Atomic Kitten ist eine aus Liverpool kommende britische Pop-Girlgroup, die 1998 von den OMD-Mitgliedern Andy McCluskey und Stuart Kershaw gegründet und bis 2002 – songwriterisch und produzierend – begleitet wurde.McCluskey und Kershaw: Atomic-Kitten-Gründung – In: theguardian.com, 23. November 2001 (englisch) Gemessen am Umsatz zählt die Band zu den weltweit erfolgreichsten Girlgroups des 21. Jahrhunderts und hat bislang über zehn Millionen Tonträger verkauft. (englisch).
Das Produzenten-Duo formierte die ursprüngliche Besetzung mit Liz McClarnon, Kerry Katona und Heidi Range. Die beiden letzteren wurden später durch Natasha Hamilton und Jenny Frost abgelöst. Den kommerziellen Durchbruch erlangte Atomic Kitten unter der Besetzung mit McClarnon, Hamilton und Frost, die ab 2001 bestand und bis zur vorläufigen Trennung 2004 erhalten blieb.
Atomic Kitten erreichte neben zahlreichen Preisen – einschließlich einer vierfachen BRIT-Awards- und zweifachen MTV-Europe-Music-Awards-Nominierung – bisher drei Nummer-eins-Hits in den britischen Singlecharts: Whole Again, die viertmeistverkaufte Girlgroup-Single im Vereinigten Königreich, Eternal Flame, eine Coverversion des 1989er-Hits der Bangles und The Tide Is High (Get the Feeling), ebenfalls ein Cover des 1967er-Hits der Paragons. Zudem erlangten sie in Europa – insbesondere im deutschsprachigen Teil – sowie Asien, Ozeanien und Südafrika mehrere Top-Ten-Hits.
2005, 2006 und 2008 kam es zu kurzen Wiedervereinigungen bezüglich der vorwiegenden Veröffentlichung von Charity-Songs. Anfang 2012 wurden Pläne zu einer Reunion angekündigt,Atomic Kitten: Reunion!? die jedoch aufgrund der Differenzen zwischen Frost und Katona später wieder verworfen wurden.Keine AK-Reunion (englisch). Schließlich kam es dennoch zur Reunion, als sie in der Anfang 2013 vom britischen Sender ITV2 ausgestrahlten Dokumentation The Big Reunion teilnahmen. (englisch). Frost konnte jedoch wegen ihrer Schwangerschaft nicht daran teilnehmen und wurde durch Katona ersetzt. Hamilton gab später bekannt, dass Frost jederzeit für ein Comeback willkommen wäre.Hamiltons Angebot an Frost (englisch).
Aufgrund McClarnons Flugangst – die ihr internationale Auftritte mit Langstreckenreisen verwehrt – sprang für sie von 2016 bis 2017 das Liberty-X-Mitglied Michelle Heaton ein.Heatons temporärer Einsprung für McClarnon – In: business-standard.com, 5. August 2016 (englisch)
Katona verließ Atomic Kitten im Dezember 2017 zum zweiten und endgültigen Mal, wodurch die Band seither in der Besetzung von McClarnon und Hamilton als Duo auftritt. Im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2021 gab Frost bei der Neuinterpretation ihres Hits Whole Again umgewandelt in Southgate You’re the One (Football’s Coming Home Again) ein Mini-Comeback.Atomic Kittens Whole-Again-Remake (englisch).
Bandgeschichte 1998: Gründung und Formation
Die Band namens Atomic Kitten wurde 1998 vom britischen Musiker Andy McCluskey gebildet, der vor allem als Frontmann der New-Wave-Band Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) bekannt ist. Karl Bartos – ehemaliges Mitglied der deutschen Elektropop-Band Kraftwerk – schlug vor, nach der vorläufigen OMD-Auflösung 1996 eine neue Band als Vehikel für McCluskeys Songs zu gründen,Atomic Kittens Anfänge – In: telegraph.co.uk, 9. September 2010 (englisch). die durch die Vorherrschaft des Britpop „total aus der Mode waren“.
McCluskey gründete Atomic Kitten zusammen mit seinem OMD-Kollegen Stuart Kershaw. Die Besetzung bestand ursprünglich aus Liz McClarnon, Kerry Katona und dem späteren Sugababes-Mitglied Heidi Range, hatte aber keinen Namen. In Katonas Autobiografie Too Much, Too Young: My Story of Love, Survival and Celebrity (2007) erwähnt sie, dass die Band über Namen wie „Exit“ und „Honeyheads“ nachdachte, bevor sie sich mit „Automatic Kitten“ niederließen, was der Titel eines Modelabels war, das einer Modedesignerin namens Mary Lamb gehörte. Als Katona ihrer Mutter von der Band erzählte, war ebenfalls der Freund ihrer Mutter, „Bob the Leg“, anwesend. Er war nicht in der Lage Automatic Kitten auszusprechen und sagte stattdessen ständig Atomic Kitten. Katona mochte den Namen und berichtete McClarnon und Range davon; sie fühlten dasselbe und dieser blieb hängen.
1999–2000: Ranges Ausstieg, Tour-Debüt und Right Now Range stieg 1999 wegen künstlerischer Differenzen aus und wurde im selben Jahr durch Natasha Hamilton ersetzt.
Atomic Kitten schafften mit ihrer Debüt-Single Right Now – die Ende November 1999 erschien – den Sprung in die Top Ten der heimischen Single-Charts. Ihre zweite Single See Ya folgte im März 2000 und war mit Platz sechs ein noch größerer Triumph. Nach diesem kommerziellen Achtungserfolg gaben sie im Verlauf des Jahres in Asien ihr Tournee-Debüt und waren mit der Coverversion des 1962er-Little-Eva-Klassikers The Loco-Motion leicht umbenannt in Locomotion auf dem Soundtrack-Album des britisch-US-amerikanischen Fantasy-Kinderfilms Thomas, die fantastische Lokomotive (2000) vertreten.
Atomic Kittens Debütalbum – das ebenso den Titel Right Now trägt – wurde am 23. Oktober 2000 im Vereinigten Königreich veröffentlicht. Im restlichen Europa war dieses bei der Erstveröffentlichung jedoch erfolglos und erreichte auch in der Heimat lediglich Platz 39 der Album-Charts. Ihre Plattenfirma, Innocent Records, konzentrierte sich infolgedessen nicht auf den globalen Markt und zog sogar in Erwägung, sie – aufgrund ihres geringen Erfolgs – fallen zu lassen. Nichtsdestotrotz ließen sie sich letztendlich zu einer weiteren Single-Auskopplung überreden.Atomic Kittens perfektes Jahr (englisch).
2001: Durchbruch mit Whole Again sowie Katonas erster Austritt und Frosts Einstieg Anfang 2001 veröffentlichte Atomic Kitten die Single Whole Again, wodurch ihre Karriere eine 180-Grad-Wendung nahm, da sie damit ihren ersten Nummer-eins-Hit in der Heimat landeten. Whole Again hielt sich dort vier Wochen in Folge an der Spitze,Whole Again-UK-Chartplatzierung (englisch). wurde aufgrund dieses Erfolgs weltweit veröffentlicht und erreichte in neun Staaten – darunter in Deutschland und NeuseelandWhole Again-NZ-Chartplatzierung (englisch). sechs Wochen lang – die Nummer eins. (englisch).
Whole Again ist die wichtigsteDie Entstehung von Whole Again (englisch). und mit über einer Million abgesetzter Einheiten allein im Vereinigten KönigreichAbgesetzte Whole Again-Einheiten (englisch). auch kommerziell erfolgreichste Veröffentlichung ihrer Karriere, die zudem 2002 für den BRIT Award in der Kategorie Best British SingleBrit Awards 2002 (englisch). und im selben Jahr für den Ivor Novello Award in der Kategorie International Hit of the YearIvor Novello Awards 2002 (englisch). nominiert, 2008 von ihren Gründervätern gecovertWhole Again-Cover von McCluskey und Kershaw (englisch). und 2017 vom US-Magazin Billboard auf Platz 96 deren Liste der 100 besten Girl-Group-Songs aller Zeiten gewählt wurde.100 Greatest Girl Group Songs of All Time (englisch).
Katona war ursprünglich im Song samt dem Video zu Whole Again enthalten – ihr Gesang war ebenso in Hippy und Get Real zu hören –, verließ jedoch einige Tage vor der Single-Veröffentlichung die Band aufgrund ihrer Schwangerschaft.Katonas erster Austritt – In: news.bbc.co.uk, 5. Januar 2020 (englisch) Das frühere Precious-Mitglied Jenny Frost ersetzte sie im Line-Up und das Video zur Single wurde neu gedreht. Zudem wurde eine höher budgetierte US-Version des Videos – die in den Straßen von Downtown Los Angeles gedreht wurde – veröffentlicht. Der Katona-Frost-Wechsel führte zur Entscheidung, ihr Debüt-Album teilweise neu aufzunehmen und abermals zu veröffentlichen, welches dann im August 2001 in der Heimat auf Platz eins landete, dort mit Doppelplatin ausgezeichnet wurde und in zahlreichen europäischen Staaten – darunter Deutschland – die Top Ten erreichte. Im Vergleich zu späteren Alben erhielt es recht positive Rezensionen, hauptsächlich für die Wiederbelebung von Stilelementen des New Wave aus den 1980ern. Erfolgreichste Single-Auskopplung neben Whole Again war daher auch das 1989er-Bangles-Cover Eternal Flame, mit dem sie in der Heimat ihren zweiten Nummer-eins-Hit erlangten. Die dritte Single You Are erreichte jedoch mit Platz 61 keine nennenswerte Chart-Platzierung in Deutschland.
2002: Karrierehöhepunkt, Trennung von ihren Gründern und Feels So Good Im April 2002 gab Hamilton ihre erste Schwangerschaft bekannt, trat trotzdem im Video zu The Tide Is High (Get the Feeling) und der 2002er-Tour auf und brachte schließlich am 24. August 2002 einen Sohn zur Welt.Hamiltons erstes Kind (englisch).
In der 2002er-Saison der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft sponsorten Atomic Kitten ein MG-Team, das unter dem Namen „Team Atomic Kitten“ an den Start ging.Atomic Kittens Tourenwagen-Sponsoring (dänisch).
Am 3. Juni 2002 traten Atomic Kitten beim Großkonzert Party at the Palace auf, das zu Ehren des 50. Thronjubiläums von Elisabeth II. im Garten des Buckingham Palace abgehalten wurde. Sie sangen – komplett in weiß gekleidet – den Song Dancing in the Street und zusammen mit dem US-Musiker Brian Wilson sowie Cliff Richard und dem Spice-Girls-Mitglied Emma Bunton den Song Good Vibrations.
Nach dem Erfolg des Right Now-Relaunches wurde das zweite Studioalbum Feels So Good aufgenommen. Die Songwriting- und Produktionsvereinbarung mit McCluskey und Kershaw stellte jedoch eine zunehmende Spannungsquelle innerhalb der Gruppe dar, wodurch sich Atomic Kitten während der Albumaufnahme Mitte 2002 schlussendlich von dem Duo trennte. McCluskey sprach von Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und der Plattenfirma, deren „Formel“ nach immer mehr „Whole Again“ verlangte. Er wurde entlassen und ihm wurde gesetzlich verboten, die Band zu kontaktieren.McCluskeys Entlassung – In: telegraph.co.uk, 14. Mai 2013 (englisch) Nach diesem unrühmlichen Zwist stieg er aus dem Zitat „sehr schmutzigen“ Geschäft des „fabrizierten Pop“ aus. Die Loslösung von ihren Schöpfern tat dem Erfolg von Atomic Kitten jedoch keinen Abbruch; so wirkte das Trio nun zunehmend bei der Komposition ihrer eigenen Songs mit.
Im September 2002 erschien schließlich Feels So Good, das erste vollständige Originalalbum mit Bandmitglied Frost. Die erfolgreichste Single-Auskopplung war eine Neuauflage des 1967er-Reggaeklassikers The Tide Is High der Paragons, den sie mit einer neuen Bridge einspielten, weshalb der Titel die Ergänzung Get the Feeling erhielt. Der Song stürmte nach Whole Again und Eternal Flame abermals die heimischen sowie deutschen und ozeanischen Charts.
2003: Fernost-Tournee, US-Marketing und Ladies Night Im Januar und Februar 2003 tourte Atomic Kitten durch Südostasien, wo sie unter anderem in Singapur, Thailand und Südkorea auftraten.
Im April 2003 veröffentlichten Atomic Kitten das nur für den US-Markt vorgesehene, selbstbetitelte Kompilationsalbum Atomic Kitten. Dieses enthielt Songs aus den ersten beiden Studioalben, erreichte jedoch nur Platz 102 der US-Billboard Charts, obwohl The Tide Is High (Get the Feeling) auf dem Soundtrack-Album des von Walt Disney Pictures produzierten und mit Hilary Duff in der Hauptrolle besetzten US-Teeniefilms Popstar auf Umwegen (2003) erschien. Aufgrund dessen fokussierten sie sich fortwährend ausschließlich auf den europäischen, asiatischen, ozeanischen und südafrikanischen Markt.