Die Außerfernbahn ist eine eingleisige, grenzüberschreitende Nebenbahn zwischen Bayern und Tirol. Sie verläuft von Kempten über Pfronten und Reutte nach Garmisch-Partenkirchen. Namensgebend ist das Außerfern, das die Strecke erschließt.

Die Bahnstrecke wurde zwischen 1895 und 1913 eröffnet und verbindet das Außerfern mit der Mittenwaldbahn und der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen im Osten sowie der Bahnstrecke Buchloe–Lindau und der Bahnstrecke Kempten (Allgäu)–Neu-Ulm im Westen. Der österreichische Abschnitt ist im Bezug auf das übrige österreichische Eisenbahnnetz ein Inselbetrieb. Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Pfronten-Steinach ist sie elektrifiziert.

Geschichte Vorgeschichte und Bau Fernbahn Die Eröffnung der Semmeringbahn 1854 zeigte, dass eine Gebirgsbahn über die Alpen möglich ist. Die Handelsstädte Augsburg und Kempten, die seit 1852 über die Ludwig-Süd-Nord-Bahn verbunden waren, wollten die alten Handelsrouten über den Fern- und Reschenpass nach Oberitalien wieder beleben. Es tauchten daher in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste Pläne für eine „Fernbahn“ von Kempten über den Fernpass ins Inntal auf. Die bayerische Staatsregierung favorisierte jedoch die Verbindung über München und Kufstein, was sich im Bau der Bayerischen Maximiliansbahn widerspiegelte. Für die Verbindung vom Inntal nach Südtirol wurde die Brennerbahn gegenüber einer Bahn über den Reschenpass bevorzugt, da diese einfacher zu bauen war. Darauf machten sich die südwestdeutschen Städte für eine Bahn über den Fernpass als Zulaufstrecke zur Brennerbahn stark, um den Umweg über München und Kufstein zu verkürzen. Diese Bahnstrecke wurde auch als Verbindung Tirols ins Vorarlberg und weiter in die Schweiz diskutiert. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 wurde jedoch die Arlbergbahn als inner-österreichische Verbindung ins Vorarlberg gegenüber der Verbindung über den Fernpass und Kempten bevorzugt. Mit Eröffnung der Gotthardbahn 1882 erhielt der südwestdeutsche Raum eine Alternative zur Brennerbahn, was sich zu deren Nachteil auswirkte. Deshalb wurde in den 1890er Jahren von Tirol eine Bahn über den Fernpass gefordert. Die bayerische Regierung hatte jedoch kein Interesse an dieser Verbindung und genehmigte am 26. Mai 1892 statt einer Hauptbahn eine Lokalbahn von Kempten nach Pfronten.

Abschnitt Kempten – Reutte Der Bau der Lokalbahn begann im März 1894 an der Wertachbrücke. Die Strecke wurde vielfach mit 180-Meter-Bögen und Steigungen von 25 ‰ trassiert. Kurz vor der Eröffnung gab es im November 1895 einen Erdrutsch an der Wertachbrücke. Trotzdem konnte am 1. Dezember 1895 die Strecke von Kempten nach Pfronten-Ried eröffnet werden.

Als eine Erweiterung der Linie zur Diskussion stand, wurden folgende drei Varianten diskutiert: Pfronten–Reutte–Ehrwald–Gaistal–Leutasch–Innsbruck Pfronten–Reutte–Fernpass–Imst („Fernbahn“) und Pfronten–Reutte–Ehrwald–Garmisch–Leutasch–Innsbruck.

Da Garmisch zu der Zeit schon einen Bahnanschluss nach München besaß, lag es nahe, eine direkte Verbindung München–Innsbruck anzustreben. Für diese Route sprach weiterhin, dass über Garmisch die geringste Passhöhe überwunden werden musste und mehr Ortschaften erschlossen werden konnten.

Auf Initiative der Marktgemeinde Reutte wurde der österreichische Ingenieur Josef Riehl beauftragt, einen Plan für die Verlängerung der Lokalbahn bis nach Reutte auszuarbeiten. Nachdem das notwendige Kapital durch Aktienzeichnung bereitgestellt werden konnte, wurde am 11. Oktober 1904 die Konzession für die Lokalbahn Reutte–Schönbichl ausgestellt. Dem bereits am 8. Oktober 1904 erfolgten ersten Spatenstich folgte am 22. November 1904 ein Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich. In diesem wurde vereinbart, die Lokalbahn von Kempten bis nach Reutte zu verlängern und eine Bahnstrecke von Innsbruck über Garmisch-Partenkirchen nach Reutte zu bauen. Am 16. Dezember 1905 konnten die Verlängerung der Lokalbahn bis zur Reichsgrenze und die Lokalbahn auf österreichischer Seite nach Reutte eröffnet werden. Gemäß dem Staatsvertrag erfolgten der Bau der Strecke bis zur Grenze und der Betrieb der Strecke Kempten-Reutte durch die bayerische Staatsbahn. Die Finanzierung, der Bau, die Verwaltung und der Unterhalt der österreichischen Strecke aber erfolgten durch die private Aktiengesellschaft Lokalbahn Reutte–Schönbichl AG.

Abschnitt Garmisch-Partenkirchen – Reutte Nach mehrjähriger Planung erfolgte am 1. Juli 1910 die Gründung der privaten Mittenwaldbahn AG, die für die Finanzierung, den Bau, die Verwaltung und den Unterhalt der österreichischen Abschnitte der Strecke Innsbruck-Reutte verantwortlich war. An der noch als Mittenwaldbahn II bezeichneten Strecke Garmisch-Partenkirchen – Reutte begannen daraufhin die Arbeiten. Die Mittenwaldbahn I von Garmisch nach Innsbruck wurde 1912 eröffnet, die Strecke Garmisch–Reutte am 29. Mai 1913. Beide Strecken wurden von Anfang an elektrisch betrieben.

Wie schon bei der Lokalbahn Kempten–Reutte erfolgte der Bau der Strecke auf der bayerischen Seite durch die bayerische Staatsbahn. Ebenso wurde der Betrieb der Strecke von Garmisch nach Reutte durch die bayerische Staatsbahn durchgeführt. Die Strecke Innsbruck–Garmisch hingegen wurde von der Mittenwaldbahn AG betrieben.

Erste Betriebsjahre

Bereits 1920 wurde zur Förderung des Tourismus die Haltestelle Bad Kreckelmoos neu errichtet. In dieser Zeit wurde auch die Haltestelle Schober für Holzarbeiter eingerichtet. Bis 1925 wurde der elektrifizierte Teil der Außerfernbahn mit Strom aus Österreich versorgt. Dazu bestand in der Nähe der Haltestelle Schanz ein Unterwerk. Seit der Eröffnung des Walchenseekraftwerks wird die Strecke bis Reutte vom Unterwerk Murnau gespeist, und das Unterwerk Schanz wurde stillgelegt. Mit Zunahme des Fremdenverkehrs in Ehrwalder Becken wurden seit Sommer 1925 zusätzliche Verstärkerzüge zwischen Garmisch-Partenkirchen und Lermoos eingesetzt. Mit der Eröffnung der Tiroler Zugspitzbahn im Jahr 1926 erhöhte sich das Fahrgastaufkommen weiter. In diesem Zusammenhang wurde der Bahnhof Ehrwald in Ehrwald-Zugspitzbahn umbenannt, liegt jedoch über 3 km von deren Talstation und knapp 2 km von der Wettersteinbahn entfernt.

Mit der Eröffnung der Kreuzeckbahn 1926 wurde an der Außerfernbahn die gleichnamige Haltestelle in Garmisch eröffnet, die etwa einen Kilometer von der Talstation der Bahn entfernt lag.

Durch Inkrafttreten der 1000-Mark-Sperre im Sommer 1933 sank der Verkehr auf der Außerfernbahn merklich. Erst mit der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen im Jahr 1936 nahm der Verkehr wieder zu. Dazu wurde im Jahr 1937 die Wintersporthaltestelle Thanellerkar eröffnet. Am 1. Januar 1935 wurde die Mittenwaldbahn AG verstaatlicht, womit die Betriebsführung auf der Mittenwaldbahn auf die Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ) überging. Der Betrieb auf der Außerfernbahn wurde weiterhin von der Deutschen Reichsbahn durchgeführt. Mit dem Anschluss Österreichs im März 1938, der Eingliederung der Österreichischen Bundesbahnen in die Deutsche Reichsbahn und der Verstaatlichung der Lokalbahn Reutte–Schönbichl AG am 1. Januar 1939, wurde der östliche Streckenabschnitt Garmisch-Partenkirchen–Reutte der Reichsbahndirektion München und der westliche Streckenabschnitt Kempten–Reutte der Reichsbahndirektion Augsburg zugeschlagen. Um Lokomotiven der Baureihe E 44 einsetzen zu können, wurde in den 1940er Jahren der Oberbau durch die DRG verstärkt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Fahrplan stark gekürzt. Im Februar 1945 – kurz vor dem Kriegsende – wurde der Bahnhof Garmisch-Partenkirchen bombardiert und das an der Außerfernbahn liegende Betriebswerk teilweise zerstört.

Niedergang nach 1945 Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden unmittelbar nach der Neuerrichtung der Republik Österreich die ÖBB neugegründet; bereits am 20. Juli 1945 nahm die Generaldirektion der österreichischen Staatseisenbahnen den Betrieb wieder auf. Auch die Direktionsstruktur aus der Zeit vor 1938 wurde wiedererrichtet, so auch die Bundesbahndirektion Innsbruck, in deren Zuständigkeitsbereich der österreichische Teil der Außerfernbahn lag. Mit der Gründung der Deutschen Bundesbahn als Nachfolgerin der Deutschen Reichsbahn für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland am 7. September 1949 übernahm sie den Betrieb des deutschen Abschnitts der Außerfernbahn.

Bald kehrte man wieder zu der bewährten Betriebsführung zurück, der zufolge die Außerfernbahn komplett von der Deutschen Bundesbahn bedient wurde. Am 10. Dezember 1949 wurde zwischen der Deutschen Bundesbahn und den Österreichischen Bundesbahnen ein Abkommen unterzeichnet, nach dem der österreichische Abschnitt „Außerfernbahn“ heißt. Zwischen 1949 und 1951 wurde ein Gleisanschluss vom Bahnhof Vils zum Zementwerk Schretter & Cie errichtet. In einem Staatsvertrag von 31. Oktober 1957 wurde zwischen Deutschland und Österreich ein privilegierter Eisenbahn-Durchgangsverkehr beschlossen. Auf dessen Basis wurde am 21. August 1959 die Fahrdienstübereinkunft von 1913 durch die Außerfernbahn-Mittenwaldbahn-Übereinkunft (AMÜ) ersetzt, die der jeweiligen Bahnverwaltung erlaubt, Fahrzeuge und Lokomotivführer im Bereich Scharnitz–Garmisch-Partenkirchen–Reutte–Pfronten-Steinach einzusetzen. Das Abkommen regelte außerdem, dass außer dem Korridorverkehr zwischen Innsbruck und Reutte und Güterzug-Vorspannleistungen alle Triebfahrzeugdienste von der DB durchgeführt werden.

Mit Zunahme des Individualverkehrs und damit dem Fahrgastrückgang wurden Stationen stillgelegt, u. a. 1966 die Haltestellen Thanellerkar und Bad Kreckelmoos sowie 1971 die Haltestelle Schanz. Für die Ortsumgehung von Reutte durch die Fernpassstraße wurden 1978/79 zwischen Reutte und Bad Kreckelmoos 1,5 Kilometer Gleis neu trassiert.

In den 1980er Jahren wies die Strecke vereinzelten Schienenpersonenfernverkehr auf. So verkehrte beispielsweise eine Kurswagengruppe des Fern-Express (FD) Allgäu, dessen Stammzug Dortmund mit Oberstdorf verband, zwischen Kempten und Garmisch-Partenkirchen als Eilzug (E). Zusätzlich verband der Alpen-See-Express zeitweise Hamburg und Dortmund an Freitagen direkt mit Pfronten-Steinach.Zweite Karriere für den VT 11.5, Artikel auf lok-magazin.de, abgerufen am 15. Juli 2023

Am 1. Januar 1994 übernahm die Deutsche Bahn AG (DB AG) als Nachfolgerin der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn den Personenverkehr auf der Außerfernbahn.