mini|John Harding, 1. Baron Harding of Petherton Allan Francis Harding, 1. Baron Harding of Petherton GCB, CBE, DSO & Two Bars, MC, genannt John Harding (* 10. Februar 1896 in South Petherton, Somerset; † 20. Januar 1989 in Nether Compton, Dorset), war ein britischer Feldmarschall, Chef des Imperialen Generalstabes und Gouverneur von Zypern. Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg, war Oberbefehlshaber der Britischen Rheinarmee und im Zypriotischen Unabhängigkeitskrieg.

Leben Erste Einsätze John Harding besuchte zunächst die Schule in Ilminster, Somerset, und studierte dann am King’s College London. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs trat er in die British Army ein. Er kämpfte 1915 als Second Lieutenant in der Schlacht von Gallipoli und ab 1917 als Lieutenant an der Palästinafront. In der Zwischenkriegszeit war er zeitweise in Indien stationiert, wurde 1923 zum Captain befördert und absolvierte von 1928 bis 1929 Staff College Camberley eine Stabsoffiziersausbildung. 1935 stieg er zum Major und 1939 zum Lieutenant-Colonel auf.

Zweiter Weltkrieg mini|John Harding und Harold Alexander inspizieren die Frontlinie im Nahen Osten Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges diente er als Kommandeur des 1. Bataillons der Somerset Light Infantry. In dieser Funktion war er in Wasiristan, an der britisch-indischen North West Frontier im Einsatz und wurde lobend erwähnt (Mentioned in dispatches). Im Oktober 1940 wechselte er zum Stab des Middle East Command und im Dezember in den Generalstab der Western Desert Force (WDF). Für seine Verdienste in dieser Funktion wurde er zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Nach der Gefangennahme der Befehlshabers der Western Desert Force Richard O’Connor im April 1941 übernahm Harding vorübergehend das Kommando über die WDF und traf in dieser Funktion die Entscheidung, Tobruk zu halten. Am 9. August 1941 wurde er zum Colonel befördert (rückwirkend zum 1. Januar 1941) und später mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet.

Harding wurde im August 1941 zum Brigadegeneral des XIII. Korps (der neuen Bezeichnung der Western Desert Force) ernannt. Anfang 1942 wurde er lobend erwähnt und im Februar 1942 mit einer Spange zu seinem Distinguished Service Order ausgezeichnet. Am 26. Januar 1942 wurde er zum amtierenden Major General befördert und stellvertretender Direktor der Militärausbildung des Nahostkommandos. In dieser Funktion wurde er im Sommer 1942 erneut lobend erwähnt. Im September 1942 wurde er zum Kommandeur der 7th Armoured Division, der berühmten „Wüstenratten“, ernannt. Am 23. Oktober begann die entscheidende Schlacht von El Alamein. Der Vormarsch des aus der 7th Armoured Division sowie zwei Infanteriedivisionen bestehenden XIII. Korps am Südflügel diente anfangs hauptsächlich der Ablenkung und der Bindung des Gegners. Am Morgen des 4. November wurde aber der Einbruch in die Stellungen des gegenüberliegenden italienischen XX. Korps für die Schlacht entscheidend. Die fast komplette Auslöschung der Division Trento und 101ª Divisione motorizzata “Trieste” und die Vernichtung der Kampfverbände der Division Folgore überzeugte die meisten italienischen Generäle das die Schlacht verloren sei.

John Harding führte sein vorgeschobenes Hauptquartier zunächst von einem Panzer und später von einem Jeep aus und wurde im Januar 1943 während der Verfolgung der Achsenmächte nach Tripolis durch Granatsplitter verwundet. Für sein Verhalten Ende Januar 1943 wurde ihm eine zweite Spange zu seinem Distinguished Service Order verliehen. Harding kehrte 1943 nach Großbritannien zurück und erholte sich von seiner Verwundung und dem Verlust von drei Fingern an seiner linken Hand.

Am 10. November 1943 wurde Harding zum kommissarischen Lieutenant General befördert und übernahm das Kommando über das VIII. Korps, das an der Invasion in der Normandie teilnehmen sollte. Kurz darauf, im Januar 1944, wurde er jedoch an die italienische Front versetzt, um Stabschef von General Sir Harold Alexander zu werden, der damals die 15th Army Group befehligte (später als Alliierte Armeen in Italien (AAI) bezeichnet, bevor sie im Dezember 1944 wieder in 15th Army Group umbenannt wurde). Für seine Verdienste in Italien wurde er am 16. Juni 1944 zum Knight Commander des Order of the Bath geadelt und am 13. Juli 1944 zum Major-General befördert. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Planung der Operation Diadem, der vierten Schlacht um Monte Cassino, die zur Einnahme Roms und zur Vernichtung eines Großteils der Achsenmächte sowie zu den anschließenden Kämpfen an der Gotenlinie führte. Im März 1945 übernahm er das Kommando über das XIII. Korps in Italien und führte es durch die Frühjahrsoffensive 1945 in Italien. Er erreichte Triest kurz nach der deutschen Kapitulation im Mai und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Für sein Verhalten während des Krieges wurde ihm am 14. Mai 1948 von US-Präsident Harry S. Truman die Legion of Merit im Rang eines Kommandeurs verliehen.

Nachkriegszeit Nach dem Krieg wurde Harding am 19. August 1946 zum Lieutenant-General befördert und folgte Harold Alexander im November 1946 als Befehlshaber der britischen Streitkräfte im Mittelmeerraum nach. Im Juli 1947 wurde er Oberbefehlshaber des Südkommandos und übernahm am 28. Juli 1949 zu Beginn des Malayan Emergency das Kommando über die Landstreitkräfte im Fernen Osten. Nachdem er am 9. Dezember 1949 zum General befördert worden war, wurde er Generaladjutant Seiner Majestät. Im Rahmen der Geburtstagsauszeichnungen des Königs 1951 wurde er zum Knight Grand Cross des Order of the Bath erhoben. Am 30. August 1951 wurde Harding Oberbefehlshaber der Britischen Rheinarmee (BAOR).

Von 1952 bis 1955 war Harding Chef des Imperialen Generalstabes. In dieser Funktion beriet er die britische Regierung hinsichtlich der Reaktion auf den Mau-Mau-Krieg. Am 21. Juli 1953 wurde er zum Field Marshal befördert und schied am 29. September 1955 aus der Armee aus.

Zypriotischer Unabhängigkeitskrieg Am 3. Oktober 1955 wurde John Harding Gouverneur von Zypern und zugleich Oberkommandierender der britischen Truppen auf Zypern. Dieses Amt hielt er bis zum 22. Oktober 1957. Am 1. April 1955 begann mit einer Reihe von Anschlägen auf britische Ziele der Zypriotische Unabhängigkeitskrieg. Nach einer Reihe weiterer Zwischenfälle verhängte Harding am 26. November 1955 den Ausnahmezustand. Nach dem Vorbild der Aufstandsbekämpfung in British Malaya versuchte Harding, die Aktivitäten der zivilen, militärischen und polizeilichen Behörden zu koordinieren, um insbesondere nachrichtendienstliche Informationen zu sammeln und zu verarbeiten. Im Oktober 1955, als sich die Sicherheitslage verschlechterte, eröffnete Harding Gespräche über die Zukunft der Insel. Zu diesem Zeitpunkt wurde Erzbischof Makarios III. bereits mit den Aufständischen identifiziert und die Gespräche wurden Anfang 1956 ohne eine Einigung beendet. Makarios, der von den britischen Behörden mit Misstrauen betrachtet wurde, wurde später auf die Seychellen verbannt. Die Nachricht von seiner Verhaftung löste einen einwöchigen Generalstreik aus, gefolgt von einer dramatischen Zunahme der Aktivitäten der Nationalen Organisation der zypriotischen Kämpfer (EOKA): 246 Anschläge bis zum 31. März, darunter ein Attentatsversuch auf Harding, der scheiterte, weil die Zeitbombe unter seinem Bett nicht hochging.Newsinger (2016), S. 102. Mitte 1956 befanden sich 17.000 britische Soldaten auf Zypern, und Harding war bestrebt, die Gebirgseinheiten der EOKA im Troodos-Gebirge zu bekämpfen. Es wurde deshalb eine Reihe von Operationen eingeleitet, um die EOKA zu bekämpfen und ihren Anführer Georgios Grivas festzunehmen. Vom 17. Mai bis zum 7. Juni startete Großbritannien die Operation „Pepper pot“, die von einer Fallschirmjägerbrigade durchgeführt wurde. Die Operation wurde jedoch vorher an Grivas durch einen Informanten übermittelt, so dass dieser sich entsprechend vorbereiten konnte, was dazu führte, dass sie wenig Wirkung gegen EOKA hatte. Die Suezkrise verschaffte der EOKA im Herbst 1956 eine Atempause, und es kam zu einer gewissen Reorganisation, insbesondere in der Stadtguerilla. Infolgedessen konnte bei den Briten an die Erfolge der Sommeroperationen nicht angeknüpft werden, was Harding frustrierte. Die EOKA verstärkte ihre Kampagne in einem Monat, den die Briten als „Schwarzer November“ bezeichneten, mit insgesamt 416 Angriffen, bei denen 39 Menschen getötet wurden, davon 21 Briten. Angesichts der wachsenden Kritik im Vereinigten Königreich an seinen Methoden und deren mangelnder Wirksamkeit trat John Harding am 22. Oktober 1957 als Gouverneur zurück und wurde im Dezember durch Hugh Foot ersetzt.Holland (1998), S. 213.

Nach seiner Rückkehr nach England wurde ihm am 17. Februar 1958 die erbliche Peerwürde eines Baron Harding of Petherton, of Nether Compton in the County of Dorset, verliehen. Er wurde dadurch Mitglied des House of Lords. Diesen Titel erbte nach seinem Tod sein Sohn John Charles Harding.

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Einzelnachweise

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