mini|Detail des Trampeliprospekts in der Pfarrkirche zur Ehre Gottes in Bernsbach Die Orgelbauerfamilie Trampeli aus Adorf im Vogtland stellte im 18. und 19. Jahrhundert in drei Generationen über 100 größere OrgelnMartin Blindow: Orgelgeschichte der Stadt Dortmund: Eine Dokumentation von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Berlin (u. a.): LIT, 2008, 95. vor allem für vogtländische Kirchen her.
Familiengeschichte Johann Paul Trampel wurde am 16. Januar 1708 in Oberlauterbach geboren. Er lernte bei Johann Georg Schröter in Erfurt. Um 1734 übernahm er die Werkstatt des Orgelbauers und Stadtorganisten Adam Heinrich Gruber im Zenkerschen Haus in Adorf. Trampel war an Bau und Reparatur von etwa 50 Orgeln beteiligt. Sein einziges erhaltenes Instrument befindet sich in der St.-Gallus-Kirche in Chursdorf bei Schleiz. Erbaut wurde es 1753. Dem damaligen Zeitgeschmack folgend führte Trampel ab 1759 den eleganter scheinenden, italienisch klingenden Namen Trampeli. Er starb am 5. September 1764.
Die beiden Söhne Johann Gottlob (1742–1812) und Christian Wilhelm (* 16. März 1748; † 26. Februar 1803), die den zuletzt geführten Namen des Vaters übernommen hatten, übernahmen das väterliche Geschäft. Sie bauten, zumeist unter der Führung Johann Gottlobs als bedeutendstem Mitglied der Familie, zahlreiche Orgeln im weiteren Umkreis ihrer Werkstatt. Größtes Instrument war die Orgel der Leipziger Nikolaikirche, über die Johann Adam Hiller urteilte: „Nach Silbermannscher Art vortrefflich angelegt und ausgeführt“. Hillers Beurteilung weist auf den Kern des Erfolgs der Trampelis hin, die die orgelbautechnischen Grundsätze Gottfried Silbermanns übernommen hatten, ohne dessen Schüler gewesen zu sein.Orgelbauerfamilie Trampeli bei Kirchgemeinde Markneukirchen, St. Laurentius Landwüst
Von 1806 bis 1812 lernte Christian Gottlob Steinmüller in der Werkstatt von Johann Gottlob Trampeli. Nach dessen Tod übernahm Christian Wilhelms Sohn Friedrich Wilhelm Trampeli (* 23. Februar 1790; † 2. November 1832) den Betrieb. Er blieb – handwerklich unerfahren und durch die instabile politische Lage – aber hinter den Leistungen seines Onkels zurück. Der Orgelbautheoretiker Johann Gottlob Töpfer befand die 1813 von ihm gebaute Orgel der Stadtkirche Weimar für „gänzlich mißglückt“. Sie musste wie die Orgel der Johanniskirche Plauen bald ersetzt werden.Robert Palmieri, Douglas E Bush: Encyclopedia of keyboard instruments. Routledge, 2006, S. 572. Dennoch baute Friedrich Wilhelm Trampeli bis zu seinem Tod eine Vielzahl weiterer Orgeln. Er war unter anderem in Dortmund aktiv, wo er die große, heute nicht erhaltene Orgel der Stadtkirche St. Reinoldi baute. Kurzzeitig lernte der westfälische Orgelbauer Christian Roetzel bei ihm.
Nach Friedrich Wilhelm Trampelis Tod 1832 kam der Orgelbau in Adorf zum Erliegen. Die Werkstattgebäude wurden bei einem Stadtbrand 1904 zerstört. Das Wohnhaus der Trampelis ist dagegen erhalten, aktuell (Januar 2023) aber in einem schlechten Zustand. Das Haus wurde 2022 vom Verein für klassische Musik Adorf erworben und wird u. a. mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert. Es soll zu einem multimedialen Museum für den Adorfer Orgelbau werden.Das Trampelihaus in Adorf braucht Hilfe. www.monumente-online.de, Februar 2023, abgerufen am 31. Januar 2023.
Werklisten Johann Paul Trampel(i) Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen1752Schöneck/Vogtl.St. Georgen-KircheJohann Christoph Wolf: Nachricht, wie es bey der Einweyhung der von Grund aus neuerbauten Kirche zu Schöneck … am 3. September 1752 … ist gehalten worden. Gedruckt bey Christian Friedrich Haller, Plauen 1752, S. 8. Beim Stadtbrand 1856 wohl mit der Kirche abgebrannt.1754Greiz Kirchsaal Oberes Schlossdiente nach dem Wiederaufbau der Stadtkirche St. Marien ab 1805 bis 1881 als Interimsorgel, nicht erhalten1754/55 Chursdorf bei AumaSt. Galluszentriert|160x160pxI/P10erhalten, restauriert 19991760KlingenthalRundkirche Zum Friedefürsten 1872 durch eine Bärmig-Orgel ersetztum 1760DöhlenDorfkirchezentriert|160x160pxI/P13 Beginn der Arbeiten zur Orgel, Verzögerung der Fertigstellung durch das frühe Ableben Paul Trampels 1764 und der Brandzerstörung von Haus und Werkstatt in Adorf 1768.1760StelzendorfDorfkirche1935 Überholt und umdisponiert von Ernst Poppe und Sohn (Schleiz), Einbau Zinkprospekt. Wohl in den 1960er Jahren im Sinne von Trampeli verändert, vermutlich durch Reinhard Schmeißer, Rochlitz.1763SelbStadtkirche
Orgeln von Johann Gottlob (und Christian Wilhelm) Trampeli Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen1771DöhlenDorfkirche160x160px|Trampeli-Orgel in DöhlenI/P13 1771 Fertigstellung der Orgel durch die Gebr. Trampeli, Veränderungen und Stimmtonänderung durch Poppe, Roda, um 1890. 2011 Beginn der Restaurierung und Rückführung durch Orgelbau Schreiber Zeulenroda, (krankheitsbedingt) weitergeführt 2013 durch Vogtl. Orgelbau Th. Wolf., Prospekt, Stimmungsart und Intonation nicht original. 1771GräfenwarthSt. Martin zentriert|160x160pxI/P11 Restaurierung 2007 durch Rösel & Hercher OrgelbauReferenzliste von Rösel & Hercher Orgelbau in Saalefeld, abgerufen am 28. April 2011. → Orgel1772 (?)PahrenDorfkircheI/P1920 Neubau durch Voigt, Halberstadt, darin außer 5 Registern nichts mehr erhalten1774Zollgrünnicht erhalten 1775/1778 Sirbis Valentinskirche I/P 12 Restaurierung von Vogtländischer Orgelbau Thomas WolfOrgeldisposition auf der Website des Restaurators1775ForstwolfersdorfDorfkirche160x160px|Trampeli-Orgel in ForstwolfersdorfI/P8 Restaurierung 2012–2013 durch Gerd-Ch. & Thomas Bochmann, Kohren-SahlisErläuterung und Spiel der Orgel bei YouTube→ Orgel1777Waldkirchen (Lengenfeld)Dorfkirche Prospekt erhalten, Schuster-Orgel 19071777OberböhmsdorfDorfkirche160x160pxnur Prospekt (beidseitig erweitert) und auch einige Pfeifen erhalten, Werk von W. Sauer Inh. Dr. Oscar Walcker, Frankfurt/O. (1934)1777SchleizBergkirche grundlegende Überholung der Orgel; Neubau Poppe-Orgel 1897, Neubau Kutter-Orgel 2007, Renaissance-Prospekt erhalten1782Reichenbach im VogtlandTrinitatiskirche Prospekt erhalten, Eule-Orgel 19711782WurzbachSt. Nikolauszentriert|160x160pxII/P24 restauriert 1998–2000 durch Rösel & Hercher Orgelbau → Orgel1784ArnsgrünDorfkirchezentriert|160x160pxI/P9restauriert 1962 u. 2007 (Orgelbau Waltershausen)→ Orgel1785TriptisSt. Marienzentriert|160x160pxII/P291997 Restaurierung Gebr. Hoffmann, Ostheim v.d.R., 2011 Fertigstellung Orgelbau Waltershausen → Orgel1788Oberlosa (Plauen)Dorfkirchezentriert|160x160px II/P 23 1986 grundlegend saniert1789–1791 LeipzigNikolaikirchezentriert|160x160px nur einzelne Register erhalten, histor. Bild aus 17851791Bad LausickKilianskirchezentriert|160x160px Vergrößerung der Silbermann-Orgel von 17221791Grünberg1792Unterwürschnitz (Mühlental)Dorfkirche1792–1794BeuchaBergkirche Reparatur und Erweiterung eines vorhandenen pedallosen Orgelwerks; danach mehrfach verändert1793Prittitz1794TheißenDorfkirche1795ZitzschenDorfkirchezentriert|160x160px1795SchönheideMartin-Luther-KircheFritz Oehme: Handbuch über ältere und neuere Orgelwerke im Königreiche Sachsen. Band 3. Chemnitz 1897, S. 245. Mit einer Disposition der Orgel (Digitalisat der SLUB Dresden).160x160px Prospekt anders zusammengestellt erhalten, Jehmlich-Orgel 19031796–1800Kleinkorbetha 1798–1800Rothenkirchen (Steinberg)Dorfkirche gemeinsam mit Christian Wilhelm Trampeli1800/1801WerdauSt. Marienzentriert|160x160pxII/P31Gehäuse und Prospekt erhalten, neue Jehmlich-Orgel 1984/19851802–1803GerichshainKirche Gerichshainzentriert|160x160pxI/P12gemeinsam mit Christian Wilhelm Trampeli; original erhalten (außer Spieltisch): Disposition1802–1804StraßbergEv.-luth. Kirchezentriert|160x160pxII/P18 restauriert von 1971–1972 (Jehmlich) und 1998 (Groß & Soldan)Darstellung bei Trampeli-Orgel Straßberg → Orgel1803GössitzDorfkirchezentriert|160x160pxII/P20restauriert bis 2023 → Orgel1803–1806MarkersbachSt. Barbarazentriert|160x160pxI/P15restauriert 1988 durch Georg Wünning1806 Bedra (Braunsbedra)St.-Andreas-GnadenkircheProspekt erhalten1806Claudia Crodel: Das Instrument schwieg 50 Jahre. meine-kirchenzeitung.de vom 30. August 2023, abgerufen am 5. Januar 2024.GröstSt. KilianII/P25restauriert 2023 durch Orgelwerkstatt WegscheiderOrgelübersicht bei Orgelwerkstatt Wegscheider, abgerufen am 5. Dezember 2024. Orgel1807GefellStadtkirche Unserer lieben Frauzentriert|160x160pxII/P24restauriert 1996–1999 durch Rösel & Hercher sowie 2006 durch Orgelbau Waltershausen (Windladen)Kirchengemeinde Gefell → Orgel1807OelzschauKircheI/P141808–1810SornzigMartin-Luther-Kirche160x160px1809BernsbachPfarrkirche zur Ehre Gottes Prospekt erhalten, Jahn-Orgel 19081812NeustädtelLiebfrauenkirche Prospekt erhalten, Eule-Orgel 1981
Orgeln von Friedrich Wilhelm Trampeli Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen1816PlauenJohanniskirchenicht erhalten, derzeit Jehmlich-Orgel aus 19661817Podhradí u AšePfarrkircheProspekt erhalten1818AumaStadtkirche Unser lieben Frauen II/P29erhalten, 1894 Umdisponierung durch C. F. Zillgitt, 2023–2025 Restaurierung/Rückführung durch Frank Peiter1819NeumarkDorfkirche Prospekt teilweise erhalten, die Schüßler-Orgel von 1978/1979 wurde 2008 grundlegend überholt1820EbersbrunnKreuzkircheII/P16 Prospekt erhalten, 2004 neue Orgel von Christian Reinhold (Bernsdorf) unter Verwendung größtenteils orig. Pfeifen aus der Schusterorgel von 19381820DobiaDorfkirchezentriert|160x160pxI/P10erhalten, restauriert 2019 → Orgel1821ZeulenrodaDreieinigkeitskirche1925 Neubau durch Gebr. Jehmlich, Dresden; mit Prospekt im Stil des Originals. Orgel1822Irfersgrün (Lengenfeld)Dorfkirche Prospekt erhalten, Müller-Orgel 18871822Landwüst (Markneukirchen)Laurentiuskirche160x160pxI/P10 restauriert 1992/19931822WindischleubaSt. NikolausII27Umbau durch O. Ladegast 1923, restauriert 1992–2006 durch G.-C. BochmannGemeindebrief Essingen/Windischleuba 2006, abgerufen am 15. Februar 20171823Schönau (Wildenfels)Rochuskirche1824LichtentanneSt. Barbara (Lichtentanne)mini|St. Barbara in Lichtentanne, Zustand um 1910I/Pnicht erhalten1825BischofswerdaChristuskirche Prospekt erhalten, Neubau 1879 durch Hermann Eule1826WilthenEv. luth. Kirchezentriert|160x160pxII25nicht erhalten, 1902 durch Eule-Orgel ersetzt1827Niederwiera (Oberwiera)Dorfkirche1828Ruppertsgrün bei WerdauDorfkirche Prospekt erhalten, Jahn-Orgel 19131829MoselDorfkirche restauriert von Alfred Schmeisser 1927
Beteiligung 1796: Einbau des Haupt- und Brustwerkes der Orgel aus der Leipziger Nikolaikirche durch Christian Wilhelm Trampeli, einem Werk von Zacharias Thayßner aus Merseburg von 1593/94 mit 2 Manualen und 22 Registern, in der Kirche St. Moritz Taucha
Weblinks
Über die Orgelbaufamilie Trampeli auf der Website der Stadt Adorf/Vogtl. Orgelbau in Adorf mit Darstellung der Familie Trampeli Trampeli-Orgel in Forstwolfersdorf bei YouTube, Erläuterung mit Klangbeispielen Orgelbauerfamilie Trampeli im Organ index
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauunternehmen (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Sachsen