Zahmen ist ein Ortsteil der Gemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geografie Zahmen liegt im östlichen Vogelsberg in einer Höhe von . Die Gemarkung von Zahmen hat eine Fläche von 462 ha. Von ihr sind heute noch 240 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche, davon 163 ha Wiesen und 54 ha Ackerland. Die Waldflächen betragen 196 ha, die Ortslage und sonstige Flächen wie Wege, Gewässer und überörtliche Straßen 49 ha. Durch den Ort fließt der Moosbach, der nördlich von Zahmen noch vor der Gemarkungsgrenze zu Blankenau im Landkreis Fulda in die Lüder mündet. Nördlich von Zahmen liegt die 454 m hohe Steiger, von der schon im frühen 20. Jahrhundert die Bezeichnung Steigertal abgeleitet wurde und die dann durch die gleichnamige Gemeinde allgemeinen Gebrauch fand.

Ortsgeschichte Mittelalter Die drei Ortsteile der kurzlebigen Gemeinde Steigertal (Zahmen, Wünschen-Moos, Heisters) weisen zahlreiche geschichtliche Gemeinsamkeiten auf. Der namensgebende Berg Steiger zwischen Zahmen und Heisters wird bereits in der Grenzbeschreibung der Pfarrei Crainfeld von 1011 als Grenzpunkt unter der Bezeichnung Steigira erwähnt. Obwohl in dieser Urkunde keine der drei Ortschaften namentlich genannt wird, ist davon auszugehen, dass diese zu diesem Zeitpunkt bereits existierten.

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung von Zahmen findet sich in einem Kopiar über die Schenkung von Gütern an das Kloster Blankenau von 1285. Dort heißt es: „villae nostrae in Zamen“. (Unseres Dorfes Zamen).Johann Friedrich Schannat: Dioecesis Fuldensis. Ffm. 1729, Nr. 87, S. 294, korrigiert nach dem Kopiar im StAM, K 423 fol. 56 . Siehe Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 407. Das Kopiar, in welchem sich die Ersterwähnung des Ortes findet, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Mittelalter war das Dorf zunächst als fuldisches Lehen im Besitz der Herren von Blankenwald, einer Seitenlinie der Herren von Schlitz. Deren Stammburg Burg Blankenwald lag oberhalb des erst nach ihrer Zerstörung durch den Fuldaer Fürstabt Bertho II. von Leibolz im Jahr 1264 gegründeten Nachbarortes Blankenau. Innerhalb des Herrschaftsbereiches der Herren von Blankenwald gehörte Zahmen wie auch Heisters und Wünschen-Moos zum Gericht Schlechtenwegen. 1338 kam es an die Herren von Eisenbach. Mit deren Aussterben im Mannesstamm fiel das Gericht Schlechtenwegen und damit auch Zahmen 1428 an die Riedesel. 1680 wurde der Sitz des Gerichts von Schlechtenwegen nach Altenschlirf verlegt.

Im 15. Jahrhundert änderte sich die Schreibweise des Ortsnamens zu „Czamen“.StAM, Beilage zu K 423, Lit. C. 1526 werden „Heyster“ und „Zamen“ genannt.Archiv Lauterbach 58, 2. Der Ortsname lässt sich auf den Rufnamen „Zamo“ zurückführen.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 407.

Nahe der heutigen Gemarkungsgrenze zwischen Zahmen und Blankenau lag im Mittelalter das Dorf Niebels. Es wird erstmals 1377 als Lyboldes und in einem Kaufbrief des Klosters Blankenau von 1455 als Nybolcz erwähnt. Die Ortschaft wurde aufgrund der spätmittelalterlichen Agrarkrise, möglicherweise aber auch infolge einer Fehde zwischen den Riedeseln und der Abtei Fulda, zur Wüstung. Während dieser Fehde wurden im Jahr 1467 die riedeselischen Gerichte Moos und Schlechtenwegen, darunter auch das Dorf Zahmen, niedergebrannt. Die Rechte der fuldischen Propsteien Blankenau und Neuenberg im Gericht Schlechtenwegen, darunter auch in Zahmen, blieben bis 1525 bestehen. Nach dem Deutschen Bauernkrieg nutzten die Riedesel jedoch die zwischenzeitliche Schwäche der Fürstabtei und entzogen ihr eigenmächtig die Lehensherrschaft und einen erheblichen Teil ihrer Besitzrechte.

Neuzeit Die Kinder aus Zahmen besuchten zunächst die 1540 im Pfarrort Nieder-Moos eingerichtete Schule. Erst 1698 erhielt Zahmen einen eigenen Schulmeister, jedoch wurde der Unterricht in Ermangelung eines eigenen Schulgebäudes zunächst reihum in den Häusern der Schulkinder abgehalten. Im Jahr 1783 erbaute dann die Gemeinde Zahmen als einer der ersten Filialorte des Kirchspiels Nieder-Moos ein eigenes Schulhaus, die heutige Alte Schule.

Während des Dreißigjährigen Krieges starben im Jahr 1629 in Zahmen 30 Menschen an der Pest, nachdem diese von den durchziehenden Söldnertruppen eingeschleppt worden war.

Infolge der Mediatisierung beim Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 wurde der Herrschaft Riedesel dem Großherzogtum Hessen einverleibt. Seit diesem Jahr ist Zahmen hessisch und wurde zunächst als Teil des Amtes Altenschlirf verwaltet. Nach dem Inkrafttreten der neuen hessischen Gemeindeordnung und Kreisordnung 1821 gehörte Zahmen zunächst zum Landratsbezirk Herbstein (ab 1825 Landratsbezirk Lauterbach). 1848 wurde das Dorf Teil des kurzlebigen Regierungsbezirks Alsfeld und kam nach dessen Auflösung 1852 zum Landkreis Lauterbach.

Wegen ihrer geringen Einwohnerzahl erhielt die Gemeinde Zahmen nach Inkrafttreten der hessischen Gemeindeordnung von 1821 keinen eigenen Bürgermeister, sondern bildete mit den benachbarten Gemeinden Heisters, Wünschen-Moos und Steinfurt eine gemeinsame Bürgermeisterei. Die offizielle Bezeichnung lautete Bürgermeisterei Steinfurt. Nachdem dieser Ort 1865 einen eigenen Bürgermeister erhalten hatte, erfolgte die Umbenennung in Bürgermeisterei Heisters. 1894 wurde erstmals ein Einwohner von Zahmen zum Bürgermeister gewählt, nachdem dieses Amt vorher stets durch einen Ortsbürger von Heisters bekleidet worden war. Obwohl in der Folge bis 1971 alle Bürgermeister aus Zahmen stammten, wurde die amtliche Bezeichnung Bürgermeisterei Heisters beibehalten.

Die Weltkriege und ihre Folgen Im Ersten Weltkrieg fielen 12 Soldaten aus Zahmen oder wurden vermisst. Im Zweiten Weltkrieg hatte Zahmen 4 Gefallene und Vermisste zu beklagen, hinzu kamen noch 43 Angehörige der nach 1946 in das Dorf gekommenen Heimatvertriebenen.

1911 erfolgte der Bau der örtlichen Wasserleitung nach dem Vorbild der Nachbargemeinde Heisters. Anfang der 1920er Jahre planten die drei Gemeinden der Bürgermeisterei Heisters die Errichtung einer kleinen Talsperre zur Aufstauung der Lüder nördlich von Zahmen, um damit ein Wasserkraftwerk zur Stromversorgung der drei Orte betreiben zu können. Diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen erfolgte 1923 der Anschluss von Zahmen an das Stromnetz des Überlandwerks Oberhessen. 1963 wurde die Wasserversorgung von Grund auf erneuert, wobei die Gemeinden Heisters und Zahmen eine gemeinsame Pumpstation mit Hochbehälter errichteten.

Nach Inkrafttreten der Gebietsreform erfolgte von 1975 bis 1977 der Umbau der Ortsdurchfahrt, verbunden mit einer teilweisen Verlegung der Kreisstraße, und von 1983 bis 1984 die Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses um einen Anbau mit einem Feuerwehrhaus. Von 1994 bis 1996 wurde eine Gemeinschaftskläranlage für die Ortsteile Heisters, Metzlos, Metzlos-Gehaag, Wünschenmoos und Zahmen erbaut. 1999 erfolgte die Aufnahme der drei früheren Ortsteile von Steigertal in das hessische Dorferneuerungsprogramm, in dessen Rahmen Zahmen bis 2010 gefördert wurde. Parallel dazu wurde 2008 die Ortsdurchfahrt von Zahmen neu ausgebaut. Im Jahr 2009 erfolgte die Einweihung des im Rahmen der Dorferneuerung sanierten Dorfgemeinschaftshauses.

Schule und Bildung nach 1945 1953–1954 wurde ein neues Schulhaus für die Gemeinden Zahmen und Wünschen-Moos (dessen Schule 1922 aufgelöst worden war) am Ortsausgang von Zahmen nach Wünschen-Moos errichtet. Es wurde jedoch nur eineinhalb Jahrzehnte auch als solches genutzt, da die einklassige Volksschule in Zahmen 1969 infolge der Schulreform in Hessen zugunsten der neuen Mittelpunktschule (Oberwaldschule) in Grebenhain geschlossen werden musste. Die Neue Schule in Zahmen wurde anschließend bis 1972 zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

Hessische Gebietsreform 1971/72 Noch in der Anfangsphase der Gebietsreform in Hessen beschlossen die Gemeinden Zahmen, Wünschen-Moos und Heisters, sich auf freiwilliger Basis und auf Grundlage der schon lange bestehenden Bindungen durch den Bürgermeistereiverband zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammenzuschließen. Somit wurde am 1. Februar 1971 die Gemeinde Steigertal gegründet. Die Hoffnungen, auf diese Weise der Angliederung an eine der im Rahmen der Gebietsreform geplanten Großgemeinden zu entgehen, erfüllten sich jedoch nicht. Nach nur eineinhalb Jahren erfolgte am 1. August 1972 aufgrund eines Gesetzes die Eingemeindung der Gemeinde Steigertal in die Großgemeinde Grebenhain und zugleich die Eingliederung in den neugebildeten Vogelsbergkreis. Geblieben ist jedoch der gemeinsame Ortsbezirk der Ortsteile Heisters, Wünschen-Moos und Zahmen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Zahmen angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Gericht Altenschlirf der Freiherren von Riedesel zu Eisenbach (Mannlehen des Fürstbistums Fulda) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Gericht Altenschlirf ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Altenschlirf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HerbsteinTrennung zwischen Justiz (Landgericht Altenschlirf) und Verwaltung. ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach, Gemeinde Steigertal ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenhain ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Grebenhain

Recht Materielles Recht In Zahmen galten die Riedesel’schen Verordnungen aus dem 18. Jahrhundert als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14.

Gerichtsverfassung seit 1803