mini|Fidel Castro (1959) Fidel Alejandro Castro Ruz [ (13px audio)] (* 13. August 1926/1927Claudia Furiati: Fidel Castro: La historia me absolverá. Plaza Janés, Barcelona 2003, S. 48 f. (spanisch)Michael Zeuske: Kuba im 21. Jahrhundert. Rotbuch, Berlin 2012, S. 85 f.; Kuba: Momente der Traurigkeit. In: Der Spiegel vom 6. Mai 2002. in Birán bei Mayarí, Provinz Oriente, als Fidel Hipólito Ruz González; † 25. November 2016 in HavannaKubas früherer Staatspräsident Fidel Castro gestorben, sueddeutsche.de, 26. November 2016.) war ein kubanischer Revolutionär, kommunistischer Politiker, marxistischer Theoretiker und diktatorisch regierender Regierungschef bzw. Staatspräsident Kubas sowie erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas.

Castro war mit der Bewegung des 26. Juli (M-26-7) die treibende Kraft der kubanischen Revolution, die am Jahresende 1958 zum Sturz des Diktators Fulgencio Batista führte.

Als Staats- und Regierungschef Kubas prägte er 49 Jahre lang die Entwicklung seines Landes. Politisch war Castros Rolle umstritten: Von den einen war er wegen der Durchsetzung eines Einparteiensystems und als Verantwortlicher für diverse Menschenrechtsverletzungen gehasst und gefürchtet, von den anderen verehrt und bewundert als Revolutionär und Befreier Kubas.Nachruf Fidel Castro: Befreier und Diktator. Tagesschau (ARD), 26. November 2016.

Als sozial- und kulturpolitische Leistungen werden vor allem Castros Kampf gegen die verbreitete Armut und den Analphabetismus im Land hervorgehoben, so etwa die Einführung eines unentgeltlichen schulischen Bildungs- und medizinischen Grundversorgungssystems für die gesamte Bevölkerung.

Als Protagonist einer antiimperialistischen Weltanschauung auf marxistischer Grundlage unterstützte Castro außenpolitisch – auch militärisch – diverse antikoloniale und nationale Befreiungsbewegungen der so genannten Dritten Welt in Unabhängigkeitskämpfen gegen die herrschenden Kolonialmächte.

Nach dem ab 1960 bestehenden Embargo der Vereinigten Staaten gegen Kuba war Castro auf die wirtschaftliche Unterstützung der Sowjetunion angewiesen. Mit der Stationierung sowjetischer Kernwaffen auf Kuba im Jahr 1962 und der damit folgenden Kubakrise geriet Castro in den Fokus der Blockkonfrontation des Kalten Krieges. Gleichwohl versuchte er trotz der Verbindung zur UdSSR, diese Konfrontation zu überwinden. Kuba schloss sich unter seiner Regierung der Bewegung der Blockfreien Staaten an. Fidel Castro selbst war von 1979 bis 1983 sowie von 2006 bis 2008 Vorsitzender der Blockfreien Staaten.

Leben Jugend und Familie Fidel Castro wurde am 13. August 1926 oder 1927 geboren.Los secretos de la vida Fidel Castro, BBC Mundo vom 26. November 2016, abgerufen am 29. Dezember 2025 (spanisch). Er war ein nichteheliches Kind des Zuckerrohrplantagenbesitzers Ángel Castro Argiz und dessen Hausköchin Lina Ruz González. Sein Vater war ein spanischer Immigrant aus dem galicischen Dorf San Pedro de Láncara, der als Soldat der spanischen Kolonialarmee nach Kuba gekommen war. Castros Mutter war die Tochter eines Bauern aus der kubanischen Provinz Pinar del Río, der bei Castros Vater angestellt war. Der Vorname Fidel geht auf einen Freund von Castros Vater, Fidel Pino Santos, zurück.Elizabeth Burgos: Castro, El Infiel (PDF; 198 kB). Castro hat neben den Brüdern Raúl und Ramón (1924–2016) noch die Schwestern Ángela María („Angelita“), Enma, Juana („Juanita“) und Agustina sowie zwei Halbgeschwister aus der ersten Ehe seines Vaters (Pedro Emilio und Lidia Castro Argota) und mindestens einen weiteren Halbbruder aus einer außerehelichen Beziehung seines Vaters.

Das erste offizielle Dokument ist eine Taufurkunde aus dem Jahr 1935, die auf den Namen „Fidel Hipólito Ruz González“ ausgestellt ist. Er trägt dort beide Nachnamen der Mutter, da er als nichteheliches Kind ausgewiesen wird. Nach der Scheidung seines Vaters 1941 ließ dieser eine neue Taufbescheinigung für Fidel ausstellen, sie lautete nun auf den Namen „Fidel Ángel Castro Ruz“; das Geburtsdatum soll gegen Bestechung auf den 13. August 1926 vordatiert worden sein, damit Fidel das Jesuitenkolleg in Havanna besuchen konnte, wofür er eigentlich noch zu jung gewesen wäre. Das letzte Taufzeugnis wurde dann im Dezember 1943 nach der Heirat seines Vaters mit Mutter Lina auf den endgültigen Namen „Fidel Alejandro Castro Ruz“ ausgestellt.Jens Glüsing: Kuba: Momente der Traurigkeit. In: Der Spiegel vom 6. Mai 2002, abgerufen am 26. Dezember 2013.Michael Zeuske: Kuba im 21. Jahrhundert. Rotbuch Verlag, 2012, S. 86.

mini|Castro am 1. Mai 2005 Castro wurde von seiner Mutter katholisch erzogen. Trotz des Reichtums der Familie (sein Vater Ángel hatte ein Hotel, eine Telegrafenstation, eine Metzgerei und eine Bäckerei, mehrere Handwerksbetriebe sowie eine kleine Schule eingerichtet) kam er häufig mit der armen Landbevölkerung in Kontakt. Er besuchte erst eine kleine Dorfschule in Mayarí, später kam er auf das von den Marianern geleitete Colegio La Salle in Santiago de Cuba. Er wohnte bei der Familie des haitianischen Konsuls Luis Hibbert, einem Geschäftspartner des Vaters. Als uneheliches und (zunächst) nicht getauftes Kind wurde Fidel von seinen Mitschülern oft gehänselt. Die Taufe erfolgte erst im Januar 1935 auf den Namen Fidel Hipólito Ruz González.José de Villa und Jürgen Neubauer: Máximo Líder. Fidel Castro. Eine Biographie, S. 24. Der zweite Vorname Hipólito stammt von seinem Paten, Luis Hipólito Alcides Hibbert. Der Nachname seines Vaters tauchte in der Taufurkunde nicht auf, da dieser seine Kinder mit Lina Ruz erst nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau und seiner anschließenden Heirat mit Lina im April 1943 formal anerkannte. 1943 erhielt Fidel dann seinen endgültigen Namen Fidel Alejandro Castro Ruz. Vom Colegio La Salle wechselte er auf die jesuitische Schule Colegio Dolores in Santiago und später auf das ebenfalls jesuitisch geführte Colegio Belén in Havanna.Coltman, Der wahre Fidel Castro, 2005 Auch seine Geschwister wurden auf katholischen Schulen erzogen.

Im Gegensatz zur ausgeprägten katholischen Familientradition wandte sich Castro nach seinem Aufstieg zum Regierungschef zunehmend gegen die Kirche, deren Einfluss auf die kubanische Gesellschaft er auf vielfältige Weise zurückdrängte. 1960–1961 kam es wegen der schrittweisen Hinwendung der Revolutionsregierung zum Kommunismus dann zum offenen Konflikt: Castro lehnte die Religion analog der von ihm nun offen vertretenen marxistisch-leninistischen Ideologie schließlich komplett ab und ließ ihre Vertreter und Anhänger verfolgen und ausgrenzen sowie kirchliches Eigentum größtenteils verstaatlichen. Entgegen den seit 1962 oft wiederholten BerichtenVatican Declares Castro Incurred Church's Excommuniction Automatically; Penalty Is Explained. In: The New York Times, 4. Januar 1962, abgerufen am 2. Januar 2010. wurde Castro jedoch niemals explizit exkommuniziert. Der von Papst Pius XII. 1949 in einem Dekret verfügte automatische Kirchenausschluss für erklärte Kommunisten wurde von Papst Johannes XXIII. nicht vollzogen.Erzbischof: Johannes XXIII. exkommunizierte Castro nicht. In: Kathpress, 28. März 2012, abgerufen am 28. März 2012. Castro selbst bezeichnete sich als Atheist, berief sich aber hin und wieder auf die Bibel und das Christentum. Ein hohes Regierungsmitglied charakterisierte ihn folgendermaßen: „Fidel ist als erstes Revolutionär, als zweites Jesuit und erst dann Marxist.“Bourne, Fidel Castro, 1988 1996 erhielt Castro eine viel beachtete Privataudienz bei Papst Johannes Paul II., den er 1998 zu einem offiziellen Besuch in Kuba empfing. Aus Anlass eines Treffens mit Papst Benedikt XVI. während dessen Kuba-Besuchs im März 2012 ließ er verlauten, dass er schon seit den 1960er Jahren der Meinung sei, dass Marxisten und Kirche zusammenarbeiten müssten.Restauration trifft Revolution. In: Spiegel Online, 28. März 2012 Später sah er sich verstärkt als Globalisierungskritiker und Sprecher für die Interessen der Dritten Welt.

Sein ältester Sohn Fidel Castro Díaz-Balart (1949–2018), genannt Fidelito (Kleiner Fidel), der aus der Ehe mit seiner ersten Frau Mirta Díaz-Balart stammte, war promovierter Atomphysiker und bekleidete verschiedene öffentliche Funktionen im Wissenschaftsbereich.Alexander Ross: Fidel Castro junior. In: Cicero, 26. September 2005, abgerufen am 29. Dezember 2025. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis 1955 hatte Fidel drei Kinder mit drei Frauen: Ergebnis der Liaison mit Natalia „Naty“ Revuelta ist die uneheliche Tochter Alina Fernández Revuelta (* 1956), die 1993 über Spanien in die USA floh und als eine der schärfsten Kritikerinnen ihres Vaters gilt. Aus einer Beziehung mit María Laborde stammt Sohn Jorge Ángel (* 1956). Mit Micaela CardosoLa reservada vida familiar y amorosa de Fidel Castro. In: ABC, vom 26. November 2016, abgerufen am 29. Dezember 2025 (spanisch). zeugte er Tochter Francisca „Panchita“ Pupo, die ebenfalls 1956 zur Welt kam. Die erste Ehe wurde 1955 wegen Castros Untreue geschieden.Leo Wieland (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Dezember 2016): Castros ehemalige Frau bricht ihr Schweigen.

1980 heiratete Castro in zweiter Ehe seine langjährige Weggefährtin Dalia Soto del Valle. Er hatte sie, eine Lehrerin, schon in den 1960er Jahren kennengelernt, während die nationale, nachrevolutionäre Alphabetisierungskampagne lief. Der kubanischen Öffentlichkeit wurde sie allerdings erstmals 2003 präsentiert, als man Bilder von ihr im staatlichen Fernsehen zeigte. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Alejandro, Angelito, Antonio, Alexis und Alexander hervor, von denen vor allem Antonio als langjähriger Vizepräsident des kubanischen Baseball-Verbandes und dritter Vizepräsident des Baseball-Weltverbands In: IBAF, 6. April 2011, (englisch) in der Öffentlichkeit stand, während Alexander, ein Kameramann, den Kontakt mit der Öffentlichkeit stets vermieden hat.

Studium und erste politische Betätigung Schon in seiner Schulzeit interessierte sich Castro für Sport, vor allem Baseball.Robert E. Quirk: Fidel Castro. W.W. Norton & Company, New York 1993, ISBN 978-0-393-03485-1, S. 12–19. Entgegen einer lange Zeit verbreiteten Legende hat er jedoch niemals einen amerikanischen Profivertrag angeboten bekommen. Er spielte Baseball für seine Universität und zeigte Zeit seines Lebens großes Interesse an diesem Sport.http://www.baseball-reference.com/bullpen/Fidel_Castro; Peter Ueberroth machte sich dies zunutze, um mit Baseball und Castros Hilfe einen von Moskau organisierten Boykott auch der afrikanischen Staaten der Olympischen Sommerspiele 1984 abzuwehren, vgl. Arnd Krüger: Zwischen Politik und Kommerz. Es geschah vor 15 Jahren. Olympische Spiele in Los Angeles. In: Damals 31 (1999), 5, S. 8–11. 1945 begann er an der Universität von Havanna ein Jura-Studium und fiel durch politisches Engagement auf. Castro gehörte dort zu einer Gruppe von Studenten, die als Los muchachos de gatillo alegre (etwa: Jungs, die fröhlich am Drücker/Abzug sind) bekannt waren.Ros, 2003 Er wurde Delegierter der Vereinigung der Jurastudenten, gründete einen Studentenausschuss gegen Rassendiskriminierung und schloss sich 1947 der Orthodoxen Partei von Eduardo Chibás an, die gegen die korrupte Regierung von Carlos Prío und für eine an den nationalen Interessen orientierte Wirtschaftspolitik eintrat.