Wendischbora ist ein Gemeindeteil der sächsischen Stadt Nossen im Landkreis Meißen. mini|hochkant|Torhaus des Rittergutes.

Geografie Wendischbora liegt etwa 4,5 Kilometer nordöstlich von Nossen in der Mitte Sachsens. Durch Wendischbora fließt der Reißigbach. Durch den Ort führt in Süd-Nord-Richtung die Bundesstraße 101 Freiberg–Meißen. Südwestlich des Ortes verläuft die Bundesautobahn 14, die nächstgelegene Anschlussstelle ist Nossen-Ost.

Nachbarorte von Wendischbora sind Gohla im Norden, Katzenberg und Wunschwitz im Nordosten, Mahlitzsch im Osten, Mergenthal und Deutschenbora im Südosten, Eula im Süden, Nossen im Südwesten, Gruna im Westen sowie Ilkendorf im Nordwesten.

Geschichte mini|hochkant|Wendischbora auf einer Karte von Hermann Oberreit (vor 1843). mini|hochkant|Schlussstein über dem Hausportal mit einem Teil des von Wöhrmannschen Wappens (2007). Wendischbora ist ein platzartiges Reihendorf mit Gutsblock- und Streifenflur.Karlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Neuausgabe, Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 113.Die erste belegte Ortsnamenform datiert von 1334 als Bor slavicum. 1354 schreibt man Wyndyschin Boyr.Vgl. Die Ortsnamen legen nahe, dass das Dorf vollständig oder teilweise von Sorben gegründet und/oder bewohnt wurde. Die waldhufenähnliche Streifenflur lässt deutschen Einfluss vermuten. mini|hochkant=0.4|links|Lehnherr: Generalmajor Thimo Albrecht von Preuss († 1723). Wendischbora befand sich bereits 1301 im Besitz des Ritters Dietrich von Bora und wurde 1372 erstmals schriftlich als Rittersitz nachgewiesen.Schloss Wendischbora auf Sachsens-Schlösser.de, abgerufen am 1. Oktober 2013. Der Rittersitz gelangte in der Mitte des 14. Jahrhunderts für lange Zeit an die Familie von Maltitz, wurde 1551 als Rittergut erwähnt und ging 1612 an die Familie von Schleinitz über. 1651 übernahm Heinrich von Ende das Rittergut Wendischbora, verstarb aber noch im gleichen Jahr. Das gleiche Schicksal ereilte den ersten örtlichen Vertreter des alten sächsischen Adelsgeschlechts von Preuß, Thim Albrecht Preuß. Die Preuß trugen teils das v. nicht, auch weil dies schon im alten Adel nicht immer obligat war. Thim Albrecht Preuß hatte das Rittergut 1664 erworben und starb ebenfalls noch im selben Jahr. 1662 grassiert im Ort die Pest. Weitere Gutsherren waren u. a. Georg Heinrich von Preuß († 1677) und dann sein Sohn aus zweiter Ehe, der Generalmajor Thimo Albrecht von Preuß († 20. August 1723 in Dresden), der in Wendischbora beerdigt wurde.Johannes Georg Zirschke: Zuverläßige Beschreibung der Hohen Generalität oder ausführliche Nachrichten von den Hohen Kriegsbedienten, welche seit dem Jahre 1680 (.) dem Hause Sachsen Albertinische Linie, gedientet. Band 2-Fortsetzung 1, Cap. IV. Generalmajors. Fickelschererischen Schriften, Görlitz 1756, S. 298. Von 1733 bis 1760 besaß Heinrich August (von) Preuß die Rechte und Pflichten eines Gutseigentümers. Spätere Nachfolgebesitzer wurde die Familie von Bomsdorff, die Wendischbora 1800 an Heinrich Friedrich August von Röder verkaufte.

August Schumann nennt 1825 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Wendischbora betreffend u. a.:

1833 brannten Rittergut mit Schloss sowie die im Gelände befindliche Kirche nieder, letztere wurde bis 1834 an anderem Standort neu errichtet., abgerufen am 19. Januar 2012.Der Ort Wendischbora, abgerufen am 19. Januar 2012. 1863 wütete wieder ein Großfeuer im Ort, wovon 7 Gehöfte betroffen waren.

1835 gingen Rittergut und Schloss an Henriette Ernestine von Feilitzsch, die den Wiederaufbau veranlasste. Nach ihrem Tod 1851 ging der Besitz an die Familie von Wöhrmann, vertreten durch den Politiker Christian Heinrich von Wöhrmann, die 1890 weiter als Besitzer aufgeführt war. Um 1910 betrieb die Familie von Wöhrmann das Gut nicht selbst, es war verpachtet. Nur 16 ha für den Eigenbedarf wurden genutzt. mini|hochkant|Schloss Wendischbora 2014.

Die Familie von Schwerdtner kam in den Besitz durch Heirat der Anna Freiin von Wöhrmann (1857–1934) mit dem Kammerherrn und Rittmeister Gabriel Heinrich von Schwerdtner. Ihr Sohn Friedrich Leo von Schwerdtner, Oberstleutnant z. V. und Rechtsritter des Johanniterordens, war der letzte Besitzer von Schloss Wendischbora mit 250 ha Gutsfläche, der zweite Sohn Fritz Leo von Schwerdtner (1911–1939) blieb als Offizier im Krieg. Sein Vater übernahm die Besitzung 1930 und wurde 1945 enteignet. Zu DDR-Zeiten diente das Schloss als Kindergarten und Wohnhaus. 2013 kaufte die holländische, in Tschechien wohnende Familie Ramp das ruinöse, leerstehende Schloss mit Park. Innerhalb von 6 Monaten wurde es entkernt und nach dem Originalentwurf von 1833 des italienisch inspirierten Architekten Hans Woldemar Herrman renoviert. Die heutigen Weinkeller gehen auf das Jahr 1300 zurück.

1935 wurde Mahlitzsch eingemeindet, 1936 kam durch Umgliederung der bisher zur Landgemeinde Gohla gehörende Ortsteil Neugohla zur Gemeinde Wendischbora. Durch im Zuge der Germanisierung von Ortsnamen unter nationalsozialistischer Herrschaft trug Wendischbora ab dem 1. November 1937 den Namen „Altenbora“, 1949 wurde dies wieder rückgängig gemacht., abgerufen am 19. Januar 2012.

Zum 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Wendischbora in die Gemeinde Heynitz eingegliedert. Letztere wurde am 1. Januar 2003 in die Stadt Nossen eingegliedert, womit es seitdem ein Gemeindeteil von Nossen ist., S. 1. (PDF; 13 kB), Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 19. Januar 2012.

Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl1547/51 11 besessene Mann, 9 Häusler, 22 Inwohner, 15 ½ Hufen1764 12 besessene Mann, 3 Wüstungen, 15 Häusler, 9 ½ Hufen1834 2641871 352 Jahr Einwohnerzahl1890 3611910 3531925 34319391 429 Jahr Einwohnerzahl1946 7031950 6731964 5672019 370

mini|Kirche Wendischbora Kirche Wendischbora Einem Großbrand infolge Blitzschlag im Rittergutsgelände am 16. Februar 1833 fiel auch die damalige Kirche zum Opfer. Da der Kirchbau bereits 1632 durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen wurde, wählte man einen neuen, etwas abseits des Ortes gelegenen Standort auf dem Schäferfeld des Rittergutes. Grund und Boden erwarb die Kirchgemeinde durch Gebietstausch mit dem Rittergut., abgerufen am 20. Januar 2012. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte am 23. November 1834 Kirchweih gefeiert werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 4117 Taler. Als Baumeister werden Ratszimmermeister Christian Friedrich Preußler sowie Amtsmaurermeister Karl August Hofmann aus Nossen genannt. Der Gesamtaufriss des Baus ist bis heute unverändert, lediglich die Ausmalung wurde anlässlich der 50-Jahr-Feier 1884 auf Betreiben der Patronin Freifrau von Wöhrmann umfassend erneuert. 1898 erhielt die Kirche eine Heizmöglichkeit durch einen so genannten Wasseralfinger Ofen. 1998 wurde eine elektrische Heizung eingebaut, ein Jahr darauf wurde der Innenraum neu gestrichen. Der Kanzelaltar wurde 1884 von Woldemar Kandler neu gestaltet. Die Orgel entstammt der Werkstatt Müller/Reiß aus Neugersdorf, 1905 wurde sie durch Orgelbaumeister G. H. Schäfer aus Freiberg umdisponiert, 2007 erfolgte eine Generalüberholung. Die drei Glocken wurden 1834 gegossen, die kleine Glocke wurde vom Königlich-Sächsischen Stückgießer Johann Gotthelf Große aus Dresden gegossen. Die vom Dresdner Kunstglaser Bruno Urban gestalteten Buntglasfenster stammen aus den Jahren 1888/89 und wurden 2003 restauriert. Die übrigen Kirchenfenster wurden im Jahr 2000 gänzlich neu geschaffen., abgerufen am 19. Januar 2012.

Literatur

von Schwerdtner-Wendischbora, In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1942. Jg. 34, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 496–497.

Weblinks

Grundherrschaft Wendischbora im Hauptstaatsarchiv Dresden

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Meißen) Kategorie:Reihendorf Kategorie:Gemeindeauflösung 1973 Kategorie:Ortsteil von Nossen