mini|300px|Offizielles Logo der Stadt Recklinghausen Recklinghausen (westfälisch Riäkelhusen) ist eine Großstadt im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Münster. Sie ist die Kreisstadt des Kreises Recklinghausen, des bevölkerungsreichsten deutschen Kreises und das Zentrum des nördlichen Ruhrgebiets. Recklinghausen ist in der Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen und Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Seit 1947 finden in Recklinghausen alljährlich die Ruhrfestspiele statt.
Der Ursprung der Stadt war ein um 800 entstandener karolingischer Königshof, der Name „Ricoldinchuson“ wurde 1017 erstmals erwähnt. Recklinghausen war seit ca. 1180 der Hauptort des kurkölnischen Vests Recklinghausen und erhielt 1236 die Stadtrechte. Im Jahre 1815 wurde die Stadt Verwaltungssitz des preußischen Kreises Recklinghausen. Das größte Wachstum setzte ein, als ab 1869 der Steinkohlenbergbau das Stadtgebiet erreichte. Heute ist Recklinghausen vor allem Dienstleistungs-, Einkaufs- und Verwaltungsstadt und hat ein Einzugsgebiet mit rund 600.000 Menschen.
Der Name Recklinghausen wird auf der dritten Silbe betont, die Bewohner der Stadt heißen „Recklinghäuser“, das Adjektiv lautet ebenso (Beispiel: Recklinghäuser Rathaus).
Geographie Räumliche Lage Die Stadt Recklinghausen liegt im nördlichen Ruhrgebiet, im Osten der naturräumlichen Haupteinheit Emscherland. Der flächenmäßig etwas größere nördliche Teil um die Kernstadt, der in etwa durch die Hamm-Osterfelder Bahn separiert wird, liegt auf dem Recklinghauser Lößrücken, dem östlichen Teil des Vestischen Höhenrückens, dessen Kamm die Innenstadt in Form eines nach Süden offenen Halbkreises ergibt. Südlichere Ortsteile liegen im Emschertal nebst Randplatten.
Höchste natürliche Erhebung ist der Fritzberg () im Osten, aber auch westnordwestlich der Innenstadt werden, nah der Stadtgrenze zu Herten, auf dem Rücken noch um erreicht. Höchste künstliche Erhebung ist der Mollbeckberg () im Nordwesten, der allgemein „Rodelberg“ genannt wird,Tobias Mühlenschulte: Im Winter Piste, sonst Hundehügel. In: Recklinghäuser Zeitung, 10. Juli 2021. der niedrigste Straßenpunkt des Stadtgebietes liegt an der Karlstraße im Südosten Hochlarmarks bei , die Emscher verlässt das Stadtgebiet auf .
Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in West-Ost-Richtung 9,5 und in Nord-Süd-Richtung 10,9 km. Der Umfang des Stadtgebietes beträgt 43 km.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.5|Übersicht mini|hochkant=1.5|Karte mit allen Ortslagen, Bächen, Landmarken und ehemaligen Zechenstandorten
Recklinghausen gliedert sich in 18 Stadtteile, die gleichzeitig statistische Bezirke darstellen.Digitaler Stadtplan mit Stadtteilgrenzen, Stadt Recklinghausen
Die folgende Tabelle entspricht den Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2024, Stadt Recklinghausen. Ortsteil Bezirk Fläche[km²] Einwohner EW/km² Lagein der Stadt Innenstadt 101 0,355 1.692 4766nordwestlich der Mitte Nordviertel 102 2,596 9.136 3519 Norden Speckhorn/Bockholt 103 10,961 1.394 127 äußerster Nordwesten Ostviertel 104 5,018 11.604 2312 Osten bis Nordosten Westviertel 105 1,770 7.148 4038 Nordwesten Hochlar 106 2,572 4.871 1894 nördlicherer Westen Paulusviertel 107 2,447 7.654 3128 westlich der Mitte Stuckenbusch 108 2,803 2.411 860 südlicherer Westen Hillerheide 109 4,835 7.263 1502 südlich der Mitte Hillen 110 2,954 9.452 3200 Mitte Berghausen 111 1,672 434 260 östlich der Mitte Grullbad 212 2,635 6.352 2411 westlicher Süden Süd 213 2,902 13.235 4561 Süden, westlich der Mitte König Ludwig 214 4,047 11.467 2836 Süden Röllinghausen 215 2,873 3.950 1375 östlicher Süden Hochlarmark 316 4,150 9.998 2409 äußerster Südwesten Suderwich 417 10,152 11.725 1155 äußerster (Süd-)Osten Essel 418 1,754 417 238 Nordosten
Rund 50.000 Menschen leben in der erweiterten Kernstadt aus Innenstadt, den vier namentlichen Stadtvierteln, Hillen und Hochlar. In der Südstadt aus Grullbad, Süd und König Ludwig leben 30.000 Menschen, zusammen mit Hochlarmark sind es sogar 40.000.
Historische Zuordnung mini|hochkant=1.5|Stadtplan der Innenstadt(→ Legende)
Das eigentliche Stadtgebiet Recklinghausens bestand im 19. Jahrhundert aus der Innenstadt, dem dörflichen Stadtteil Hillen und landwirtschaftlich genutzten Gebieten, die in etwa den heutigen Gebieten von Paulus-, West-, Nord- und Ostviertel von Hillen entsprachen. Der Osten ging jedoch nur bis zum Ostcharweg, d. h. die heutige Lohwegsiedlung liegt größtenteils auf altem Esseler bzw. Suderwicher Gebiet. Auch der Nordcharweg, zu dem heute nördlich unmittelbar parallel der Autobahnzubringer nach Oer als nördliche Begrenzung der Kernstadt verläuft, war ein historischer Grenzweg, wenngleich die Recklinghäuser Gemarkung im 19. Jahrhundert darüber hinaus ging; nach Südwesten fortgesetzt wird er durch die unmittelbar zubringerparallele Zeppelinstraße und den Westring, der heute noch Grenzstraße ist. Dieses erweiterte Stadtgebiet wurde schon seit dem Spätmittelalter von einer Ringlandwehr umschlossen, die Hochlar mit einschloss.Carsten Linz, , Grafik S. 17.
Neben dem Kerngebiet gehörten auch die Heidelandschaft am heutigen Stadtteil Hillerheide und der sich südlich anschließende, mit Bruchwald bewachsene Bruch unmittelbar nördlich der Emscher zur Stadt. Vom heutigen Stadtteil Hillerheide gehörte das Gebiet um das Stadion Hohenhorst (Auf der Herne) zu Stuckenbusch, während etwas südlicher die Westgrenze der Stadt bis zur heutigen Friedrich-Ebert-Straße reichte. Der frühere Stadtteil Bruch entspricht weitgehend den heutigen Stadtteilen Grullbad, Süd und König Ludwig, jedoch geht das heutige König Ludwig, über die Alte Grenzstraße hinaus, bis in altes Röllinghäuser Gebiet.Karte Recklinghausen-Stadt nach dem Urkataster von 1822, Zeichnung von 1912 (Scan aus dem GenWiki)
Erst 1926, mit der Eingemeindung der Gemeinde Suderwich sowie der Aufteilung der Gemeinde Recklinghausen-Land auf die heutigen Städte Herten, Marl, Recklinghausen und Oer-Erkenschwick, erhielt die Stadt ihre heutige Ausdehnung.
Heute sind Hochlar, Hillerheide, Hochlarmark und die drei Stadtteile der Kern-Südstadt typische Stadtteile einer größeren Stadt; lediglich Stuckenbusch hat sich von den südlichen und westlichen Stadtteilen einen gewissen dörflichen Charakter erhalten.
Im Südosten ist Röllinghausen an die Südstadt bzw. König Ludwig herangewachsen und der neu entstandene Süden Suderwichs südlich der Bahnlinie hat ebenfalls einen städtischen Charakter angenommen. Bauerschaftlich geblieben sind die Randgebiete Suderwichs und Röllinghausens, Berghausen, Essel sowie der gesamte Norden, der heutige Stadtteil Speckhorn/Bockholt. Dabei haben die Kernorte Essel und Speckhorn sehr dörflichen Charakter, während Berghausen und Bockholt sowie die Speckhorner Wohnplätze Beising und Börste eher verstreut besiedelt sind.
Innenstadt mini|hochkant|Typische Gasse in der Altstadt
An die Innenstadt mit Altstadt, Rathaus, Petruskirche, Engelsburg und Gymnasium Petrinum, die durch den Wallring abgegrenzt wird, schließen sich das Paulusviertel im Süden sowie West-, Nord- und Ostviertel an. Der ältere Ortsteil Hillen grenzt im Südosten an die Innenstadt.
Paulus-, West- und Nordviertel mini|Stadthäuser der Gründerzeit im Westviertel mini|hochkant=2|Siedlungsentwicklung der Weststadt seit 1907(→ Gleicher Ausschnitt ohne Karte von 2007 (nur aktuelle Siedlungsflächen), → Legende)
Im Südosten des nach der Pauluskirche (1906) benannten Paulusviertels stand bis in die 1990er Jahre die Zeche General Blumenthal. Ferner liegen im Viertel die evangelische Gustav-Adolf-Kirche (1847), diverse weiterführende Schulen (darunter das Hittorf-Gymnasium) und das Prosper-Hospital. Hauptstraße des Bezirks ist die in Ost-West-Richtung Richtung Herten verlaufende Hohenzollernstraße. In Richtung Süden führen Herner Straße und Mühlenstraße nach Herne und Wanne-Eickel.
Nordwestlich schließt sich jenseits der Hertener Straße das Westviertel an, in dem in unmittelbarer Innenstadtnähe die Christuskirche (1911) und der Saalbau sowie weiter westlich das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das Knappschaftskrankenhaus und der Stadtgarten mit Ruhrfestspielhaus und Volkssternwarte liegen. Verkehrsschlagadern sind der Westerholter Weg in Richtung Herten-Westerholt und vor allem die Dorstener Straße in Richtung Marl und Dorsten.
Unmittelbar nordöstlich der Cäcilienhöhe, die auch den Stadtgarten begrenzt, schließt sich das Nordviertel mit dem Hauptbahnhof, dem Ehrenmal am LohtorEhrenmal am Lohtor auf denkmalprojekt.org, abgerufen am 10. Februar 2024. und dem Marie-Curie-Gymnasium in Innenstadtnähe an sowie mit dem Nordfriedhof im äußersten Norden, an den der 1905 eingeweihte und 1927 erweiterte jüdische Friedhof angrenzt. Die zentrale Halterner Straße verbindet die Innenstadt mit dem Norden.
Ostviertel und Hillen mini|hochkant=2|Siedlungsentwicklung der Oststadt seit 1907(→ Gleicher Ausschnitt ohne Karte von 2007 (nur aktuelle Siedlungsflächen), → Legende)
Der Ostteil der Kernstadt mit Ostviertel und Hillen wird durch die Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg von Nordviertel, Innenstadt und Paulusviertel separiert.
Das Ostviertel, dessen Hauptader traditionell die im Westteil heute zu einer reinen Wohnstraße umfunktionierte Dortmunder Straße in Richtung Erkenschwick darstellte, geht nach Nordwesten jenseits vom Oerweg und im Osten bereits nördlich der Dortmunder Straße in ländliche Gebiete über. Von der Innenstadt nach Osten bis Nordosten ziehen sich die Wohngebiete Kuniberg, Hinsberg und Lohwegsiedlung, im Nordwesten des Ortsteils liegt die Lange Wanne. Im äußersten Osten liegt der kleine, z. T. naturnahe Buchenhain Loh.
Nach Südosten bilden der August-Schmidt-Ring, heute der Westteil der Landesstraße RE-Erkenschwick, und die höchste Erhebung des Vestischen Rückens, der Fritzberg () mit dem alten Wasserturm die Grenze zu Hillen, wobei Fernmelde- und Wasserturm bereits auf Hillener Gemarkung liegen.
Hillen war bis ins 19. Jahrhundert der einzige Ortsteil außerhalb der Innenstadt. Auf Hillener Gebiet liegen grenznah zu Ost, von der Innenstadt zum Fritzberg im Nordosten, das Kreishaus, die neugotische Liebfrauenkirche (Anfang 20. Jhd.), die hiesigen Fachbereiche der Westfälischen Hochschule und die Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Westen liegt der alte Ortskern Alt-Hillen, östlich davon das Neubaugebiet Quellberg und nordöstlich dessen, am Fritzberg-Südhang, der Ostfriedhof. Der Kernort Hillens wird südwestlich und südöstlich von der Castroper Straße als wichtigster Verkehrsschlagader in Richtung Suderwich und Castrop-Rauxel umgangen.
Hochlar Westlich von Paulus- und Westviertel liegt, jenseits von Westring bzw. A 43, der Ortsteil Hochlar, der nach Westen fast fließend nach Herten(-Disteln) übergeht. Der Ort blickt auf eine lange Tradition im Vest zurück und fand erstmals im 9. Jahrhundert urkundliche Erwähnung als Huch Larhe (gerodeter Hügel). Auf dem Segensberg bei Hochlar wurden in der Frühen Neuzeit vermeintliche „Hexen“ verbrannt.Theodor Esch: Beitrag zur Geschichte der Hexenprozesse aus der Stadt Recklinghausen. In: Vestische Zeitschrift, Jg. 11 (1901), S. 61–78, hier S. 78. Hochlar wird nach Südwesten von der Akkoallee (B 225) passiert, nach Nordwesten führt die Rottstraße, die weiter nördlich zur Bockholter Straße wird.
Speckhorn/Bockholt Im Norden Recklinghausens, an den Stadtgrenzen zu Herten, Marl und Oer-Erkenschwick, wird der sehr ländliche Ortsteil Speckhorn/Bockholt durch den Autobahnzubringer von der A 43 in Richtung Oer vom eigentlichen Stadtgebiet getrennt. Von Westen nach Osten verteilen sich die Siedlungen Bockholt, Beising, Speckhorn und Börste, von denen lediglich Speckhorn Dorfgröße erreicht.