als Hauptnutzer des Stadions, plant ebenfalls, 30 Millionen Euro beizusteuern. Der verbleibende Betrag für den Umbau soll über Kredite finanziert werden, die durch die Einnahmen aus der Vermarktung des Stadions zurückgezahlt werden. Ersetzt wird die wegfallende Leichtathletikbahn im Stadion mit dem Bau einer kleinen Leichtathletik-Arena im Umfeld des Stadions.
Anfang Februar 2025 kam eine Gutachten von „Ernst & Young“ zu der Erkenntnis, dass die 300 Millionen Euro teure Lösung auf keinen Fall wirtschaftlich ist. Stattdessen soll nun ein Umbau, der ca. 200 Millionen Euro kosten soll, geplant werden. Viele Ideen, die seit der Veröffentlichung des Gutachtens im Gespräch waren, werden nicht mehr weiter verfolgt (z. B. Tiefgarage, integriertes Business-Center, Hotel). Einige Medien bezeichneten die Situation zu dieser Zeit unter anderem als „das 100-Millionen-Loch“.
Die Veröffentlichung des Gutachtens hatte großen Einfluss auf die Diskussionen rund um das Projekt. Manche äußerten sogar Bedenken, ob der Vollumbau überhaupt realisiert wird. Auch die Kapazität von 50.000 Plätzen war erneut ein Thema bei den Diskussionen.
Am Mittwoch, den 12. Februar, veranstalteten die CSU- und die SPD-Fraktion eine gemeinsame Pressekonferenz im Rathaus. Ein Sprecher teilte mit, dass „der große Umbau“ nach wie vor in Planung sei. Allerdings müssten die Kosten für den Umbau deutlich gesenkt werden. Ziel sei ein „wirtschaftlich tragbares Konzept“.
Am Mittwoch, den 19. März, gab es ein weiteres Bekenntnis zum neuen Stadion. Laut Bürgermeister Christian Vogel (SPD) soll die Kapazität doch mit 50.000 Plätzen geplant werden. Bevor es nun zu einer richtigen Ausschreibung kommt, müssten jedoch noch einige grundsätzliche Fragen geklärt werden. Unter anderem wären dies die Punkte: Denkmalschutz, Nachhaltigkeit, Mantelbebauung und mögliche Einsparungen.
Namensgebung Stadion mini|Eine von Fans finanzierte Statue Max Morlocks in Lebensgröße steht seit 2008 vor dem Stadion. Ursprünglich hieß die Sportstätte Städtisches Stadion, von 1945 bis 1961 Victory Stadium, von 1961 bis 1991 wieder Städtisches Stadion und zwischen 1991 und 2006 Frankenstadion. Am 15. März 2006 folgte man in Nürnberg dem Beispiel anderer Fußballstadien und vergab die Namensrechte an einen Sponsor. Die in Nürnberg ansässige Teambank (ehemals Norisbank) erwarb für zunächst fünf Jahre diese Rechte und das Stadion wurde nach einem Produkt des Kreditinstituts in Easycredit-Stadion umbenannt. Ausgenommen davon war die Fußballweltmeisterschaft 2006, bei der das Stadion als Frankenstadion geführt wurde. Die Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs trugen weiterhin den alten Namen Frankenstadion.Kein Kredit für neuen Namen. In: focus.de, 21. März 2006. Abgerufen am 8. Dezember 2017.