Die Liste der Pflegemodelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Pflegemodelle, die in der professionellen Pflege zur Erklärung grundlegender Sachverhalte und Beziehungen der betroffenen Personengruppen eingesetzt werden bzw. worden sind. Sie sind hier in der Reihenfolge ihrer Entstehung und nach Hauptmerkmalen sortiert.
Diese Modelle basieren meistens auf einem pflegetheoretischen Konzept und werden innerhalb der Pflegewissenschaft und -forschung als konzeptionelle Pflegemodelle verstanden und anhand verschiedener Merkmale beschrieben. Modelle sind im wissenschaftlichen Verständnis aber zunächst noch keine Theorie. Es wäre gedanklich falsch, die Begriffe Pflegetheorie und Pflegemodell gleichzusetzen, weil die Modelle noch nicht auf nachprüfbaren Forschungsergebnissen aufbauen.
Beschreibungsmerkmale Wichtige Beschreibungsmerkmale für ein Pflegemodell sind Mensch, Gesundheit/Krankheit, Umgebung und Pflege. Diese vier Merkmale sind je ein Metaparadigma.
Hier noch ein Kurzwegweiser nach dem Namensalphabet der Autorinnen: Al-Aslamiya, Böhm, Friedemann, Henderson, Juchli, King, Krohwinkel, Leininger, Neuman, Nightingale, Orem, Orlando, Peplau, Rizzo-Parse, Rogers, Roper , Roy
Zugrundeliegende Theorie Pflegemodelle basieren auf einer theoretischen Basis, die neben der Definition des Metaparadigmas auch über ihren Ursprung, ihre Entstehung, ihre Bedeutung, die Logik, die Anwendbarkeit und die Übertragbarkeit unterschieden werden können, die als das Abstraktionsniveau bezeichnet werden. Umfassende, meist induktiv entstandene Konzepte, die überwiegend der ersten Generation der Pflegetheorie entstammen, werden hierbei als grand theory (engl. für groß) klassifiziert, nachfolgende deduktive Konzepte können entweder zu den grand theories gehören oder werden wegen ihrer eingeschränkten Reichweite als mid-range theory (engl. für mittlere Reichweite) bezeichnet. Die aktuelle Theorieentwicklung innerhalb der Pflege beschränkt sich überwiegend auf Konzepte mit einer deutlich eingeschränkten Reichweite, beispielsweise auf eine eng definierte Zielgruppe oder Pflegehandlung. Diese werden als micro theory oder narrow-scope theory (engl. für eingeschränkte Reichweite) klassifiziert und in dieser Liste nicht erfasst. Die Reichweite der Theorie ist für das übergeordnete Pflegemodell von entscheidender Bedeutung für die Ableitungsfähigkeit kleinerer Theorien und Modelle, die Anwendbarkeit innerhalb verschiedener Pflegekulturen und der Denkschule, der sie zugeordnet wird.Klassifikation innerhalb der Liste nach Meleis, vgl. Afaf Ibrahim Meleis: Theoretical Nursing: Development and Progress. Lippincott Williams & Wilkins, 1997, ISBN 0-397-55259-9.
Grundtypus Pflegemodelle werden nach ihrer Ausrichtung in verschiedene Grundtypen eingeteilt. Für diese Liste wurde aufgrund ihrer Verbreitung im deutschsprachigen Raum die Einteilung in die Grundtypen nach Meleis zugrunde gelegt. Die Modelle werden hierbei in die drei von Meleis definierten Grundtypen der Bedürfnis- beziehungsweise Lebensmodelle, Interaktionsmodelle, Pflegeergebnismodelle eingeordnet. Andere Pflegewissenschaftler, wie beispielsweise Ann Marriner Tomey, wenden andere Klassifizierungen an; sie unterscheidet zwischen humanistischen, systemischen, Energiefeld- und Ergebnismodellen.Ann Marriner-Tomey: Pflegetheoretikerinnen und ihr Werk, Recom Verlag, 1992, ISBN 3-315-00082-4, S. 22–56.
Metaparadigma Pflegewissenschaftler beschreiben die Konzepte, die die Grundlage für das jeweilige Pflegemodell bilden, anhand zentraler Faktoren und Phänomene. Diese werden als Paradigmen bezeichnet und umfassen in der Pflege den Menschen, die Umgebung, das Verständnis von Gesundheit und Krankheit sowie der Pflege. Ein wesentlicher Faktor ist insbesondere der „pflegebedürftige Mensch“, der im Mittelpunkt des professionellen pflegerischen Handelns steht. Pflegemodelle enthalten in der Regel auch Aussagen zum Menschenbild, der Kommunikation und/oder den Bedürfnissen des Gepflegten. Zusammengefasst ergeben diese Einzelfaktoren die zentralen Kriterien der Pflege, nach der Pflegemodelle, -theorien und -konzepte definiert und klassifiziert werden. Das zugrunde liegende Menschenbild kann als einheitlich, holistisch, beziehungsweise ganzheitlich, mechanistisch oder systemisch verstanden werden. Es wird in dieser Liste unter dem Paradigma Mensch angesprochen. Elsevier GmbH, Nicole Menche (Hrsg.): Pflege Heute. Urban & Fischer in Elsevier, 2019, ISBN 978-3-437-26778-9, S. 92/93. Nach einer pflegewissenschaftlichen Auseinandersetzung über das Selbstverständnis in der Pflege wird die professionelle Pflege zwar nicht als paradigmatische Wissenschaft begriffen, da die komplexen sozialwissenschaftliche Zusammenhänge nicht umfassend über ein globales Paradigma, das Metaparadigma, beschrieben werden können; diese Parameter werden jedoch benutzt, um Pflegemodelle zu beschreiben.
Theorien ohne zugehöriges Modell Vor Entstehung der Pflegewissenschaft wurden bereits Theorien entwickelt, die jedoch nicht im Rahmen des pflegewissenschaftlichen Verständnisses zu einem Pflegemodell ausgebaut wurden. Diese Theorien beschreiben jedoch ebenfalls die grundlegenden Parameter der Pflege und gelten als Meilensteine des professionellen Pflegeverständnisses und Basis nachfolgender Pflegetheorien und Modellentwicklungen. Dies betrifft sowohl Rufaida Al-Aslamiya, deren Arbeit in der Schlacht von Badr auf der arabischen Halbinsel im Jahre 624 die östliche Pflege begründete, als auch die 1860 als Notes of Nursing von Florence Nightingale veröffentlichten theoretischen Grundlagen der westlichen Pflegetheorie.
Konzeptionelle Pflegemodelle nach Entstehung Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege (1952) Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege Autor Hildegard Peplau Entstehungsjahr/-ort 1952 / Vereinigte Staaten von Amerika Zugrundeliegende Theorie Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege Grundtypus Interaktionsmodell Alternative Bezeichnungen Interpersonale Beziehungen in der Pflege, Psychodynamische Pflege Metaparadigmen Definition durch das Modell Mensch Der Mensch lebt in einem instabilen physiologischen, psychologischen und sozialen Gleichgewicht und wird als einzigartiges Wesen wahrgenommen, dessen zwischenmenschliche Beziehungen durch verschiedene Umstände gesteuert werden. Gesundheit/Krankheit Gesundheit ist ein fortlaufender Prozess der Persönlichkeit und anderer menschlicher Bedürfnisse. Sie ist auf ein kreatives, aktives, nützliches und leistungsfähiges persönliches Leben und das Gemeinschaftsleben ausgerichtet. Krankheit ist ein Symptom sowohl psychologischer als auch physiologischer Überforderung. Umgebung Der Mikrokosmos beinhaltet sämtliche Bezugspersonen und zwischenmenschliche Beziehungen, innerhalb welcher der Pflegebedürftige sich bewegt. Pflege Pflege wird als signifikanter, therapeutischer interpersonaler Prozess verstanden, der über die Fertigkeiten verfügt, die Kraft zur Entwicklung der Person zu geben und auch als pädagogisches Instrument eingesetzt werden kann.Hilde Steppe: Pflegemodelle in der Praxis, 3. Folge: Hildegard Peplau. In: „Die Schwester Der Pfleger“, Ausgabe 9, Jahrgang 1990, Bibliomed, S. 767
Bedürfniserkennung im Beziehungsprozess (1962) Bedürfniserkennung im Beziehungsprozess Autor Ida Jean Orlando Entstehungsjahr/-ort 1962 / Vereinigte Staaten von Amerika Zugrundeliegende Theorie Pflegeprozesstheorie Grundtypus Interaktionsmodell Alternative Bezeichnungen Dynamische Beziehung zwischen Patient und Pflegeperson, Lebendige Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten Metaparadigmen Definition durch das Modell Mensch Ein mit Bedürfnissen ausgestattetes Wesen, das die Fähigkeit besitzt, sich weiterzuentwickeln und sich durch verbales und nonverbales Verhalten charakterisieren lässt. Gesundheit/Krankheit Der Zustand, in dem Bedürfnisse durch den Menschen selbst erfüllt werden können. Krankheit führt zu einer dauerhaften oder vorübergehenden Abhängigkeit. Die Erfüllung der Bedürfnisse führt zu einem Gefühl der Angemessenheit. Umgebung Keine nähere Beschreibung, die aktuelle Pflegesituation zwischen Gepflegtem und Pflegendem wird als unmittelbare Umgebung verstanden. Pflege Die Pflegekraft ist die Schnittstelle zwischen Patient und Medizin, sie erfüllt die Anweisungen der Medizin im Sinne des Patienten und nicht im Sinne des Arztes. Sie sorgt für die Verringerung der Hilfsbedürftigkeit durch die Beurteilung der notwendigen Hilfe. Diese Beurteilung basiert auf der Kommunikation zwischen Pflegeperson und Pflegebedürftigem.Hilde Steppe: Pflegemodelle in der Praxis, 6. Folge: Ida Jean Pellerier (geb. Orlando) In: „Die Schwester Der Pfleger“, Ausgabe 4, Jahrgang 1991, Bibliomed
Modell der 14 Grundbedürfnisse (1966) Modell der 14 Grundbedürfnisse Autor Virginia Henderson Entstehungsjahr/-ort 1966 / Vereinigte Staaten von Amerika Zugrundeliegende Theorie Pflegetheorie nach Henders Grundtypus Bedürfnismodell Alternative Bezeichnungen Modell der Grundbedürfnisse, Pflege nach Henderson Metaparadigmen Definition durch das Modell Mensch Jedes Individuum besteht aus einer untrennbaren Einheit von Körper und Geist; ein physiologisches und emotionales Gleichgewicht soll angestrebt und gehalten werden. Die Bedürfnisse folgen der maslowschen Bedürfnispyramide. Gesundheit/Krankheit Lebensqualität, die mit Unabhängigkeit assoziiert wird, beschreibt Gesundheit; Krankheit bedeutet analog Abhängigkeit. Umgebung alle externen Faktoren und Konditionen, die das Leben und die Entwicklung des Menschen beeinflussen Pflege Die Pflege wird in vier Phasen eingeteilt, die die Interaktion zwischen Pflegendem und Gepflegtem kennzeichnen: Orientierung, Identifikation, Nutzung oder Ausbeutung, Ablösung. Ziel der Pflege ist, durch ergänzende oder unterstützende Maßnahmen die Gesundung des Individuums voranzubringen.Hilde Steppe: Pflegemodelle in der Praxis, 2. Folge: Virginia Henderson. In: „Die Schwester Der Pfleger“, Ausgabe 8, Jahrgang 1990, Bibliomed, S. 584–588.
Transkulturelle Pflege nach Leininger (1966) Transkulturelle Pflege Autor Madeleine Leininger200px Entstehungsjahr/-ort 1966 / Vereinigte Staaten von Amerika Zugrundeliegende Theorie Kulturelle Dimensionen menschlicher Pflege Grundtypus Bedürfnismodell Alternative Bezeichnungen Transkulturelle, Kultursensitive bzw. Interkulturelle Pflege, Culture Care Metaparadigmen Definition durch das Modell Mensch Der ganzheitlich zu betrachtende Mensch wird durch seine Kultur sowie durch Werte und Normen seines sozialen Umfeldes geprägt. Er hat das Bedürfnis entsprechend dieser Vorstellungen zu leben, zu interagieren und behandelt zu werden. Gesundheit/Krankheit Gesundheit wird beschrieben als ein Zustand des Wohlbefindens, das kulturell unterschiedlich empfunden wird. Sie wird definiert durch die Fähigkeit, die eigene soziale Rolle innerhalb kultureller und strukturierter Lebensweise zu erfüllen. Umgebung Die Umgebung bezieht sich auf die Gesamtheit der Ereignisse und Erfahrungen, die innerhalb eines kulturellen, physiologischen oder soziopolitischen Settings auf den Menschen einwirkt, sowie die beeinflussende Ethno-Historie. Pflege Die Pflege ist eine humanistische und wissenschaftliche Disziplin, deren zentrale Aufgabe die Assistenz Einzelner oder Gruppen ist, um deren Gesundheit, respektive Wohlbefinden in kulturell angepassten Handlungen und Sorgephänomenen zu verbessern oder aufrechtzuerhalten, und sie bei der Begegnung mit Tod oder Behinderungen zu unterstützen.Marijke Visser, Anneke de Jong: Kultursensitiv pflegen: Wege zu einer interkulturellen Pflegepraxis. Elsevier, Urban&Fischer Verlag 2002, S. 16–18 und 89–102, ISBN 3-437-26730-2
Adaptionsmodell (1970)