links|mini|283x283px|Das Ried und Eriskirch aus einem Zeppelin gesehen Das Eriskircher Ried ist ein mit Verordnung vom 8. Juli 1939 sowie Erweiterung und Neuverordnung vom 10. Oktober 1983 des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr und des Regierungspräsidiums Tübingen ausgewiesenes Naturschutzgebiet (NSG-Nummer 4.020) im Gebiet der Gemeinde Eriskirch und der Stadt Friedrichshafen. Es ist das größte Naturschutzgebiet am nördlichen Ufer des Bodensees.

Zum Teil ist das Schutzgebiet identisch mit den ebenfalls ausgewiesenen FFH-Gebieten „Bodenseeuferlandschaft östlich Friedrichshafen“ (SG-Nr. 8423341), „Schussenbecken und Schmalegger Tobel“ (SG-Nr. 8323341) und dem Europäischen Vogelschutzgebiet „Eriskircher Ried“ (SG-Nr. 8323-401).

Lage Das rund 552 Hektar (ha) große Naturschutzgebiet Eriskircher Ried liegt zwischen der Rotach- und der Schussenmündung in den Bodensee, westlich und südlich von Eriskirch und östlich von Friedrichshafen, im baden-württembergischen Bodenseekreis in Deutschland.

Schutzzweck Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des einzigartigen Naturraumes zwischen der Schussen- und Rotachmündung mit der ausgedehnten Flachwasserzone des Bodensees, den Schilfbereichen, den Riedflächen, den Altwassern und den von Kultur geprägten Landschaftselementen als besonders naturnaher Brut-, Rast- und Nahrungsraum für viele seltene, zum Teil vom Aussterben bedrohte Wasservögel, Insekten, Fische, Amphibien und Reptilien, mit einer artenreichen Vegetation, insbesondere einer vielfältigen, besonders reichhaltigen typischen Flachmoorflora mit zum Teil vom Aussterben bedrohten Arten.Verordnung des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr und des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Eriskircher Ried« vom 10. Oktober 1983 (GBl. v. 23. Dezember 1983, S. 804)

Geologie In der Würm-Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren prägte der Rhein-Vorlandgletscher die Landschaft des heutigen Bodensees. Sedimente des Sees und der Flüsse, die sich seit der letzten Eiszeit ablagerten, bilden den Untergrund des Rieds; an einigen Stellen steht Moränenmaterial an.

Lebensräume Vor allem von der Höhenlage über dem Mittelwasser des Bodensees und der damit verbundenen unterschiedlich langen Überflutung bei Hochwasser ist die Verteilung verschiedener Pflanzen- und Tiergesellschaften des Eriskircher Rieds geprägt. Heute unterscheidet man vier Lebensräume. Die Altwasser Schussen und Rotach flossen von Natur aus nicht im geraden Verlauf zum Bodensee, sondern bildeten zahlreiche Flussschlingen. Diese wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von den Menschen begradigt und bei der Schussen von dieser abgeschnitten. Es entstanden die sogenannten Still- bzw. Altwasser. Die Schussen mit den Auenwäldern Auwälder sind azonale Waldgesellschaften, die von Überschwemmungen und hohen Grundwasserpegeln stark beeinflusst werden. Die Streuwiesen Streuwiesen zählen heute zu den wertvollsten Biotopen. Die seenahen Wiesen im Eriskircher Ried werden fast jedes Jahr wochenlang überflutet, so dass sie nicht als Futterwiesen genutzt werden konnten; sie wurden im Winterhalbjahr gemäht, und das Mahdgut fand als Einstreu (hiervon leitet sich der Name „Streuwiese“ ab) in Ställen Verwendung. Den Uferbereich mit Flachwasserzone Die im Sommer überschwemmten, sehr flachen und bis zu einem Kilometer weit hinaus fallenden Schilf- und Röhrichtbestände sind die Kinderstube von Fischen und Wasservögeln. Nährstoffe, Licht und Wärme fördern hier das pflanzliche Wachstum, so dass diese Flachwasserzone der produktivste Bereich des ganzen Sees ist. Bei Niedrigwasser treten große Schlammflächen zutage, die wertvolle Rastplätze für Brach- und andere Watvögel sind.

Flora und Fauna Flora Im Eriskircher Ried sind etwa 650 Pflanzenarten nachgewiesen. Aus der schützenswerten Flora sind folgende Arten zu nennen (Auswahl):NatZ – Unterwegs im Naturschutzgebiet "Eriskircher Ried"; Stiftung "Naturschutzzentrum Eriskirch; 2008 Amaryllisgewächse (5) Duft-Lauch (Allium ramosum), auch Wohlriechender Lauch Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum), auch Märzenbecher, Märzbecher oder Großes Schneeglöckchen genannt Kiel-Lauch (Allium carinatum), auch Gekielter Lauch Kanten-Lauch (Allium angulosum) Schnittlauch (Allium schoenoprasum), auch Gras-, Binsen-, Brislauch, Jakobszwiebel, Schnitt-Lauch oder Schnittling genannt Araliengewächse Gewöhnlicher Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris) Aronstabgewächse Dreifurchige Wasserlinse (Lemna trisulca) Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) Balsaminengewächse Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), auch Indisches Springkraut genannt Bärlappgewächse Gewöhnlicher Sumpf-Bärlapp oder Moorbärlapp (Lycopodiella inundata) Binsengewächse Alpen-Binse oder Gebirgs-Binse (Juncus alpinus, Synonym: Juncus alpinoarticulatus) Birkengewächse Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Braunwurzgewächse (2) Blasser Gauchheil-Ehrenpreis (Veronica catenata) Windblumen-Königskerze (Verbascum phlomoides) Buchengewächse Stieleiche (Quercus robur), auch Sommereiche oder Deutsche Eiche genannt Doldenblütler (6) Kriechender Sellerie (Apium repens) Kümmelblättrige Silge (Selinum carvifolia) Wasserschierling (Cicuta virosa), eines der giftigsten Doldengewächse Gewöhnliche Wiesensilge (Silaum silaus) Großer Wasserfenchel (Oenanthe aquatica), auch als Wasser-Rebendolde bekannt Sumpf-Haarstrang oder Ölsenich (Peucedanum palustre) Dreizackgewächse Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre) mini|Kleines Tausendgüldenkraut(Centaurium pulchellum) Enziangewächse (2) Kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum), heißt auch Zierliches Tausendgüldenkraut Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) Fieberkleegewächse Fieberklee oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata) Froschbissgewächse Europäischer Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) Froschlöffelgewächse Gewöhnliches Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), auch als Pfeilblatt bezeichnet Fuchsschwanzgewächse Graugrüner Gänsefuß (Chenopodium glaucum) Germergewächse Einbeere (Paris quadrifolia), eine giftige Pflanzenart, auch Vierblättrige Einbeere genannt Glockenblumengewächse Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) Hahnenfußgewächse (9) Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium), auch Amstelraute genannt Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula) Schmalblättrige Wiesenraute (Thalictrum simplex) Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) Haarblättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus trichophyllus), auch Haarblättriger Hahnenfuß genannt Trollblume (Trollius europaeus), auch Goldköpfchen, Butterblume, Butterkugel (Ankenbollen) oder Kugelranunkel Wald-Hahnenfuß (Ranunculus nemorosus), auch Hain-Hahnenfuß genannt Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua), auch Großer Hahnenfuß Hanfgewächse Wilder Hopfen Hülsenfrüchtler (8) Berg-Klee (Trifolium montanum) Blassgelber Klee (Trifolium ochroleucon) Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria), auch Gemeiner Wundklee Erdbeer-Klee (Trifolium fragiferum), auch Himbeer-Klee genannt Hoher Steinklee (Melilotus altissimus) Sumpf-Hornklee (Lotus pedunculatus) Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris) Viersamige Wicke (Vicia tetrasperma) Hundsgiftgewächse Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) Igelkolbengewächse Ästiger Igelkolben (Sparganium erectum), auch Aufrechter Igelkolben genannt Unbeachteter Igelkolben (Sparganium erectum subsp. neglectum) Johanniskrautgewächse Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Kardengewächse (3) Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis), auch einfach Abbiss, Teufelwurz oder Teufelsbiss genannt Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), auch als Tauben-Grindkraut bezeichnet Wilde Karde oder Wilde Kardendistel (Dipsacus fullonum) Knöterichgewächse (3) Fluss-Ampfer (Rumex hydrolapathum), auch Teich- oder Riesen-Ampfer genannt Ufer-Ampfer oder Strand-Ampfer (Rumex maritimus) Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia) Korbblütler (15) Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare) Färber-Scharte (Serratula tinctoria) Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica), im Volksmund unter den Namen Ruhrwurz oder Ruhr-Flohkraut bekannt Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) Nickender Zweizahn (Bidens cernua) Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) Raukenblättriges Greiskraut (Senecio erucifolius), auch Raukenblättriges Kreuzkraut Strahliger Zweizahn oder Strahlender Zweizahn (Bidens radiata) Sumpf-Löwenzahn (Taraxacum sectio Palustria) Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum) Sumpf-Schafgarbe oder Bertram-Schafgarbe (Achillea ptarmica) Sumpf-Greiskraut (Senecio paludosus) Wasser-Greiskraut, auch Wasser-Kreuzkraut (Senecio aquaticus) Weidenblättriger Alant (Inula salicina), auch Weiden-Alant Kreuzblütengewächse (5) Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale) Französische Hundsrauke (Erucastrum gallicum) Gewöhnliche Sumpfkresse (Rorippa palustris) Mauer-Doppelsame (Diplotaxis muralis), auch Acker-Doppelrauke oder Mauersenf genannt Stumpfkantige Hundsrauke oder Brunnenkressenblättrige Hundsrauke (Erucastrum nasturtiifolium) Kreuzblumengewächse (2) Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris) Sumpf-Kreuzblume (Polygala amarella) Laichkrautgewächse (5) Durchwachsenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus) Fischkraut oder Dichtes Laichkraut (Groenlandia densa) Flutendes Laichkraut (Potamogeton nodosus) Schmalblättriges Laichkraut (Potamogeton x angustifolius) Spiegelndes Laichkraut (Potamogeton lucens) Lippenblütler Weichhaariger Hohlzahn (Galeopsis pubescens) Sumpf-Ziest (Stachys palustris) Moschuskrautgewächse Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus), auch Gemeiner Schneeball Myrsinengewächse Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) Natternzungengewächse (2) Echte Mondraute (Botrychium lunaria) Gewöhnliche Natternzunge (Ophioglossum vulgatum) Nelkengewächse Bach-Sternmiere (Stellaria alsine), auch Quell-Sternmiere genannt Orchideen (15) Coeloglossum Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) Drehwurzen Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis), auch als Sommerwendelorchis oder Sommerwendelähre bezeichnet Glanzkraut Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii), auch unter dem Namen Torf-Glanzkraut, Glanzstendel oder der älteren Bezeichnung Glanzorchis bekannt Händelwurzen Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), auch Langsporn-Händelwurz, Fliegen-Händelwurz oder Große Händelwurz genannt Honigorchis Einknollige Honigorchis (Herminium monorchis) Knabenkräuter Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata) Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), oft auch als Breitblättrige Fingerwurz bezeichnet Fleischfarbenes Knabenkraut oder Fleischrotes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), seltener auch Steifblättriges Knabenkraut genannt Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) Kleines Knabenkraut (Orchis morio), auch als Salep-Knabenkraut oder Narrenkappe bezeichnet Strohgelbes Knabenkraut oder Bleichgelbes Knabenkraut (Dactylorhiza ochroleuca) Netzblatt Kriechendes Netzblatt (Goodyera repens), die einzige immergrüne Pflanzenart aus der Familie der Orchideen im deutschsprachigen Raum Ragwurzen Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) Stendelwurzen Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), auch Weiße Sumpfwurz, Echte Sumpfwurz oder Sumpf-Sitter Waldhyazinthen Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), auch Weiße Waldhyazinthe Weichorchis Sumpf-Weichorchis (Hammarbya paludosa) (?) Primelgewächse (3) Echte Schlüsselblume (Primula veris), auch Wiesen-Primel oder Himmelschlüssel Mehlprimel (Primula farinosa), auch Mehlige Schlüsselblume Straußblütiger Gilbweiderich (Lysimachia thyrsiflora) Raublattgewächse Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri), wohl ausgestorben Rötegewächse Hohes Labkraut (Galium elongatum), oft auch als Hohes Sumpf-Labkraut bezeichnet Nordisches Labkraut (Galium boreale) Rosengewächse (5) Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) Holzapfel (Malus sylvestris), auch als Europäischer Wildapfel bezeichnet