Treponema pallidum (von griechisch τρέπειν „drehen“, und νήμα „Garn“; lateinisch pallidus bedeutet „blass“) ist ein schraubenförmig gewundenes Bakterium aus der Familie der Spirochäten. Die Spezies wird in mehrere Subspezies (ssp.) unterteilt, welche für sich jeweils die Krankheiten Syphilis, endemische Syphilis und Framboesie beim Menschen auslösen. Die Übertragung erfolgt nur zwischen Menschen. Es handelt sich um mikroaerophile, schraubenartig oder spiralig gewundene, 5–15 μm lange und 0,1–0,2 μm dicke Mikroorganismen.

Subspezies Derzeit sind drei Unterarten von T. pallidum bekannt: T. pallidum ssp. pallidum: Erreger der Syphilis T. pallidum ssp. endemicum: Erreger der endemischen Syphilis (Bejel) T. pallidum ssp. pertenue: Erreger der Framboesie

Treponema carateum, der Erreger der Pinta,Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchelehre, Mayr/Rolle, Thieme, 8. Auflage, Seite 394. wird als eigene Subspezies klassifiziert.

Die Erreger sind morphologisch und serologisch nicht voneinander zu unterscheiden. Genetische Unterschiede bestehen lediglich zwischen der venerisch übertragbaren Subspezies T. p. palldium und den nichtvenerisch übertragenen Subspezies (T. p. endemicum, T. p. pertenue, T. carateum). Die nichtvenerischen Treponemenspezies unterscheiden sich untereinander aus genetischer Sicht nicht.

Eigenschaften Das Bakterium ist 5–15 µm lang und 0,2 µm breit, besitzt 10–20 Windungen und kann sich durch Rotation um seine Längsachse fortbewegen. Aufgrund der feinen Struktur ist die Darstellung mit Färbungen in der Mikroskopie schwer möglich. Die Methode der Dunkelfeldmikroskopie lässt aber Lebendbeobachtungen zu. Die kulturelle Anzucht ist bislang nur in Kaninchenhoden gelungen.

Geschichte

Nachdem jahrelang vergeblich nach dem Erreger der Syphilis gefahndet wurde, gelang Fritz Schaudinn und Erich Hoffmann an der Berliner Charité 1905 der erste mikroskopische Nachweis der Syphilisspirochäten und damit die Entdeckung der Ursache der Syphilis.Vgl. Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 56. (Der Artname des Syphilis-Erregers war früher Spirochaeta pallida). Serologisch wurde die Syphilis dann durch den Wassermann-Test nachweisbar.Paul Mulzer: Praktische Anleitung zur Syphilisdiagnose auf biologischem Wege (Spirochäten-Nachweis, Wassermannsche Reaktion). Berlin 1910. Durch Noguchi HideyoJ. G. Sleeswijk: Die Serodiagnostik der Syphilis nach Noguchi. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 36, 1910, S. 1213–1215. gelang später der Nachweis des Bakteriums im Hirn von Patienten, die unter Wahnsinn und Paresen litten, wodurch der Zusammenhang der verschiedenen Stadien der Syphiliserkrankung hergestellt wurde.

Nachweis des Erregers Direkter Nachweis der Bakterien Ein mikroskopischer Nachweis der Bakterien im Blut ist unsicher. Der Erreger wird beim Primärstadium der Syphilis direkt aus dem gewonnenen Sekret des Primäraffekts (Ulcus durum) gewonnen. Im Sekundärstadium kann das Sekret, welches im Dunkelfeldmikroskop untersucht wird, auch aus einem Condyloma latum gewonnen werden.

Nachweis von Antikörpern Ein serologischer Bluttest kann die spezifisch und empfindlich gegen Treponema pallidum gerichteten Antikörper, ausfindig machen. Die Antikörper werden durch TPHA-Test (Treponema pallidum Hämagglutinationstest) FTA-Abs-Test (Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest) oder Treponema pallidum-Western Blot (für Treponemenantigene p15, p17, p44,5 und p47) nachgewiesen.

Meldepflicht In Deutschland ist der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum nach Absatz 3 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) nichtnamentlich meldepflichtig. Die Meldepflicht betrifft in erster Linie die Leitungen von Laboren ( IfSG).

In der Schweiz ist der positive laboranalytische Befund zu Treponema pallidum für Laboratorien meldepflichtig und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

Behandlung Treponema-Bakterien können mit hochdosierten Antibiotika bekämpft werden, z. B. Penicillin G, oder bei Allergien Cephalosporine der 3. Generation, Makrolide oder Tetracycline. Weiteres findet sich im Artikel Syphilis. Im Übrigen sind die Bakterien relativ hitzeempfindlich und werden in vitro inaktiviert nach 5 Stunden bei 39 °C, nach 3 Stunden bei 40 °C und nach 2 Stunden bei 41 °C. United States National Library of Medicine: Studies on the physiological effects of fever temperatures. The thermal death time of Treponema Pallidum in vitro with special reference to fever temperatures. Es wird daher angenommen, dass therapeutisch induziertes Fieber nützlich sein könnte bei der Behandlung.

Literatur Curt Magerstedt: Ein Beitrag zur Morphologie der Syphilisspirochäte. In: Arch. Dermatol. Syph. Band 185, 1943/1944, S. 272–280. Birgit Adam: Die Strafe der Venus. Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. Orbis, München 2001, ISBN 3-572-01268-6, S. 17–21.

Einzelnachweise

Kategorie:Meldepflichtiger Erreger Kategorie:Spirochäten Kategorie:Spirochaetes Kategorie:Bakterium mit sequenziertem Genom Kategorie:Syphilis