Das Weltwirtschaftsforum (WEF; [], , , ) ist eine Schweizer Stiftung und Lobbyorganisation, die in erster Linie für das von ihr veranstaltete gleichnamige Jahrestreffen in Davos bekannt ist. Hierbei kommen zahlende Mitglieder, international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Wissenschaftler, gesellschaftliche Akteure und Journalisten zusammen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren. Neben der Wirtschaftspolitik – welche traditionell im Fokus stand – konzentriert sich das WEF im Rahmen seiner Agenda zunehmend auch auf Themen wie Umweltschutz und soziales Unternehmertum.

Das Forum, das sich hauptsächlich durch seine 1000 Mitgliedsunternehmen – typischerweise globale Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden US-Dollar – sowie durch öffentliche Zuschüsse finanziert, wurde 1971 von Klaus Schwab – zusammen mit seiner damaligen Sekretärin und späteren Frau Hilde Schwab – als «European Management Symposium» gegründet.Pigman S. 6–22. Es organisiert im Verlauf des Jahres weitere Treffen weltweit, darunter das Annual Meeting of the New Champions in der Volksrepublik China. 1987 erfolgte erstmals die Umbenennung in Weltwirtschaftsforum.

Neben den Veranstaltungen publiziert das WEF regelmäßig selbst finanzierte Forschungsberichte. Seine Mitglieder betätigen sich in branchenspezifischen Initiativen.Pigman S. 41–42. In der jüngeren Vergangenheit hat das Forum seine Digitaldienste zudem in einem offenen Mitgliedermodell für die Allgemeinheit angeboten.

Im Mai 2024 gab das WEF bekannt, dass Schwab im Januar 2025 von seiner Rolle als Executive Chairman auf den Vorsitz des Kuratoriums wechseln wird. Am 21. April 2025 erklärte er unerwartet den sofortigen Rücktritt auch aus diesem Gremium, vorerst ohne Angabe von Gründen.

Im August 2025 trat der als Schwabs Nachfolger ernannte Interimspräsident Peter Brabeck-Letmathe – ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Nestlé – ebenfalls von seinem Amt zurück und erklärte, er habe persönlich ein toxisches Arbeitsumfeld im WEF beobachtet. Zwar ergab eine interne Untersuchung der Zürcher Kanzlei Homburger und der US-Kanzlei Covington & Burling keine Hinweise auf „wesentliches Fehlverhalten“ von Schwab oder seiner Frau Hilde, doch kündigte der Stiftungsrat an, die Governance-Strukturen zu stärken. Zugleich wurden Larry Fink, Vorstandsvorsitzender von BlackRock, und André Hoffmann, Vizepräsident des Pharmaunternehmens Roche Holding, zu Interimsvorsitzenden des Kuratoriums ernannt.Board of Trustees, Website des WEF, abgerufen am 24. März 2026

Im Februar 2026 trat Børge Brende, CEO des Weltwirtschaftsforums, wegen seiner Beziehung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurück.https://www.politico.eu/article/davos-boss-borge-brende-quits-over-links-to-jeffrey-epstein/

Organisation mini|Sitz des WEF in Cologny bei Genf

Das Weltwirtschaftsforum wurde 1971 als Stiftung gegründet und hat seit 2015 offiziell den Status einer internationalen Organisation. Es bezeichnet sich selbst als unparteiisch und an keinerlei politische oder nationale Interessen gebunden. Das WEF hat Beobachterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und steht unter der externen Aufsicht des Eidgenössischen Departement des Innern. Sein höchstes internes Aufsichtsgremium ist der Stiftungsrat. Mitglieder und Direktoren ergeben sich aus dem Eintrag im Handelsregister des Kantons Genf. Die Mission des Forums lautet, «den Zustand der Welt zu verbessern» (englisch committed to improving the state of the world).Our Mission. WEF-Homepage.

Der Hauptsitz des Weltwirtschaftsforum ist Cologny im Schweizer Kanton Genf. Es gibt darüber hinaus Büros in Peking (China), New York (Vereinigte Staaten) und Tokio (Japan). 2016 eröffnete das Forum das «Center for the Fourth Industrial Revolution» in San Francisco (Vereinigte Staaten).

Mitgliedschaft Das typische Mitgliedsunternehmen ist ein globales Unternehmen mit einem Umsatz von über 5 Milliarden US-Dollar, wobei dies je nach Branche und Region variieren kann. Außerdem zählen die meisten dieser Unternehmen zu den wichtigsten Unternehmen ihrer Branche und/oder ihres Landes und spielen bei der Zukunftsgestaltung ihrer Branche und/oder Region eine wichtige Rolle. Archiv-Version. Seit 2005 bezahlt jedes Mitgliedsunternehmen eine Basis-Jahresmitgliedsgebühr von 42'500 Schweizer Franken und eine Gebühr von 18'000 Franken für die Teilnahme ihres Präsidenten am Jahrestreffen in Davos. Industrie- und strategische Partner bezahlen jeweils 250'000 Franken und 500'000 Franken, um maßgeblich an den Initiativen des Forums mitzuwirken.Pigman S. 23–30.Rothkopf S. 272.

Für 2019 hat Bloomberg insgesamt 436 börsennotierte Unternehmen identifiziert, die am Jahrestreffen teilgenommen haben, und dabei eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung der Davos-Teilnehmer von rund −10 Prozent gegenüber dem S&P 500 im selben Jahr gemessen. Treiber sind u. a. eine Überrepräsentation von Finanzunternehmen und eine Unterrepräsentation von wachstumsstarken Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und der Informationstechnologie auf der Konferenz. The Economist hatte in einer früheren Studie ähnliche Ergebnisse gefunden, die eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung der Davos-Teilnehmer gegenüber dem MSCI World Index und dem S&P 500 zwischen 2009 und 2014 zeigten.

Finanzierung und staatliche Beteiligung Das Forum wird von seinen rund 1000 Mitgliedsunternehmen sowie durch staatliche Zuschüsse finanziert.

An den Kosten der Veranstaltung ist die Schweiz mit Aufwendungen für Polizei- und Militäreinsatz beteiligt. So wurden für das Treffen 2019 knapp elf Millionen Franken (9,5 Millionen Euro) veranschlagt. An den Polizeikosten von neun Millionen Franken – vornehmlich für Personenschutz – beteiligt sich die Stiftung mit einem Viertel. Der Großteil entfällt auf die öffentliche Hand, aufgeteilt auf den Bund, den Kanton Graubünden und die Gemeinde Davos. Die Armee schützt die Verkehrswege und Gebäude und überwacht den Luftraum. Bis zu 5000 Angehörige der Streitkräfte können eingesetzt werden. Die Kosten sind im regulären Verteidigungsbudget eingeplant. Eingesetzt werden zu einem großen Teil Wehrpflichtige in ihrer jährlichen Militärdienstleistung. Dafür entstehen Kosten in Höhe von 32 Millionen Franken, die ohnehin für die Übungen anfallen würden, zuzüglich etwa vier Millionen Franken für Material und Fahrzeuge. Diese Kosten trägt der Bund.Isabel Pfaff: Was das Weltwirtschaftsforum in Davos kostet. In: sueddeutsche.de, 22. Januar 2019, abgerufen am 23. Januar 2019.

Nach Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft zur Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen, gab das WEF 2021 bekannt, ihre Beteiligung an der Finanzierung zu erhöhen. Dadurch sinken die Kosten für den Bund von 3,675 Millionen Franken auf 2,55 Millionen Franken pro Jahr für die Jahrestreffen 2022, 2023 und 2024.Das WEF zahlt mehr an die Sicherheitskosten. In: SRF.ch, 24. Februar 2021.

Sicherheitsmaßnahmen und ihre Kosten In Davos gibt es während des WEF einige Einschränkungen. Über das Aufgebot der Polizei und der Schweizer Armee (2005 standen etwa 5'500 Soldaten im Einsatz) wird regelmäßig berichtet.Karsten Stumm: WEF – Hubschrauber, Stacheldraht und 5000 Soldaten. In: Manager Magazin. 24. Januar 2006, abgerufen am 29. September 2021. Auch auf österreichischer Seite der Grenze wird die Luftraumsicherung – Information des Bundesamts für Zivilluftfahrt. für das Treffen im Rahmen der Operation Dädalus des österreichischen Bundesheers gewährleistet.

Die Gewährleistung der Sicherheit des Forums kostet die Schweiz jährlich mehrere Millionen Franken. Die Kosten der Sicherheitsmaßnahmen, die vom Forum und von den Schweizer Kantonal- und Bundesbehörden gemeinsam getragen werden, werden in der Schweiz auch häufig kritisiert, CNN, 25. Januar 2001: 4:37 AM EST, abgerufen am 29. August 2008 (Archiv-Version) und sind auch Gegenstand politischer Auseinandersetzungen.Motion WEF. Stopp der Subventionierung durch den Bund. Eingereicht von Susanne Leutenegger Oberholzer im Nationalrat am 17. Dezember 2008. In: parlament.ch,.

Im Februar 2021 hat der Bundesrat eine Botschaft zuhanden des Parlaments verabschiedet, bei welcher der Kanton Graubünden für die Jahre 2022 bis 2024 mit einem Beitrag von maximal 2,55 Millionen Franken pro Jahr für die Sicherheitskosten unterstützt werden soll.

Aktivitäten Das WEF fordert mit Initiativen wie dem «Global Redesign» und dem «Great Reset» einen Multistakeholder-Governance-Ansatz, um globale Entscheidungen nicht zwischenstaatlich, sondern in «Koalitionen» mit multinationalen Konzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zu treffen.Jens Martens: Es sieht dabei Phasen globaler Instabilität – wie während der Weltfinanzkrise 2007–2008 und der COVID-19-Pandemie – als Zeitfenster, seine Programmatik intensiviert voranzutreiben.

Jahrestreffen in Davos Die zentrale Veranstaltung des Forums ist das Treffen der mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen sowie von Politikern und Vertretern der Wissenschaft, von Nichtregierungsorganisationen, Religion und Medien alljährlich im Januar oder Februar in Davos.Petra Lambeck: Davos: Harte Deals und moralische Werte. In: Deutsche Welle. 23. Januar 2008, abgerufen am 29. September 2021.

Die Gäste können während der fünftägigen Veranstaltung an rund 220 Sitzungen des offiziellen Programms teilnehmen. In den Diskussionen des offiziellen Programms werden wichtige Fragen von globaler Bedeutung (z. B. internationale Handelshemmnisse, Konflikte, Armut und Umweltprobleme) sowie mögliche Lösungen behandelt.

mini|Das Ladenlokal von Ettinger Sport während des WEF 2018 als «Caspian week»

Daneben finden viele informelle Treffen sowie Empfänge und Präsentationen von Unternehmen und Staaten statt. Davoser Ladengeschäfte werden von Unternehmen oder Staaten während des Treffens angemietet, um darin Veranstaltungen durchzuführen.

Am Jahrestreffen nehmen rund 500 Internet-, Druck-, Radio- und Fernsehjournalisten teil. Medienvertreter haben Zugang zu allen Veranstaltungen des offiziellen Programms, die auch als Webcast live übertragen werden.

Jahrestreffen der «New Champions» 2007 führte das Forum das «Jahrestreffen der New Champions» ein, das alljährlich in China stattfindet und auch als «Sommer-Davos» bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein Treffen von Teilnehmern, die das Forum als Vertreter «globaler Wachstumsunternehmen» bezeichnet. Bei diesen Unternehmen handelt es sich in erster Linie um Vorzeigeunternehmen aus schnell wachsenden Schwellenländern wie China und Indien, aber auch um Schnellstarter aus Industrieländern. Bei den Treffen kommen auch die globalen Führungskräfte der nächsten Generation und führende Vertreter schnell wachsender Regionen und konkurrierender Städte sowie Technologiepioniere aus der ganzen Welt zusammen.World Economic Forum: The Inaugural Annual Meeting of the New Champions, China.org, abgerufen am 29. August 2008Summer Davos to put Dalian on business map, People’s Daily, 1. August 2007, abgerufen am 29. August 2008. Das Treffen 2013 fand vom 11. bis 13. September in der chinesischen Hafenstadt Dalian statt und wurde vom damaligen chinesischen Premierminister Li Keqiang eröffnet.

Regionale Treffen Zusätzlich zum Jahrestreffen in Davos finden regionale Veranstaltungen statt. 2014 zählten dazu das India Economic Summit, das Annual Meeting of the New Champions in China, das Japan Meeting, das World Economic Forum on East Asia, zuletzt auf den Philippinen, das World Economic Forum on Africa, zuletzt in Nigeria, das World Economic Forum on Latin America, zuletzt in Panama, und das Summit on the Global Agenda in Dubai. Hinzu kommen Einzelveranstaltungen mit nationalen Schwerpunkten, so im November 2013 zur Lage in der Ukraine.

«Young Global Leaders»