mini|Denkmal für den heiligen Stephan, evangelische Kirche Orosháza ist eine ungarische Stadt im gleichnamigen Kreis im Komitat Békés.
Geografie Orosháza liegt in der Großen Ungarischen Tiefebene, im Südosten Ungarns, auf der von den Flüssen Mureș und Körös begrenzten Békéser Ebene.
Geschichte Orosháza wurde zwar schon 1466 erstmals urkundlich erwähnt, war aber nach der Eroberung durch die Osmanen eine Wüstung. Erst 1744 wurde der Ort in der Puszta durch vertriebene Protestanten aus der Stadt Zomba neu besiedelt.Oroshaza
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Ort noch ein Dorf mit 6000 meist lutherischen Einwohnern, hat Roß- Wind- und Öhlmühlen, starken Weinbau, bedeutende Rindvieh-, Schaf- und Schweinzucht.Franz Gräffer, Johann Jacob Heinrich Czikann: Oesterreichische National-Encyklopädie oder alphabetische Darlegung der wissenswürdigsten Eigenthümlickeiten des österreichischen Kaiserthumes. Sechs Bände, Band 4: N bis Sedria, Beck’sche Universitätsbuchhandlung, Wien 1836, S. 117. Die Anbindung an die Eisenbahnlinie Nagyvárad-Fiume im Jahre 1870 brachte der landwirtschaftlich geprägten Stadt einen Aufschwung mit der Gründung von Instriebetrieben.
1891 kam es nach einer Maifeier zu Zusammenstößen von Arbeitern mit k.u. Gendarmerie und dem Militär. Auf die unbewaffneten Demonstranten wurde das Feuer eröffnet, über 100 Personen wurden teils schwer verletzt.Árpád von Klimó: Nation, Konfession, Geschichte. Zur nationalen Geschichtskultur Ungarns im europäischen Kontext (1860–1948). Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56746-2, S. 172. Zwischen den Weltkriegen galt Orosháza mit seinen damals 25.000 Einwohnern als das Größte Dorf Ungarns. So nannte der Schriftsteller József Darvas sein 1937 erschienenes soziografisches Werk über seinen Heimatort. Im Mai 1944 wurde die jüdische Bevölkerung des Ortes und der Umgebung von der ungarischen Administration ghettoisiert und Ende Juni zu einem Fußmarsch nach Békéscsaba gezwungen, von aus sie in das Durchgangslager Strasshof deportiert wurde.
1946 erhielt Orosháza das Stadtrecht.Orosháza. Stadtführer mit Plan. Publi-CITI, Orosháza 2000.
Einwohnerentwicklung Die Bevölkerungszahl ist derzeit abnehmend.
Städtepartnerschaften Carei, Rumänien (seit 1991) Băile Tușnad, Rumänien (seit 2009) Panjin, China (seit 2006) Srbobran, Serbien (seit 2009) Zomba, Ungarn
Kultur und Sehenswürdigkeiten Evangelische Barockkirche, 1777 errichtet, 1830 erweitert Nagytatársánc, die größte ehemalige Erdfeste in der ungarischen Ebene János Szántó Kovács Museum József Darvas Literaturhaus Städtische Gemäldegalerie Rágyánszki-Arboretum Der Wasserturm in der Könd utca 1 beherbergt Ungarns einziges Brunnen-Museum.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Industriebetriebe am nördlichen Stadtrand Die Stadt ist in der Region ein bedeutendes Zentrum für Wirtschaft, Bildung und Kultur. Bekannt ist Orosháza für sein Heilbad Gyopáros, das seit 1869 existiert. Die größten Betriebe sind im Bereich der Geflügelverarbeitung (Orosházer Gänseleber) sowie der Erzeugung von Glas tätig.
Orosháza ist durch Eisenbahn, Buslinien und Autostraßen gut erschlossen. Die Stadt liegt an der Bahnstrecken Szeged–Békéscsaba (135), Mezőtúr–Mezőhegyes (125) und Kiskunfélegyháza–Orosháza (147) der MÁV, sowie an der Hauptstraße 47.
Söhne und Töchter der Stadt Peter Friedrich (1902–1987), Architekt und Mathematiker István Szabó (1906–1980), Ingenieur und Mathematiker Mihály Hajdú (1909–1990), Komponist József Darvas (1912–1973), Schriftsteller, Politiker Nicolás Muller (1913–2000), Fotograf Attila Garay (1931–2013), Jazzpianist Gyula Kristó (1939–2004), Historiker, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Ervin Dér (1956–2024), Radrennfahrer Norbert Erdős (* 1972), Politiker Krisztián Szollár (* 1980), Fußballspieler Ferenc Németh (* 1987), Volleyballspieler László Bartucz (* 1991), Handballspieler
Literatur Orosháza, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 554
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Komitat Békés Kategorie:Ghetto
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1946