Das Erzbergwerk Rammelsberg zur Gewinnung von Buntmetallen am gleichnamigen Berg im Harz liegt südlich der Kernstadt von Goslar im niedersächsischen Landkreis Goslar.

Das Bergwerk wurde 1988 nach über 1000 Jahren nahezu ununterbrochenen Bergbaus stillgelegt; seit 1992 gehört das Schaubergwerk Rammelsberg zum UNESCO-Weltkulturerbe, das seit einer Erweiterung im Jahr 2010 die Bezeichnung Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft trägt.

Der Rammelsberg ist Bestandteil der Welterbe-Route des UNESCO-Welterbes im Harz.Die Welterbe-Route im Harz

Der Berg Rammelsberg

Der hohe Rammelsberg erhebt sich über dem Bergwerk.

Etymologie Zur Namensentstehung gibt es verschiedene Erklärungen: Der Sage nach soll der Berg nach dem Ritter Ramm benannt worden sein, dessen Pferd während eines Jagdausflugs im Jahr 968 mit den Hufen das Erz freischarrte. Von Heimatforschern wird der Name von Ramsen, der Harzer Bezeichnung für Bärlauch, abgeleitet. Rammelsberg wäre dann als „der mit Bärlauch bewachsene Berg“ zu deuten.

Erzbildung Im Unterschied zu den Ganglagerstätten des Oberharzes entstanden die Erzlager des Rammelsberges durch den Austritt heißer metallhaltiger Thermen am Meeresboden im Devon.D. Large, E. Walcher. The Rammelsberg massive sulphide Cu-Zn-Pb-Ba-Deposit, Germany: an example of sediment-hosted, massive sulphide mineralisation|In: Mineralium Deposita, Band 34, S. 522–538, 1999 Man nennt diese Entstehung synsedimentär-submarin-exhalativ (engl. Sedex). Am Boden des Devonmeeres bildeten sich zwei große Erzlinsen, die während der Karbonzeit in die Faltung der Gesteine mit einbezogen wurden und deshalb schräg im Berg liegen. Die Lagerstätte ist überkippt, dadurch liegen die älteren Erzschichten zuoberst. Der Erzabbau begann im Alten Lager, das an der Erdoberfläche durch Erosion freigelegt wurde. Das Neue Lager wurde erst im 19. Jahrhundert durch gezielte Erkundung entdeckt.

Geförderte Erze und Mineralfunde Am Rammelsberg wurden hauptsächlich die Erzarten Blei–Zink-Erz, Kupfererz, Schwefelerz, Melierterz, Braunerz, Grauerz, Banderz und Kniest mit den Hauptmineralien Galenit (Bleiglanz), Chalkopyrit (Kupferkies), Sphalerit (Zinkblende), Baryt (Schwerspat), Pyrit sowie Vitriole gefördert. Aus den Erzen wurde unter anderem Gold, Silber, Blei, Kupfer und Zink gewonnen, worauf der Reichtum der Stadt Goslar im Mittelalter beruhte.

Neben den bereits genannten Hauptmineralien, die im Rammelsberg abgebaut wurden, konnten an dieser Fundstätte noch viele weitere Minerale nachgewiesen werden, so unter anderem Azurit, Calcit, Hemimorphit, Hydrozinkit, Kassiterit (Zinnstein), Smithsonit (Zinkspat, Galmei), Strontianit und verschiedene Turmaline. Für die Minerale Goslarit und Römerit ist Rammelsberg zudem Typlokalität. Insgesamt wurden hier rund 100 Minerale und ihre Varietäten identifiziert.

Bergbaugeschichte Frühgeschichte Schlacken und unverhüttete Erzbrocken, die bei archäologischen Ausgrabungen zwischen 1981 und 1985 am Herrensitz Düna am Südharz gefunden wurden, deuten nach Analysen auf eine Bergbautätigkeit am Rammelsberg bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. hin. Agricola berichtete, dass seit 600 Jahren Bleivorkommen ausgebeutet wurden. Von Seiten des Museums wird von Bergbautätigkeit seit der Bronzezeit berichtet, was ansatzweise von der Arbeitsstelle Montanarchäologie beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege bestätigt wird.

Mittelalter mini|Bergbau am Rammelsberg (Goslar) Nachbearbeitung von Erzen um 1556

In Widukind von Corveys Res gestae Saxonicae wird erwähnt, dass Otto der Große 968 „im Sachsenland Silberadern eröffnet“ („in Saxonia venas argenti aperuit“) habe. Ob sich dieser Eintrag auf den Bergbau am Rammelsberg bezieht, ist Gegenstand einer anhaltenden wissenschaftlichen Debatte.

Den ältesten archäologischen Nachweis von Bergbau im Rammelsberg lieferte ein 2021 in einem vermeintlich unzugänglichen Grubenbau entdecktes LederstückBergbau am Rammelsberg 300 Jahre älter als bislang angenommen bei Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, das Forscher mit der C14-Methode in das 9. bis 10. Jahrhundert datierten.Bergbau im Rammelsberg in Goslar noch älter als gedacht bei ndr.de vom 3. Juni 2021Weltkulturerbe-Bergwerk im Harz ist viel älter als gedacht in Süddeutsche Zeitung vom 3. Juni 2021 Der ursprüngliche Verwendungszweck des Lederstücks konnte nicht mehr bestimmt werden. Der Fundort liegt in einem von vier rund 7,5 m langen neuentdeckten Suchörtern, die von einem Querschlag des Rathstiefsten Stollns abgingen, rund 28 Meter unter der Tagesoberfläche. Aufgrund der Fundsituation kann davon ausgegangen werden, dass das Suchort mindestens genauso alt wie der Lederfund ist.Geschichte des Bergbaus im Harz ist älter als bisher bekannt bei ndr.de vom 6. Juni 2021 (Video, 3 Minuten), verfügbar bis 6. Juni 2022 Der Rathstiefste Stolln ist daher viel älter, als aufgrund seiner ersten schriftlichen Erwähnung dokumentiert.Heidi Niemann: Im Weltkulturerbe Rammelsberg bei Goslar gab es schon viel früher Bergbau als vermutet in HAZ vom 3. Juni 2021

Bereits vor 1150, möglicherweise sogar schon im oder ab dem 9. Jahrhundert, wurde der mit der Bergesfahrt zusammen 1600 m lange Rathstiefste Stolln angelegt, um die Gruben zu entwässern. Der älteste schriftliche Nachweis des Rathstiefsten Stollns stammt aus dem Jahr 1271. Er brachte gegen den unterhalb des Herzberger Teiches in die Abzucht entwässernden (vermuteten) ältesten Stolln rund 25 m Teufe ein. Für die Auffahrung wurden zwölf Lichtlöcher angelegt, ein dreizehntes kam in späterer Zeit hinzu. Auf dem Rathstiefsten Stolln war eine Wasserkunst eingebaut, die das Wasser aus den tieferen Bauen hob.

Im Jahre 1376 ereignete sich ein Grubenunglück, bei dem Bergleute durch hereinbrechende Gesteinsmassen verschüttet wurden und ums Leben kamen. Einzelnen Angaben nach sollen 100 Männer und laut der Erwähnung von Georgius Agricola etwa 400 Männer umgekommen sein. Diese Opferzahlen dürften überhöht sein, da zu der Zeit nicht so viele Bergleute am Rammelsberg tätig waren und es ein großes Unglück mit hunderten von Todesopfern am Rammelsberg nie gegeben hat. Mitte des 16. Jahrhunderts waren dort knapp 200 Bergleute tätig.Noch’n Gerücht! bei blog.rammelsberg.de vom 10. August 2012 Der Zinkanteil der Erze wurde in mittelalterlicher Zeit nicht verwertet und verbrannte meist zu Zinkoxid.

Um 1455 war die Kunst auf dem Rathstiefsten Stolln nicht mehr in der Lage, die Wasser zu Sumpfe zu halten, weswegen der Rat der Stadt Goslar den ungarischenaus der heutigen Slowakei Bergbauunternehmer Janosz (auch Jan oder Johann) Thurzo engagierte, um einen neuen, tieferen Stolln zu treiben. Thurzo gründete dazu eine bergrechtliche Gewerkschaft, in der auch sächsische („Meißner“) Gewerken vertreten waren, und schloss mit dem Rat einen entsprechenden Vertrag ab. Mit 1000 Gulden Eigenkapital begann er 1468 den Stollnvortrieb. Das Mundloch des „Meißner Stollns“ liegt zwischen dem Breiten Tor und dem Osterfeld, neben der Abzucht. Nach wenigen hundert Metern Vortrieb kam es 1489 zu Streitigkeiten zwischen den Stöllnern und dem Rat, die schließlich dazu führten, dass die Stöllner Goslar verließen. Thurzo verkaufte seine Anteile 1496 und der Rat versuchte nun den Stolln auf eigene Kosten weiter vorzutreiben. Dies geschah mit größeren Unterbrechungen, bis die Arbeiten schließlich 1550 endgültig eingestellt wurden. Zu diesem Zeitpunkt war der Meißnerstolln etwas über 1000 m lang.

Waren die Zechen ursprünglich in kaiserlichem Besitz (die Pfalz wurde deshalb von Werla nach Goslar verlegt), gelangte die Stadt in der Zeit zwischen 1360 und 1460 in den Pachtbesitz der Rammelsberger Gruben. Die Gruben wurden zum Teil nach den Eigentümerfamilien, zum Teil nach Eigenarten benannt.

Im Jahre 1489 bestanden 17 Gruben, von West nach Ost: Grubenname streichende Erstreckung (Ellen) streichende Erstreckung (m)Bleizeche68,038,9Oldegrove50,528,9Dudesche82,046,9Rottmann27,015,4Nachtigall31,017,7Kanekuhle37,521,4Silberhol41,023,4Breitling44,025,1Innie37,521,4Eschenstall36,020,6Haschenstall35,020,0Dedelebische34,019,4Voigtsche30,517,4Froborgsche13,07,4Hohe Warte38,021,7Hawschune36,020,6Lüdersüll26,315,0

Tagesbrüche als Folge des intensiven Bergbaus am Rammelsberg sind bereits 1585 schriftlich erwähnt worden. Erstmals bildlich dargestellt ist ein Erdeinbruch auf einem Bergwerksriss von 1680. Diese Struktur wurde 1712 als „Bruch am Tage“ mit einer Länge von 223 Metern und einer Breite von 23 Metern beschrieben. Noch heute sind diese Vertiefungen als bis zu 100 Meter lange Spalten auf der westlichen Bergflanke bis zur Bergkuppe sichtbar.Katharina Malek-Custodis, Georg Drechsler: Der Berg schreit! Zur Herkunft der tiefen Risse auf der Kuppe des Rammelsberges im Denkmalatlas Niedersachsen

Ausgrabungen mini|Blick auf das Ausgrabungsgelände des mittelalterlichen Bergwerks im Alten Lager am Rammelsberg Bei einer archäologischen Begehung im Jahre 1999 wurden auf einer Abraumhalde des Bergbaus am Rammelsberg Reste eines Lederschuhs gefunden, die sich in die Zeit um das Jahr 1024 datieren lassen. Nach weiteren Prospektionen kam es im Bereich der Fundstelle ab dem Jahre 2010 in jährlichen Kampagnen zu Ausgrabungen durch die Arbeitsstelle Montanarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Im Jahre 2011 wurde dort im Untergrund eine Holzkonstruktion entdeckt, die als ein mittelalterliches Bergwerk im Alten Lager mit Schacht und Stollen gedeutet wird. Es soll sich um den bisher ältesten holzgesicherten Stollen in Mitteleuropa handeln.

Frühe Neuzeit Im 16. Jahrhundert forderten – nach kriegerischen Auseinandersetzungen – die Braunschweiger Herzöge den Grubenbesitz zurück (Riechenberger Vertrag von 1552).

Maltermeisterturm Der Maltermeisterturm ist die älteste erhaltene Tagesanlage des Rammelsberges und – wahrscheinlich – auch Deutschlands. Er wurde um 1500 auf einer Halde am Hang des Rammelsberges errichtet. Anfangs diente der Turm zur Überwachung der Gruben, von 1578 bis 1804 wurde er als Anläuteturm genutzt. Die Anläuteglocke wurde zunächst im Stadtmuseum Goslar aufbewahrt, kam aber vermutlich nach 1990 in die Ausstellung im Haus M am Rammelsberg.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wohnte der Maltermeister in dem Turm. Er verwaltete das für den Bergbaubetrieb benötigte Holz, welches in Maltern gemessen wurde. Daher rührt der Name des Turmes.

Herzberger Teich mini|Herzberger Teich. Im Hintergrund rechts die Erzaufbereitung des Rammelsberges

Um in trockenen Zeiten genügend Aufschlagwasser für die Wasserräder zu haben, wurde der Herzberger Teich zum Antrieb der unter- und übertägigen Kunst- und Kehrräder angelegt. Aufgrund historischer Quellen wurde lange angenommen, dass der Teich 1561 angelegt worden ist. 2021 fand sich in Dokumenten, die im Rahmen eines Forschungsprojektes gesichtet wurden, seine früheste Erwähnung aus der Zeit um 1530. Kehrräder waren nach den neuen Quellenfunden schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Betrieb und nicht erst im 16. Jahrhundert.

Von 1926 bis 2014 wurde der Teich als Waldbad genutzt. Bis zur Stilllegung des Bergwerks wurde das Wasser zur Kühlung der Anlage genutzt, das warme Wasser wurde anschließend in den Teich zurückgepumpt und beheizte das Schwimmbecken im Waldbad.

Tiefer Julius-Fortunatus-Stollen mini|Mundloch des Meißner Stollns (heutiger tiefer Julius-Fortunatus-Stolln)