mini|Richard Williamson (1991) Richard Nelson Williamson (* 8. März 1940 in Finchley (London); † 29. Januar 2025 in MargateCindy Wooden: Excommunicated Bishop Williamson dies at 84. In: OSV News. 30. Januar 2025, abgerufen am 30. Januar 2025.) war ein britischer Holocaustleugner, altritualistischer Vagantenbischof, bis 2012 Mitglied der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) und zuletzt bis zu seinem Tod für die St.-Marcel-Initiative tätig.

Williamson wurde am 30. Juni 1988 zusammen mit Bernard Tissier de Mallerais, Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay durch den emeritierten Erzbischof Marcel Lefebvre für die Priesterbruderschaft St. Pius X. zum Bischof geweiht. Da die Weihe, obwohl sie gültig war, gegen päpstliche Anweisung erfolgte, zog sich Lefebvre die Exkommunikation als Tatstrafe zu.Codex des Kanonischen Rechtes, Titel III: Amtsanmassung und Amtspflicht-Verletzung (Cann. 1378–1389), hier Canon 1382.

Die Aufhebung der 1988 festgestellten Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft durch Papst Benedikt XVI. im Januar 2009 löste innerhalb und außerhalb der römisch-katholischen Kirche Kritik aus, da Williamson wiederholt den Holocaust geleugnet hatte. Am 24. Oktober 2012 schloss ihn die Bruderschaft wegen Ungehorsams als Mitglied aus. Nach seinem Ausschluss widmete sich Williamson der Gründung und Betreuung der Priestergemeinschaft Marcel Lefebvre (informell SSPX Resistance genannt), bestehend aus Dissidenten der Piusbruderschaft, die sich einer von ihnen befürchteten Annäherung der FSSPX an die römisch-katholische Kirche widersetzen.

Am 19. März 2015 weihte Williamson unerlaubt Jean-Michel Faure und am 19. März 2016 den Prior des Benediktinerklosters Santa Cruz in Nova Friburgo, Tomás de Aquino OSB (bürgerlich Miguel Ferreira da Costa), zu Bischöfen. Mit der Weihe 2015 zog sich Williamson erneut die Exkommunikation als Tatstrafe zu.Blog: Williamson hat Bischof geweiht. In: katholisch.de, 19. März 2015 Im Januar 2021 folgte die Bischofsweihe von Giacomo Ballini.

Leben Williamson wurde als zweiter von drei Söhnen anglikanischer Eltern geboren. Nach seinem Studium an der University of Cambridge, wo er mehrere Magisterabschlüsse – unter anderem in Englischer Literatur – erwarb, erteilte er sieben Jahre lang Unterricht in Literatur und übte diesen Beruf zeitweise auch in Ghana aus. Im Alter von 30 Jahren konvertierte Williamson zum Katholizismus. 1971 war er für einige Monate als Postulant im Londoner Brompton Oratory.

Im Oktober 1972 trat Williamson in das Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Écône in der Schweiz ein und wurde nach vier Jahren Studium von Marcel Lefebvre zum Priester geweiht. Von 1976 bis 1981 war er Professor am Seminar in Écône, ab 1979 dessen Subregens. 1983 wurde er Regens des Priesterseminars der Priesterbruderschaft St. Pius X. in in den Vereinigten Staaten. Seit dem Jahr 2003 war Williamson Regens des Priesterseminars der Priesterbruderschaft in bei Moreno in Argentinien.

Empfang der Bischofsweihe und erste Exkommunikation 1988 Am 30. Juni 1988 wurde er mit drei anderen Priestern durch den Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre und Bischof Antônio de Castro Mayer als Mitkonsekrator zum Bischof für die Priesterbruderschaft geweiht. Da diese Bruderschaft seit 1975 keinen kanonischen Status in der römisch-katholischen Kirche mehr hat und diese Weihen gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes erfolgten, wurden unmittelbar danach Lefebvre, de Castro Mayer und die vier von ihnen Geweihten mit Exkommunikation bestraft (), was wegen der Schwere des Vergehens im von Papst Johannes Paul II. am 2. Juli 1988 nochmals bekräftigt wurde. Trotzdem war die Bischofsweihe sakramental aufgrund der Wahrung der apostolischen Sukzession gültig. Die Priesterbruderschaft bestreitet das Eintreten der Exkommunikation mit Berufung auf einen „Kirchennotstand“; Bischof Richard Williamson spendete innerhalb der FSSPX weiterhin Sakramente, vor allem Firmungen und Priesterweihen.

Aufhebung der ersten Exkommunikation Auf Bitte des Generaloberen der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, vom 15. Dezember 2008, hob die Kongregation für die Bischöfe durch Kardinalpräfekt Giovanni Battista Re die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, darunter Williamson, am 21. Januar 2009 auf. Dies geschah im Auftrag Papst Benedikts XVI., der einst als Kardinalpräfekt der Kongregation für die Glaubenslehre für Papst Johannes Paul II. Verhandlungen mit Lefebvre geführt hatte. Williamson wurde damit nicht rehabilitiert, sondern blieb wie seine drei Kollegen weiterhin suspendiert.; Meldung bei Radio Vatikan vom 29. Januar 2009Aufhebung der Exkommunikation gegen die Bischöfe der FSSPX; Kommentar auf Motu proprio: Summorum Pontificum vom 7. Oktober 2011. Kirchenrechtlich war Williamson wie seine Amtskollegen wegen der anhaltenden Suspendierung weiterhin an der Ausübung ihrer bischöflichen und priesterlichen Funktionen gehindert.

Laut Zeit Online vom 9. Februar 2009 wurde Williamson durch den lateinamerikanischen Distriktoberen der Piusbruderschaft, Christian Bouchacourt, als Leiter des Priesterseminars in Argentinien abgesetzt.Zeit Online, 9. Februar 2009, Absetzung als Leiter des Seminars Die argentinische Regierung forderte ihn am 19. Februar 2009 auf, das Land binnen zehn Tagen zu verlassen, andernfalls würde er ausgewiesen.Argentinien weist Holocaust-Leugner Williamson aus Als Begründung für die Ausweisung gab der argentinische Innenminister Florencio Randazzo Williamsons Holocaust-Leugnung an, die „die Argentinier, das jüdische Volk und die ganze Menschheit“ beleidigt habe. Weiterhin gebe es „Unregelmäßigkeiten“ in Williamsons Aufenthaltspapieren, da er die wirklichen Gründe für seinen Aufenthalt in Argentinien verschwiegen und angegeben habe, dass er für eine Nichtregierungsorganisation arbeite.vgl. bei tagesschau.de, 19. Februar 2009 (aufgerufen am 20. Februar 2009) Am 24. Februar 2009 verließ er Argentinien am Flughafen Buenos Aires–Ezeiza in Richtung London.Holocaust-Leugner: Wütender Williamson auf dem Weg nach London, Spiegel Online vom 24. Februar 2009. Abgerufen am 24. Februar 2009. In London wurde er von der bekannten Holocaust-Leugnerin Michèle Renouf in Empfang genommen.Holocaust-denial Bishop Richard Williamson arrives in Britain, The Times online vom 25. Februar 2009. (englisch)

Die Aufhebung seiner Exkommunikation löste in der Öffentlichkeit, aufgrund der zeitgleich bekannt gewordenen Holocaustleugnung Williamsons (in Deutschland ein Offizialdelikt), Unverständnis und Empörung aus; Menschen in vielen Ländern protestierten (unter anderem Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom). Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nannte die Entscheidung des Papstes eine Rehabilitierung, um einen Holocaustleugner „gesellschaftsfähig“ zu machen. Dies sei „unverzeihlich“ und zeige, „dass er die Versöhnung mit den Juden, die seine Vorgänger vorangebracht haben, in Frage stellt“. Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jitzchak Kohen, drohte dem Vatikan mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete unter Berufung auf katholische Theologen, dass die Leugnung des Holocausts nach dem katholischen Kirchenrecht kein Grund für eine Exkommunikation sei: Die Strafe der Exkommunikation trete nur bei schweren Vergehen gegen kanonisches Recht ein, nicht bei Vergehen gegen weltliches Recht. Ähnlich argumentierte der Kirchenrechtler Stephan Haering: „Dazu ist festzuhalten, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier betroffenen Bischöfe in keinerlei Zusammenhang mit den historischen Kenntnissen und Urteilen von Williamson steht und keineswegs diesen so etwas wie ein Gütesiegel verleiht. Dummheit oder auch Bosheit sprechen für sich, sind aber keine kanonischen Straftatbestände.“Stephan Haering: Die Pius-Bruderschaft, ihre Bischöfe und das Kirchenrecht, in: Wolfgang Beinert (Hrsg.): Vatikan und Pius-Brüder. Anatomie einer Krise, Freiburg i. Br. 2009, S. 91

Der für die Belange der Piusbruderschaft zuständige Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos erklärte, dass der Vatikan bei Aufhebung der Exkommunikation „absolut nichts“ von der Holocaustleugnung Williamsons gewusst habe und vor Bekanntwerden des Interviews das entsprechende Dekret bereits der Piusbruderschaft ausgehändigt worden sei.

Der damalige Regensburger Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller erklärte in einem am 6. Februar 2009 veröffentlichten Hirtenbrief zur Zukunft der Bischöfe der Piusbruderschaft:

Zum ausgelösten Eklat veröffentlichte der Vatikan am 10. März 2009 eine Erklärung Papst Benedikts XVI.Ausführliche Erklärung des Papstes vom 10. März 2009 Später erklärte der schwedische Bischof Anders Arborelius, dass er den Vatikan bereits im November 2008 über Williamsons Holocaustleugnungen unterrichtet habe.Peter Wensierski: Vatikan war früher als bekannt über Holocaust-Leugnung informiert; Artikel auf Spiegel Online vom 23. September 2009 Kardinal Castrillón Hoyos, der als Schlüsselfigur bei der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons gilt,Kolumbianischer Kurienkardinal Hoyos gestorben. In: Katholisch.de, 18. Mai 2018, abgerufen am gleichen Tage. widersprach dieser Darstellung.Ex-Kurienkardinal Castrillon Hoyos attackiert Bischof von Stockholm. Der Standard vom 24. September 2009

Ausschluss aus der Piusbruderschaft Am 24. Oktober 2012 erklärte der Generalobere der FSSPX, Bernard Fellay, Williamsons Ausschluss aus der Bruderschaft. Als Grund gab das Generalhaus der Gruppierung an, dass Williamson sich weigere, dem rechtmäßigen Oberen den nötigen Respekt und Gehorsam zu erweisen. Williamson hatte das ihm auferlegte Äußerungs- und Veröffentlichungsverbot mehrfach ignoriert.

Tage zuvor hatte der erste Generalassistent der FSSPX, P. Niklaus Pfluger, der (der FSSPX nahestehenden) Monatsschrift Kirchliche Umschau mitgeteilt, ein Ausschluss des Bischofs sei „unvermeidlich“, da sich dieser „durch krude Theorien ins Abseits manövriert“ habe und die Autorität des Generaloberen seit Jahren nicht anerkenne.kath.net/KNA: Ausschluss von Bischof Williamson wahrscheinlich Williamson gründete daraufhin eine neue Gruppe, die als SSPX Resistance bekannt wurde.Brian Wall, GiveSendGo hack reveals US money pouring in to West Cork nuns linked to antisemitic Catholic splinter group SSPX Resistance, 26. März 2022 auf the-beacon.ie

Einreiseverbot in Australien Im Juni 2014 verweigerte Australien Williamson die Einreiseerlaubnis, nachdem die zuständige Behörde über umstrittene Äußerungen des Bischofs informiert worden war. Das Erzbistum Canberra-Goulburn erklärte, nichts über Williamsons Einreisepläne gewusst zu haben.Australien verweigert Holocaustleugner Williamson die Einreise, kath.net, 13. Juni 2014.

Spendung einer Bischofsweihe und zweite Exkommunikation 2015 Am 19. März 2015 weihte Williamson den Priester Jean-Michel Faure im brasilianischen Nova Friburgo unerlaubt zum Bischof. Daraus ergab sich seine erneute Exkommunikation als Kirchenstrafe latae sententiae (das heißt, ohne die Notwendigkeit eines Rechtsaktes durch den Papst). Faure wurde wegen des Empfangs der Weihe latae sententiae exkommuniziert. Die Piusbruderschaft distanzierte sich von der Weihe.Piusbrüder verurteilen Weihe durch Holocaust-Leugner Williamson. kath.net, 20. März 2015

Weitere unerlaubte Bischofsweihen Am 19. März 2016 ordinierte der exkommunizierte Williamson in Nova Friburgo rechtswidrig einen weiteren Bischof, Tomás de Aquino OSB (bürgerlich Miguel Ferreira da Costa). Am 11. Mai 2017 konsekrierte er Gerardo Zendejas zum Bischof, am 14. Februar 2022 Paul William Morgan.