mini|hochkant|Fußballschiedsrichter Howard Webb mini|Fußballschiedsrichter Björn Kuipers (Mitte) mit Clément Turpin und seinen Assistenten Erwin Zeinstra und Sander van Roekel

Ein Fußballschiedsrichter leitet ein Fußballspiel und kontrolliert die Einhaltung der Fußballregeln. Dabei kann er von bis zu sieben weiteren Spieloffiziellen unterstützt werden.

Aufgaben und Funktionen der Spieloffiziellen Schiedsrichter mini|Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Schiedsrichters: die Pfeife mini|Gehören ebenfalls zur Grundausstattung – die Gelbe und die Rote Karte

Der Schiedsrichter leitet das Fußballspiel und verschafft den Fußballregeln Geltung. Hierfür kann der Schiedsrichter Spiel- und Disziplinarstrafen verhängen.

Die Disziplinarstrafen können sich gegen Spieler, Einwechselspieler, ausgewechselte Spieler oder Teamoffizielle richten. Die unmittelbare Disziplinargewalt des Schiedsrichters beginnt mit Betreten des Spielfeldes zur sogenannten Platzbegehung und endet mit dem Verlassen des Platzes nach Spielende. Zudem hat der Schiedsrichter die Verpflichtung, Regelverstöße und andere unsportliche Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Spiel zu melden, die außerhalb dieses Zeitraums begangen werden. Disziplinarstrafen (veraltet: persönliche Strafen) sind die Verwarnung (angezeigt durch die Gelbe Karte), der Feldverweis wegen eines verwarnungswürdigen Verhaltens bzw. Vergehens nach einer bereits erfolgten Verwarnung (die Gelb-Rote Karte) sowie der Feldverweis auf Dauer (die Rote Karte). Fehlverhalten von Teamoffiziellen (z. B. Eingriffe in das Spiel, unangemessener Protest gegen Entscheidungen des Schiedsrichters, wiederholtes Verlassen der Coachingzone) wird seit der Saison 2019/2020 ebenfalls durch das Zeigen von Karten sanktioniert. Abhängig vom Vergehen gibt es die Gelbe oder die Rote Karte, auch die Gelb-Rote Karte bei wiederholten Verstößen ist möglich. Teamoffizielle sind dabei alle Personen, die neben den Spielern auf dem Spielbericht eingetragen sind. Sollte nicht feststellbar sein, welcher Offizielle einen Verstoß begangen hat, wird die fällige Karte gegen den „ranghöchsten“ Teamoffiziellen (in der Regel der Trainer) verhängt.

Bei den Spielstrafen wird zwischen dem direkten und dem indirekten Freistoß und dem Strafstoß (umgangssprachlich als Elfmeter bezeichnet) unterschieden, die abhängig von Art und Ort des Vergehens sowie gegebenenfalls der Zielperson des Regelverstoßes (Mitspieler, Gegenspieler, Teamoffizielle, Spieloffizielle) zu verhängen sind.

Neben der Spielleitung hat der Schiedsrichter noch eine Reihe weiterer Aufgaben (z. B. Kontrolle der vorgeschriebenen Ausrüstung der Spieler, des Platzaufbaus, Spielbericht), die in den Fußballregeln sowie den jeweiligen Spielordnungen der Fußballverbände festgelegt sind.

In der Kleidung ist den Schiedsrichtern traditionell die Farbe Schwarz vorbehalten. Es dürfen aber auch andere Farben getragen werden, wenn die Unterscheidung zu den Trikots der Spieler gewährleistet ist. Dies wurde in Deutschland das erste Mal am 12. Juni 1993 von Markus Merk beim DFB-Pokalfinale praktiziert, als er grün statt schwarz trug. Der DFB hatte die Regel nach Anordnung der FIFA gelockert. Mittlerweile sind die Trikots der Schiedsrichter in der Bundesliga sowie auf internationaler Ebene in den Farben schwarz, rot, gelb, hellblau und grün.

Schiedsrichterassistenten Viele Spiele, insbesondere in den höheren Spielklassen, werden durch ein Team von Spieloffiziellen geleitet. Dabei wird der Schiedsrichter von zwei Schiedsrichterassistenten unterstützt, die ihm bei der Spielleitung helfen, indem sie mit der Fahne anzeigen, wenn Vergehen (Fouls) im Rücken des Schiedsrichters vorliegen oder der Schiedsrichter ein Vergehen z. B. wegen einer ungünstigeren Positionierung zum Geschehen nicht erkennen konnte, Spieler in Abseitsstellungen stehen, der Ball das Feld verlassen (Abstoß/Eckstoß, Einwurf) oder die Torlinie überschritten (Tor) hat. Eine weitere wichtige Aufgabe der Assistenten ist die Organisation von Spielerwechseln, sofern es keinen Vierten Offiziellen gibt.

Ab welcher Spielklasse Schiedsrichterassistenten eingesetzt werden, bestimmt der jeweilige Verband. In Deutschland ist das der jeweilige Kreis-, Bezirks- oder Landesverband, in der Regel orientiert an der Anzahl vorhandener qualifizierter Schiedsrichter. Teilweise werden schon Spiele der Kreisliga mit Teams besetzt, andernorts erst ab der Landesliga. Gerade in den unteren Spielklassen werden häufig Jungschiedsrichter (unter 18, in einigen Verbänden auch unter 16 Jahren) als Schiedsrichterassistenten eingesetzt, damit sie Erfahrungen für spätere eigene Spielleitungen sammeln können. In der Schweiz hat bei den Männern in der 3. bis zur 5. Liga, bei den Frauen ab der NLB sowie bei den Junioren, Veteranen und Senioren, jeder Verein einen Linienrichter zu stellen. Alternativ kann der gastgebende Verein zwei Linienrichter zur Verfügung stellen. Unter Umständen kann der Schiedsrichter, sofern es ihm möglich ist, das Spiel auch alleine leiten. In den darüberliegenden Ligen, im U-19- und U-18-Spitzenfussball sowie ab der 1. Cup-Hauptrunde bestellt die zuständige Aufgebotsstelle die Schiedsrichter-Assistenten., Hrsg.: Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Fussballverbandes, Regel 6

Da vom Mittelpunkt aus gesehen die Schiedsrichterassistenten vor allem die Bereiche rechts vorn und links hinten überblicken, folgt der typische Laufweg des Schiedsrichters (wenn er nicht gerade vor Ort eingreifen muss) typischerweise versetzt dazu, nämlich in einem Bogen vom Mittelpunkt nach links vorn und dann in Strafraumnähe wieder näher zu diesem, entsprechend spiegelbildlich in der anderen Hälfte.

Video-Assistent mini|Das Symbol des VAR

Seit den 2010er Jahren wird bei wichtigen Spielen zunehmend der Video-Assistent (englisch Video Assistant Referee, VAR) eingesetzt. Dieser soll dem Schiedsrichter helfen, bei strittigen Szenen die richtige Entscheidung zu treffen und kann außerdem bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen und dem Schiedsrichter auf dem Platz einen Hinweis geben. Die Video-Assistenten sitzen bei Spielen der deutschen Bundesliga, wo der VAR seit der Saison 2017/18 zum Einsatz kommt, im sogenannten „Kölner Keller“, dem Video Assist Center (VAC) der Deutschen Fußball Liga in Köln-Deutz, wo sie auf bis zu 21 Kamerapositionen pro Spiel zurückgreifen können.

Der Video-Assistent darf bei folgenden Situationen eingreifen: Strafstoß, Torerzielung, Feldverweis und Spielerverwechslung. Zu seiner Unterstützung kann ein Assistent (AVAR) benannt werden.

Vierter Offizieller Im Profifußball gibt es zudem den Vierten Offiziellen, der dem ersten Schiedsrichterassistenten Aufgaben abnimmt, Auswechslungen kontrolliert, die vom Schiedsrichter festgelegte Nachspielzeit anzeigt oder auch das Umfeld überwacht (Verhalten der Fußballtrainer, der Auswechselspieler und der Offiziellen und Platzordner). Bei besonderen Veranstaltungen wie beispielsweise der Europameisterschaft kommt auch ein Fünfter Offizieller zum Einsatz, der regelmäßig den Vierten Offiziellen unterstützt. Hintergrund dieser Erweiterung ist auch, dass der Vierte und Fünfte Offizielle zugleich als Schiedsrichter bzw. Schiedsrichterassistent ausgebildet sind, sodass beim Ausfall des Schiedsrichters oder eines Assistenten sofort Ersatz verfügbar ist.

Weitere Schiedsrichter-Assistenten In der Gruppenphase der Europa League wurden in der Saison 2009/10 Additional Assistant Referees („Zusätzlicher Schiedsrichterassistent“, auch „Torrichter“ genannt) eingeführt. Seit der Spielzeit 2010/11 wurden sie auch in der UEFA Champions League eingesetzt, bei Europameisterschaften seit 2012. Torschiedsrichter stehen hinter der Torlinie auf der Seite des jeweiligen Schiedsrichterassistenten, dürfen aber auch das Spielfeld betreten. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, zu entscheiden, ob ein Ball die Torlinie überquert hat. Torrichter dürfen aber auch dem Schiedsrichter bei strittigen Fouls oder bei Tätlichkeiten im Strafraum zur Seite stehen. Der Einsatz von Torrichtern wurde als Alternative zum Einsatz von technischen Hilfsmitteln kontrovers diskutiert, jedoch auch nach der Einführung des Video-Assistenten beibehalten.

Seit 2016 sieht das Regelwerk der IFAB die Rolle eines Ersatz-Schiedsrichterassistenten (Fünfter Offizieller) vor, dessen Aufgabe sich darauf beschränkt, einen Schiedsrichterassistenten oder den vierten Offiziellen bei Unpässlichkeit zu ersetzen.

Geschichte mini|Vierte Offizielle Inka Müller-Schmäh im UEFA-Women’s-Cup-Finale 2005 bei einer Auswechslung

Für alle am Fußballspiel Beteiligten ist es heute eine Selbstverständlichkeit, dass die Spiele von geprüften neutralen Fußballschiedsrichtern geleitet werden. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts anfing Fußball zu spielen, war das allerdings noch nicht so. In den Anfangsjahren leiteten die Mannschaftsführer beider am Spiel beteiligten Mannschaften das Spiel. Das ging so vor sich, dass der Mannschaftsführer der Mannschaft, deren Spieler gegen die Regel verstieß, das Spiel unterbrach und den Ball für den Stoß durch den Gegner freigab. Erst 1873, nachdem bereits zehn Jahre Fußball gespielt wurde und zehn Jahre nach den ersten Fußballregeln, ist der Begriff des Schiedsrichters in die Regeln aufgenommen worden. Als dabei der Schiedsrichter und zwei Unterschiedsrichter (Umpires) in den Regeln eingeführt wurden, hatte der Schiedsrichter lediglich die Funktion einer Berufungsinstanz. Er saß als Funktionär am Spielfeldrand. Verstieß ein Spieler gegen die Regeln, wurden die Umpires von den Mannschaftsführern angerufen. Nur wenn diese sich nicht einigen konnten, musste der Schiedsrichter entscheiden. Es konnten von da ab nicht mehr die Mannschaftsführer entscheiden; diese Befugnis ging auf die Umpires über. Diese wiederum durften nicht in den Mannschaften spielen. Es stand den Mannschaften aber immer noch frei, sich auf einen Schiedsrichter zu einigen, der gewissermaßen Schlichter gegenüber umstrittenen Entscheidungen der Umpires war. Der Schiedsrichter erhielt die Bezeichnung Referee, die international immer noch gilt. Als dann 1880 der Schiedsrichter in das Regelwerk aufgenommen wurde, trug diese Regel die Nr. 15 und lautete: Im Einvernehmen der an den Spielen beteiligten Mannschaften kann ein Schiedsrichter bestellt werden, dessen Pflicht es sein soll, in allen Streitfällen der Umpires zu entscheiden. Er soll sich über den Verlauf des Spieles Aufzeichnungen machen und auch die Zeit nehmen. Bei ungebührlichem Betragen eines Spielers soll er den oder die schuldigen Spieler in Gegenwart der Umpires verwarnen beziehungsweise bei grob unsportlichem Betragen vom Spiel ausschließen. Der oder die Namen der schuldigen Spieler sind der zuständigen Behörde zu melden, die allein das Recht hat, eine Entscheidung entgegenzunehmen. Der Schiedsrichter war immer noch nicht der alleinige Leiter des Spiels, aber schon die entscheidende Stelle bei Unstimmigkeiten. Den Begriff „neutral“ kannte die Regel nicht. Jeder Schiedsrichter, auf den sich die Mannschaften einigten, war in seinen Entscheidungen unangreifbar.

1889 wurden die Bestimmungen über die Leitung von Spielen neu gefasst und die Rechte der Umpires und der Schiedsrichter genau umrissen. Die Bestimmungen lauteten: Zwei Umpires sind zu bestellen, deren Aufgabe es ist, alle Streitpunkte zu entscheiden, wenn sie dazu aufgerufen werden. Ein Schiedsrichter ist zu bestellen, der alle Streitfälle zwischen den Umpires regelt. Es ist Pflicht des Schiedsrichters, in allen Fällen zu entscheiden, in denen die Umpires nicht übereinstimmen oder wenn ein Umpire keine Entscheidung trifft. Obwohl man dazu nicht verpflichtet war, einigte man sich damals bei entscheidenden Spielen schon auf einen neutralen Schiedsrichter. Die Pflicht, für die Leitung eines Spieles einen Schiedsrichter zu bestimmen, bestand seit 1882, weil sich die Unstimmigkeiten häuften. Den Schiedsrichter als alleinigen Leiter eines Spieles gibt es seit 1890.