mini|Güner Y. Balcı, 2025

Güner Yasemin Balcı ( * 9. Februar 1975 in West-Berlin) ist eine deutsche Journalistin, Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin. Im August 2020 wurde sie Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln.

Leben Balcıs Eltern stammen aus der Türkei und gehören der Volksgruppe Zaza an. Sie kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland.Porträt auf Perlentaucher, abgerufen am 18. August 2022 Balcı wurde in Berlin-Neukölln geboren und wuchs dort auch auf. Sie wurde alevitisch erzogen. Ihr Vater arbeitete in Fabriken und als Handwerker, ihre Mutter in einer Papierfabrik am Fließband und als Reinigungskraft in einem Krankenhaus.

Nach dem Abitur studierte sie zunächst Erziehungs- und Literaturwissenschaften. Anschließend arbeitete sie zeitweise in einem Modellprojekt zur Gewalt- und Kriminalprävention im Rollbergviertel, einem sozialen Brennpunkt Neuköllns, und in einem Mädchentreff für Jugendliche aus türkischen und arabischen Familien.

Als freie Journalistin und Fernsehautorin befasst sie sich in Berichten und Reportagen unter anderem für Die Zeit, Der Spiegel (online) und Panorama, 2009. kritisch mit der Situation von Migranten und Migrantinnen in der deutschen Gesellschaft. Bis Ende 2008 war sie beim ZDF für das Fernsehmagazin frontal21 als Fernsehredakteurin tätig. 2026 startete ihre Kolumne in der Welt.

Werk Im September 2008 erschien im S. Fischer Verlag ihr Debütroman Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A., der von Spiegel Online als „Milieu-Roman“ beschrieben wurde. Auch in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der taz wurde der Roman ausführlich besprochen. Zudem wurde Balcı vom Deutschlandfunk und im Rahmen der Frankfurter Buchmesse zu ihrem Buch interviewt.„Eine verlorene Generation – Was tun gegen die Jugendkriminalität?“; Radiofeuilleton im Deutschlandradio Kultur vom 10. Januar 2009 (abgerufen am 5. Februar 2009).Güner Yasemin Balcı auf dem „blauen sofa“ der Frankfurter Buchmesse, 15. Oktober 2008: übertragen von Deutschlandradio Kultur (Audiofassung) und ZDF (abgerufen am 5. Februar 2009);

Die Regisseurin Nicole Oder adaptierte den Roman und führte ihn noch im Jahr seiner Veröffentlichung als Theaterstück auf. Arabboy wurde am 29. Mai 2009 im Berliner Heimathafen Neukölln uraufgeführt.

Eine Bühnen-Adaption von Balcıs zweitem Buch ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit feierte im November 2010 unter dem Titel Arabqueen oder das andere Leben ebenfalls im Heimathafen Neukölln Premiere.Gerhard Heß: . Auf: spielart-berlin.de am 28. Februar 2011. Im Roman, der dem Stück zugrunde liegt, wird das Leben von Mariam beschrieben, die aus einem streng muslimischen Elternhaus stammt. Anders als ihren Brüdern werden ihr dort kaum Freiheiten zugestanden, was zu einem Doppelleben zwischen den Kulturen führt.

Im Juli 2010 sendete die ARD die von Balcı und Nicola Graef gemachte Dokumentation Kampf im Klassenzimmer. Im Sommer 2011 verhinderte der RBB die geplante Ausstrahlung der Dokumentation Thilo Sarrazin – ein Jahr danach, nachdem das ZDF einen kontroversen Beitrag von Balcı zu demselben Thema im Kulturmagazin Aspekte gezeigt hatte. 2012 wurde Balcı zusammen mit Nicola Graef mit dem Civis-Fernsehpreis für die Reportage Tod einer Richterin – Auf den Spuren von Kirsten Heisig der WDR-Fernsehreihe Menschen hautnah ausgezeichnet., Pressemitteilung des WDR vom 10. Mai 2012. Im Dezember 2015 wurde auf arte ihr Film Der Jungfrauenwahn gezeigt,Bundeszentrale für politische Bildung; Der Jungfrauenwahn, Ein Dokumentarfilm von Güner Balci für den sie 2016 den Bayerischen Fernsehpreis erhielt, weil es ihr darin nach Meinung der Jury gelang, „für die Freiheit und Selbstbestimmung der Frau einzutreten, gleichzeitig den Schutz des Privaten zu wahren und die Voraussetzungen für eine moderne und zeitgemäße Gesellschaft unterschiedlicher Kulturen einzufordern.“, 3. Juni 2016

Im Herbst 2019 wurde ihre Dokumentation Die große Reise – Seyran Ateş und der Weg zu einem reformierten Islam im ZDF gesendet. Dafür begleitete Balcı die erste deutsche Imamin Seyran Ateş eineinhalb Jahre beim Aufbau der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin.

Balcı ist Gründungsmitglied des 2015 gegründeten Muslimischen Forums Deutschland. Im August 2020 wurde Balcı Integrationsbeauftragte im Berliner Bezirk Neukölln.

Am 24. Oktober 2023 veröffentlichte das ZDF in der Sendereihe 37 Grad ihre Dokumentation Unser Nachbar, der Neonazi. Am 4. Juni 2024 folgte in derselben Reihe ihr in Zusammenarbeit mit Jesco Denzel entstandener Dokumentarfilm Die Nummer auf meinem Arm - Albrecht Weinberg und seine GeschichteDie Nummer auf meinem Arm Albrecht Weinberg und seine Geschichte, von Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel, ZDF 4. Juni 2024 über das Leben des KZ-Überlebenden Albrecht Weinberg.

Audio Wie die Integrationsbeauftragte den Judenhass unter Einwanderern erlebt, 24.54 Minuten Audio-Version Gespräch mit Sebastian Engelbrecht, Deutschlandfunk Kulturfragen 14. April 2024 Küchenradio (Gespräche, Reportagen, Monologe aus Berlin seit 2005) Folge 215 Güner Balcı, 1.47.14 Minuten, 3. Juni 2009

Bücher Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-10-004813-4. ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit. Fischer, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-10-004814-1. Aliyahs Flucht: oder Die gefährliche Reise in ein neues Leben. 1. Auflage, S. Fischer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-10-004816-5. Das Mädchen und der Gotteskrieger. 1. Auflage, S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-002489-3. Denk mal! 2017, Anregungen von Harald Welzer, Güner Yasemin Balci, Nils Minkmar, Ahmad Mansour, Byung-Chul Han u. a., Fischer Taschenbuch 28. Juli 2016, ISBN 978-3-596-03690-5. Heimatland: Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie. 1. Auflage, Berlin Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-82-701525-9

Auszeichnungen 2011: LesePeter, der Jugendbuch-Preis der GEW für ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit. 2012: Civis-Fernsehpreis (zusammen mit Nicola Graef) 2016: Bayerischer Fernsehpreis und Juliane-Bartel-Medienpreis als Autorin und Regisseurin des Dokumentarfilms Der Jungfrauenwahn (ZDF/ARTE) 2026: Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg

Weblinks

Küchenradio Interview zu ihrem Buch Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid A. und den Hintergründen der Entstehung Deutschlandfunk Kulturfragen. Debatten und Dokumente vom 14. April 2024: Judenhass unter Einwanderern – Die Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln Güner Balcı im Gespräch mit Sebastian Engelbrecht

Einzelnachweise

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