Das Hamburger Rathaus ist der Sitz der Bürgerschaft und des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Das prachtvolle Gebäude am Rathausmarkt wurde in den Jahren 1886 bis 1897 unter der Leitung des Architekten Martin Haller im Stil der Neorenaissance errichtet. Der Turm hat eine Höhe von 112 Metern und ist neben den Türmen der Hamburger Hauptkirchen eine bedeutende Landmarke im Hamburger Stadtbild. An den Innenhof mit dem Hygieia-Brunnen schließt sich auf der Rückseite das Gebäude der Hamburger Börse und Handelskammer an.

Geschichte mini|Altes Rathaus an der Trostbrücke von 1290, Zustand um 1700 mini|Rathaus (Mairie) zur „Franzosenzeit“ (1811–1814) mini|Provisorisches Rathaus nach dem Brand: Das alte Waisenhaus in der Admiralitätstraße (1842–1897) mini|Das Rathaus vom Turm der Nikolaikirche aus gesehen. Im Hintergrund Binnen- und Außenalster

Die Vorgänger Das heutige Rathaus ist vermutlich das sechste Rathaus der Stadtgeschichte. Die beiden ersten entstanden um 1200 in der Neustadt am Hopfenmarkt und in der erzbischöflichen Altstadt westlich vor dem Dom.Hamburg-Lexikon, S. 559. Nach der Vereinigung beider Städte entstand um 1230 ein gemeinsames Rathaus an der Ecke Kleine Johannisstraße / Dornbusch, das beim Stadtbrand von 1284 zerstört wurde. Einzig das Kellergewölbe blieb erhalten und diente als Ratsweinkeller und Weinlager. Das darauf errichtete Gebäude erhielt später den Namen Eimbecksches Haus, weil es eine Ausschank-Konzession für Einbecker Bier besaß. Der Ratsweinkeller stürzte 1842 beim Großen Brand zur Hälfte ein. Eine geborgene Bacchus-Figur steht noch heute im Rathaus am Treppenabgang zum Ratsweinkeller von der Großen Johannisstraße.

Um 1290 wurde ein viertes, größeres Rathaus auf dem Neß nahe der Trostbrücke erbaut (heute Standort des Hauses der Patriotischen Gesellschaft). Der auf einer Fläche von 26 mal 17 Metern mit einer zweigeschossigen Halle errichtete Backsteinbau wurde nach und nach erweitert. Das Niedergericht kam hinzu und zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Renaissance-Anbau. 1619 zog die Hamburger Bank mit ein. Dieses Gebäude-Ensemble in direkter Nachbarschaft zur alten Hamburger Börse bildete über mehrere Jahrhunderte das politische und wirtschaftliche Zentrum Hamburgs, lediglich unterbrochen von der Zeit der Zugehörigkeit Hamburgs zum französischen Kaiserreich 1811–14, als die Mairie vorübergehend im Görtz-Palais am Neuen Wall untergebracht war.

Provisorien nach dem Großen Brand Beim Großen Brand von 1842 wurde das Rathaus an der Trostbrücke gesprengt, um eine Brandschneise zu schaffen und das Feuer aufzuhalten. Die Sprengung gelang jedoch nur unvollständig und die Flammen, die in den Trümmern ausreichend Nahrung fanden, konnten sich über die Schneise weiter ausbreiten. Einige Standbilder von deutschen Kaisern, die seit 1640 an der Fassade dieses Rathauses eingefügt waren, sind erhalten geblieben und nun an der Außenfassade des Museums für Hamburgische Geschichte zu sehen. Auch sind mit Brandschutt verschmolzene Silberbarren des Silberschatzes im Phönix-Saal des Rathauses ausgestellt.

Nach der Zerstörung des alten Rathauses wurde das 1785 an der Admiralitätstraße erbaute und im Zweiten Weltkrieg zerstörte Waisenhaus zum provisorischen Rathaus und Sitz des Senats. Eine Gedenkplatte und ein Portalbogen vor Ort sind davon erhalten. Die Bürgerschaft (und ebenso die Hamburger Konstituante von 1848/50) tagte bis zur Fertigstellung des neuen Rathauses im großen Saal der Patriotischen Gesellschaft, dessen Haus 1847 an der Stelle des alten Rathauses errichtet wurde.Angela Andresen-Schneehage: Das steinerne Erbe. In: Hamburger Abendblatt. 7. April 2015, Sonderbeilage Patriotische Gesellschaft von 1765, S. 5.

Planung und Bau des heutigen Rathauses Als Standort des neuen Rathauses wurde ein Platz an der Kleinen Alster, auf der Rückseite der neuen Börse ausgewählt, die als einziges Gebäude in diesem Gebiet über den Brand gerettet worden war. Die Realisierung des Baus dauerte 43 Jahre von den ersten Wettbewerbsentwürfen 1854 (43 Entwürfe) und 1876 (128 Entwürfe) über die endgültige Annahme 1884 bis zur Fertigstellung 1897. Das Fundament des Rathauses ist wegen der Bodenbeschaffenheit auf mehr als 4000 Eichenpfählen gegründet. Die Baukosten betrugen 11 Millionen Goldmark, umgerechnet etwa 80 Millionen Euro.https://www.hamburgische-buergerschaft.de/rundgang/

Gebremst wurde das Vorhaben durch den vorrangigen Wiederaufbau der Stadt nach dem Brand, die politischen Umbrüche der Revolution von 1848/49, der Wirtschaftskrise von 1857, die deutschen Einigungskriege 1864–1871, die Folgen des Zollanschlusses Hamburgs an das Reich 1881–1888, den Bauarbeiterstreik 1889 und die Choleraepidemie von 1892. Vor allem aber die Tatsache, dass sich viele Stimmen über die Gestaltung und den Bauplatz einbrachten, ohne eine Entscheidung zu treffen, führten zu großen Verzögerungen.

Viele bekannte Architekten reichten Entwürfe ein (z. B. Gottfried Semper, William Lindley, Alexis de Chateauneuf, George Gilbert Scott – Sieger 1854, Ludwig Bohnstedt, Julius Carl Raschdorff, Mylius & Bluntschli – Sieger 1876, Otto Wagner). Die konkrete Planung erfolgte durch den 1880 gegründeten Rathausbaumeisterbund, eine Gruppe von insgesamt neun Architekten unter der Leitung von Martin Haller.Ein Rathaus – viele Architekten Neben Haller gehörten ihr Leopold Lamprecht, Bernhard Hanssen, Emil Meerwein, Johannes Grotjan, Wilhelm Hauers, Hugo Stammann, Gustav Zinnow und Henry Robertson an.Denkmalliste nach § 6 Absatz 1 Hamburgisches Denkmalschutzgesetz vom 5. April 2013, Auszug für den Bezirk Hamburg-Mitte Stand: 12. August 2013, S. 744. (pdf; 1,72 MB) Der zweite Entwurf des Rathausbaumeisterbundes wurde schließlich genehmigt und ab 1886 in Form des heutigen Gebäudes ausgeführt.

Zustand nach 1945 Trotz der massiven Bombardements Hamburgs während des Zweiten Weltkriegs blieb das Rathaus, abgesehen von einer geringen Beschädigung am Turm, völlig unversehrt, so dass der Originalzustand fast unverändert erhalten geblieben ist.Das Hamburger Rathaus aus hamburgspezial.de, abgerufen am 3. März 2025Das Hamburger Rathaus - eine schwere Geburt Journal der Stiftung Historische Museen Hamburg, Ausgabe September 2017, abgerufen am 3. März 2025

Fassade Der zweiflügelige Granit- und Sandsteinbau besitzt eine 111 Meter breite Fassade, dominiert von einem 112 Meter hohen Mittelturm, dessen Höhe der Breite des ganzen Gebäudes entspricht.Tzschentke: Der Rathausbaumeister Johannes Grotjan und die Baugeschichte des Hamburger Rathauses. 2013, S. 178 (online) Das Dach ist kupfergedeckt. Die Sandsteinanteile bestehen vor allem aus Wünschelburger Sandstein. Die Gesamtwirkung der Fassade entsteht durch die Kombination von italienischen und norddeutschen Renaissance-Elementen.

Das prächtige schwarze Eingangsportal mit üppigem Rankenwerk und verknäuelten Rosetten und Figuren ist ein Zeugnis der Kunstfertigkeit des Hamburger Kunstschmiedehandwerks.

Die kupferne Turmspitze krönt ein vergoldeter Reichsadler, seine vier Steingiebel verzieren vier in Kupfer getriebene Wappenfähnchen haltende Ritter.Das neue Rathhaus in Hamburg : zum Tage der Einweihung am 26. October 1897. 1897, S. 4 (online)

Über den Erdgeschoss-Außenfenstern sind die Wappen diverser hanseatischer Familien angebracht.

Der Phönix mini|hochkant=0.5|Der Phönix Am Turmschaft zwischen der großen Turmuhr und dem Wappen von Hamburg erinnert die sogenannte Phönix-Laube an die große Brandkatastrophe Anfang Mai 1842. Fünfzig Jahre später wurde am 7. Mai 1892 das Richtfest des „neuen Rathauses“ gefeiert. Die von dem Bildhauer Aloys Denoth geschaffene vollplastische Phönix-Figur breitet seine Flügel aus, um neugeboren aus dem Feuer aufzusteigen. Ein Medaillon darunter zeigt in vergoldeter Zeichnung das alte 1842 abgebrannte Rathaus mit der darüber schwebenden Parole RESURGAM (ich werde wieder auferstehen). Die darunter in Gold angebrachten Daten 1842-6.May-1892 markieren den Verlust des alten Rathauses im großen Brand und die Fertigstellung des neuen Rohbaus.

Die Kaiser mini|Über dem Rathaus-Portal das Mosaik der Hammonia

Auf der Rathausmarktseite stehen zwischen den Fensternischen zwanzig Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, von Karl dem Großen bis Franz II. jeweils 600 kg schwer in Bronze.Matthias Gretzschel: Die Wiedergeburt der Rathaus-Kaiser In: Hamburger Abendblatt. 12. Oktober 2013. Über den Monarchen thronen am Mittelturm die Darstellungen der bürgerlichen Tugenden: Tapferkeit, Frömmigkeit, Eintracht und Klugheit (v.l.n.r.). Dass die bürgerlichen Tugenden oberhalb der Kaiser angeordnet sind, versinnbildlicht die Freiheit der Stadt Hamburg gegenüber der Krone, da Hamburg keine Kaiserstadt, sondern eine Hansestadt war. Über dem Haupteingang befindet sich zudem ein Mosaik, das die hamburgische Landesallegorie Hammonia darstellt.

mini|Der Flügel des Parlaments (Bürgerschaft) mini|Der Flügel der Regierung (Senat)

+ Anordnung der Kaiser in der vorderen Fassade in der Aufzählung von links (Große Johannisstraße) nach rechts (Alter Wall) Pos. Name Bildhauer 1 Lothar III. von Sachsen (1125–1137) Bruno Kruse aus Berlin (1892–1893) 2 Heinrich III. (1039–1056) Wilhelm Giesecke aus Hamburg (1892–1893) 3 Konrad II. (1024–1039) Wilhelm Kumm aus Berlin (1892–1894) 4 Otto II. (973–983) Karl Garbers aus Dresden (1892–1893) 5 Otto I. (936–973) August Vogel aus Berlin (1892–1893) 6 Heinrich I. (919–936) Friedrich Pfannschmidt aus Berlin (1892–1893) 7 Konrad I. (911–918) Theodor Richard Thiele aus Hamburg (1892) 8 Ludwig der Deutsche (843–876) Georg Küsthardt aus Hildesheim (1892–1893) 9 Ludwig der Fromme (814–840) Robert Ockelmann aus Dresden (1892–1893) 10 Karl der Große (768–814) Joseph von Kramer aus München (1892–1893) 11 Friedrich Barbarossa (1152–1190) August Vogel aus Berlin (1893) 12 Heinrich VI. (1190–1197) Engelbert Peiffer aus Hamburg (1892–1893) 13 Friedrich II. (1212–1250) Carl Echtermeier aus Braunschweig (1892–1893) 14 Rudolf von Habsburg (1273–1291) Karl Hilgers aus Charlottenburg (1892–1893) 15 Karl IV. (1346–1378) August Herzig aus Dresden (1892–1893) 16 Maximilian I. (1493–1519) Joseph von Kramer aus München (1892–1893) 17 Karl V. (1519–1556) Jacob Ungerer aus München (1892–1893) 18 Maximilian II. (1564–1576) Friedrich Hartzer aus Berlin (1892–1893) 19 Joseph II. (1765–1790) Carl Börner aus Hamburg (1892) 20 Franz II. (1792–1806) Aloys Denoth aus Hamburg (1892–1894) Die chronologische Reihenfolge geht von Karl dem Großen über dem Hauptportal nach links über Ludwig den Frommen bis zu Lothar III v. Sachsen und nach rechts über Friedrich Barbarossa bis zu Franz II.

Die bürgerlichen Berufe Über 28 Fenster der Repräsentationsetage wurden auf die Fensterverdachung 28 Charakterbüsten für Vertreter der bürgerlichen Berufe gesetzt.

In diesen Figuren hat der Bildhauer Aloys Denoth bekannte Persönlichkeiten jener Zeit porträtiert. Heinz-Jürgen Brandt stellt in seinem Buch dar, dass diese Figurenreihe von den Zeitgenossen als willkommene Belebung der Fassade und als Darstellung des bürgerlichen Fleißes lebhaft begrüßt wurde.Heinz-Jürgen Brandt: Das Hamburger Rathaus. Eine Darstellung seiner Baugeschichte und eine Beschreibung seiner Architektur und künstlerischen Ausschmückung. Broschek Verlag, Hamburg 1957, S. 65.

Die Aufzählung hier beginnt an der Großen Johannisstraße und endet am Alten Wall. Entsprechend der Gliederung des Rathauses befinden sich auf der Rathausmarkt-Seite links das Bildnis des Bürgerschaftspräsidenten (Nr. 4) und rechts das Bildnis des Bürgermeisters (Nr. 21).

Im Folgenden sind Fotos der Fassade und alte Fotos der Gipsmodelle von Aloys Denoth (mit geringfügigen Unterschieden zur endgültigen Ausführung) zu sehen.