Schifffahrtsgerichte sind in Deutschland Amtsgerichte zur Entscheidung über Binnenschifffahrtssachen (mit Ausnahme der Rhein- und Moselschifffahrtssachen, siehe unten). In Österreich werden entsprechende Aufgaben von Bezirksgerichten wahrgenommen.

Schifffahrtsgerichte in Deutschland Nach dem Gesetz über das gerichtliche Verfahren in Binnenschifffahrtssachen von 1952 (BinSchVfG) vom 27. September 1952; BT-Drs. 1/3303 gehören zu den Binnenschifffahrtssachen bürgerliche Rechtsstreitigkeiten, Strafsachen und Bußgeldsachen, die mit der Benutzung von Binnengewässern durch Schifffahrt zusammenhängen (), insbesondere Schadensersatzansprüche aus Unfällen Schadensersatzansprüche aus Amtspflichtverletzungen Ansprüche aus Bergung Ansprüche wegen Zahlung der Lotsen-, Kran-, Waage-, Hafen- und Bohlwerksgebühren Straf- und Bußgeldsachen wegen Verstößen gegen schifffahrtspolizeiliche Vorschriften und damit in Zusammenhang stehender Handlungen,Beispiele: Gewässerverunreinigung durch Einleiten von mit Öl vermischtem Kühlwasser aus Motorschiff (BGH, Beschluss vom 20. April 1979, 2 ARs 76/79); Unterschlagung von Mineralöl und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Verstoß gegen Umladeverbot (OLG Karlsruhe, Beschluss vom 7. April 2003, 1 AR 35/02); fahrlässige Körperverletzung im Zusammenhang mit fahrlässiger Gefährdung des Schiffsverkehrs (BGH, Beschluss vom 27. November 2018, 2 ARs 295/18) soweit nach GVG die Amtsgerichte zuständig sind.

In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten sind die Amtsgerichte als Schifffahrtsgerichte auch soweit sachlich zuständig, wie nach den Vorschriften des Gerichtsverfassungsgesetzes die Landgerichte streitwertmäßig zuständig wären (), und die Berufung ist ohne Rücksicht auf den Wert des Beschwerdegegenstandes zulässig ().

Für Berufungen und Beschwerden (einschließlich Rechtsbeschwerden) ist das dem jeweiligen Amtsgericht übergeordnete Oberlandesgericht als Schifffahrtsobergericht zuständig (). In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten entscheidet im dritten Rechtszug der Bundesgerichtshof (); in Strafsachen ist die Revision ausgeschlossen ().

Zuständigkeitskonzentration Es gibt zahlreiche Bestimmungen zur Zuständigkeitskonzentration, zum Teil bundesländerübergreifend (vgl. ). Diese können sich auf einzelne Gewässer oder auf ganze Gebiete beziehen. Schifffahrtsobergerichte Schifffahrtsgerichte Zuständigkeitskonzentration für Oberlandesgericht Karlsruhe(zugleich Rheinschifffahrtsobergericht) Amtsgericht KonstanzAbkommen zwischen den Ländern Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz über die Gliederung der Schiffahrtsgerichtsbezirke im Rheinstromgebiet von 1954 (GV. NW. S. 263) Bodensee, Rhein (aber nicht als Rheinschifffahrtsgericht) Amtsgericht Kehl (Rheinschifffahrtsgericht) Rhein Amtsgericht Mannheim (Rheinschifffahrtsgericht) Rhein, Neckar, Main bei Wertheim Amtsgericht Mainz (Rheinschifffahrtsgericht) Rhein, Main in Hessen Oberlandesgericht Köln(Rhein- und Moselschifffahrtsobergericht) Amtsgericht Sankt Goar(Rhein- und Moselschifffahrtsgericht)Abkommen zwischen den Ländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland über die Errichtung von Moselschiffahrtsgerichten von 1966 (GV. NW. S. 294) Rhein, Lahn, Mosel, Saar Amtsgericht Duisburg-Ruhrort (Rheinschifffahrtsgericht) Rhein, Schifffahrtsweg Rhein-Kleve, Rhein-Herne-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal, Ruhr Oberlandesgericht Hamm Amtsgericht DortmundVerordnung über die Zuweisung von Binnenschiffahrtssachen vom 28. Februar 1984 (GV. NW. S. 205) Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal, Datteln-Hamm-Kanal, Ruhr Amtsgericht Minden Weser, Werra, Fulda, Mittellandkanal Oberlandesgericht Saarbrücken Amtsgericht SaarbrückenVerordnung über die gerichtliche Zuständigkeit in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, Familiensachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 15. Juli 1994 (Amtsbl. S. 1119) Saar Oberlandesgericht Hamburg Amtsgericht Emden§ 22 ZustVO-Justiz Dortmund-Ems-Kanal, Ems, Küstenkanal u. a. Amtsgericht BremenStaatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die gerichtliche Zuständigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 (GVOBl. 1984 S. 61) Weser, Aller, Leine u. a. Amtsgericht Hamburg Elbe, Nord-Ostsee-Kanal u. a. Amtsgericht Waren (Müritz)§ 7 KonzVO M-V ganz Mecklenburg-Vorpommern Kammergericht Amtsgericht Charlottenburg (Zivilsachen)§ 4 ZuwV ganz Berlin Amtsgericht Tiergarten (Strafsachen) Oberlandesgericht Brandenburg Amtsgericht Brandenburg an der Havel§ 9 GerZV ganz Brandenburg Oberlandesgericht Naumburg Amtsgericht Magdeburg (Zivilsachen)§ 3 ZivilAGZustV ganz Sachsen-Anhalt (nur Zivilsachen) Oberlandesgericht Dresden Amtsgericht Dresden§ 18 SächsJustOrgV ganz Sachsen Oberlandesgericht Nürnberg§ 48 GZVJu, trotz der Überschrift auch in Straf- und Bußgeldsachen (LG Würzburg, Beschluss vom 20. April 2022, 1 Qs 38/22) Amtsgericht Bamberg LG-Bezirke Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof Amtsgericht Lindau (Bodensee) Bodensee, LG-Bezirk Kempten (Allgäu), AG-Bezirk Memmingen Amtsgericht Nürnberg LG-Bezirke Ansbach, Ingolstadt, Nürnberg-Fürth;AG-Bezirke Dillingen a. d. Donau, Günzburg, Neu-Ulm, Nördlingen Amtsgericht Regensburg LG-Bezirke Amberg, Deggendorf, Landshut, Passau, Regensburg, Weiden i. d. OPf. Amtsgericht Starnberg LG-Bezirke Augsburg (ohne AG-Bezirke Dillingen a. d. Donau und Nördlingen), München I, München II, Traunstein Amtsgericht Würzburg LG-Bezirke Aschaffenburg, Schweinfurt, Würzburg Keinerlei Zuständigkeitskonzentration existiert für Thüringen.

Besteht danach keine Zuständigkeitskonzentration, sind das örtliche Amtsgericht als Schifffahrtsgericht und sein Oberlandesgericht als Schifffahrtsobergericht zuständig.Beispiel: Havarie eines schwimmenden Saugbaggers auf Baggersee in Hessen (Verweisung an AG Dieburg durch LG Darmstadt, Beschluss vom 23. Oktober 2023, 18 O 59/22)

Rhein- und Moselschifffahrtsgerichte Die Rhein- und die Moselschifffahrtsgerichte beruhen auf staatsvertraglicher Grundlage (vgl. ), nämlich der Revidierten Rheinschifffahrtsakte von 1868 bzw. dem Vertrag über die Schiffbarmachung der Mosel von 1956.

Rhein- und Moselschifffahrtssachen sind Angelegenheiten auf dem Rhein ab Basel bzw. der Mosel, die betreffen Schadensersatzansprüche aus Beschädigungen, welche Schiffer während der Fahrt oder beim Anlanden verursachen Ansprüche wegen Zahlung von Gebühren Bußgeldsachen wegen Zuwiderhandlungen gegen schifffahrtspolizeiliche Vorschriften.Art. 34 der Revidierten Rheinschifffahrtsakte; Art. 35 des Vertrags über die Schiffbarmachung der Mosel

Der sachliche Zuständigkeitsbereich der Rhein- und Moselschifffahrtsgerichte ist somit enger als der der Schifffahrtsgerichte; insbesondere gehören Strafsachen,Berufungskammer der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Urteil vom 23. Januar 1997, 352 S - 6/96 vertragliche SchadensersatzansprücheHubert Holland: Frachtrechtliche Zuständigkeit der Schiffahrtsgerichte (1. Dezember 2018) und Amtshaftung nicht dazu.

Rheinschifffahrtsgerichte

Land Rheinschifffahrtsobergericht Rheinschifffahrtsgericht Gesetz über die Rheinschiffahrtsgerichte vom 8. Februar 1968 Appellationsgericht Basel-Stadt Strafgericht Basel-Stadt Zivilgericht Basel-Stadt Cour d’appel de ColmarCode de l’organisation judiciaire, art. L. 313-1 (2006), art. D. 313-1 (2008); ehemals Art. 3 des Gesetzes vom 19. März 1934 Tribunal judiciaire de StrasbourgCode de l’organisation judiciaire, art. L. 215-4, art. D. 215-2, tab. XII (2019) Oberlandesgericht Karlsruhe Amtsgericht Kehl Amtsgericht Mannheim Amtsgericht Mainz Oberlandesgericht Köln(ECLI-Code: RSCHOGK) Amtsgericht Sankt Goar Amtsgericht Duisburg-RuhrortAmtsgericht Duisburg-Ruhrort: Rheinschifffahrtsgericht (RSCHGDU) Uitvoeringswet der bepalingen van de artikelen 33, 36, 37 en 38 der herziene akte omtrent de Rijnvaart van 16 juli 1869; Wet op de rechterlijke indeling van 10 augustus 1951 Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden Rechtbank Gelderland, Arnhem Gerechtshof Amsterdam Rechtbank Midden-Nederland, Utrecht Gerechtshof Den Haag Rechtbank Rotterdam, Rotterdam/Dordrecht Rechtbank Den Haag, Den Haag/Gouda

Moselschifffahrtsgerichte Land Moselschifffahrtsobergericht Moselschifffahrtsgericht Cour d’appel de ColmarCode de l’organisation judiciaire, art. L. 313-2 (2006), art. D. 313-2 (2008) Tribunal judiciaire de Thionville Loi portant création et organisation d’un tribunal pour la navigation de la Moselle du 24 janvier 1990 Tribunal d’arrondissement de Luxembourg Justice de paix de Luxembourg Oberlandesgericht Köln (MSCHOGK) Amtsgericht Sankt Goar

In Rheinschifffahrtssachen kann statt Berufung oder Rechtsbeschwerde an das Rheinschifffahrtsobergericht optional auch die Berufungskammer der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) in Straßburg angerufen werden,; Art. 37, 45bis der Revidierten Rheinschifffahrtsakte; Verfahrensordnung der Berufungskammer der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt in Moselschifffahrtssachen der Berufungsausschuss der Moselkommission in Trier.; Art. 34 Abs. 4 des Vertrags über die Schiffbarmachung der Mosel; Verfahrensordnung des Berufungsausschusses der Moselkommission

Schifffahrtsgerichte in Österreich In Österreich gelten weiterhinZweites Bundesrechtsbereinigungsgesetz, , Anlage, Klassifikationsnummer 94.02.05 das ursprünglich deutsche Gesetz über das Verfahren in Binnenschiffahrtssachen von 1937 vom 30. Januar 1937 sowie die Vierte Durchführungsverordnung hierzu von 1941. vom 26. Juni 1941, insbesondere Art. 1, 2, 3 Abs. 1 Z 27

Davon erfasst werden nur bürgerliche Rechtsstreitigkeiten, nämlich Schadenersatzansprüche aus Zusammenstößen oder anderen Schifffahrtsunfällen sowie aus unerlaubten Handlungen, die sonst mit der Benutzung der Gewässer zusammenhängen Ansprüche auf Lotsenvergütungen Ansprüche aus Bergung und Hilfeleistung ().

Zuständig sind im ersten Rechtszug die Bezirksgerichte bzw. für die Donau das Bezirksgericht für Handelssachen Wien als Schifffahrtsgerichte,ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0046456 im zweiten Rechtszug die Oberlandesgerichte als Schifffahrtsobergerichte und im dritten Rechtszug der Oberste Gerichtshof.

Siehe auch Schifffahrtsrecht Rheinschifffahrtsgericht

Literatur, Quellen vom 27. September 1952 Klaus Ramming: Hamburger Handbuch zum Binnenschifffahrtsfrachtrecht. 1. Aufl., Verlag C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58262-2 IVR: Haftungsvorschriften für die Binnenschifffahrt (Juni 2008)

Weblinks IWT-LAW – Rechtsprechungsdatenbank zum Binnenschifffahrtsrecht Abteilung Binnenschifffahrtsrecht des Instituts für Transport- und Verkehrsrecht der Universität Mannheim Martin Rath: Als man Schifffahrt noch mit zwei "f" schrieb (25. November 2018)

Einzelnachweise

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