Olympia () war das Heiligtum des Zeus in Elis im Nordwesten der Halbinsel Peloponnes. Es war der Austragungsort der Olympischen Spiele der Antike. Am Rande des antiken Heiligtums befindet sich die moderne Stadt Archea Olymbia.
Geschichte Frühzeit miniatur|hochkant=2|Plan des Heiligtums Das Land am Zusammenfluss von Kladeos und Alpheios weist eine lange Besiedlungsgeschichte auf. Die ältesten Keramikfunde im Bereich des Stadions lassen sich bis in das vierte Jahrtausend vor Christus, also in die ausgehende Jungsteinzeit beziehungsweise die beginnende Kupfersteinzeit, datieren. Damit ist Olympia neben Ajios Dimitrios, einem Ort bei Lepreon, der zweite Ort in Elis, für den eine so frühe mindestens temporäre Besiedlung nachweisbar ist.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 181. Weiterhin lassen sich im Bereich des Stadions Keramikscherben aus dem Frühhelladikum I und II, also aus dem dritten Jahrtausend vor Christus, nachweisen.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 182. Unter dem Pelopion-Temenos, rund 200 Meter westlich des Stadions, befindet sich ein großer prähistorischer Tumulus. Seine Kuppe wurde wahrscheinlich bereits in prähistorischer Zeit oder in der Antike durch Steinraub und Erosion abgesenkt, litt aber ebenfalls unter den modernen Grabungen. Der Tumulus wurde durch Archäologen auf die Zeit um 2600/2500 vor Christus datiert.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 183. Dem Tumulus folgte eine Siedlung aus Apsidenhäusern, deren Bauten II, III, IV und V auf einer Schwemmsandschicht errichtet worden sind, wie durch die stratigraphische Analyse nachgewiesen werden konnte. Nach dieser werden die Apsidenhäuser an den Beginn des Frühhelladikum III, also gegen 2200 vor Christus, datiert. Die dort gemachten Keramikfunde weisen auf eine Benutzung bis in das späte Frühhelladikum III, um 2000 vor Christus, hin. Weitere frühhelladische Scherben wurden im Tal des Kladeos sowie in der Nähe des Neuen Museums von Olympia gefunden. Sie legen nahe, dass das Gebiet bereits im dritten Jahrtausend vor Christus in größerem Umfang menschlicher Besiedlung ausgesetzt war. Die von den Bewohnern der Siedlung auf der Altis geschaffene Keramik wurde mit nichthelladischen Dekormotiven verziert. Diese mit Ritzungen und Einstichen verzierten Tonwaren könnten zum einen auf einen Einfluss der in Dalmatien ansässigen Cetina-Kultur, zum anderen aber auch auf Süditalien hindeuten, so dass die Siedler von Olympia möglicherweise mit diesen in Kontakt standen.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 193.
Die Bauten II, III und V lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass die Siedlung einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen ist.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 186. Danach errichtete man auf den Grundmauern der Apsidenhäuser I, II und V neue rechtwinklige Häuser ohne apsisförmige Enden. Sie lassen sich bis in das frühe Mittelhelladikum I datieren. Im Bereich der Altis wurden einzelne Scherben des Mittelhelladikum II und III nachgewiesen, die jedoch ohne konkreten Fundzusammenhang sind. Die Siedlung im Bereich der Altis wurde im Mittelhelladikum I nicht aufgegeben, sondern in höhere Lagen verlegt, um sie vor Überschwemmungen zu schützen. Dieses Siedlungsgebiet lag am Sandsteinhügel im Nordosten des Stadionwalls und am Ausläufer des Südosthanges des Kronoshügels.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 187. Für die Bewohner des neuen Dorfs hatte der Tumulus keinerlei Bedeutung mehr als Kultort, wie der Lehmabbau an seinen nördlichen Randbereichen zeigt. Aus der Zeit der Rechteckhäuser stammen auch Kinderbestattungen in Pithoi.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 198. Diese Siedlung wurde aber bereits im Mittelhelladikum I ebenfalls aufgrund der Überflutungsgefahr verlassen und an den auslaufenden Südosthang des Kronoshügels und in ein kleines Tal nördlich des Stadionbereichs verlegt.
Aus mykenischer Zeit stammen nur einzelne Funde, die unter dem Schutt der alten Grabungen entdeckt wurden. Die Frage der Existenz rein mykenischer Schichten ist jedoch noch ungeklärt, da ernsthafte Untersuchungen in diese Richtung etwa auf der Schatzhausterrasse bisher nicht unternommen wurden.Kyrieleis: Olympia 1875–2000. 125 Jahre Deutsche Ausgrabungen. Mainz 2002, S. 200. In der näheren Umgebung Olympias, im Bereich hinter dem neuen Museum, wurden allerdings spätmykenische Kammergräber entdeckt (bis 1998 insgesamt 13 Stück), die bis ins 12./11. Jahrhundert v. Chr. (Späthelladikum III C) benutzt wurden und auf eine noch unentdeckte mykenische Siedlung in der Nähe schließen lassen.Birgitta Eder: Die Anfänge von Elis und Olympia. Zur Siedlungsgeschichte der Landschaft Elis am Übergang von der Spätbronze- zur Früheisenzeit. In: Veronika Mitsopoulos-Leon: Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions anläßlich der Feier „100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen“. Athen 5.3.–7.3.1998. Österreichisches Archäologisches Institut, Athen 2001, S. 234f.; Berthold Fellmann: 100 Jahre deutsche Ausgrabungen in Olympia. München 1972, S. 9.
Einrichtung und weitere Geschichte des Heiligtums von Olympia Die Siedlungsgeschichte bricht mit der Einrichtung des Heiligtums an dieser Stelle ab, da in dem Zeus gewidmeten Bezirk keine menschliche Bewohnung erlaubt war. Die Errichtung der Kultstätte zu Ehren des Göttervaters knüpfte dabei an ältere Traditionen an. Der Kronoshügel wurde bereits vor der dorischen Wanderung als Ort göttlicher Mächte verstanden. So wurden chthonische Götter, vor allem die Göttin Ge, die auch im weiteren Verlauf der Geschichte einen Platz im Heiligtum von Olympia behielt, an diesem Ort bereits verehrt.Fellmann: 100 Jahre deutsche Ausgrabungen in Olympia. München 1972, S. 9, 10. Die Kraft der Weissagung der Ge ging auf das Orakel des Zeus über. Dieses konnte jedoch nie die Bedeutung Delphis erreichen. Das Heiligtum des Zeus verband also den olympischen Kult mit älteren lokalen Traditionen.Fellmann: 100 Jahre deutsche Ausgrabungen in Olympia. München 1972, S. 10.
Während das Heiligtum etwa in der Mitte des 11. Jahrhunderts v. Chr. entstand, stammt der erste Nachweis für die Abhaltung regelmäßiger Wettkämpfe aus der Zeit kurz vor Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. Die monumentalen Bauten erhielten ihre endgültige Form im 4. Jahrhundert v. Chr., aber auch in der hellenistischen und römischen Epoche wurden Gebäude errichtet. Im Jahr 426 n. Chr. ließ der oströmische Kaiser Theodosius II. die olympischen Spiele und Weihehandlungen endgültig verbieten, um das Heidentum zu bekämpfen, nachdem bereits sein Großvater Theodosius I. 393 ein entsprechendes Verbot erlassen hatte. Offenbar wurde das Zeusheiligtum nun zerstört. Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass Wettkämpfe noch bis ins 6. Jahrhundert heimlich und auf niedrigerem Niveau fortbestanden, bis ein Erdbeben 551 die Kultstätte zerstörte und sie nach Überschwemmungen durch den Kladeos unter Schlamm und Geröll verschwand. Nach einer neueren Hypothese von Andreas Vött,Andreas Vött: Neue geoarchäologische Untersuchungen zur Verschüttung Olympias. Eine Einführung in die Olympia-Tsunami-Hypothese (= Torsten Mattern, Markus Trunk (Hrsg.): 23. Trierer Winckelmannprogramm 2011). Harrassowitz, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06957-1 die sich auf geologische Untersuchungen, insbesondere der Sedimentablagerungen stützt, könnte auch ein Tsunami der Grund für die Zerstörung Olympias im 6. Jahrhundert sein.Eine knappe Zusammenfassung der Ergebnisse auf der Seite der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Vötts Hypothese fand in der Forschung jedoch auch Widerspruch.So Gerassimos Papadopoulos: Tsunamis in the European-Mediterranean Region: From Historical Record to Risk Mitigation. Elsevier, Amsterdam 2016, S. 146 ff. Sicher ist, dass Olympia bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts eine wirtschaftliche Nachblüte erlebte, die erst mit dem Erdbeben von 551 und der Justinianischen Pest ihr Ende fand. Wiederholte Überschwemmungen sorgten dafür, dass die Siedlung im frühen 7. Jahrhundert aufgegeben wurde.
In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde die Stätte durch eine bis zu fünf Meter hohe Sandschicht bedeckt. Erst in der Neuzeit erwachte wieder das Interesse an der antiken Kultstätte. 1766 wurde Olympia wiederentdeckt, 1874 begannen schließlich systematische Ausgrabungen unter deutscher Leitung. Jahrzehnte nach der Freilegung zahlreicher Kultbauten auf dem Gelände wurde Olympia schließlich in die UNESCO-Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen.
Bei schweren Waldbränden im August 2007 wurde ein großer Teil des Baumbestandes rund um die antiken Stätten vernichtet, das Museum entging nur knapp der Zerstörung. Inzwischen erfolgte eine umfassende Wiederaufforstung.
Altis
miniatur|Rekonstruktion der Altis (um 1900) miniatur|Grundriss der Altis
Die Altis, der Heilige Hain von Olympia, ist die Bezeichnung für den Kernbereich des Heiligtums von Olympia. Eine der ursprünglichen Keimzellen des Kultes auf der Altis bildete das „Pelopion“, ein Hügelgrab aus der frühen Bronzezeit, den Herakles dem Pelops aufgeschüttet haben soll – kultischer Kern des Brandopferaltars für Zeus. Ein tatsächliches Grab wurde unter dem Hügel nicht gefunden. Das Opfer, Hauptbestandteil der kultischen Verehrung, wurde östlich oder südöstlich des Pelopions im Freien vor dem großen Altar des Zeus dargebracht. Zur Halbzeit der olympischen Spiele wurden dort einhundert Ochsen geschlachtet und zu Ehren Zeus’ verbrannt. Die mit Wasser des Alpheios vermischte Asche wurde gepresst und auf dem Altar zu einem großen Haufen aufgeschichtet, der im Laufe der Jahrhunderte zu einem stattlichen Berg anwuchs. Eine weitere Keimzelle des Kultes stellte eine Erdspalte am Fuße des Kronoshügels dar, wo sich das ursprünglich einer weiblichen Gottheit gewidmete olympische Orakel befand, das später von Zeus übernommen wurde. Dieses Orakel spielte auch noch in historischer Zeit eine Rolle.
Im Heiligtum entstanden über einen langen Zeitraum mehrere Tempel und Altäre, an denen zahlreichen Göttern Opfer dargebracht wurden – Pausanias zählt 69 auf. Im Norden reihten sich, auf einer etwas erhöhten Terrasse am Fuß des Kronoshügels gelegen, zahlreiche Schatzhäuser griechischer Stadtstaaten aneinander und westlich davon befand sich das Prytaneion.
In der Altis wurden zahlreiche Votivgaben, oft aus erbeuteten Waffen und Rüstungen, gefunden.Holger Baitinger: Waffen und Bewaffnung aus der Perserbeute in Olympia. In: Archäologischer Anzeiger 1999, S. 125–139 (Volltext). Außerdem wurden zum Dank für einen erfolgreichen Kriegsverlauf Statuen des Zeus oder der Nike gestiftet. Pausanias berichtet zudem von zahlreichen weiteren Stiftungen, darunter neben mehreren Statuen von verschiedenen Poleis auch Bauwerke wie das von den Makedonen gestiftete Philippeion. Im Laufe der Zeit wurde die Altis immer reicher an Weihgeschenken, die oft in Form von Statuen als Dank für Olympiasiege gestiftet und umfassend von Pausanias aufgelistet und erläutert wurden. Die Altis, das Temenos Olympias, wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. mit einer Mauer mit wahrscheinlich fünf Toren eingefasst.