Die Wirtschaftsgeschichte Kanadas ist zum einen mit der Kolonialgeschichte Großbritanniens und Frankreichs verbunden, zum anderen mit dem Britischen Empire und dem südlichen Nachbarn USA.Der Artikel folgt hier vor allem Robin Neill: Canadian Economic History (s. Weblinks). Prägten anfangs Pelzhandel und die Fernhandelskontakte der Indianer (First Nations) die ökonomischen Interessen der merkantilistischen Staaten Europas und der von ihnen ins Leben gerufenen Handelsgesellschaften, so sah sich das Königreich Großbritannien nach der Verdrängung Frankreichs (Vertrag von Paris) wegen der Expansionskraft der USA veranlasst, Kanada militärisch zu sichern, stärker zu besiedeln, verkehrstechnisch zu erschließen und mit hinreichendem Kapital auszustatten.

Dieser starke politische Einfluss sorgte für Kanäle und Straßen, für die Anwerbung von Siedlern, später für den Aufbau von Industrien und Eisenbahnlinien, aber auch für die Einrichtung von Reservaten für die Ureinwohner, die vielerorts den Siedlungs- und den Schürfinteressen der Rohstoffunternehmen im Wege standen. Der Entwicklung eines einheitlichen politischen und wirtschaftlichen Großraums standen jedoch historisch bedingte Unterschiede zwischen den Provinzen und Territorien gegenüber, die bis heute fortdauern. Dabei spielten gesellschaftliche und wirtschaftliche Modelle, wie etwa die starken und zählebigen Überreste der Feudalgesellschaft, eine erhebliche Rolle. Mehrfach versuchten Provinzen wie Québec und British Columbia, die sich in einer Phase Kanada angeschlossen haben, die für sie wirtschaftlich günstig zu sein schien, eine Loslösung von Kanada. Dabei strebten die Frankophonen die Selbständigkeit an, die englischsprachigen Gebiete eher den Anschluss an die USA.

Mit dem Niedergang der britischen Weltmacht fand, trotz der Nachwirkungen in der kanadischen Verfassung bis hin zur formalen Loslösung Kanadas und beschleunigt durch die Weltwirtschaftskrise, eine starke Verlagerung der ökonomischen Ausrichtung auf die USA statt. Dies geschah jedoch ebenfalls ungleichmäßig, denn der Westen richtete sich besonders auf Kalifornien bzw. seit Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend auf Asien aus, die Prärieprovinzen, vor allem Alberta, zunächst auf die südlichen Nachbarn, dann als Öl- und Weizenlieferanten auf die Weltwirtschaft, der Ballungsraum um Toronto auf New York und die umliegenden Metropolen, der Osten, vor allem Montreal und die Atlantikprovinzen, auf Neuengland und Europa.

Gegensätzliche Voraussetzungen mini|hochkant=1.25|Idealistische Darstellung Hochelagas, eines Dorfes der Sankt-Lorenz-Irokesen von Giovan Battista Ramusio und Giacomo Gastaldi (1556), gemäß Jacques Cartiers Aufzeichnungen Als die ersten Europäer um 1500 nach Nordamerika kamen, trafen sie auf Gesellschaften, die für den frühkapitalistischen Markt und die Bedürfnisse der feudalen Oberschichten nur wenige Waren und praktisch keine adäquate Arbeitskraft zu bieten hatten. So waren die Tauschgüter von geringer Diversifikation und die Sklaverei kein lohnendes Geschäft. Im Gegensatz zu Lateinamerika wurde zudem erst spät Gold gefunden. So sprach nur wenig für eine Eroberung oder gar eine Besiedlung.

Die Bewohner der Küsten erkannten ihrerseits schnell, an welchen Gütern die Besucher Interesse hatten. Das waren vor allem Pelze. Dafür erhielten sie von den Neuankömmlingen Tauschwaren aus Glas und Metall, aber auch Waffen, die in ihren Wohngebieten selten, begehrt und von entsprechend hohem Tauschwert waren. Da viele in geringer Sesshaftigkeit oder als Nomaden lebten, zogen sie oftmals in die Nähe der Landestellen und der späteren Handelsposten, um den Handel mit dem Hinterland in ihre Hand zu bringen. So wurde der Einzugsbereich der Tauschplätze sehr viel größer, als die Europäer zunächst ahnten, und er veränderte die lokalen Machtverhältnisse. Es entstanden großflächige Areale, deren Gütertausch von begünstigten und durchsetzungsfähigen Gruppen beherrscht wurde und deren Führer dadurch oftmals ihre herausgehobene Position stärken konnten. Auf der anderen Seite dezimierten erste Epidemien diejenigen Stämme der Ostküste, die den engsten Kontakt zu den Europäern hatten.

Der Merkantilismus, der alle Wirtschaftstätigkeit so ausrichtete, dass möglichst viel Vermögen im jeweiligen Staatsgebiet verblieb, machte die Pelze zu einem bedeutenden Produkt für den europäischen Markt. So wurden nach 1600 erstmals Siedlungen errichtet, die die vor allem von Frankreich und England, aber auch von den Niederlanden, Schweden und Spanien beanspruchten Gebiete ökonomisch nutzen sollten. Gleichzeitig sorgte nun der häufigere Kontakt der Ureinwohner mit den Europäern immer wieder für katastrophale Einbrüche der Bevölkerungszahlen durch eingeschleppte Krankheiten. Diese regional sehr verschieden starke und schwer zu ermessende Entvölkerung – durch Epidemien, Wanderbewegungen und Kriege gegen Konkurrenten – dünnte das Handelsnetz vermutlich stark aus. Ebenso schädigten anhaltende Kriege den Fernhandel, auch den traditionellen.

Die europäischen Kolonien konnten auf Dauer nicht nur vom Handel leben, sondern mussten sich auch selbst versorgen. Dazu diente den Siedlern, nachdem ihnen die Indianer über die ersten Winter hinweggeholfen hatten, eine Form des Landbaus, die in Europa nach feudalen Grundsätzen organisiert war. Dabei wurde Land an einen adligen Herrn vergeben, der dieses wiederum gegen Abgaben und Dienste weiter verlieh.

Die französische Landwirtschaft war an Frondienste (corvées) gebunden, wobei diese Dienste zunehmend durch Abgaben abgelöst wurden. Außerdem waren diese Abgaben nicht geeignet, die Hörigen zu höheren Erträgen anzuspornen. Wurden andererseits die Abgaben in Form von Münzen geliefert, so fraß die Inflation nach und nach – wenn auch langsamer als heute – die Einnahmen des Herrn auf.

mini|Privileg Ludwigs XIV. für die Réligieuses Hospitalières de Saint-Joseph, einen Frauenlaienorden, der 1636 in Frankreich entstanden war. Sie lebten auf der Montreal-Insel. Das Privileg wurde am 26. April 1669 ausgestellt. Die Übertragung des Feudalismus auf Nordamerika brachte im späteren Kanada einen gesellschaftlichen Gegensatz zwischen französischen und englischen Gebieten hervor, denn England hatte infolge der Glorreichen Revolution von 1688 das feudale Regiment entscheidend geschwächt. In den Neuengland-Kolonien wurde der Feudalismus formell 1776 abgeschafft, Eigentum wurde individualisiert, Freizügigkeit galt für alle, die keine Sklaven waren, Abgaben und Dienste verschwanden und Arbeit wurde zunehmend zur Ware. In den französischen Gebieten wurde der Feudalismus hingegen erst 1854 aufgehoben. Bis dahin dominierten unfreie Arbeit auf dem Land, eine langsamere ökonomische Entwicklung, eine feudale Hierarchie mit starker Abhängigkeit von wenigen Familien, die wiederum ihren Mittelpunkt in Frankreich sahen.

Frankreich versuchte die Einfuhr von Luxuswaren zu bremsen, um den Abfluss von Edelmetallen zu verringern. Dazu förderte es die Entwicklung neuer Techniken, schützte heimische Industrien, regulierte Handelsabläufe und kontrollierte Qualitätsstandards. Dabei durften die amerikanischen Waren nicht in Konkurrenz zu eigenen treten. So unterstützte Richelieu ab 1627 die Einrichtung einer Handelsgesellschaft, die die Kolonisierung vorantreiben und den Handel mit Pelzen, die es in Frankreich nicht gab, nutzen sollte. Hinzu kamen Fisch- und Walprodukte. Auch sorgte er dafür, dass das Feudalsystem, die Coutume de Paris, in der Neuen Welt eingeführt wurde. Die Gesellschaft trat ihr Pelzhandelsmonopol gegen jährlich tausend Biberpelze wiederum an die Kolonie Neufrankreich ab. Nur französische Schiffe beförderten die nordamerikanischen Rohprodukte nach Frankreich.

Auch in England herrschte die Lehre des Merkantilismus vor. Doch ab Ende des 17. Jahrhunderts gingen die Regulierungen weder so weit wie in Frankreich, noch gingen sie vom Hof aus. Zugleich waren die Manufakturen viel weniger in die Finanzierung des Staatshaushalts eingebunden, sondern entwickelten sich eher nach kapitalistischen Grundsätzen. Während vom Handel mit Fisch, Tabak, Indigo, Reis, Holz, Getreide, Baumwolle und vor allem Pelzen monopolistische Handelsgesellschaften profitierten, ernährte der Boden die kleine lokale Bevölkerung. Nur selten dienten die Agrarerträge dem Export, noch seltener dienten die beiden Zweige der wechselseitigen Finanzierung.

Sowohl in Neuengland als auch in Neuschottland dominierte zunächst das von England übernommene System der Crown Grants, also der Ausstattung durch die Krone und der Quit-Rents, der dazugehörigen Geldabgaben.

Als die französische Kolonie kurz vor der Französischen Revolution britisch wurde, war Großbritannien auf die Solidarität dieser Region gegen die USA angewiesen. Folglich ließ London das Gesellschaftssystem weitgehend unangetastet, und so ging sowohl die französische als auch die amerikanische Revolution an Neufrankreich vorbei.

Nach 1783 sorgte die häufig ungeregelte Aneignung von Land (Squatting) dafür, dass Land verkäuflich wurde. Auf dieser Basis, also nicht mehr nach feudalen Grundsätzen, erfolgte ab 1870 die massenhafte Ausgabe von Land an Siedler, die in Kanada erst etwa 1930 endete. Dazu kam die Ausgabe von Land an Loyalisten, also Großbritannien treu gebliebene Flüchtlinge aus den USA und an sonstige Veteranen. Diese verkauften oftmals ihr Land, so dass es zu riesigen Güterballungen kam, die den Besitzern auch politische Macht verschafften. Die Verfassung der Provinz Ontario erwähnt folglich keine Quit-Rents mehr, beharrte im Gegenteil auf freier Landvergabe.

Erste Phase der Kolonialisierung: Handel Atlantikküste mini|Verkehrswege und politische Grenzen in Akadien, 1754 Neuschottland, das die Briten Nova Scotia nannten, wurde in französischer Zeit Acadie genannt. Das Tal von Annapolis wurde als Grundherrschaft ausgegeben, doch endete diese bereits nach wenigen Jahrzehnten und führte zu freiem Landbesitz. Ursache war der Krieg zwischen dem Hugenotten Charles de Saint-Étienne de la Tour, dem Gouverneur von Akadien zwischen 1631 und 1642 sowie von 1653 bis 1657, und dem Katholiken Charles de Menou d'Aulnay. Während La Tour seit 1610 im Pelzhandel tätig war, unter den Mi’kmaq gelebt, eine Abenaki-Frau geheiratet hatte und von den Händlern unterstützt wurde, standen hinter d’Aulnay Leute bei Hof. Dieser von 1640 bis 1645 anhaltende Konflikt, in dem protestantische Engländer eine wichtige Rolle spielten, überließ das zerstörte Land freier Nutzung – trotz des Grundsatzes „nulle terre sans seigneur“ (kein Land ohne Feudalherrn). Als Acadie 1713 britisch wurde und die dortigen etwa 10.000 Franzosen sich unterwarfen, verlor sich der Kontakt zum französischen Feudalsystem endgültig. Die 1755 vertriebenen Akadier – abgesehen von denen, die auf Prince Edward Island und am oberen Saint John River ausharrten – kehrten ab 1765 zurück und erhielten Land auf der Basis des gemäßigteren britischen Feudalsystems. Die übliche Landgröße lag bei 100 Acre pro Familienoberhaupt und 50 weiteren pro Familienangehörigem.

Die Kolonialverwaltung stand vor einem grundsätzlichen Problem, nämlich der Finanzierung der Erschließung, der Sicherung und Verwaltung der Kolonien. Ab 1790 wollte sie dazu übergehen, das Land für einen US-Dollar pro Acre zu verkaufen, doch in den nächsten Jahren dominierten die Squatter das Land. 1807 versuchte sie zur Finanzierung der Kolonie auf das Quit-Rent-System zurückzugreifen, doch die Bauern waren nicht in der Lage diese Abgabe zu zahlen. Zwar stellten sich 1832 im benachbarten Neubraunschweig Erfolge ein, doch stellte sich hier die Holzindustrie in den Weg, die kein Interesse an kleinteiligen Landvergaben hatte. So drängte die Kolonialmacht Nova Scotia und New Brunswick 1835 zum Kauf der Quit-Rents für 1500 bzw. 1000 Pfund. Tatsächlich kam Großbritannien ab 1848 nur noch für die Verteidigungskosten auf. Die Kolonien finanzierten sich nun durch Abgaben auf die Siedlung und durch Zölle.