mini|hochkant=1.2|Silvester 2010 in Berlin
Als Silvester (regional auch Altjahrstag oder Altjahrestag) wird in einigen europäischen Sprachen der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres im gregorianischen Kalender, bezeichnet. Nach dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche ist dies der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. Auf Silvester folgt der Neujahrstag.
Herkunft mini|hochkant|Reliquiar von Papst Silvester I. in Zadar Das Jahresendfest wurde bereits im Römischen Reich gefeiert, erstmals zu Beginn des Jahres 153 v. Chr., als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde.Dass schon die Römer den Jahresbeginn mit ausschweifenden Festen begingen, bezeugt ein Brief Ciceros (Ad Atticus 16,1,4): Cicero fragt sich, was von den Consuln am 1. Januar zu erwarten wäre, und antwortet selber „Ausschlafen der Räusche!“. Die Feuerfeste am Jahreswechsel gehen auf die Germanen zurück. Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen Silvester (dt. Waldmensch, von Wald) geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres auf den Todestag von Silvester I. († 31. Dezember 335). Der Liturgische Kalender führt den Tag seit 813 auch als dessen Namenstag.
In einigen Gegenden Deutschlands heißt der Tag, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder „das Alte Jahr“, in Österreich (gebietsweise) ebenso wie in Kroatien auch Altjahrstag, in Kroatien ebenso wie in Slowenien als Ausnahme auch Silvestrovo (‚Tag des Silvester‘). Auch im Niederländischen heißt es zumeist Oudejaarsavond, und nur alternativ auch Silvester. Auf Spanisch Nochevieja (wörtlich: alte Nacht) und auf Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch spricht man wie im Englischen vom Neujahrs-(vor-)abend: New Year’s Eve, Nytårsaften, Nyårsafton, Véspera de Ano-Novo. Der 31. Dezember wird in folgenden Sprachen Silvester genannt: Italienisch Notte di San Silvestro, Französisch Réveillon de la Saint-Sylvestre, Polnisch Sylwester, Tschechisch Silvestrovské oslavy, Deutsch Silvester. Laut amtlicher deutscher Rechtschreibung existiert für den letzten Tag des Jahres nur die Schreibweise Silvester mit „i“, anders als für den Vornamen Sylvester/Silvester.
Jahreswechsel und Geografie Der Jahreswechsel beginnt am 1. Januar um 0:00 Uhr an der Datumsgrenze, die sich von Norden nach Süden durch den Pazifischen Ozean in der Nähe des 180. Längengrades erstreckt. Theoretisch würde jede Sekunde nach Westen hin der Jahreswechsel eintreten, da die Ortszeit kontinuierlich fortschreitet. In der Praxis sind jedoch alle Orte der Erde einer Zeitzone zugeordnet, wodurch der Übergang ins neue Jahr in klar definierten Schritten erfolgt. Eine Ausnahme bilden Nord- und Südpol, wo sich alle Standardzeitzonen treffen, so dass keine Zeitzone definiert ist. Die Amundsen-Scott-Südpolstation verwendet jedoch aus praktischen Gründen neuseeländische Zeit.
Ein besonderes Phänomen stellt das Caroline-Atoll dar, das zu den Line Islands von Kiribati gehört. Seit 1995 ist es der Zeitzone UTC+14 zugeordnet, wodurch dort der Jahreswechsel als erstes auf der Welt stattfindet – bereits am 31. Dezember um 11:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ). Dies macht Kiribati zum ersten Land, das das neue Jahr begrüßt. Anschließend durchläuft der Jahreswechsel im Stundentakt alle 24 Zeitzonen sowie einige Sonderzonen, die geringfügig von der vollen Stunde abweichen.
Am Ende dieses globalen Prozesses erreicht der Jahreswechsel die Howlandinsel, ein unbewohntes Atoll im Pazifik, das der Zeitzone UTC-12 zugeordnet ist. Obwohl die Howlandinsel geografisch westlich von Kiribati liegt, ist sie das letzte Territorium, in dem das neue Jahr beginnt. Dies liegt daran, dass sie sich unmittelbar östlich der Datumsgrenze befindet und somit den Jahreswechsel erst nach allen anderen Regionen der Erde erlebt.
Die globale Abfolge des Jahreswechsels verdeutlicht die komplexe Struktur der Zeitzonen und die Bedeutung der Datumsgrenze für die zeitliche Einordnung von Ereignissen. Sie zeigt auch, wie die Geografie und politische Entscheidungen, wie die Anpassung von Zeitzonen, die Wahrnehmung von Zeit und deren Messung beeinflussen können.
Darüber hinaus gibt es weitere interessante Aspekte im Zusammenhang mit dem Jahreswechsel. So feiern einige Inselstaaten und Territorien den Übergang ins neue Jahr mit besonderen Traditionen und Festen, die oft von kulturellen und historischen Einflüssen geprägt sind. Auch die Internationale Datumsgrenze selbst ist nicht starr, sondern wurde im Laufe der Geschichte mehrfach angepasst, um politische und wirtschaftliche Interessen zu berücksichtigen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Verschiebung der Datumsgrenze um Kiribati im Jahr 1995, um das gesamte Land in einer einzigen Zeitzone zu vereinen und den Handel sowie die Kommunikation zu erleichtern.
Diese globalen Unterschiede im Jahreswechsel bieten auch Anlass für Medienberichte und Live-Übertragungen, die den Fortschritt des neuen Jahres rund um die Welt verfolgen. Dabei werden oft spektakuläre Feuerwerke und Feiern in Metropolen wie Sydney, Tokio, Paris und New York City gezeigt, die symbolisch für den Beginn des neuen Jahres stehen.
Feier und Brauchtum mini|hochkant|Silvesterfeuerwerk im Rahmen der Sendung „Willkommen 2026“ in Hamburg (2025) mini|Silvesterkläuse in Urnäsch (2013) Im deutschsprachigen Raum wird am Silvestertag mit einem Guten Rutsch gegrüßt. Der Silvesterabend wird häufig in Gesellschaft begangen. Zum Jahreswechsel um Mitternacht wird meist mit Feuerwerk und Glockengeläut gefeiert. Bei privaten Silvesterfeiern sind Bleigießen (neuerdings Zinn- oder Wachsgießen) sowie das Öffnen einer Flasche Sekt zum Jahreswechsel weit verbreitet. Die Kirchen bieten nächtliche Gottesdienste an.
In der Stadt Schiltach im Schwarzwald besteht der Jahrhunderte alte, ursprünglich kirchliche und in seiner Form einzigartige Brauch des Silvesterzugs.
Im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden halten am 31. Dezember und am 13. Januar (Alter Silvester) die Silvesterchläuse Einzug. Falls der 31. Dezember bzw. 13. Januar auf einen Sonntag fällt, findet das Silvesterchlausen am Samstag statt. Das Silvesterchlausen ist der wohl eindrücklichste Winterbrauch im Appenzellerland. Die Chläuse werden in drei Arten unterschieden: die „Wüeschte“, die „Schöne“ und die „Schöwüeschte“ oder Naturchläuse. Sie treten fast ausschließlich in „Schuppel“ (Gruppen) auf. Schon in der ersten Morgendämmerung des Silvestertages sind viele der Chlausschuppel unterwegs in der nahen Umgebung der Gemeinden, um bei Freunden zu „chlausen“ und zu „zauren“. Wenn die Chlausengruppen in die Dörfer ziehen, hört man sie mit ihren Schellen schon von Weitem.
An Silvesterläufen nehmen tausende von Menschen – oft für einen Spendenobolus – teil. Der weltweit größte Silvesterlauf San Silvestre Vallecana findet mit über 20.000 Teilnehmern in der spanischen Hauptstadt Madrid statt. Der größte deutsche Lauf, der Silvesterlauf von Werl nach Soest, wird auf einem 15 km langen Teilstück der Bundesstraße 1 ausgetragen. Seit fast 25 Jahren nehmen über 8000 Läufer aller Altersklassen für eine gemeinnützige Sache teil. Der Corrida Internacional de São Silvestre, der älteste und zweitgrößte Lauf dieser Art weltweit, startet alljährlich in der brasilianischen Stadt São Paulo mit 13.000 Teilnehmern.
Weitere Bräuche zum neuen Jahr finden sich unter Neujahrsfest.
Christentum Das Kirchenjahr endet im Westlichen Christentum nicht mit dem bürgerlichen Jahreswechsel zu Silvester, sondern bereits vor der Vesper am Vorabend des 1. Adventssonntags, das neue Kirchenjahr beginnt mit dieser Vesper.
Silvester, der 31. Dezember, ist im römisch-katholischen Kirchenkalender ein nicht gebotener Gedenktag zu Ehren des heiligen Papstes Silvester I. und kein kirchlicher Feiertag zum Jahreswechsel. Messfeiern am Abend des Silvestertages werden jedoch als Vorabendmessen zum Oktavtag von Weihnachten, dem Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Januar, gefeiert. Der Jahreswechsel wird in diesen Gottesdiensten in der Regel dankend oder fürbittend erwähnt, beispielsweise durch einen besonderen Segen zum Abschluss und den Gesang des Te Deum, des uralten Lob- und Dankgesangs, meist in der deutschen Fassung „Großer Gott, wir loben dich“. mini|„Von guten Mächten“ (Dietrich Bonhoeffer, 1944/45) Im evangelischen Bereich wird Silvester in vielen Gemeinden auch kirchlich begangen, da der bürgerliche Jahreswechsel einen starken Einfluss auf das Gemeindeleben hat. Wie Julius Smend feststellte: J. Smend: Der evangelische Gottesdienst. Göttingen 1904, S. 136, zitiert nach Andreas Strauch: In der Schar derer, die da feiern: Feste als Gegenstand praktisch-theologischer Reflexion. Vandenhoeck & Ruprecht, 1993, ISBN 3-525-60387-8, S. 98, dort zitiert nach W. Herbst: Evangelischer Gottesdienst. Quellen zu seiner Geschichte. Göttingen 1992, S. 222.
Silvestergottesdienste und Jahresschlussandachten, die am Nachmittag, Abend oder in der Nacht stattfinden, bieten Raum für die Reflexion über Themen wie Vergänglichkeit, Neuanfang, Dank und Bitte. Diese Gottesdienste können musikalisch oder meditativ gestaltet werden. Nach Friedrich Kalb fanden solche Gottesdienste bereits ab 1776 statt, während sie nach Andreas Strauch ab 1836 rechtliche Anerkennung fanden. In evangelischen Gottesdiensten wird am Silvesterabend oft die neue Jahreslosung ausgelegt, und das Thema der vergehenden Zeit steht im Mittelpunkt. Ein bekanntes Lied, das in diesem Zusammenhang gesungen wird, ist Von guten Mächten treu und still umgeben von Dietrich Bonhoeffer.
Argentinien In Argentinien gibt es eine Tradition zum Jahreswechsel, bei der alte Dokumente, die im neuen Jahr nicht mehr benötigt werden, zerrissen und die Papierschnipsel zu Neujahr aus dem Fenster geworfen werden. Dieser Brauch symbolisiert das Zurücklassen des Alten und den Beginn eines neuen Jahres. Er ist insbesondere in städtischen Gebieten wie Buenos Aires oder Córdoba verbreitet.
Diese Praxis ist Teil der vielfältigen Silvesterbräuche in Argentinien, die regional und familiär unterschiedlich ausgeprägt sein können. Neben dem Zerreißen von Dokumenten sind auch andere Rituale verbreitet, wie das Tragen von roter Unterwäsche als Glücksbringer oder das Essen von zwölf Weintrauben um Mitternacht, wobei jede Traube einen Wunsch für einen Monat des neuen Jahres repräsentiert. Diese Bräuche stehen oft im Zusammenhang mit Wünschen für Glück, Wohlstand und einen positiven Neuanfang.
Die Tradition des Dokumentenzerreißens wird nicht von allen Argentiniern praktiziert und kann regional unterschiedlich bewertet werden. In einigen Fällen wird sie kritisch gesehen, beispielsweise aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Umwelt oder der öffentlichen Ordnung. Dennoch ist sie in vielen Teilen des Landes ein fester Bestandteil der Silvesterfeierlichkeiten und wird oft in einer humorvollen und unbeschwerten Weise zelebriert.
Weitere Neujahrsbräuche in Argentinien umfassen das gemeinsame Feiern mit Familie und Freunden, das Anstoßen mit Sekt oder Champagner um Mitternacht sowie das Anzünden von Feuerwerk. Diese Bräuche tragen zur lebendigen und festlichen Atmosphäre bei, die den Jahreswechsel in Argentinien kennzeichnet.
Deutschland DDR mini|hochkant|Silvester 1951; Foto der DDR-Nachrichtenagentur ADN mit Silvesterfeier-Elementen: alkoholischem Getränk (Sekt), Luftschlangen, Lampions, Konfetti, Glückssymbole (vierblättriges Kleeblatt) In den Betrieben der DDR gab es den Begriff des „Plansilvesters“. Das Datum bezeichnete den Zeitpunkt, zu dem der vorgegebene Volkswirtschaftsplan erreicht war. Danach arbeitete man für die variable Jahresendprämie. „Plansilvester“ konnte durchaus schon im November gefeiert werden. Ein so früher Zeitpunkt war heikel – dann wurden die Pläne für das nächste Jahr angepasst. Vorsichtshalber erfüllte man die Pläne erst in der letzten Dezemberdekade, und „Plansilvester“ fiel praktischerweise mit der Weihnachtsfeier zusammen.