Die Präfektur Kavala () war bis 2010 die östlichste Präfektur der griechischen Region Makedonien. Zusammen mit Drama und Xanthi bildete sie zuletzt als Präfekturgebiet (gr. nomarchiako diamerisma) bis 2010 die Überpräfektur Drama-Kavala-Xanthi. Mit der Verwaltungsreform 2010 wurde die Präfektur aufgelöst und existiert in Form von zwei Regionalbezirken (Ez. gr. periferiaki enotita) der Region Ostmakedonien und Thrakien, nämlich Kavala (dem Festlandsgebiet der bisherigen Präfektur) und Thasos weiter, die jedoch abgesehen von der Sitzzuteilung im Regionalrat keine politische Bedeutung haben. Die Zahl der Gemeinden des Präfekturgebiets wurde gleichzeitig durch Zusammenlegungen auf vier reduziert.

Geografie Geografische Lage Das Gebiet der Präfektur besteht aus einem bis zu rund 20 Kilometer breiten Küstenstreifen der nördlichen Ägäis zwischen der Mündung des Strymonas im Westen und dem Unterlauf des Nestos östlich. Es umschließt die Bucht von Kavala, vor der die Insel Thasos liegt, die wie das kleinere Thasopoula ebenfalls zur Präfektur gehörte. Das Massiv des Pangeo im Westen bildet die Grenze zur ehemaligen Präfektur Serres, im Norden grenzte Kavala an die Präfektur Drama, der Strymonas im Osten bildet die Grenze zum historischen Thrakien mit der ehemaligen Präfektur Xanthi.

Neben dem Pangeo, dessen Gipfel mit 1.926 m Höhe den höchsten Punkt der Präfektur bildet, ist das Gebiet der Präfektur durch die südlichen Ausläufer der griechischen Rhodopen geprägt, die bis an die Küste heranreichen. Westlich der Hauptstadt Kavala befindet sich die Kette des Symvolo (1.298 m), nördlich der Hauptstadt erheben sich die Lekani-Berge, auch die Insel Thasos ist gebirgig und steigt bis auf 1.206 m Höhe an. Im Nordwesten hat die Präfektur Anteil an der Ebene von Drama, im Osten ist die rechtsseitige Mündungsebene des Nestos, dessen Schwemmland eine Halbinsel in der Nordägäis gebildet hat, das größte Flachland der Präfektur.

Geologie Wie das übrige Griechenland auch ist das Gebiet der Präfektur Kavala Ort von Verwerfungen mit der erheblichen Gefahr von Erdbeben. Innerhalb des Gebiets verlaufen mehrere Verwerfungen: anteilig die 120 km lange Kavala-Xanthi-Komotini-Verwerfung im Zentrum und Osten der Präfektur und die 10 km lange Ofrinio-Galipsos-Verwerfung im Westen der Präfektur.A. H. F. Robertson, Demosthenis Mountrakis: Tectonic Development of the Eastern Mediterranean Region. Geological Society of London, 22006, ISBN 978-1-86239-198-7 (google.com)

Gemeinden (1997–2010) mini

Nr. Gemeinde Fläche (km²) Einw. Sitz Einw. Dörfer (Ew.) 1 Kavala (Καβάλα) 112,599 63.293 Kavala 58.663 Nea Karvali (2.244)Paleo Tsifliki (1.848) 2 Eleftheroupoli (Ελευθερούπολη) 125,632 11.401 Eleftheroupoli 4.898 Kokkinochoma (1.746)Amisiana (1.122) 3 Eleftheres (Ελευθερές) 150,555 7.376 Nea Peramos (Νέα Πέραμος) 2.468 Eleftheres (1.325)Eleochori (1.126) 4 Thasos (Θάσος) 380,097 13.765 Limenas Thasou 3.130 Limenaria (2.441)Potamia (1.216)Prinos (1.185) 5 Keramoti (Κεραμωτή) 115,095 6.039 Keramoti 1.228 Nea Karya (1.734)Agiasma (1.158)Piges (1.036) 6 Orino (Ορεινό) 318,555 1.769 Lekani (Λεκάνη) 608 7 Orfani (Ορφάνι) 200,862 5.140 Galipsos (Γαληψός) 433 8 Pangeo (Παγγαίο) 79,634 4.764 Nikisiani (Νικήσιανη) 2.451 Paleochori (1.607) 9 Pieris (Πιερείς) 144,744 5.002 Moustheni (Μουσθένη) 1.075 10 Filippi (Φίλιπποι) 238,751 10.827 Krinides (Κρηνίδες) 3.295 Amygdaleonas (1.697)Zygos (1.485) 11 Chrysoupoli (Χρυσούπολη) 245,181 15.678 Chrysoupoli 8.004 Chrysochori (1.793)

Klima Das Klima in der Region ist hauptsächlich kontinental mit kalten Wintern in den höher gelegenen Gebieten.

Geschichte Die Hauptstadt und wichtigste Siedlung der Präfektur Kavala, die gleichnamige Stadt Kavala, wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. durch Siedler der Insel Thasos als Neapolis gegründet. Sie war Bestandteil der Thasischen Peraia, welche neben Neapolis auch weitere Siedlungen an der Küste des Ägäischen Meeres umfasste.Andreas Neumeier, Peter Kanzler: Nord- und Mittelgriechenland. Michael Müller Verlag, S. 392 ff. Im 6. Jahrhundert v. Chr. gründen Siedler der Insel Thasos die Siedlung Krinides, um die dortige Ebene landwirtschaftlich zu nutzen und vielmehr noch die angrenzenden Goldminen auszubeuten. Krinides prosperierte insbesondere durch den Bergbau und wurde zum Ziel der Eroberungen des makedonischen Königs Philipp II. (Makedonien). Dieser benannte die Stadt nach erfolgter Eroberung in Philippi um.

Der makedonische König Philipp II. eroberte das Gebiet der Präfektur Kavala um 350 v. Chr. und verleibte es dem Makedonischen Königreich ein. Die makedonische Herrschaft konnte sich im Gebiet der heutigen Präfektur bis zur endgültigen Niederlage Makedoniens gegen das Römische Reich im Dritten/Fünften Makedonisch-Römischen Krieg 168 v. Chr. halten. Anschließend wurde das Gebiet der heutigen Präfektur Bestandteil des Römischen Reiches und Teil einer römischen Provinz.

42 v. Chr. wird die heutige Präfektur Kavala Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des Kampfes um die politische Vorherrschaft im Römischen Reich. Der römische Feldherr Octavian (und späterer Kaiser Augustus) setzt sich in Philippi gegen die Feldherren Cassius und Brutus durch.Andreas Neumeier, Peter Kanzler: Nord- und Mittelgriechenland. Michael Müller Verlag, S. 399. 50 n. Chr. kommt der Apostel Paulus nach Philippi und gründet dort die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden.Andreas Neumeier, Peter Kanzler: Nord- und Mittelgriechenland. Michael Müller Verlag, S. 399. Die entsprechenden Briefe von Paulus an die Gemeinde fanden Eingang in die Bibel als sogenannte Philipper-Briefe. Zur Zeit des Aufenthalts von Paulus soll die Stadt Philippi eine Einwohnerzahl von 25.000 gehabt haben.

Mit der Reichsteilung 395 n. Chr. fiel das Gebiet der heutigen Präfektur Kavala an das Byzantinische Reich. 475 n. Chr. verwüsteten Goten das Gebiet der heutigen Präfektur, vor allem die damals dominante Stadt Philippi. Die Byzantiner konnten bis zum 10. Jahrhundert das Gebiet effektiv kontrollieren. Unter byzantinischer Herrschaft wurde die heutige Stadt Kavala als Christopolis bezeichnet.

Ab dem 10. Jahrhundert verloren die Byzantiner zeitweilig die Kontrolle, zunächst wiederholt an die nördlich angrenzenden Bulgaren. 1204 fiel die heutige Präfektur Kavala an das Königreich Thessaloniki, einem nach der Eroberung von Konstantinopel entstandenen Kreuzfahrerstaat. Dieser konnte seine Oberhoheit nur wenige Jahre halten und verlor die Kontrolle über das Gebiet an das bulgarische Reich. Letzteres musste ab der Mitte des 13. Jahrhunderts das Gebiet dem wiedererstarkenden Byzantinischen Reich überlassen. Dessen Wiedererstarkung reichte jedoch nicht für eine dauerhafte Herrschaft: Der serbische König Stefan IV. Uros Dusan eroberte 1345 das Gebiet.John V. A. Fine (jr.), John Van Antwerp Fine: The Late Medieval Balkans. University of Michigan Press, 1994. ISBN 978-0-472-08260-5, S. 306 (google.com) Dessen frühzeitiger Tod und das nachfolgende Machtvakuum begünstigten die Eroberung des Gebiets durch das Osmanische Reich Ende des 14. Jahrhunderts. 1380 fiel die damals und heute wichtigste Stadt der heutigen Präfektur Kavala an das Osmanische Reich.Andreas Neumeier, Peter Kanzler: Nord- und Mittelgriechenland. Michael Müller Verlag, S. 392 ff.

Das Osmanische Reich beherrschte das Gebiet bis zum ersten Balkankrieg als Teil Rumeliens. Unter der osmanischen Herrschaft entwickelte sich die Stadt Kavala zu einem wichtigen Handels- und Verkehrsknotenpunkt.Andreas Neumeier, Peter Kanzler: Nord- und Mittelgriechenland. Michael Müller Verlag, S. 392 ff. 1910 wurden über den Hafen von Kavala Waren im Wert von 42 Mio. Franc exportiert; dem standen Importe im Wert von 12,5 Mio. Franc gegenüber.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 238. Knapp zwei Drittel der Tabakjahresernte von 1910 wurden über Kavala exportiert.

Nach dem ersten Balkankrieg 1912 fiel das Gebiet der heutigen Präfektur Kavala vom Osmanischen Reich an Bulgarien.Richard C. Hall: The Balkan Wars 1912–1913. A prelude to First World War. Routledge, New York 2000, ISBN 0-415-22946-4, S. 124. Im Zweiten Balkankrieg gelang der griechischen Marine am 10. Juli 1913 die Einnahme der Stadt Kavala.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 59. Die bulgarische Niederlage im Zweiten Balkankrieg und die nachfolgenden Friedensverhandlungen in Bukarest führten zum Verbleib der Stadt und des Hinterlandes unter griechischer Kontrolle. Bei den Friedensverhandlungen nach dem Zweiten Balkankrieg in Bukarest bleibt der Besitz der Stadt Kavala und ihres Hinterlandes erbittertes Streitthema zwischen Griechenland und Bulgarien andererseits.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 64. In der sogenannten „Kavala-Frage“ kristallisierten sich Gegensätze der lokalen Kontrahenten wie auch der europäischen Großmächte: Deutschland bevorzugte eine griechische Herrschaft über Kavala, Russland unterstützte Bulgarien in seinem Bestreben nach einem Hafen an der Ägäis-Küste. Österreich-Ungarn unterstützte Russlands und Bulgariens Haltung. Frankreich unterstützte die griechische Haltung. Rumänien ebenfalls.

Im Rahmen der Konsolidierung der griechischen Herrschaft nach dem Zweiten Balkankrieg wurden Kavala und sein Umland der neu geschaffenen Präfektur Drama in der Provinz (Generalgouvernement) Makedonien zugeordnet (per königlichem Dekret vom 31. März 1915).Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 221–222. Am 29. November 1913 wurde Kavalla Divisionsstandort der griechischen Armee.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 227.

Die Stadt Kavala war auch Kondensationspunkt des Exodus der türkischen Bevölkerung der heutigen Präfektur sowie deren Hinterland: bis zum Februar 1914 hatten 40.000 türkische Flüchtlinge das heutige Griechenland über den Hafen von Kavala verlassen.Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 258.

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) fanden auf dem Gebiet der Präfektur Kavala heftige Kämpfe zwischen dem auf Seiten der Mittelmächte stehenden Bulgarien einerseits und alliierten Truppen andererseits statt. Griechische Truppen verhielten sich infolge des Konfliktes um die Teilnahme Griechenlands am Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente zunächst neutral und räumten das Gebiet der Präfektur bzw. verteidigten es nicht gegen die vorrückenden bulgarischen Truppen. Nach dem Fall von Serres am 19. August 1916 fielen Drama und Kavala zeitgleich am 18. September 1916 an die Truppen der Mittelmächte.Spencer Tucker, Laura Matysek Wood, Justin D. Murphy: The European Powers in the First World War.