mini|Wappen der Merz von Quirnheim mit Decken, Helmzier und Schildhaltern an der Decke der Pfarrkirche St. Oswald in Boßweiler.Korrekte Farben siehe im Wappenbrief mini|hochkant|Wappen ohne Helmzier am Hochaltar in Boßweiler
Merz oder Mertz (Amtleute, Burggrafen, kurfürstlich Mainzer Räte) ist der Name eines alten ritterlichen Geschlechtes, welches im Raum Mainz nachzuweisen ist. In mittelalterlichen Urkunden wurde es auch Merzen (Merzenis/Merzonis) und ab der späteren Neuzeit März geschrieben. Im Jahre 1351 siegelte der Verweser des Erzstifts Kuno von Falkenstein zusammen mit dem bischöflichen Burggrafen Johann Mertz und zwei weiteren Kurmainzer Amtleuten einen Bündnisvertrag zur Unterstützung des Mainzer Erzbischofs Heinrich von Virneburg.RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 5894, Erzbischöfe von Mainz - Abt. 1, Bd. 2 (1328–1353), Kuno II. von Falkenstein 19. April 1351 – Regesta Imperii Online.
Merz auf Quirnheim und Merz von Quirnheim (Reichsritter, Hofpfalzgrafen) sind die Adelsprädikate, die einem Zweig des kurfürstlichen Ratsgeschlechtes durch den Kaiser 1675/78 erlaubt wurden; dieser Familienzweig hatte 1671/72 die Herrschaft über die beiden ehemaligen salischen KönigshöfeWolfgang Haubrichs: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Band 3, Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1977, Seite 53/54 – Google Books (Snippet-Ansicht) Bosweiler und Quirnheimer HofDer Bosweilerhof war im 17. Jahrhundert mit wenigen Gebäuden und der Oswaldskapelle erhalten; der Quirnheimer Hof wird seit dem 15. Jahrhundert auch Hertlingshäuserhof genannt. erlangt. Der Familie wurde bereits im Jahr 1674 der uralte Ritterstand kaiserlich bestätigt.Reichsadelsakten: Dossier über Quirinus Merz aus dem Jahre 1674 – Österreichisches Staatsarchiv.
Herr aufGothaisches genealogisches Taschenbuch der briefadeligen Häuser (Achter Jahrgang) von Perthes 1914, Seite 641–642./zuFranz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster in Rheinbayern, 1. Teil, Christmann, Neustadt a. d. Haardt 1836, Seite 278 – Google Books Bosweiler und Quirnheim (Reichsherrn) bzw. Freiherr auf BosweilerMertz, Carl Joseph Aloys, Kurfürstlich Mainzer Rat, Freiherr auf Bosweiler Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. war das zusätzliche Prädikat, welches ausschließlich an den Besitzer der beiden Höfe vererbt wurde und ging nach 130 Jahren durch die Französische Revolution mit dem Frieden von Lunéville 1801 verloren. Im Königreich Bayern wurde 1820 ein Sohn des letzten Herren von Quirnheim, welcher sich in Franken angesiedelt hatte, als Regimentskommandeur im militärischen Adelstand in der bayerischen Ritterklasse immatrikuliert mit dem Titel Ritter (der Ehrenlegion und des Wladimir Ordens) und dem Prädikat Merz von Quirnheim. 1839 wurde auch sein Vetter mit diesem Prädikat in die Matrikel aufgenommen.
Als Freiherren auf Nordstrand (Lehnsgrafen) war das Geschlecht von 1690 bis 1792 über einhundert Jahre holsteinische bzw. dänische Barone. Mit Absterben der Freins von Nordstrand 1704 dürfte sich der Grundherr der danach größeren Herrschaft und dessen ältester Sohn auch Lehnsgraf nennen.
Familiengeschichte bis zur Französischen Revolution Mainzer Ratsherrengeschlecht Merz Im Jahre 1442 wird ein Johann LiesbergErich Schwan: Wormser Urkunden: Regesten zu den Urkunden geistlicher und weltlicher Personen und Institutionen der ehemaligen Freien Stadt Worms in den Beständen des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, 1401-1525, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, 1985, Seite 104 – Google Books genannt Mertz, vormals Schöffe und Hofedelmann im Hochstift Worms, in den inneren Rat in Mainz berufen, als Nachfolger eines anderen Johannes von Mer(t)z († 1441). Die Herkunft dieser Johann Mertz ist nicht komplett geklärt, es wird angenommen, dass diese von ritterbürtiger bzw. edelfreier Abstammung und die Urahnen des Räte- und Schöffengeschlechtes Mertz/Merz in Mainz waren.
Die bis heute nachverfolgbare Stammreihe beginnt mit dem in einer Urkunde 1594Suche "Johann Mertz" SIGNATUR: U / 1454 Mai 28 / I, 28. Mai 1454, Option Vollansicht, – Stadtarchiv Mainz als Erben benannten Ratsverwandten (wörtlich: cives consules) Schenk Johann/JoisJois Merz und sein Sohn Johannes Merz; Sankt Quintin katholisch, Mainz, Rheinhessen, Hessen-Darmstadt; FHL microfilm 957281 – familysearch.org Merz. Dieser ist wahrscheinlich identisch mit einem Han(n)s Mertz, der zu den Mainzer Ehrsamen gezählt wird und sowohl als Schöffe als auch als UrkundszeugeSIGNATUR: U / 1588 Februar 13, 13. Februar 1588 – Stadtarchiv Mainz auftritt, und einem 1586SIGNATUR: U / 1586 Mai 7, 7. Mai 1586 – Stadtarchiv Mainz genannten Johann Mertz, der als Tochtermann der ehrsamen Bürger Anna und Georg Becker(s) aufgeführt wird. Über die Patrizierfamilie Beckers (Aachen und Mainz) bestanden somit verwandtschaftliche Verhältnisse mit den Aachener Schöffengeschlechtern Peltzer und Braumann und den Freins in Holstein. Jois Sohn Johannes Merz, Ratsherr im damaligen Kirchenstaat Mainz und Jurat des Kirchengerichts von St. Quintin, ehelichte am 4. Mai 1604Johannes Merz and Martha Hettich, 4. Mai 1604; Sankt Quintin katholisch, Mainz, Rheinhessen, Hessen-Darmstadt; FHL microfilm 957281 – familysearch.org Martha (oder Maria) Hettich, Tochter des Patriziers Lubentius HettichJohannes Mötsch: Regesten der Urkunden im Archiv der Fürsten von Metternich im Staatlichen Zentralarchiv zu Prag B. 2, Verlag d. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 2001, Seite 445ff – Google Books (Snippet-Ansicht), bannbevollmächtigterRegest: Mainz, 1594.11.16, 16. November 1594 – Stadtarchiv Mainz. Syndicus des Domkapitels und des Kurfürsten Johann Adam und (später) weltlicher Richter in Mainz. Aus der Ehe gingen drei Söhne und vier Töchter hervor. Der im Jahre 1605Johannes Merz, 2. Juli 1605; Sankt Quintin katholisch, Mainz, Rheinhessen, Hessen-Darmstadt; FHL microfilm 957281 – familysearch.org Erstgeborene Johannes verstarb wohl in den Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges, außer dem Taufschein ist über ihn nichts überliefert.
Der zweite Sohn BalthasarBalthasar Merz und Maria Catharina Gernsheimer, 8. Januar 1647; Sankt Quintin katholisch, Mainz, Rheinhessen, Hessen-Darmstadt; FHL microfilm 957281 – familysearch.org heiratete Maria Catharina Gernsheimer, Tochter des vornehmen Mainzer Bürgers Johannes Philipp Gernsheimer. Balthasar übernahm das mehr als 3 Generationen in Familien-Besitz befindliche Hospiz „zur Engelskrone“, ehemals Am Brand 9 in Mainz gelegen. Dieses wird schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Treffpunkt der Humanisten erwähnt. Hier fanden Gespräche zwischen dem jungen Erzbischof Albrecht von Mainz und Ulrich von Hutten sowie Albrecht Dürer statt. Als Ältester des Ehrbaren Geschlechts ererbte Balthasar die Ämter als Ratsherr und Jurat. Aus dieser Linie stammt der katholische Militärpfarrer Johann Peter Merz.
Der dritte Sohn Quirinus erlangte in Heidelberg einen Doktor der Rechtswissenschaften und ist am 16. Dezember 1659 in Mainz an der juristischen Fakultät als Professor nachgewiesen. Mitte des 17. Jahrhunderts könnte er als Mitglied der Familie erstmals ein Hofamt außerhalb von Kurmainz erhalten. Quirin Merz war seit 1651 Geheimrat im Hochstift Speyer, avancierte am 28. November 1661 zum Kanzler von Fürstbischof Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid und war am 9. März 1664Christian Gottfried Oertel: Vollständiges und zuverlässiges Verzeichniß der Kaiser, Churfürsten und Stände des H. R. Reichs, Verlag Johann Montag, 1760, Seite 54 – Google Books auch dessen Komitialgesandter im Reichstag. Als Metternich 1673 Kurfürst wurde, erlangte Merz auch die KanzlerschaftKlaus Peter Decker: Frankreich und die Reichsstände 1672-1675: Die Ansätze zur Bildung einer „dritten Partei“ in den Anfangsjahren des Holländischen Krieges, Verl. Bouvier, 1981, Seite 193ff – Google Books (Snippet-Ansicht) in Kurmainz.
Herrschaft Bosweiler und Quirnheim
Geschichte der Herrschaft Die zweiMichael Gockel: Uebersichtskarte - Bearbeitete Königshöfe 1:150 000, Vandenhoeck & Ruprecht, 1970, Seite 278 – Google Books adligen Höfe Boßweiler und Quirnheim gehörten zur Zeit der Salier zur Wormsgau. Das Hauskloster der Grafen von Leiningen St. Peter in Höningen war seit 1143 in Boßweiler und seit 1145 in Quirnheim vertreten. 1247 wird das Kloster Rosenthal mit Eigentumsrechten in Boßweiler erwähnt. 1459 verpfändete das Nonnenkloster der Augustiner-Chorfrauen zu St. Maria in Hertlingshausen den Quirnheimer Hof an den staufer Burgmann und Ritter Hans Menges.Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des Gerichts-Bezirkes von Frankenthal im königl. Bayer. Rheinkreise. Verlag Neidhard, 1836, Seite 347+382 – Google Books Es kann angenommen werden, dass das Gut aus dieser Zeit auch den Namen Hertlingshäuserhof trägt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt dann der in den Fürstenstand erhobene Landgraf Hesso von Leiningen die Lehensrechte über beide Höfe.Georg Peter Karn, Ulrike Weber: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Kreis Bad Dürkheim Band 2, Wernersche Verlagsgesellschaft, 2006, Seite 468 – Google Books
Merzsches Lehen mini|Quirnheimer Hofgut,Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz, Lage Hertlingshäuserhof (LANDIS-Karte) genannt Hertlingshäuserhof, Schloss (rechts) Quirin von Merz erhielt 1671„Quirim Merz erhielt 1671 vom Grafen Ludwig Eberhard von Leiningen Westerburg folgende Besitzungen zu Lehen: Die Kolderschen Besitzungen in Neuleiningen, das freie Hofgut in Quirnheim, das ihm schon vordem pfandweise für 1200 Reichstaler verlehnt war, die Lungenfeldschen Güter in Grünstadt.“ Schriftverkehr mit dem bayerischen Justizministerium, Benutzerakte 2054, Landesarchiv Speyer das freie Hofgut in Quirnheim als Lehen, ab 1672Werner Bornheim: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 8, Deutscher Kunstverlag 1982, Seite 457 – Google Books (Snippet-Ansicht) als Geschenk, welches er schon seit 1663Otto Dauber: Ortsgeschichte von Odenbach/Glan: Digitalisiert, transkribiert und erläutert von Dr. Joachim Soffel, 9. September 2014, Seite 80 – Google Books. als Kanzler und AbgesandterChristian Gottfried Oertel: Vollständiges und zuverlässiges Verzeichniß der Kaiser, Churfürsten und Stände des H. R. Reichs, Verlag Johann Montag, 1760, S. 155 – Google Books. zum Reichstag der Leininger Grafen pfandweise in Besitz hatte; zusätzlich erhielt er 1671 lungenfeldsche Liegenschaften in Grünstadt und Neuleiningen als kirchliches Lehen zur Belohnung für seine MitwirkungPeter Gärtner: Geschichte der bayerisch-rheinpfälzischen Schlösser und der dieselben ehemals besitzenden Geschlechter: Band 2, Lang, 1855, Seite 100 ff. – Google Books. an der Konversion des Grafen Ludwig Eberhard von Leiningen-Westerburg (1624–1688) wie auch später dessen Sohn Philipp Ludwig zum katholischen Glauben. Nachdem die Zustimmung aller zuständigen Grafen Leiningen und des kurpfälzischen Anteils erbracht wurde, erhielt das Geschlecht Merz 1672 auch die Herrschaft in Bosweiler. 1673Adels- und Lehensakten: Signatur 72, Spezialia Merz 1 Nr. 6378 – Landesarchiv Baden-Württemberg. übertrug ein Lehensvertrag zusätzlich das Dorf Quirnheim samt allem Zubehör förmlich auf Kanzler Merz.
Alter Ritterstand und Reichsherren