Hartmannshain ist ein Ortsteil der Gemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geografie

Hartmannshain liegt etwa 2 km südlich der 733 m hohen Herchenhainer Höhe im Hohen Vogelsberg in einer Höhe von . Im Ort entspringt die Salz, die nach rund 30 km bei Salmünster in die Kinzig mündet. Südöstlich an den Gemarkungsgrenzen zu Bermuthshain und Völzberg erstreckt sich der bis zu 607 m hohe Höhenzug Weißer Stein. Etwa 200 m westlich des Ortsausgangs auf der B 275 ist die Wasserscheide Rhein Weser mini|links|Wasserscheide Rhein-Weser B275 bei Hartmannshain nach Osten

Ortsgeschichte Mittelalter Wie die meisten benachbarten Dörfer ist Hartmannshain vermutlich um 1000 im Zusammenhang mit der zunehmenden Rodung und dem Landesausbau im Vogelsberggebiet während des hohen Mittelalters entstanden. Es gehörte zum Besitz des Klosters Fulda in der Wetterau, der im Hochmittelalter von den Grafen von Nidda als dessen Vögten verwaltet wurde. Nach dem Erlöschen des Niddaer Grafenhauses 1206 kam die Ortschaft an die Grafen von Ziegenhain und, noch vor deren Aussterben, 1434 an die Landgrafen von Hessen. In althessischer Zeit gehörte Hartmannshain stets zum Amt Nidda und zum Gericht Burkhards. Nach den verschiedenen hessischen Landesteilungen im 16. Jahrhundert gehörte es ab 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Die schriftliche Ersterwähnung des Ortes findet sich allerdings erst in einem Kopiar, das zwischen 1400 und 1425 entstanden ist. Darin wird die Pfarrkirche zu Herchenhain mit ihren Filialkirchen in Sichenhausen und Hartmannshain erwähnt, die nicht von einander getrennt seien: „... In Hirchenhayn. Ecclesia parochaialis et habet ecclesias filiales non separates videlicet Diechenhusen (Sichenhausen) et Hartmannshayn ...“Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 87. Eine Akte aus den Jahren zwischen 1567 und 1569 nennt: „... Beide Dorffschafften, Herrgen vnnd Harrtmaßhaußen ...“StAD, Abt. <X<III, 3, Konv. 97, Fasc. 19. Hier wird die Siedlungsform Dorfschaft für den Ort genannt.

Der Ortsname lässt sich auf den Rufnamen Hartmann zurückführen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 161.

Neuzeit Nach dem Inkrafttreten der neuen hessischen Gemeindeordnung 1821 wurde die aus dem Mittelalter überkommene Gerichtsorganisation abgeschafft und das bisherige Gericht Burkhards aufgelöst. An die Stelle des bisherigen Schultheißen trat ein gewählter Bürgermeister. Hartmannshain gehörte zunächst zum Landratsbezirk Schotten, bevor es 1832 in den Kreis Nidda eingegliedert wurde. 1848 wurde das Dorf Teil des kurzlebigen Regierungsbezirks Nidda und kam nach dessen Auflösung 1852 zum Kreis Schotten.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Hartmannshain:

Während die historische Frankfurter Straße oberhalb an Hartmannshain vorbei über Herchenhain führte, erfolgte zwischen 1831 und 1857 der Bau einer neuen Chaussee von Lauterbach (Hess) nach Gedern, die unmittelbar südlich des Ortes verlief. Im Jahr 1906 wurde der Bahnhof Hartmannshain an der Oberwaldbahn zwischen Lauterbach (Hess) und Stockheim eröffnet. Er war die höchstgelegene Bahnstation im Großherzogtum Hessen.

1887 ließ die Gemeinde Hartmannshain ein neues Schulhaus für ihre einklassige Volksschule erbauen. 1922 erfolgte der Anschluss an das elektrische Stromnetz des Überlandwerks Oberhessen. Im Jahr 1934 wurde die Verlängerung der Vogelsberger Südbahn von Birstein nach Hartmannshain eröffnet, die jedoch bereits 1958/59 wegen Unrentabilität wieder stillgelegt und anschließend zurückgebaut werden sollte. Die Vogelsbergbahn blieb dagegen noch bis 1975 für den Personenverkehr in Betrieb. Anschließend erfolgte zwischen Oberwald und Ober-Seemen der Abbau der Gleisanlagen, womit Hartmannshain seinen Gleisanschluss wieder einbüßte.

Nach dem Ort wurde die von 1936 bis 1945 bestehende Luftmunitionsanstalt Hartmannshain im Oberwald benannt, die jedoch zur Gänze in der Gemarkung der Nachbargemeinde Grebenhain lag. In die Zeit des Nationalsozialismus fiel auch die Auflösung des Kreises Schotten zum 1. November 1938. Hartmannshain wurde zusammen mit seinen Nachbargemeinden Herchenhain und Volkartshain in den Landkreis Lauterbach eingegliedert.

Die örtliche Schule wurde im Rahmen der Einführung der Mittelpunktschule in Hessen im Jahr 1966 geschlossen, nachdem die Klassen 5–8 bereits seit 1962 die Schule im benachbarten Grebenhain besuchten. Das Schulhaus in Hartmannshain wurde anschließend 1970/71 zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

Hartmannshain in der Großgemeinde Grebenhain Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die bis dahin selbständige Gemeinde Hartmannshain mit zehn benachbarten Gemeinden freiwillig zum 31. Dezember 1971 zur neugebildeten Großgemeinde Grebenhain. Seit dem 1. August 1972 gehört der Ort außerdem zum damals neugebildeten Vogelsbergkreis. Für die nach Grebenhain eingegliederten Gemeinden wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

1988 erfolgte der Bau einer gemeinsam mit Herchenhain genutzten Kläranlage. Im November 1990 wurde auf dem Weißen Stein der erste deutsche Windpark im Mittelgebirge und zugleich der erste Windpark in Hessen in Betrieb genommen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hartmannshain angehört(e):

Vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, Amt Nidda 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Amt Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg ab 1821: Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenhain ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenhain

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Hartmannshain das Amt Lißberg zuständig. Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte überragen. Hartmannshain fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“. Von April bis Oktober 1853 gehörte Hartmannshain kurzzeitig zum Landgericht Herbstein.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. November 1907 wurde Hartmannshain dem Bezirk des Amtsgerichts Ortenberg zugeteilt.

Mit Wirkung vom 1. November 1949 wurden Hartmannshain dem Bezirk des Amtsgerichts Herbstein zugewiesen. Am 1. Juli 1957 verlor das Amtsgericht Herbstein seine Selbständigkeit und wurde endgültig – nachdem es dies schon zu Ende des Zweiten Weltkrieges warVerfügung des Oberlandesgerichtspräsidenten in Darmstadt vom 29. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstellen Herbstein des Amtsgerichts Lauterbach und der Zweigstelle Altenstadt des Amtsgerichts Ortenberg – zur Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach. Am 1. Juli 1968 wurde diese Zweigstelle aufgehoben. Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld herabgestuft. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen. Bezieht sich auf die

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hartmannshain 237 Einwohner. Darunter waren 3 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 39 Einwohner unter 18 Jahren, 90 zwischen 18 und 49, 63 zwischen 50 und 64 und 45 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 96 Haushalten. Davon waren 27 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 39 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 60 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1791: 265 Einwohner • 1800: 258 Einwohner • 1806: 288 Einwohner, 44 Häuser • 1829: 341 Einwohner, 42 Häuser • 1867: 277 Einwohner, 50 bewohnte Gebäude • 1875: 250 Einwohner, 52 bewohnte Gebäude

Religion Hartmannshain gehörte ursprünglich zu dem 1016 gegründeten Kirchspiel Wingershausen, in dem 1527 die Reformation eingeführt wurde. Später gehörte es als Filialort zu Herchenhain, das für 1315 erstmals als eigenständige Pfarrei belegt ist. Mit der Einführung der Reformation im Kirchspiel Herchenhain im Jahr 1536 wurde auch Hartmannshain rein evangelisch und ist dies bis 1945 geblieben.

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 340 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 236 evangelische (= 85,20 %), 38 katholische (= 13,72 %) Einwohner

Politik Ortsvorsteher von Hartmannshain ist Jürgen Sill (Stand 2021).Ortsvorsteher in der Gemeinde Grebenhain. In: Website der Gemeinde Grebenhain. Abgerufen im Januar 2018.

Vereine mini|hochkant|Das Feuerwehrhaus der Gemeinde In Hartmannshain bestehen heute folgende Vereine und Vereinigungen (Gründungsjahr in Klammern): Freiwillige Feuerwehr Hartmannshain (1936) Spielvereinigung Hartmannshain/Herchenhain (1956) Backgemeinschaft Hartmannshain Förderverein Historische Brücke Hartmannshain (2017)

Kulturdenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Das ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Dorf Hartmannshain ist heute nahezu ein reiner Arbeitspendler-Wohnort. Zum örtlichen Gewerbe gehören noch eine Tankstelle und zwei Gastwirtschaften an der Bundesstraße sowie ein Schuhladen.