Das Abilene-Paradox ist ein Paradoxon, bei dem eine Gruppe von Menschen sich kollektiv zu einer Handlung entschließt, die der persönlichen Präferenz jedes einzelnen Gruppenmitglieds zuwiderläuft.

Das Paradox beruht auf einem typischen Versagen der Gruppenkommunikation, wobei jedes Gruppenmitglied irrtümlicherweise glaubt, seine eigene Einstellung würde denen der anderen Personen widersprechen, und deshalb keine Einwände vorbringt.

Ursprung Der Begriff Abilene-Paradox wurde 1974 von Jerry B. Harvey, Professor für Betriebswirtschaft an der George Washington University, in seinem Artikel The Abilene Paradox and other Meditations on Management eingeführt. Der Name nimmt Bezug auf eine Anekdote, anhand derer Harvey das Paradox veranschaulicht:

Gruppendenken Das Abilene-Paradox ist mit dem Konzept des Gruppendenkens verwandt. Es wird durch die sozialpsychologischen Theorien von sozialer Konformität und Wahrnehmung erklärt, die darauf hindeuten, dass Menschen sich oft nur ungern gegen die Meinung der Gruppe stellen. In ähnlicher Weise beschreiben psychologische Theorien, wie versteckte Motive hinter den Aussagen und Handlungen von Personen stehen können, nur weil diese nicht fähig sind, ihre Gefühle und Wünsche offen zu äußern.

Anwendung der Theorie Die Theorie wird gerne benutzt, um schlechte geschäftliche Entscheidungen zu erklären. Auch in Management-Seminaren gemeinsam getroffene Entscheidungen werden teils daraufhin analysiert, ob sie tatsächlich von den einzelnen Gruppenmitgliedern so gewollt oder nur eine Folge des Gruppendenkens waren.

Siehe auch Consensus gentium Attributionsfehler Gruppenpolarisierung Gruppendenken Pluralistische Ignoranz Prognosemarkt Die Weisheit der Vielen

Quellen

Literatur

Weblinks Ein praktisches Beispiel für das Abilene-Paradox (englisch)

Kategorie:Paradoxon Kategorie:Sozialpsychologie Kategorie:Abilene (Texas)